Bakar in der Kvarner Bucht: Einst Tunfischparadies, heute sind auch die „Tunfischleitern“ weg

mare-mundi Sommer-Themenschwerpunkt 2016: Die Tunfische und ich

ein Bericht von Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

 

Sind sie in den letzten Jahrzehnten durch Bakar einige Kilometer südlich von Rijeka gefahren? Dann sind Ihnen vielleicht drei seltsame, schräg stehende „Holzleitern“ aufgefallen, stumme Zeugen für eine Zeit, als im Mai und im August bis September riesige Thunfischschwärme in die Bakar-Bucht schwammen. Das Wasser über den Thunfischschwärmen kräuselte sich in charakteristischer Form, sagen die Berichte von damals. Die Fischer von Bakar verkauften ihre reiche Beute nicht nur in das nahe gelegene Rijeka, sondern auch Venedig, Triest und andere Städte.

Nun sind auch zwei dieser drei Spuren der „guten alten Zeit“ verschwunden, die hölzernen Ausguckposten.

Irgendwie stimmt dieser Verlust traurig. Bakar ist ein wunderschönes altes Städtchen, aber das massiv ausgebaute industrielle Umfeld zerstörte im 20. Jahrhundert die Möglichkeiten der touristischen Nutzung.

Bis in die 1980er verwendete Leitern zum Sichten von Thunfischschwärmen in Bakarac in der Bucht von Bakar (wenige Kilometer südlich von Rijeka, Kvarner Bucht). Foto: Wikipedia, Joadl (Galerie) https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Joadl

Bis in die 1980er verwendete Leitern zum Sichten von Thunfischschwärmen in Bakarac in der Bucht von Bakar (wenige Kilometer südlich von Rijeka, Kvarner Bucht). Foto: Wikipedia, Joadl (Galerie) https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Joadl

Hubert Beyerle schreibt in seinem DuMont Reise-Handbuch Kroatien unter „Die östliche Adria – Überfluss und Überfischung“: Die zum Laichen in die flachen Buchten zurückkehrenden Thunfische schwammen früher so dicht an dicht, dass man bei engen Buchteinfahrten wie der von Bakar meinte, über ihre Rücken zum gegenüberliegenden Ufer spazieren zu können. Obwohl es den Roten Thunfisch und den kleineren Weißen Thunfisch noch gibt, lohnt es sich heute nicht mehr, ihn zu fangen, die Schwärme sind zu klein geworden. Bis zu 20 km lange Treibnetze haben den Bestand an die Grenzen der Auslöschung gebracht.

Der imposante Rote Tun oder Blauflossentun (Thunnus thynnus), der einst bis in die Nordadria vorgekommen ist, um dort zu laichen . Foto: Wikipedia, National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA), Photo Library, http://www.photolib.noaa.gov

Der imposante Rote Tun oder Blauflossentun (Thunnus thynnus), der einst bis in die Nordadria vorgekommen ist, um dort zu laichen . Foto: Wikipedia, National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA), Photo Library, http://www.photolib.noaa.gov

 

Und in Wikipedia lesen wir unter „Bakar“: https://de.wikipedia.org/wiki/Bakar_(Stadt) :… In der Vergangenheit war Bakar ein bedeutendes Zentrum des Thunfischfangs an der nördlichen Adria. Bei der Ortschaft Bakarac sind noch drei restaurierte, schräge Holzleitern zu sehen, die am Ufer aufgestellt waren und bis in die 1980er Jahre als Aussichtspunkte für die Fischer dienten. Im Mai und August/September kamen die Thunfischschwärme in die Bucht. Das Wasser über den Schwärmen kräuselte sich in charakteristischer Form. Sofort versperrten die Fischer die Bucht, aus der die Thunfische nun nicht mehr entkommen konnten. Zu den besten Zeiten versorgten die Fischer von Bakar nicht nur das nahe Rijeka, sondern auch Triest und sogar Venedig mit Thuna. Durch die Überfischung des Mittelmeers lohnt sich der Aufwand heute nicht mehr.