Bambi-Syndrom, lila Kuh, gelbe Enten: Bei Schulprojektwochen der Naturentfremdung entgegenwirken

Forscher machen sich Sorgen, Studien belegen es, der Trend ist eindeutig: Da scheint ganz elementares Naturwissen nachhaltig verloren gegangen zu sein. Mitten zwischen Beton, Abgasen, Lärm, Kommerz, Leistungsdruck und Stress wachsen Generationen heran, die eher (oder nur noch) mit der digitalen Welt als mit der realen verwachsen sind, eher mit dem WWW, dem weltweiten Internetnetz statt mit dem Netzt der natürlichen Zusammenhänge zwischen der unbelebten Natur, Mikroorganismen, Bäumen, Pilzen, Tieren und uns Menschen. MareMundi setzt sich bei Schulprojektwochen dafür ein, dass Jugendlichen die Nähe zur Natur schmackhaft gemacht wird, dass sie für das eigene Leben etwas Wesentliches entdecken: die Biophilie, die Liebe zum Leben. Geben wir den Natur eine Chance und wieder mehr Raum! Wie von allein verspürt man dann mit der Zeit den Drang mehr über sie zu erfahren.

 

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MareMundi bringt Kids und Jugendliche zurück zur Natur.

 

Wo geht die Sonne auf?

Elementare Fragen zum alltäglich größten, sichtbaren Himmelskörper, der Sonne, werden großenteils falsch oder gar nicht beantwortet. Der Trend ist eindeutig: Da scheint ganz elementares Naturwissen nachhaltig verloren gegangen zu sein. Wissen zwei Drittel der jungen Generation nicht mehr, wo Osten liegt?

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Bambi, lila Kuh, gelbe Enten und das Natur-Defizit-Syndrom

Psychologen und Psychiater sprechen bereits seit Jahren von einer Diagnose, dem nature deficit disorder, dem Natur-Defizit-Syndrom. Die zunehmende Entfremdung von der Natur treibt seltsame Blüten, und bereits Mitte der 1990er Jahre zeigte ein zwischenzeitlich berühmtes, vielzitiertes Experiment in Bayern, dass 30 Prozent von 40.000 teilnehmenden Kindern eine Kuh in Anlehnung an die Werbung eines Schokoladenherstellers in der Farbe Lila ausmalten. Während bei einer weiteren Befragung von Kindern im Jahre 1997 sieben Prozent von ihnen glaubten, dass Enten gelb seien, waren es 2003 bereits elf Prozent.

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Naturerfahrung und Lernen zum Vergnügen zu machen ist unser Ziel.

 

Wir haben uns nicht auf Beton und Asphalt entwickelt …

Das klingt zwar nach einem Scherz, ist aber nicht lustig und bloß ein winziges Symptom eines größeren, beunruhigenden Ganzen. Denn die Entwicklung ist rasend schnell und kann sich mit zunehmender Naturzerstörung nur noch weiter verschlimmern. Zunehmende Naturzerstörung – zunehmende Naturentfremdung, diese Rechnung stimmt leider in jeder Hinsicht. Fehlende Empathie der Natur gegenüber (wie könnte sich die auch von Beton umgeben entwickeln?), Nichtkenntnis über Arten, Vorgänge und Phänomene der natürlichen Umwelt, das Nicht-mehr-Erleben von Rhythmen, Zyklen und Erscheinungen unserer Welt – all das wird schwerwiegende Folgen für Individuen und Gesellschaften haben. Orientierungs- und Zugehörigkeitsverlust bei Jugendlichen ist erst der Anfang unzähliger Negativsymptome. Nein, wir haben uns nicht auf Beton und Asphalt entwickelt. Der Mensch ist wie ein Pilz – schützt man ihn vor dem Regen, kann er nicht wachsen und sich entwickeln, formulierte der tschechische Humorist Pavel Kosorin.

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Für viele Schüler eine neue Erfahrung: Mit Kescher ausgestattet schnorchelnd „auf die Jagd“ zu gehen. Doch Biophilia, die Liebe zum Leben, lehrt uns auch: Wir sehen uns die Tiere nur kurz an, behandeln sie vorsichtig und bringen sie genau in jenen Lebensraum zurück, in dem wir sie gefangen haben. Das ist vielleicht der wichtigste Teil der Lektion, Empathie und Verständnis für die Lebewesen zu entwickeln.

 

Alarmierender Jugendreport 2016 zur Naturentfremdung: Bananen und Kokosnüsse in unseren Wäldern

Auch eine aktuelle, von der Universität zu Köln initiierte Studie 7. Jugendreport Natur 2016 kommt zu ähnlichen Schlüssen. Elementares Naturwissen scheint nachhaltig verloren gegangen zu sein, lautete das erschreckende Ergebnis der Befragung unter insgesamt 1253 Sechst- und Neuntklässler an elf Schulen in Nordrhein-Westfalen zu Naturthemen. Jugendliche scheinen immer weniger über die Natur zu wissen, und gerade 35 Prozent der Schüler wusste, in welcher Himmelsrichtung die Sonne aufgeht. Auf die Frage: Nenne drei essbare Dinge, die im Wald oder am Waldrand wachsen konnten lediglich zwölf Prozent der Jugendlichen eine passende Antwort geben. Man kann sich also ausrechnen, welchen Stellenwert die Pilze für sie spielen. Manche waren gar der Meinung, in deutschen Wäldern findet man auch Bananen und Kokosnüsse. Nur fünf Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, sich aktiv an Naturschutzprojekten zu beteiligen.

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Natur direkt und unmittelbar erfahren und eine Beziehung zu ihr zu entwickeln ist wichtig für die psychologische Entwicklung von Jugendlichen und die Zukunft der ganzen Gesellschaft. Daher führen die Pädagogen von MareMundi die Jugendlichen in unwegsames Gelände, in dem es beispielsweise große Wolfsspinnen gibt, die ihren Nachwuchs auf dem Rücken mit sich herumtragen.

 

Der Trend ist eindeutig: Elementares Naturwissen ist nachhaltig verloren gegangen

Das Forscherteam aus Köln alarmiert: Der Trend ist eindeutig: Da scheint ganz elementares Naturwissen nachhaltig verloren gegangen zu sein. Mit der zunehmenden Technisierung des Alltags geht ein Wandel einher, der das Verhältnis von Jugendlichen zur Natur nachhaltig verändert.

 

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Die Unterwasserwelt des Mittelmeeres entdecken – für viele Schüler ist es überhaupt zum ersten Mal. Naturgemäß kennen die allermeisten Schüler keine einzige Fischart, Gattung oder Fischfamilie, kaum etwas über ihre Lebensweise und die Bedeutung für das Ökosystem. Im Bild ein Schriftbarsch (Serranus scriba) aus der Familie der Sägebarsche.

 

Die Natur ist immer gut: das Bambi-Syndrom und eine pseudoreligiöse Naturverklärung

Ein anderes psychologisches Phänomen, welches das bisher beschriebene nur unterstreicht, ist das so genannte Bambi-Syndrom. Anstelle die Natur so (brutal) zu verstehen wie sie ist, schaffen sich Kinder und Jugendliche zunehmend eine verfremdete, unwirkliche Natur, wie sie vielleicht in Comic-Heften, Disney-Filmen und Kinderbüchern vorkommt: Eine harmonische, idealisierte Scheinwelt mit pinkfarbenen, glücklichen Kreaturen und immer wieder auch netten Fliegenpilzen. Sich dann mit der realen Natur abzufinden fällt noch schwerer, und das Natur-Defizit-Syndrom kommt um so mehr zum tragen. Bäume zu pflanzen ist gut, Bäume zu fällen ist böse, und der Jäger ist sowieso ein Mörder. Von Naturverbundenheit und wahrer Biophilia keine Spur. Die Natur hat viele Gesichter und sie so wie sie sind zu akzeptieren ist ein Teil der Liebe zum Leben. Prädatoren und Parasiten gehören seit jeher dazu, auch wenn es uns schwer fällt sie zu lieben, doch müssen wir sie zumindest als Teil der Realität akzeptieren.

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Bei MareMundi erhalten Studenten die Chance, im Rahmen von Praktika mehr über die Natur zu lernen und sich auf den Beruf des Biologen oder Lehrers besser vorzubereiten.

 

Die natürlichen Ursprünge unseres Planeten wieder in den Mittelpunkt zu stellen

Das Forscherteam aus Köln stellt leider fest: Das Interesse der Jugend bewegt sich offensichtlich immer weiter weg von den natürlichen Ursprüngen unseres Planeten – und das gilt auch für viele der Älteren. Seit Jahren bemüht sich MareMundi mit seiner Schule am Meer durch intensive naturpädagogische Arbeit diesem scheinbar unaufhaltsamen Trend entgegen zu wirken.

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Durch welche Fragen die Forscher zu ihren Ergebnissen gekommen sind, können Sie beispielsweise hier nachlesen. Im Internet finden sich unzählige Beiträge zum Thema Naturentfremdung.

 

Bericht und Fotos: Dr. Robert Hofrichter, MareMundi.eu

 

Geben Sie Ihren Schülern und Kindern die Chance das Meer und die Natur näher kennen zu lernen – unter kompetenter Führung des MareMundi-Teams!

 

Unter Aktuelles bietet MareMundi regelmäßig spannende und interessante Berichte über das Meer!

 

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  1. […] MareMundi auf dieser Webseite mit einem schwerwiegenden Problem der Gegenwart auseinander gesetzt: Bambi-Syndrom, lila Kuh, gelbe Enten: Bei Schulprojektwochen der Naturentfremdung entgegenwirken. Der Chronobiologieforscher Max Moser schrieb dazu: Löst der Mensch sich von der natürlichen […]

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