Bedrohte Posidonia-Wiesen im Mittelmeer – Projekt an der MareMundi Station Krk

Seegraswiesen, vor allem die endemische Posidonia oceanica, gehören zu den ökologisch wichtigsten, gleichzeitig aber zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen des Mediterrans. In den letzten Jahrzehnten wurde in vielen Regionen ein Rückgang der Seegraswiesen festgestellt; an manchen Stellen, etwa in Teilen der Nordadria, ist Posidonia ganz verschwunden. Nationale und internationale Studien, Projekte und Initiativen arbeitet daran weitere Erkenntnisse über Seegraswiesen und ihre Dynamik zu gewinnen­ und Strategien für langjähriges Monitoring und Management zu entwickeln. Auch mare-mundi auf Krk möchte einen Beitrag leisten.

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Nur auf den ersten Blick ein eintöniger Lebensraum: Posidonia oceanica, das Neptungras. Diese endemische Seegrasart ist für die Ökologie des Mittelmeeres entscheidend.

 

Einige Fakten zu Posidonia oceanica

  • Posidonia-Wiesen sind nach den Richt­linien von UNEP besonders schützenswerte priority habitats.
  • Die UNEP hat Posidonia wie nur wenigen anderen Arten nach fünf Kriterien (vulnerability, heritage value, rarity, aesthetic, economic significance) viermal die Note 1 vergeben.
  • Das einzige Kriterium, das mit Note 2 beurteilt wurde, ist die Seltenheit (rarity) – was die Tatsache widerspiegelt, dass Posidonia im mediterranen Küstenlebensraum bis 40 m Tiefe (je nach Klarheit des Wassers) in den entsprechenden Lebensräumen und unter natürlichen Umständen nahezu überall vorkommt.
  • Diese Vorkommensgrenzen sind jedoch weder unveränderlich noch konstant. Aus einigen Regionen des Mittelmeeres – z. B. Kvarner Bucht, Bereiche vor Istrien oder an der Côte d’Azur – sind Posidonia-Wiesen bereits verschwunden.
  • Durch die zunehmende Trübung des Wassers können tiefere Bestände allmählich verschwinden, da sie nicht mehr ausreichend Licht erhalten.

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Auf diesem Bild aus Griechenland ist neben dem Neptungras noch eine zweite, kleinere Seegrasart zu sehen. 

Seegraswiesen – ein bedrohter Lebensraum

Die Gründe für den Posidonia-Rückgang sind, wie in solchen Fällen so oft, mannigfaltig und durch Wechselwirkungen miteinander verknüpft, so dass es schwer bis unmöglich ist, den prozentualen Anteil eines einzelnen Faktors am Umweltdesaster festzulegen. Als sicher gilt, dass sich Veränderungen der Strömungsverhältnisse, der traditionellen Wasserbewegung einer bestimmten Region durch Baumaßnahmen wie Hafenanlagen, Molen, Schutzdämme und die durch Schiffsschrauben verursachten Turbulenzen negativ auf Seegraswiesen auswirken. Strömungsverhältnisse können sich zwar längerfristig auch unter natürlichen Bedingungen ändern, selten jedoch so rasant wie bei menschlichen Eingriffen. Posidonia-Wiesen sind offensichtlich äußerst „konservativ“, sie dehnen sich nicht wesentlich aus und gedeihen über lange Zeiträume an den gleichen Standorten. Das geht aus den enormen Stärken der Rhizom- und Sedimentschicht hervor – bis zu acht Meter starke Matten wurden bereits ermittelt.

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Seegraswiesen und Algenbestände – das so genannte Phytal des Meeres – sind entscheidend für das Ökosystem Ozean. Ohne sie wäre das Leben im Meer in seiner bunten Vielfalt undenkbar. Diese pflanzliche, photosynthetisch aktive Komponente des Ökosystems produziert nicht nur Sauerstoff und Biomasse, sondern strukturiert auch den Lebensraum, in dem eine Vielzahl von Organismen leben kann. Ohne Phytal kein Leben! Das Phytal muss mehr als bisher geschützt werden, doch setzen ihm viele schädliche Umwelteinflüsse zu, etwa die ganze Fracht der chemischen Belastung, die wir ins Meer bringen.

Hinzu kommt direkte mechanische Schädigung durch Anker und diverse Fangwerkzeuge der Fischer wie etwa Bodenschleppnetze. So verursachte Wunden in Posidonia-Matten können vielfach nicht mehr heilen, da ihr Wachstum langsam ist, mit Akkumulationsraten bis zu einem Zentimeter pro Jahr). Übermäßiger Eintrag von Nährstoffen (Eutrophierung) kann die Posidonia auch direkt schädigen, indirekt führt sie zu einer Trübung des Wassers und einer Reduzierung des Lichtangebots. Seegräser sind lichthungrig, tiefergelegene Bestände verkümmern. Das erhöhte Nährstoffangebot führt zum Wuchern von Algen, die sich auf den Seegrasblättern festsetzen und diese ersticken. Für Posidonia nachteilig sollen sich auch Tenside auswirken, grenzflächenaktive Stoffe, wie sie in Reinigungs- und Waschmitteln enthalten sind. Im Hinblick auf die Umwelt „harte“ Tenside werden biologisch nur unzureichend abgebaut.

 

mare-mundi führt mit finanzieller Hilfe von MARUBIS e.V. auf Krk ein Projekt durch

Alexander Heidenbauer, BSc. und Roberto Pineyro, BSc. von der Universität Wien beginnen derzeit an der mare-mundi Station Krk zwei Projekte zur Untersuchung der Posidonia-Wiesen der Kvarner Bucht:

  • Anthropogenic effects on the molluscan assemblages of shallow water Posidonia oceanica fields in the Kvarner bay (Croatia).
  • Anthropogenic effects on Posidonia oceanica fields in the Kvarner Bay (Croatia) inferred by a live-dead study of seagrass-associated molluscs.

Das Projekt wird finanziell von Marubis – Mariner Arten – und Biotopschutz e.V. mitgetragen. mare-mundi dankt für diese wichtige Unterstützung im Interesse des Mittelmeerschutzes!

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Meeroliven am Strand des Mittelmeeres – ein relativ seltener Anblick. Das sind Früchte der Seegräser. Dazu muss man wissen, dass sie keine Algen sind und mit diesen nur entfernt verwandt, sondern einkeimblätrige („höhere“) Pflanzen (Monokotyledonae). Sie sind aber auch keine Gräser im botanisch-systematischen Sinn. Weltweit wurden etwa 40 Arten in 11 Gattungen beschrieben. Die fünf im Mittelmeer natürlich vorkommenden Seegrasarten sind Posidonia oceanica (Neptungras), Zostera marina (Kleines oder Echtes Seegras), Zostera noltii (Zwerg-Seegras), Cymodocea nodosa (Tanggras) und Ruppia maritima (Geschnäbelte Salde). Nur P. oceanica ist im Mittelmeer endemisch, die anderen drei Arten kommen ebenso im Atlantik, Zostera auch im Schwarzen Meer vor.

 

4.1.1

Die Seegraswiesen stecken voller Geheimnisse, ihre Bewohner leben versteckt und bleiben den meisten Tauchern und Schnorchlern verborgen. Im Bild der Seegrasschildfisch Opeatogenys gracilis (Familie Gobiesocidae), eine hochspezialisierte Art in Seegraswiesen. Ein beträchtlicher Teil der mediterranen Biodiversität findet sich gerade in diesem Lebensraum.

 

Fotos und Bericht: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

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  1. […] in den vorangegangenen Berichten (Die ökologische Bedeutung der Seegraswiesen und Bedrohte Posidonia-Wiesen im Mittelmeer) zu lesen, handelt es sich bei Seegraswiesen, speziell Posidonia-Wiesen um Lebensräume enormer […]

  2. […] zwei Tagen haben wir über den Start eines Projekts bei MareMundi Station Krk berichtet. Dass der Bestand an Seegraswiesen im Mittelmeer zurückgeht, steht leider außer […]

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