MareMundi Trogir: Hippokampen und die legendären Seepferdchen

Die Verbindung zwischen Naturwissenschaft und Kulturgeschichte ist rund um das Mittelmeer allgegenwärtig. In Wirklichkeit – und wenn man es genau nimmt – lassen sich die beiden Wissensgebiete kaum voneinander trennen. Das hat mehrere gewichtige Gründe, einer davon ist, dass sich die großen Naturforscher jener Zeit wie Linné, Cuvier und andere bei der Namensgebung von der antiken Mythologie inspirieren ließen. Und so ist neben all den spannenden biologischen Geschichten zu jeder Art (etwa das “Austragen” der Jungfische durch Männchen der Seepferdchen) auch die Etymologie der Namen ein mehr als lohnenswertes Forschungsgebiet. In diesem Kurzartikel schildert MareMundi die Geschichte der Hippokampen – für alle, die sozusagen klug sein wollen, denn nach dem Seepferdchen ist in der Anatomie ein Teil des Gehirns, der Hippocampus benannt.

4.1.1Ein Langschnäuziges Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) Cuvier, 1829 aus dem Mittelmeer. Das mythologische Meeresungeheuer Hippokamp ist der Namenspatron der Seepferdchen. Foto: Robert Hofrichter.

Was ist ein Hippokampos? Schüler können bei MareMundi mehr darüber lernen!

Die Seepferdchen tragen bereits seit dem 16. Jahrhundert den Namen Hippocampus, seit einer Zeit also, als noch keine einheitliche wissenschaftliche Namensgebung existiert hat. Namenspatron war das mythologische Meeresungeheuer Hippokamp. Warum die Naturforscher diesen Namen gewählt haben, ist unschwer zu erkennen: Die Körperform der Seepferdchen ist für Fische recht ungewöhnlich (sie sehen gar nicht wie ein Fisch aus), die Ähnlichkeit mit der mythologischen Gestalt hingegen ist auffällig: Ihr Kopf ähnelt eher dem eines Pferdes, der Hinterleib eher einem Wurm. Gemeinsam mit den Fetzenfischen und weiteren Familien bilden sie die Verwandtschaft der Seenadelartigen (Syngnathiformes), eine eigene Ordnung der Knochenfische.
images
 
Ein Hippokamp oder Hippokampos (griechisch ἱππόκαμπος, von ἵππος für Pferd und κάμπος  für Seeungeheuer auf einer alten Münze. In Darstellungen der griechischen Mythologie – wie hier auf Münzen – wird der Hippokamp als Zug- oder Reittier verschiedener Meeresgötter dargestellt. Das Vorderteil hat manchmal Flügel, der hintere Fischteil mit Rückenflosse ist oft eingerollt wie eine Schlange: vorne ein Pferd, hinten ein Fisch. Die Schreibweise Hippocamp geht auf die lateinische Form hippocampus zurück. Foto aus: https://www.numisbids.com/n.php?p=sale&sid=362
 
unknown
Der berühmte Conrad Gessner (1516 – 1565) hat in seinem Historiae animalium auch ein Hippokamp dargestellt. Conrad Gessner, Thierbuch, Zürich, 1563.
 
Posidonia oceanica 1
Seepferdchen finden sich in verschiedenen Lebensräumen, häufig auch im Seegras oder in Algenbeständen. Doch sind Hippocampen anpassungsfähig und kommen auch auf Hartböden und Sandgrund vor (er reicht eine winzige, kleine Struktur), auf dem unteren Bild sieht man ein gelbes Exemplar in der Nähe des Schwammes Aplysina aerophoba. Foto: Robert Hofrichter.
trogir_diving_mare-mundi_hofrichter_meeresbiologie_exkursion_projekttage _projektwoche_schule_meer_mitttelmeer66
Gelbes Exemplar eines Seepferdchens bei Trogir. Foto: Regina Radax.
Besonders gut kann man Seepferdchen rund um die neue meeresbiologische Station von MaeMundi Trogir beobachten. Schüler, Studenten, Taucher, Schnorchler und andere Naturfreunde haben nicht nur die Möglichkeit die Tiere beobachten zu können, sondern auch viel über ihre ungewöhnliche Biologie und Kulturgeschichte zu lernen. Wie freuen uns auf Ihren Besuch!

MareMundi braucht für seine Meeresschutz-Aktivitäten auch Ihre Hilfe!

Bericht: Dr. Robert Hofrichter, mare-mundi.euoffice@mare-mundi.eu