Bioakustik der Delphine bei der Schule am Meer

Jan Gohla bei der Schule am Meer auf der kroatischen Insel Krk

Am vergangenen Wochenende machte sich das Team der Schule am Meer mit dem engagierten Biologie- und Chemielehrer Jan Gohla mit dem Schiff auf die Suche nach Delfinen. Auf dem Schiff hatten wir ein sehr wichtiges Werkzeug mit und zwar ein Hydrophon. Dieses Hydrophon wurde von unserem Delphin interessierten Lehrer und Forscher Jan angefertigt. Wir Daniela Kerekes und Astrid Hickmann haben Jan Gohla über seine Arbeit mit Delphinen befragt.

Jan Gohla im Interview:

Seit wann und wodurch gibt es dieses Interesse für Bioakustik?

Das Interesse für Bioakustik bekam ich vor sechs Jahren bei einem Urlaubsausflug auf La Gomera, im Rahmen eines Whale-Watching Trips. Bei diesem hörte ich das erste Mal Töne durch so ein Hydrophon und war sehr begeistert davon.

Nach einer Weile gab es ein Projekt des Duisburger Zoos bei dem ich mich das erste Mal mit der Technik des Hydrophons auseinander gesetzt hatte. Das selbst fertigen eines Hydrophons kam durch ein Schulprojekt. Eine Schülerin hatte sich im Rahmen eines Leistungsprojektes, einer vorwissenschaftlichen Arbeit, mit dem Thema Bioakustik beschäftigt. Für diese Arbeit wäre ein Hydrophon zu teuer gewesen.

Wo liegen denn die Kosten für ein Hydrophon?

Die billigeren, die nach einem Mal nicht mehr zu gebrauchen sind, liegen bei 600 Euro, die hochwertigen Hydrophone liegen in einer Preisklasse zwischen 1.000 und 2.000 Euro liegen. Da kam mir die Idee ein Hydrophon billig und gut nachzubauen. Im Laufe der Zeit habe ich schon einige Hydrophone für verschiedene Wissenschaftler angefertigt wie für eine Whale-watching Organisation auf La Gomera, für meine ehemalige Schülerin, für den Süd-West Rundfunkt und einige Interessenten des Zoos Duisburg.

Was muss man alles beachten bei dem Bau eines Hydrophons?

Das wichtigste ist die richtige Keramik, als zweites sind die Vorverstärker wichtig, da es bei zu großem Eigenrauschen kein gut erkennbares Datenmaterial gäbe.

Verkaufst du die Hydrophone?

Die Hydrophone werden nicht verkauft, sondern verschenkt, da es ja keine teuer produzierten Hydrophone sind. Die Materialkosten sind relativ überschaubar. Die Kabel sind die teuersten Materialien. Es kommt immer etwas zurück – wie ein gutes Essen – und es ist schön zu sehen, dass spannende Daten gesammelt werden und das Wissen über die Bioakustik sich vergrößert.

Wie lange dauert es ein Hydrophon zu bauen?

Ich brauche im Großen und Ganzen drei Tage für den Bau eins Hydrophons. Man könnte es auch an einem Tag schaffen, wenn man durcharbeitet.

Was wäre wichtig für eine Masterarbeit über Delfine und Bioakustik zu wissen?

Man braucht eine Menge Geduld, da man diese Tiere nicht regelmäßig sieht. Wenn man Delfine sichtet ist es wichtig sie von einer gewissen Nähe beobachten zu können und zu prüfen, ob diese Tiere Signale von sich geben.

Es gibt eine besondere Methode, die Sigid Methode – Signature Identification Methode – die es erleichtert die Signaturlaute der Individuen zu identifizieren. So kann man erkennen um welche Tiere es sich handelt. Ob sie zu ein und derselben Schule gehören oder gelegentliche Besucher sind. Im Großen und Ganzen kann man dann feststellen wie groß die Delfinschule ist und welche regelmäßig auffindbar sind.

Also kann man jedes Tier durch seine Signale erkennen?

Ja genau. Jedes Tier ist durch sein individuelles Signaturgeräusch erkennbar.

Gibt es auch eine Datenbank von diesen Signaturlauten?

Nein von diesen Lauten gibt es überhaupt kein Material. Es würde aber die Erforschung der großen Tümmler in der Adria sehr erleichtern und bei der Charakterisierung helfen.

Was wäre wichtig für das Gebiet der Kvarner Bucht bezüglich der Bioakustik?

Für hier wäre es fürs Erste wichtig wie sich die Vokalisation im Jahresgang vor dem Hintergrund des Schiffsverkehrs verhält. Interessant wäre, die Lärmverschmutzung in der Kvarner Bucht zu messen, da diese lauten Speedboote die Delfine bedeutend stören könnten. Es gibt verschiedene Methoden:

Man könnte mit einem Hydrophon dreimal am Tag immer zur gleichen Stelle hinausfahren, um dort dann für ca. 10 Minuten die Geräusche zu messen. Dies schaut man sich dann im Laufe eines ganzen Jahres an. Dadurch kann man Amplituden feststellen, zu welchen Zeiten mehr Lärm ist. Diese Messung kann man natürlich nicht durchgehend ausführen. Die Daten werden durch statistische Verfahren erfasst.

Natürlich könnte man durch ein autonomes Hydrophon an Bojen fortgeschrittene Bioakustik betreiben. Das wäre aber ziemlich anspruchsvoll und intensiv.

Gibt es in der Adria schon viele Daten über Delfine oder Delfinlaute?

Die nördliche Adria ist noch wenig erforscht hinsichtlich der Frequenz, in der sich die Laute der Delfine befinden. Man Könnte die Vokalisationsmuster von anderen, mehr erforschten Gebieten hernehmen und als Vergleichsmaterial verwenden. Möglicherweise unterscheiden sich die Frequenzen deutlich von denen der Nordadria.

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Das Hydrophon wird ins Wasser gelassen. Als erstes sind die auffälligen Geräusche der Pistolenkrebse zu vernehmen – und die Lärmverschmutzung der Motorboote.

Kann man es sich dann so vorstellen,  dass Delfine verschiedene Sprachen sprechen?

Ja, so ähnlich. Man muss immer vorsichtig sein mit Anthropomorphismen, aber man könnte es etwa damit vergleichen, als würden diese Delfine verschiedene Dialekte sprechen.

Welche sind für dich die spannendsten Ergebnisse der Bioakustik?

Erstens: Der Klickgebrauch von tieftauchenden Schnabelwalen. Die Klickgeräusche werden im hochfrequenten Bereich umgestellt.

Zweitens: Orcas mit deren Sozialstruktur. Sie nehmen sich aus einer Sammlung von verschiedenen Rufmustern ein paar Rufe hinaus und verwenden es als ihr matrilinien spezifisches Rufmuster, um z. B. Inzucht zu vermeiden.

Drittens: Signaturpfiffe und zwar wie sich die Tiere Namen geben und das eben die Laute kontextspezifische genutzt werden.

Viertens: Delfinklicks, welche zur Orientierung genutzt werden, aber auch noch vieles mehr z. B. dass sie auch richtige Hörbilder wahrnehmen können.

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Fotos & Text: Astrid Hickmann und Daniela Kerekes
Redaktion: Astrid Hickmann