Interdisziplinärer Austausch bei der Schule am Meer auf Krk

Dr. Reinhard Lettner von der Uni Innsbruck hat unsere Biologie Station, die Schule am Meer durch seine liebenswerte Art und kompetenten Führungen durch die botanische Welt der Insel Krk bereichert

Dr. Reinhard Lentner von der Uni Innsbruck hat unsere Biologie-Station, die Schule am Meer durch seine liebenswerte Art und kompetenten Führungen durch die ornithologische und entomologische Welt der Insel Krk bereichert

Obwohl sich unsere meeresbiologische Station „Schule am Meer“ hier auf Krk erst in ihrem Aufbau befindet, verschlägt es immer wieder interessante Menschen zu unserer Station. So entdeckte auch Dr. Reinhard Lentner die Schule am Meer in Punat und stattete uns mit seinen zwei Enkeln einen Besuch ab. Der erfahrene Biologe kommt aus dem schönen Tirol und hat schon mehrmals seine Urlaube auf der Insel Krk verbracht. Heuer nutzte er die Reise mit seinen 8- und 12-jährigen Enkelkindern Leonie und Elias um auch ein klein wenig Meeresbiologie in den Strandurlaub zu integrieren. Wir durften mehrere schöne Tage mit den dreien verbringen, wobei auch wir einiges von unseren Gästen lernen konnten.

Einer der beliebten Schnorchelplätze der Schule am Meer auf der Insel Krk

Einer der beliebten Schnorchelplätze der Schule am Meer auf der Insel Krk

Im Laufe ihres 2-wöchigen Aufenthaltes in Punat haben wir zahlreiche Ausflüge zu den schönsten Orten auf Krk unternommen. Als sehr praktisch stellte sich dabei Reinhards Wohnmobil heraus, worin wir alle unkompliziert zu den einzelnen Plätzen fahren konnten.

Zu allererst steuerten wir Glavotok, den westlichsten Punkt der Insel, an und verbrachten dort einen schönen Schnorcheltag. Seine beiden Enkel Leonie und Elias waren immer mit Begeisterung bei der Sache und sind selbst bereits begabte Fisch- und Krabbenfänger. Mit deren Hilfe konnten wir die Fischfauna von Krk etwas genauer in unserem kleinen mitgebrachten Aquarium unter die Lupe nehmen und Alex erklärte die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der häufigsten Fischarten.

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An einem der schönsten Plätze, an dem man zum Sonnenuntergang auf der Insel Krk sein kann – nahe Stara Baška

Am Abend setzten wir das Programm gleich fort und fuhren nach Stara Baska für eine kleine Wanderung bei Sonnenuntergang. Als begeisterter Ornithologe hat Reinhard stets sein praktisches Fernrohr dabei um die Vögel besser beobachten zu können. Schon bald haben wir einige Gesänge vernommen und Reinhard konnte schon aus der Ferne durch unterschiedliches Flugverhalten Arten wie den Brachpieper erkennen.

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Der Mond über Krk

In der Dunkelheit machte er uns sogar noch auf die Laute des seltenen Steinhuhns aufmerksam, welche wir ohne ihn sehr wahrscheinlich verpasst hätten. Ein weiteres Spezialgebiet von Reinhard sind Insekten, genauer z.B. Heuschrecken und Grillen. Viele davon leben auch auf dem von uns besuchten Hügel und die drei zeigten uns die besten Fangtechniken. Geschickt fassten Reinhard und seine Enkel die schnellen Tiere und wir konnten sie anhand bestimmter Merkmale an den Flügeln oder an der speziellen Kopfform als „Nasenheuschrecke“ und „blauflügelige Ödlandschrecke“ identifizieren.

Die blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

Die blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

Schon bald darauf fuhren wir noch einmal nach Glavotok, denn unsere Besucher interessierten sich für Elisabeths Bachelorarbeit über die kroatische Krabbenwelt. Also nahm die Praktikantin die drei zu ihrem Untersuchungsstandort mit und zeigte ihnen mit welchen Methoden sie die Bestimmung der dortigen Krabbenfauna unternimmt. Im Laufe des Tages konnten sie einige Marmorkrabben und italienische Taschenkrebse entdecken und alle genossen das Schnorcheln im klaren Meerwasser.

Am nächsten Tag verschlug es unsere Gruppe nach Sveti Marak, einen unserer Lieblingsorte auf der Ostküste der Insel. Hier findet sich eine wunderschöne Felsküste, an der sich die unterschiedlichsten Meeresbewohner wie Anemonen, Pferdeaktinien, Seegurken, Krabben und zahlreiche Fischschwärme aufhalten. Besonders spannend war in Sveti Marak das Schnorcheln in der Dämmerung wobei wir z.B. Putzerfische bei der Arbeit beobachten konnten. Wenige Tage später fuhren wir noch einmal nach Sveti Marak, denn Reinhard und sein Enkel Elias wollten die Chance unbedingt noch nutzen um einen Schnuppertauchgang zu unternehmen. Auch das meisterten sie mit Bravour und waren fasziniert von der kroatischen Unterwasserwelt.

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Die Insel Krk im Abendrot

Natürlich durfte auch eine Bootsfahrt nicht fehlen und so machte sich unser Team am nächsten schönen Tag mit der M.b. Košljun auf den Weg zur Insel Plavnik. Auf der Tour gibt es einige schöne Buchten wie „Golden Bay“ zu erkunden und sogar eine kleine Höhle in die hinein geschnorchelt werden kann.

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Eine Delegation der Schule am Meer mit dem wissenschaftlichen Besuch aus Innsbruck, Dr. Reinhard Lentner mit Enkeln, am Aussichtspunkt über Baška auf der kroatischen Insel Krk

Alles in allem war der Besuch der drei für uns und unsere drei Gäste eine schöne, gemütliche und trotzdem sehr lehrreiche und spannende Zeit hier auf Krk und wir freuen uns schon auf viele weitere Tage wie diese.


Text: Elisabeth Wolf
Fotos: Alexander Heidenbauer, Elisabeth Wolf
Redaktion: Astrid Hickmann


Wir nutzten auch die Chance des angenehmen Besuchs und haben Dr. Reinhard Lettner und seine Enkel zum Interview gebeten, um noch etwas mehr über seine Arbeit als Biologe zu erfahren:

Was hat dich zur Schule am Meer geführt?
Darauf aufmerksam geworden bin ich durch ein Inserat im „Standard“ mit dem Titel „Das schwimmende Klassenzimmer“ über eure Station. Da ich vorhatte mit meinen Enkeln Elias und Leonie etwas am Wasser zu unternehmen hat das Inserat uns gleich interessiert. Gleich darauf habe ich mich per Email bei der Schule am Meer angefragt, ob das Angebot nur für Schulen oder auch für Großvater mit Enkel passend ist und schon innerhalb weniger Stunden kam eine einladende Antwort.

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Alex zeigt meeresbiologische Arbeit in der kroatischen Station von mare-mundi, der Schule am Meer

Warst du schon öfter auf Krk und was fasziniert dich als Biologe an der kroatischen Flora und Fauna?
Ja ich war öfter schon in der Gegend, aber eher um Urlaub hier zu machen. Besonders gefällt mir die Ursprünglichkeit der terrestrischen Lebensräume dieses Teils von Kroatien wie z.B. dieser Rücken nach Stara Baška. Die dortigen Stipa-Wiesen mit den Steinhühnern, Brachpiepern und auch Heuschrecken haben mir sehr gut gefallen. Vor allem die Kombination aus Meer und terrestrischen Räumen fasziniert mich.

Was verbindest du mit dem Ökosystem Meer? Spannende Erlebnisse o.ä.?

Elias: Die Fische faszinieren mich am meisten!
Reinhard: Also mich hat hier sehr beeindruckt als ich beim Schnorcheln in Sveti Marak durch einen riesigen Schwarm Mönchsfische getaucht bin, allein dieses schwerelose hindurchschweben mit den schönen Lichteinflüssen war eindrucksvoll.

Wolltest du immer schon Biologe werden? Was hat dich zur Biologie geführt?

Der Grund für mein Biologiestudium war die damalige Diskussion um Zwentendorf woraufhin ich dann eigentlich Umweltmediziner werden wollte. Dieses Vorhaben hat sich dann allerdings aus zeitlichen Gründen mit meiner Familie als zu aufwändig herausgestellt. Als ich mir dann ein paar Biologie-Vorlesungen angehört habe hat mich die Materie sofort fasziniert. Zu Beginn habe ich mich eher mit Amphibien beschäftigt, aber schon bald darauf nahm ich durch den Tipp einer Bekannten an einigen Exkursion eines Ornithologen teil und bis heute hat mein Interesse an der Ornithologie nicht mehr nachgelassen.

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Eine Nasenheuschrecke (Acrida ungarica)

Welche sind deine Spezialgebiete und warum gerade diese?

Meine Spezialgebiete sind die alpine Ornithologie, alpine Wirbeltiere im weitesten Sinn sowie alpine Lebensräume und Ökosysteme. Außerdem wie die Alpen generell funktionieren und auch der positive und negative Einfluss des Menschen. Dabei interessiert mich auch welche Überlebensstrategien es gibt um in den Alpen als Mensch oder Tier, speziell natürlich auch als Vogel, überhaupt überleben zu können.

Du wohnst und lebst in Tirol – was sind dort deine Tätigkeiten und bei welchen Projekten bist du beteiligt?

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Die Ornithologie ist ein Spezialgebiet von Dr. Reinhard Lentner

Ich habe in Innsbruck studiert, wohne in der Nähe von Innsbruck und mein Hauptberuf ist seit über 25 Jahren bei der Tiroler Landesregierung. Dort leite ich als Zoologe/Ornithologe den Sachverständigendienst im Naturschutz. Außerdem bin ich seit 1993 Lehrbeauftragter der Universität Innsbruck in den Instituten der Zoologie und Ökologie und halte verschiedene Vorlesungen oder leite Exkursionen.

Neben diesen Tätigkeiten war ich auch zwei Mal in Brüssel bei der europäischen Kommission und habe dort im Wesentlichen als Experte für Vogelschutzrichtlinien gearbeitet. Ansonsten bin ich seit über 20 Jahren für den Lech zuständig und war seitdem für einige Renaturierungsprojekte, die dortigen Schutzgebiete o.ä. verantwortlich. Außerdem habe ich ein Monitoring-Projekt über Raufußhühner in Tirol aufgebaut. Dabei beobachtet man die Populationsentwicklungen von vorwiegend Auer- und Birkhühnern in Verbindung mit genetischen Untersuchungen um zu überwachen wie viele Tiere hier leben und ob die Daten mit den Aufzeichnungen der Jägerschaft übereinstimmen. Als zweites Langzeitprojekt haben wir vor 2 Jahren einen Brutvogelatlas begonnen, wo ich auch als Projektleiter beteiligt bin, was mich einerseits sehr fordert aber neben meiner Arbeit als Naturschutzbeauftragter eine sehr schöne Arbeit ist.

Alex hat uns in den letzten Tagen einiges über das Mittelmeer erzählt, gibt es vielleicht etwas was dich noch mehr interessieren würde? Hat etwas gefehlt?
Ich halte es natürlich für ganz wichtig, wie ihr es gemacht habt, auf die einzelnen Arten, deren Habitate und Unterschiede einzugehen und dabei die wichtigsten Arten zu zeigen und zu übermitteln wie man diese unterscheidet. Ich würde aber noch etwas mehr den Bezug zum Naturschutz herstellen. Außerdem würde ich es auch für ganz wichtig erachten die europäische Bedeutung dieser Ökosysteme verstärkt herauszuarbeiten, z.B. ob es Natura2000 Gebiete in der Nähe gibt, warum es solche sind, welche Arten von Bedeutung sind. Einerseits ist das wichtig um den Schutzgebiets-Gedanken zu transportieren und andererseits auch um den kroatischen Beitrag an diesem Netzwerk darzustellen. In der Folge könnte man dann auf diese geschützten Arten, wie z.B. Seegraswiesen, genauer in den Kursen eingehen, vor allem auch aus pädagogischen Gründen um die europäische Bedeutung zu vermitteln.

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Dr. Reinhard Lentner von der Uni Innsbruck bei der Bestimmung im Feld

Was ich aber auch sehr gut finde ist das breite Angebot an Themen die ihr mit euren Modulen abdeckt, denn nicht jeder interessiert sich für dieselben Dinge und so ist für jeden etwas dabei.

Die Schule am Meer befindet sich ja noch etwas in ihren Anfängen – welche Erwartungen hatten ihr an eure Zeit hier und wurden diese erfüllt?

Elias: Ich habe vor allem Bootsfahrten aufs offene Meer erwartet, wo ich mich nicht so wohl fühle, also bin ich froh, dass das Programm etwas anders war und habe mir alles im Vorhinein nicht so cool vorgestellt wie es dann wirklich war. Am meisten gefallen hat mir das Schnorcheln in Baška und das Schnuppertauchen.
Reinhard: Ich bin mit keinen großen Erwartungen hier her gekommen und bin sehr sehr positiv überrascht worden. Ich bin auch sehr von eurer Kompetenz, vor allem von der von Alex angetan. Man hat das Gefühl eine kompetente Information zu erhalten, was sehr wichtig ist. Vor allem wird hier auch in den Fokus gerückt wie wichtig es ist noch Biologen zu haben, die sich im Freiland auskennen und ihr Wissen mit Kompetenz weitergeben können. Leider glaubt man in der Wissenschaft, dass die Freilandbiologie nicht mehr so von Bedeutung ist und genau das Gegenteil wird hier eigentlich bewiesen.

Vielen Dank für das Interview! Es freut uns sehr, dass es euch bei uns gefallen hat und wäre schön wenn ihr der Schule am Meer wieder einmal einen Besuch abstattet.
Wir bedanken uns auch, das ist sehr wahrscheinlich!


Interview: Elisabeth Wolf
Fotos: Alexander Heidenbauer, Elisabeth Wolf
Redaktion: Astrid Hickmann


Foto-Dokumentation des biologischen Besuchs aus Tirol, Dr. Reinhard Lettner, bei der Schule am Meer auf der Insel Krk