Die Grundlage aller Dinge, unserer Existenz…

Unser mare-mundi Volunteer Andreas LaFollette befindet sich im Moment auf der Insel Krk bei der Feldstation des Vereins, der Schule am Meer. Der junge Biologiestudent hat in der Bibliothek der Station ein Buch entdeckt, in dem es um ein Element geht, das uns ganz besonders am Herzen liegt. 

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Aus dem Inhalt des Buches “Wasser” von Hofrichter, R./Gregus, M./Gregus, M. jun.

Wasser. H2O. Durch seine vielen besonderen Eigenschaften ist es die Grundlage des Lebens auf unserem Planeten. Der Schule am Meer Gründer, Dr. Robert Hofrichter, hat sich gemeinsam mit den Fotografen Martin Gregus und Martin Gregus jun. diesem für uns alle entscheidenden Element gewidmet und sie haben Ihre Erkenntnisse und Eindrücke in einem spannenden und aufschlussreichen Buch verfasst. Schule am Meer, schule-am-meer.eu, mare-mundi, Krk, Kroatien, Meeresbiologische Projektwoche, Meeresbiologie-3Das Buch beschäftigt sich mit Chemie und Physik, dem Lebensraum Wasser und unseren eigenen Begegnungen mit dem aus zwei Teilen Wasserstoff und einem Teil Sauerstoff bestehenden Molekül. Die wertvollen Informationen in diesem Buch werden mit spannenden Geschichten und tollen Bilder begleitet, die den Leser für Stunden fesseln können. Da unsere eigene Existenz eng mit dem Wasser verknüpft ist empfiehlt es sich, etwas mehr über dieses wunderbare und essentielle Element Wasser zu erfahren.

Im Folgenden habe ich den Autor von “Wasser“, Dr. Robert Hofrichter, zu seiner Arbeit an dem Buch
einige Fragen gestellt:

Dr. Robert Hofrichter umgeben von seinem Element, dem Wasser.

Warum hast Du beschlossen ein Buch über das Thema Wasser zu schreiben?

Das ist eine Frage, die gleichzeitig leicht und schwer zu beantworten ist. Leicht, weil jeder Mensch die Antworten kennt, all die trivialen Erkenntnisse, dass Wasser Leben ist, das Wasser einen Großteil des Planeten bedeckt, dass Leben sich im Wasser entwickelt hat, dass wir selbst größtenteils aus Wasser bestehen usw. Wasser hat ganz besondere Eigenschaften, die wir als Anomalien bezeichnet. Die meisten Menschen kennen bloß die Dichteanomalie mit den bekannten 4 °C als Grund dafür, dass unsere Gewässer im Winter nicht durchfrieren. Zwischenzeitlich sind aber an die 40 andere Anomalien des Wunderstoffes bekannt. Und dann kommen all jene, die im Wasser noch viel mehr sehen und erkennen als bloß ein universelles Lösungsmittel, allerhand geheimnisvolle Eigenschaften und Talente werden ihm zugeschrieben. Der Übergang zur Esoterik ist fließend. Doch wo genau ist diese Grenze? Was ist noch naturwissenschatlich vertretbar? Was kann ein gebildeter Mensch des 21. Jahrhunderts glauben? Wird er manchmal durch geschäftstüchtige Gurus für dumm verkauft?

In diesem Spannungsfeld habe ich das Buch geschrieben. Ich habe viel Unseriöses entdeckt, Geschäftsmacherei mit der Leichtgläubigkeit der Menschen (und wie gern Menschen solche Dinge glauben), ich habe auch seriöse, gebildete und kluge Menschen entdeckt, die ernsthaft glauben, dass sich im Wasser mehr versteckt, etwas, was wir noch entdecken müssen. Mir ging es um die Vielfalt der Aspekte und Meinungen zum Wasser, nicht so sehr um ein Physik- oder Chemiebuch – und um schöne Fotos. Wasser als Motiv – ja, dieses Fotomotiv ist ebenso unerschöpflich wie das Wasser selbst.

Wie lange hast Du dich für dieses Buch mit dem Thema Wasser beschäftigt?

Mit dem Wasser beschäftigt man sich als Biologe, Aquarianer, Taucher und Naturfotograf ständig, seit meiner frühen Kindheit. Wasser hat mich als Kind schon geprägt, damals vor allem in Form eines Gartenbeckens, in dem sich im Sommer allerhand Leben tummelte, später mit dem ersten Aquarium, welches nichts anderes war als ein 5 l Gurkenglas. Die ersten Versuche als Aquarianer sind kläglich gescheitert, aber seitdem sind auch 50 Jahre vergangen, in denen ich so gut wie nie ohne Aquarium gelebt habe.

Mit dem Buch selbst habe ich mich vielleicht ein Jahr lang beschäftigt, da hat sich ein Fenster aufgetan – zudem kann ich schwer ohne ein laufendes Buchprojekt auskommen. Die Vision war ein Fotoband mit spannenden, ergänzenden Texten. Wie immer war das Ergebnis eher philosophischer Natur, man merkt, dass es unmöglich ist das Thema Wasser wirklich zu fassen. Wir wissen über Wasser mehr als vor 100 Jahren, doch wir verstehen es immer noch nicht. Ich glaube daran, dass in den kommenden Jahren bahnbrechende neue Erkenntnisse zum Wasser bekannt werden könnten, so etwa zu einem “biologischen Wasser”, das sich rund um Biomembranen bildet (also auch in uns vorhanden ist) und andere Eigenschaften zeigt als “normales Wasser”.  Ob ich meine Hand dafür ins Feuer legen würde? Eher nicht – lieber ins Wasser.

Gibt es eine Alternative zu Wasser?

Ein Sonnensystem wie wir es kennen, ein Planet wie unsere Erde, das Leben so wie es auf dieser Erde existiert – da gibt es freilich absolut keine Alternative zum Wasser. Das zu verstehen ist nicht schwer: Ab den ersten Sekunden nach dem Big Bang haben sich die Bestandteile des Wassers gebildet, Wasser war die gesamte Zeit der Ausbildung des Universums, des Sonnensystems und der Erde da. Später war es dann von den ersten Augenblicken des Lebens an dabei. Damit handelt es sich um eine Koevolution aller Dinge und des Lebens mit dem Wasser. Unsere Welt und das Leben, wie wir es kennen, sind von Anbeginn an derartig substanziell mit Wasser verknüpft, dass man in globalen Dimensionen nie von einer Alternative zu Wasser sprechen könnte. Die Menschheit hat den Punkt seiner Entwicklung erreicht, wo der Kampf um diesen elementaren Lebensstoff entscheidend für die weitere Existenz wird. Wir bewegen uns auf Probleme ungeahnter Dimensionen zu – auch rund um das Mittelmeer.

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Wasser – das womöglich kostbarste Gut, das unser Universum bietet, die Grundlage aller anderen Dinge. Auszüge aus dem Buch “Wasser” von Hofrichter, R./Gregus, M./Gregus, M. jun.

Was sind für Dich, als Meeresbiologe und Taucher, deine persönlich schönsten Erlebnisse im oder mit dem Wasser?

Auch das ist so eine Frage, wie bereits die erste: leicht und schwer zugleich. Da Wasser praktisch alles ist und überall ist, an allem beteiligt, was wir schätzen und lieben (das Meer, Menschen, Bier …), ist es ein Universalstoff. Er prägt jeden Aspekt unseres Lebens und nichts davon könnte es ohne Wasser geben. Jeden Tag gibt es wunderschöne Wassererlebnisse, und sei es nur eine (je nach Außentemperatur) kalte oder warme Dusche. Als Meeresbiologe, Taucher, Aquarianer, Reisender und Fotograf hat man das Vorrecht auch sehr spezifische Wassererlebnisse zu haben. Dazu gehört etwa allein in der Strömung des Ozeans zu treiben, umgeben von Haien, die Ambivalenz von Faszination und Angst zu erleben, den zerstörerischen und dennoch so faszinierenden Wellen zuzuschauen, wie sie sich an den Klippen brechen, dann wiederum eine spiegelglatte See zu erleben, klar und tiefblau, in der man wie durch eine Glasscheibe Delfine sieht, wie sie das Boot begleiten. Es kann auch schon eine kleine Pfütze sein, eine überflutete Wiese. Nicht jeder kennt das Wunder: Man verbleibe eine Stunde auf dem Bauch liegend neben diesem Miniteich und beobachte was passiert…

Die Unterwasserwelt kann unbeschreiblich schön sein. Sie kann aber für einen Kenner auch untrügliche Anzeichen der Beschädigung und Zerstörung zeigen. Algen und Seegräser ziehen sich zurück, verschwinden. Sie sind nicht mehr in dem Ausmaß vorhanden wie noch vor 30 Jahren. Generation um Generation erlebt das Meer und das Wasser allgemein immer im desolateren Zustand. Optimismus ist die Grundlage unserer Existenz, darum überwiegt auf jeden Fall die Wertschätzung für die Schönheit und Einzigartigkeit des Wassers. Doch nebenbei möchte ich durch mein Buch und meine ganze Tätigkeit darauf hinweisen, dass dieses kostbare Gut womöglich das Wertvollste ist, das unser Universum bietet. Anders formuliert: Es ist die Grundlage aller anderen Dinge.


“Wasser” von Hofrichter, R./Gregus, M./Gregus, M. jun. (2013). Verlag pietsch: Stuttgart.
Online erhältlich unter: https://www.weltbild.at/artikel/buch/wasser_18197442-1


Text & Interview: Andreas La Follette
Fotos aus dem Buch: Hofrichter, R./Gregus, M./Gregus, M. jun. (2013): Wasser. Verlag pietsch: Stuttgart.
Redaktion: Astrid Hickmann