Bild-Ton-Schau über Costa Rica. 12. Dezember, 19.00 Uhr, SN

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Dr. Robert Hofrichter
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Bild-Ton-Schau über Costa Rica. 12. Dezember, 19.00 Uhr, SN

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 04 Dez 2006 16:44

Bild-Ton-Schau über die Rettung eines Paradieses
 
90 Minuten Farbenpracht des Regenwaldes
 
Mag. Richard Kunz: Costa Rica
Faszination Regenwald

Dienstag, 12. Dezember, 19.00 Uhr, SN-Saal, Karolingerstr. 40

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Der „Regenwald der Österreicher“ wächst in Costa Rica

Ein Wettlauf gegen die Abholzung. Amerikanische Stiftung verdoppelt Spenden.


Mit österreichischen Spendengeldern wird ein gefährdeter Regenwald freigekauft und in einen Nationalpark eingebracht. Das Projekt bringt Naturschutz, Arbeitsplätze und Regionalentwicklung unter einen Hut.

Von Heinrich Breidenbach Salzburger Nachrichten, 22. Juli 06

Palmöl-Plantagen, ausgedehnte grüne Felder, Kühe mit lustigen Eselsohren, eine holprige Straße, einfache Häuser, klapprige Fahrräder, Pferde, alte Autos, spielende Kinder und freundliche Menschen. So gesehen ist La Gamba ein typisches Dorf im Süden Costa Ricas.
Trotzdem ist der Ort, insbesondere für Besucher aus Österreich, etwas Besonderes.
La Gamba grenzt an den 146 Quadratkilometer großen Esquinas-Regenwald. Um dieses Gebiet läuft seit 16 Jahren ein Wettrennen zwischen Bewahren und Zerstören. Eine private österreichische Initiative nimmt an diesem Wettlauf teil und erweist sich als ebenso schnell wie ausdauernd.
Der Tiefland-Regenwald nahe der Pazifikküste gilt als besonders wertvoll und artenreich. Er ist Lebensraum von 100 Reptilien-, 350 Vogel-, 6.000 Insekten-, 3.000 Pflanzen- und 140 Säugetierarten, darunter Jaguare, Ozelots, verschiedene Affen, Nasenbären, Ameisenbären und Faultiere. In ganz Europa gibt es insgesamt fünfzig Baumarten, auf einem Hektar des Esquinas-Regenwaldes hingegen 180. Damit beginnt schon ein Teil des Problems. Insbesondere die riesigen tropischen Hartholzbäume sind begehrt und würden schnelles Geld bringen.
Noch im Jahr 1991 befand sich der gesamte Esquinas-Regenwald, inklusive der Jagd- und Holzschlägerungsrechte im Besitz privater Grundbesitzer. In allerletzter Minute wurde er von der Regierung Costa Ricas zum Nationalpark „Piedras Blancas“ erklärt. Dieser erste Schritt blieb allerdings weitgehend folgenlos, weil die privaten Nutzungsrechte fortbestanden und die finanziellen Mittel Costa Ricas nur zum Freikauf eines Teils der Fläche ausreichten.

Ein tolles Zwischenergebnis
In dieser Situation gründete Michael Schnitzler, Professor an der Wiener Musikuniversität und Enkel des berühmten Dichters Arthur Schnitzler, den Verein „Regenwald der Österreicher“. Hauptzweck der Initiative war und ist, den gefährdeten Regenwald von jeder Nutzung freizukaufen und anschließend der staatlichen Nationalparkverwaltung zu schenken. Schnitzlers Idee fiel auf fruchtbaren Boden. 15.000 ÖsterreicherInnen spendeten bislang zwei Millionen Euro. Damit konnten 33 Quadratkilometer Regenwald in den Nationalpark eingegliedert werden.
Das stolze Zwischenergebnis sieht nun so aus: Mit den Freikäufen der Österreicher, der Regierung Costa Ricas und US-amerikanischer Umweltorganisationen konnten bis heute insgesamt neunzig Quadratkilometer des einst kurz vor der Abholzung stehenden Esquinas-Regenwaldes dauerhaft geschützt werden. Das sind immerhin schon 65 Prozent!
Aber der Wettlauf gegen Bulldozer, Kettensägen und Flinten geht weiter. Noch darf in weiten Teilen des Waldes geschlägert und gejagt werden. Es ist erklärtes Ziel der österreichischen Regenwaldschützer, auch für die Aufbringung der restlichen Mittel die treibende Kraft zu bleiben. Michael Schnitzler lässt nach 15 Jahren Engagement nicht locker: „Wir wollen dieses tropische Paradies zur Gänze erhalten. Dazu brauchen wir weiterhin die Hilfe österreichischer Spender.“
Mit nur zehn Euros können rund hundert Quadratmeter Regenwald freigekauft werden. Spender erhalten vom Verein „Regenwald der Österreicher“ ein farbiges Zertifikat mit ihrem Namen und sind damit symbolische Eigner eines Stücks Regenwaldes. Man kann auch, wird die Spende als Geschenk getätigt, den Namen der Beschenkten in das Zertifikat eintragen lassen.
Aktuell gibt es noch einen zusätzlichen Spendenanreiz. Bis zum Jahr 2007 werden alle österreichischen Freikaufspenden von der US-amerikanischen Robert Wilson Stiftung verdoppelt.

Der Wilderer als Regenwaldführer
Es wäre nahe liegend, dass die Bewohner von La Gamba mit dem Naturschutzprojekt wenig Freude haben. Sie bezogen früher als Holzfäller, Jäger und auch als Wilderer einen Teil ihres Einkommens aus dem Regenwald. Es gibt sie auch noch, die illegalen Holzfäller und Wilderer. Nächtens knallt es manchmal und morgens ist gelegentlich von einem Urwaldriesen nur noch der Stumpf übrig. Aber es hat sich viel verändert.
Costa Rica setzt insgesamt erfolgreich auf Natur- und Ökotourismus. 26 Prozent der Landesfläche wurden bereits als Nationalparks oder sonstige Schutzgebiete ausgewiesen. Der Tourismus bringt bereits mehr Geld ins Land, als der traditionelle Export von Bananen und Kaffee.
Auch der Regenwaldschutz hat gute neue Jobs nach La Gamba gebracht. So arbeiten etwa ehemalige Holzfäller heute als Wildhüter und Nationalparkwächter. Auch dies wird zum Teil von der österreichischen Initiative finanziert. Vor allem aber bringt der Natur-Tourismus neue Arbeitsplätze in das Dorf.
José, zum Beispiel, ist ein hervorragender einheimischer Kenner des Regenwaldes. Er war früher - wie er freimütig bekennt - selbst Wilderer. Jetzt lebt er besser davon, Touristen durch den Regenwald oder auf Pferden zu glasklaren Flüssen und Wasserfällen zu führen.
Eines der Jagdziele von José waren Pakas, kleine, possierliche Nagetiere, die am Waldboden nach Nahrung suchen. Sie sind wegen ihres feinen Fleisches sehr begehrt. Mit dem Verkauf von nur acht Pakas kann ein Wilderer einen Monat lang alle Grundnahrungsmittel für seine Familie kaufen. Das ist eine große Versuchung in einem armen Land. José aber züchtet jetzt im Garten hinter seinem schmucken neu gebauten Haus Pakas, um sie später wieder auszuwildern. Er sieht darin eine kleine Wiedergutmachung für sein früheres Treiben als Wilderer.
Die neuen Existenzmöglichkeiten sind ebenfalls der österreichischen Initiative zu danken. Eng mit dem Feikaufprojekt verknüpft ist nämlich die touristische „Esquinas Rainforest Lodge“. Direkt am Rande des Regenwaldes wurden 14 „Cabinas“, ein kleiner Pool und ein Restaurant gebaut. Hier machen viele Costa Rica-Urlauber Station.

Arbeit, Wasser und ein erster Sattel
In der Esquinas Lodge lässt es sich angenehm und komfortabel verweilen. Im Teich vor dem Restaurant tummelt sich Alligator „Lorenzo“, das Maskottchen der Lodge. Bunte Vögel, tropische Blumen und Affen gehören zum Urlaubserlebnis. Zahlreiche markierte Pfade in den Regenwald laden zu Entdeckungen ein. Angeboten werden auch geführte Wanderungen durch den Regenwald, Tagesauflüge zu Mangrovenwäldern an der nahen Pazifik-Küste, Führungen durch den Ort La Gamba oder Ausflüge mit Pferden in die Umgebung.
Es ist ein Prinzip der Esquinas Rainforest Lodge, dass von ihr die lokale Bevölkerung profitieren soll. Sie bringt Arbeit für insgesamt rund zwanzig Köchinnen, Reinigungskräfte, Wäscherinnen, Führer oder Fahrer. Die Geschäftsführerin ist eine einheimische Tourismus-Fachfrau aus dem nahen Städtchen Golfito. Die Lebensmittel werden vornehmlich von ansässigen Bauern gekauft, die Pferde ebenfalls von ihnen bereitgestellt, usw. Die Jobs in der Esquinas-Lodge sind begehrt. Die Löhne liegen leicht über dem landesüblichen Durchschnitt, Sozialversicherung wird bezahlt und es gibt keine Kündigungen, wenn in der Regenzeit die Touristen ausbleiben. Das gibt Sicherheit und bringt bescheidenen Lebensstandard nach La Gamba.
Und so kann es schon vorkommen, dass man etwa beim Besuch im Haus von Küchenchefin Maria Zeuge einer Familienkonferenz wird, bei der es schon um einen kleinen Luxus geht. Der zehnjährige Sohn wünscht sich unbedingt einen ersten Sattel. Sein Argument: Auch der Bruder habe unlängst ein großes Geschenk bekommen und es müsse schließlich Gerechtigkeit im Haus herrschen. Mutter und Vater zwinkern zuversichtlich. Ja, wenn die Familie noch eine Zeit lang fest spart, wird sich der Sattel für den Buben in den nächsten Monaten schon ausgehen.
Neben dem Tourismus-Projekt hat der Verein „Regenwald der Österreicher“ auch einen eigenen „La Gamba Fonds“ ins Leben gerufen. Mit ihm werden in guter Kooperation mit der Gemeinde La Gamba wichtige Infrastruktur-Maßnahmen wie Wassertanks, Wasserleitungen oder die Renovierung von Schule und Gemeindesaal finanziert.
Diese geglückte Kombination aus Umweltschutz, neuen Arbeitsplätzen und partnerschaftlicher Regionalentwicklung hat zu einer hohen Akzeptanz des Nationalparks in der Bevölkerung beigetragen.
Heinrich Breidenbach

Information: Verein Regenwald der Österreicher, Währinger-Str. 182/24, 1180 Wien. Tel.: 01-4701035, www.regenwald.at


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