Wetterprophet in Bedrängnis: Biologie heimischer Laubfrösche

Informationen und Diskussionen über den heimischen und weltweiten Umweltschutz zu Lande

Moderator: A-Team

Antworten
Benutzeravatar
Dr. Robert Hofrichter
Geschäftsführer
Geschäftsführer
Beiträge: 5607
Registriert: 08 Sep 2006 13:44
Kontaktdaten:

Wetterprophet in Bedrängnis: Biologie heimischer Laubfrösche

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 03 Mär 2007 10:14

Wetterprophet in Bedrängnis
Zur Biologie heimischer Laubfrösche



Von Robert Hofrichter


Bild

Kaum eine andere heimische Amphibienart erweckt so viel Sympathien, wie der Laubfrosch. Kröten sind in den Augen der Menschen oft “häßlich“, Salamander „unheimlich“ oder „giftig“. Der Laubfrosch dagegen wird allgemein als ein ansprechendes und niedliches Tier aufgenommen. Von früher ist er als „Wetterprophet“ aus dem Gurkenglas bekannt. Zum Glück sind solche lebenden „Barometer“ aus Tier- und Artenschutzgründen in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gestattet. Mit den kleinen und niedlichen Fröschen steht es nämlich nicht zum Besten. Fast überall gehen ihre Bestände zurück, und das auch in Gebieten, wo auf den ersten Blick keine negativen anthropogenen Einflüsse erkennbar sind. In manchen Regionen ist er bereits ausgestorben. Als Gründe dafür können Zerstörung von Feuchtgebieten und Landlebensräumen, Düngemittel- und Pestizidanwendung oder Fischbesatz in den Laichgewässern vermutet werden. Das alarmierende Sterben beschränkt sich aber keinesfalls auf den Laubfrosch. Weltweit gehen die Bestände von Amphibien zurück, zahlreiche Arten sind ausgestorben, unberührte und abgelegene Gebiete in Australien oder Südamerika sind da nicht ausgenommen. Manche Forscher vermuten hinter dem Rückgang eine Virusinfektion, andere die Schwächung des Immunsystems durch die Anreicherung von schädlichen Substanzen.

Bild

Am Anfang jedes Bemühens um den Artenschutz muß die genaue Kenntnis der Lebensweise, der Biologie und der Raumansprüche der betreffenden Art stehen. Manche Froschliebhaber und Gartenteichbesitzer versuchen einzelne Laubfrösche in ihren Gärten anzusiedeln, ohne jedoch die notwendigen Kenntnisse zu haben. Solche Maßnahmen haben für die Art überhaupt keinen Erhaltungseffekt. Zusätzlich ist zu bemerken, daß diese Tiere, so wie auch alle anderen Amphibienarten, in den meisten Ländern unter Schutz stehen. Ihre Entnahme aus der Natur ist somit untersagt und strafbar.

Was die angeblich meteorologischen Fähigkeiten des Laubfrosches betrifft, sei gleich am Anfang vorweggenommen: er kann das Wetter nicht verläßlich vorhersagen. Man glaubte, daß er vor Schlechtwetter am Boden des Glases hockt und quakt, als Ankündigung von Schönwetter dagegen auf die kleine Leiter klettert und oben sitzen bleibt. Die Unzuverlässigkeit, mit der er seinen Dienst als Wetterprophet verrichtet hat, hat einen positiven Nebeneffekt: der Laubfrosch im Gurkenglas ist aus der Mode gekommen.

Die große und vor allem in den Tropen verbreitete Familie der Laubfrösche (Hylidae) faßt etwa 630 Arten in 35 Gattungen zusammen, davon gehören etwa 300 Arten der Gattung Hyla an. Bei den Laubfröschen handelt es sich eigentlich um eine Familie der neuen Welt: alle Gattungen mit Ausnahme von Hyla und Nictimystes leben in Amerika. Die Gattung Hyla kommt außer in Afrika fast weltweit vor. Nur an der nördlichsten Spitze Afrikas, bei Gibraltar, ist Hyla meridionalis, der Mittelmeer-Laubfrosch zu finden. Die Verbreitung unseres Laubfrosches, Hyla arborea, reicht bis nach Vorderasien. Die bevorzugten Lebensräume der Laubfrösche liegen vor allem im Tiefland oder in breiten Tälern ehemaliger Flußauen.

Lebensraum
Laubfrösche besetzen ganz verschiedene Gewässertypen (Grosse, 1984, 1986). Wenn sie die Wahl haben, bevorzugen sie aber wärmere Gewässer mit ausgedehnten Flachwasserbereichen und Pflanzenbewuchs. Tester (1990) führte eine Unterteilung in Laich- und Fortpflanzungsgewässer ein. Nicht jedes Gewässer, wo Laubfroschmännchen rufen (Rufgewässer = Laichgewässer) ermöglicht eine erfolgreiche Reproduktion. Die Kaulquappen halten sich bevorzugt bei der Wasseroberfläche auf und sind dadurch eine leichte Beute für Fische. Jeglicher Fischbesatz wirkt sich auf den Laicherfolg negativ aus. Auch hohe pH-Werte und toxische Metall-Ionen haben einen schädigenden Einfluß, genau wie Gewässer-eutrophierung, Pestizide und Herbizide. Oft gibt es erfolgreiche Laubfroschgemeinschaften in Gewässern, die auch für andere Amphibienarten ein geeignetes Gewässer sind. Laichgewässer, die kein Fortpflanzungsgewässer sind, stellen eine "Laichfalle" dar und bedeuten einen Verlust für die Population. Dies muß bei jeder Wiederbesiedlungsmaßnahme oder beim Aussetzen von Laubfröschen berücksichtigt werden.

Laubfroschmännchen sind in Bezug auf die Laichgewässer nicht unbedingt ortstreu. Wenn mehrere geeignete Gewässer in Umkreis von etwa 200 bis 400 m sind, wechselt ein Teil der Männchen das Laichgewässer (Tester, 1990).
Wichtige Aspekte der Habitatwahl bei Laichgewässern sind:
* ausreichende Besonnung
* möglichst keine Zuflüsse, die das Wassers abkühlen
* Flachwasserbereiche
* Vegetation mit vertikalen Strukturen
* kein Fischbesatz
* kein zu hoher pH-Wert sowie kein Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in der Umgebung der Lebensräume

In Mitteleuropa erstreckt sich die Fortpflanzungszeit von etwa Mitte April bis Ende Mai. Die Männchen wandern längere Zeit vor den Weibchen an das Laichgewässer und beginnen bei günstigen Wetterverhältnissen - möglichst ruhiges, mildes und windstilles Wetter - mit dem Rufen. Die Weibchen kommen nur für die Nacht der Eiablage in das Laichgewässer und verschwinden am nächsten Tag wieder. Dementsprechend weniger weiß man über ihre Lebensweise. Während der Paarung werden die Weibchen in der Achselgegend umklammert. Der Laich wird in Form kleiner Klümpchen von etwa 5 bis 50 Eiern abgelegt, wobei ein Weibchen bis zu 50 solcher Klümpchen in der Nacht ablegen kann. Die Entwicklungsdauer und das Wachstum sind temperaturabhängig. Manchmal schlüpfen die Kaulquappen bereits nach 2 bis 3 Tagen aus den Eiern. Interessant ist, daß konstante mittlere Wassertemperaturen (etwa 15°C) für die Entwicklung ungünstig sind. Die Kaulquappen wachsen nicht, zeigen eine hohe Mortalität und gelangen nicht zur Metamorphose. Temperaturschwankungen bis zu 20°C (zwischen 10 und 30°C) sind dagegen für die Entwicklung optimal. Die Metamorphose setzt dann nach 50 bis 70 Tagen ein.

Das Spiraculum (Atemloch, mit dem der Peribranchialraum nach außen ausmündet) liegt bei den Kaulquappen linksseitig. Der Ruderschwanz ist sehr muskulös und weist einen hohen Flossensaum auf, der sich dorsal bis über die Rumpfmitte erstreckt. Der stromlinienförmige Körper ermöglicht eine bemerkenswert hohe Fortbewegungsgeschwindigkeit im Wasser. Die maximale Länge der Larven beträgt 50 mm.

Sommerlebensraum
Als Sommerlebensraum werden sonnenexponierte, gewässernahe Standorte mit einer Krautschicht und darüber einer höheren Strauch- oder Baumschicht bevorzugt. Am häufigsten findet man die Tiere auf Brombeeren, Himbeeren und anderen großblättrigen Pflanzen, obwohl dieser Aspekt nicht ausschlaggebend ist. Manchmal sitzen Laubfrösche auch auf Schilf oder sogar auf Nadelbäumen. Folgende Punkte spielen aber eine große Rolle:
* intensive Besonnung
* blühende Pflanzen und damit ein ausreichendes Nahrungsangebot
* großblättrige Pflanzen, höhere Büsche, Sträucher und Bäume
* hoher Grundwasserstand und damit eine hohe Luftfeuchtigkeit
* windgeschützte Standorte
Ungehinderte Sonneneinstrahlung ist für die Laubfrösche lebensnotwendig (Schader, 1983). Viele gute Sommerlebensräume haben den Charakter eines Randstreifens: Gewässer-, Wald-, Weg-, Graben-, Wiesen- oder Feldrand. Gerade solche Bereiche werden vom Menschen oft nur extensiv genutzt. Die Bereiche dürfen im Sommer nicht gemäht werden. Nur im Frühjahr findet man adulte Tiere am Boden. Im Sommer sind sie fast ausschließlich auf der Vegetation, in einer Durchschnittshöhe von 0,5 bis 2 m zu finden. Später im Jahr findet man die Laubfrösche sogar bis in eine Höhe von 10 m.

Sehr wichtig und vorteilhaft - auch bei Wiederansiedlungsversuchen - sind vernetzte Biotope mit mehreren geeigneten Gewässern, die mit Hecken, staudenbewachsenen Gräben oder anderen Leitstrukturen verbunden sind. Diese Vegetationsstreifen ermöglichen einen Wechsel zwischen den einzelnen Gewässern und bilden geeignete Ruhe-, Sonnen- und Nahrungsplätze.

Ernährung
Adulte Tiere fressen am Tage relativ selten, auch in nächster Nähe befindliche Fliegen oder Käfer können sie nicht in ihrer Ruhe stören. Besonders beim Sonnenbad fällt es ihnen schwer, unnötige Bewegungen zu machen. Erst in der Dämmerung und vor allem in der Nacht entfalten sie ihre Aktivität.

Die effektivste Methode zur Bestimmung des Nahrungsspektrums ist eine Analyse der Kotballen. Man findet sie auf den bevorzugten Sitzplätzen der Laubfrösche, also auf den Blättern verschiedener Sträucher. Dadurch ist eine Verwechslung mit dem Kot anderer Amphibienarten ausgeschlossen. In der Studie von Clausnitzer (1986) dominieren in der Laubfroschnahrung vor allem Fliegen und Mücken mit fast 50 % Anteil. Beliebt sind auch Käfer, die sich gerne auf Blüten aufhalten. Zusätzlich werden Spinnen, Ameisen, Schmetterlinge, Wanzen, Ohrwürmer und andere Insekten gefressen. Schnecken und Würmer scheinen dagegen in ihrer Ernährung keine große Rolle zu spielen.

Die Hauptnahrung der Laubfrösche sind demnach fliegende Insekten, und zwar solche Arten, die Blüten der Gebüsch- und Hochstaudenschichte aufsuchen. Dieser Standort ist als Futterplatz ideal: die Blüten locken ständig neue Insekten an und die Frösche brauchen für die Nahrungssuche nicht allzu viel Energie zu verschwenden. Der Rückgang des Blütenangebotes in vielen Gebieten ist sicher einer der Gründe für das Verschwinden der Laubfrösche. Es ist möglicherweise auch die Erklärung dafür, warum die Entwicklung junger Laubfrösche während langer, kühler Regenperioden langsamer ist: Das Nahrungsangebot an Insekten ist in solchen Zeiten einfach knapper.

Es erklärt auch, warum Laubfroschpopulationen besonders empfindlich auf den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden reagieren. Überall dort, wo sie eingesetzt werden, verschwinden die Laubfrösche (Hotz und Broggi, 1982).

Feinde
Die Kaulqappen der Laubfrösche schwimmen meist dicht unter der Wasseroberfläche. Dadurch sind sie für Räuber gut sichtbar (Filoda, 1981). Aus diesem Grund bevorzugen Laubfrösche oft temporär austrocknende Gewässer, da hier keine Fische leben. Molche und andere Amphibienarten, beziehungsweise ihre Larven, können als Räuber auch eine Rolle spielen. Sie fressen sowohl den Laich als auch die Kaulquappen der Laubfrösche. Trotzdem sind ideale Fortpflanzungsgewässer anderer Lurcharten gleichzeitig auch für den Laubfrosch geeignet, und in Untersuchungen wurde in dieser Hinsicht keine wesentliche Konkurrenz zwischen den einzelnen Lurcharten festgestellt (Tester, 1990). Verschiedene Vogelarten, darunter Eulen, Bussarde, Möwen, Reiher und Neuntöter, gehören zu den größten natürlichen Feinden des Laubfrosches. Im Wasser und auf den Bäumen macht auch die Ringelnatter Jagd auf sie.

Tagesaktivität
Während der Laichzeit halten sich Laubfrösche tagsüber unmittelbar in der Nähe der Laichgewässer auf. Laubfrösche sind nachtaktiv, obwohl sich bei Populationen in höheren Gebirslagen manchmal das Aktivitätsoptimum in den Tag verschiebt. Nach längeren kühleren Wetterperioden oder im Herbst ist das Sonnenbaden sehr ausgeprägt. An heißen Sommertagen wandern die Frösche dagegen gerne in den Halbschatten in tiefere Stockwerke der Vegetation. Die stockwerkartige Struktur der Sommerlebensräume ist also sehr wichtig. Auch an Regentagen sitzen die Laubfrösche meist versteckt zwischen den Blättern.

Jahreszyklus
Die Laichzeit beginnt je nach Witterung frühestens Mitte April, spätestens Anfang Mai. Bei günstiger Witterung (vor allem höhere Temperatur) kommen aber einzelne Männchen bereits Ende März in die Nähe der Laichgewässer. Die Laichzeit beginnt bei Laubfröschen nicht durch ein schlagartiges Einsetzen der Wanderung („explosive breeder“) wie bei den Grasfröschen und Erdkröten. Genausowenig kann man das Ende der Laichzeit auf eine bestimmte Zeit festlegen. Die Anzahl der rufenden Männchen geht nur langsam zurück und einzelne Männchen rufen noch Wochen nach dem eigentlichen Ende der Laichzeit. Die Laichzeit ist somit viel länger als bei anderen heimischen Amphibienarten und kann bis zu etwa 70 Tagen dauern.

Obwohl der Aktionsradius der meisten Laubfrösche relativ gering ist, gibt es doch auch Tiere, die bis über 1.500 m vom Laichgewässer angetroffen werden oder in andere entfernte Laichgewässer übersiedeln. Ab September wächst die Mobilität der Laubfrösche, plötzlich werden auch bisher unbesiedelte Bereiche aufgesucht. Vielleicht hängt diese erhöhte Mobilität mit der Vorbereitung auf den Winter zusammen und mit der Wanderung in die Winterlebensräume, beziehungsweise Überwinterungsplätze.

Rufe
Das Rufen der Laubfroschmännchen stellt die wohl auffälligste Verhaltensweise dieser Tierart dar. Man unterscheidet mehrere Rufe mit verschiedener Funktion.

* Werberufe als Paarungsrufe. Sie erwecken die Aufmerksamkeit von laichbereiten Weibchen. Bei mehreren Hyla Arten wurde nachgewiesen, daß die Weibchen auf diese Rufe mit einem direkten Zuwandern reagieren (Martof, 1961; Gerhardt und Klump, 1988). Außerdem werden dadurch Männchen an wenig genutzte Laichgewässer gelockt.
* Werberufe als Territoriumbegrenzung und Signal an andere Männchen
* Revierrufe (Einhalten einer Individualdistanz)
* Kummerrufe (= Schreckrufe) kommen bei beiden Geschlechtern vor
* Solitärrufe
Man kann Männchen durch Abspielen eines Tonbandes mit Laubfroschrufen zum Rufen anregen. Diese Rufe entsprechen dem Solitärruf (Schneider und Nevo, 1972).
Eine interessante Beobachtung machte Tester (1990): Von den insgesamt bis zu 70 oder mehr Tagen der Laichperiode sind nur etwa maximal 50 wirkliche "Ruftage". Dies wurde auch von Schneider (1971) und van Gelder und Mitarbeitern (1978) bestätigt. Die begrenzte Anzahl der "Ruftage" könnte mit dem hohen Energieverbrauch der Männchen beim Rufen zusammenhängen (Taigen und Wells, 1985). Der Paarungsruf gehört bei dieser Art zu den Tätigkeiten mit dem höchsten Energieverbrauch überhaupt. In dieser Zeit verlieren die Männchen etwa 13 % an Gewicht. Die Weibchen nehmen beim Laichen übrigens 17 % ab.
Die Zahl der rufenden Männchen nimmt in der zweiten Nachthälfte rapide ab, trotzdem findet man immer wieder Einzetiere, die bis in frühe Morgenstunden rufen (Christaller, 1984).

Wiederansiedlungsversuche
Verschiedene Autoren beurteilen das Thema "Wiederansiedlung von Laubfröschen" unterschiedlich. Wipruchtiger und Borgula (1987) lehnen solche Versuche überhaupt ab. Tester (1990) berichtet von mehreren Versuchen, die jedoch erfolglos blieben. Clausnitzer und Berninghausen (1991) berichten über erfolgreiche Versuche.

Öfters werden in Gebieten, wo Laubfroschpopulationen bereits vor langer Zeit zusammengebrochen sind, rufende Männchen festgestellt. In vielen Fällen handelt es sich um ausgesetzte Tiere, leider auch um den Mittelmeer-Laubfrosch Hyla meridionalis. Diese Versuche, so gut sie auch gemeint sind, führen nicht zu einem Erfolg. Für Wiederansiedlungen ist eine große Anzahl von Individuen erforderlich. Das wichtigste sind Habitate ausreichender Größe. Besonders Gewässer mit ausgedehnten Flachwasserbereichen und Vegetation sind geeignet. Auch Sommerlebensräume mit vielen Sträuchern müssen in der nächsten Umgebung vorhanden sein. Himbeeren und Brombeeren sind bei Laubfröschen besonders beliebt.

Wiederansiedlungsversuche können ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung dieser Art sein. Voraussetzung dafür ist jedoch, daß sie nur an solchen Stellen durchgeführt werden, wo die Biotopansprüche der Laubfrösche in jeder Hinsicht erfüllt werden: Laichmöglichkeit, Sommerlebensraum, Vegetation mit großblättrigen Pflanzen und vielen vertikalen Strukturen, genügend Blüten, die Insekten anlocken etc. Wichtig ist weiterhin, daß nur heimische (Hyla alborea), und nicht Mittelmeer-Laubfrösche (Hyla meridionalis) ausgesetzt werden. Solche Aktionen sollten nur unter fachkundiger Anleitung im Rahmen großräumiger Projekte und nicht von Privatpersonen durchgeführt werden.

Zum Abschluß ein dringender Apell an Gartenteichbesitzer und „falsche“ Tierliebhaber: KeinesfallsTiere aus der Natur entnehmen, um sie zuhause im Garten auszusetzen!

Literatur
Clausnitzer H.-J., 1986: Zur Ökologie und Ernährung des Laubfrosches Hyla arborea arborea (Linnaeus, 1758) im Sommerlebensraum (Salientia: Hylidae). Salamandra, 22, 162-172.
Clausnitzer H.-J. und F. Berninghausen, 1991: Langjährige Ergebnisse von zwei Wiedereinbürgerungen des Laubfrosches mit Vorschlägen zum Artenschutz. Natur und Landschaft, 66, 335-339.
Christaller J., 1984: Beobachtungen an Laichplätzen von Wechselkröte und Laubfrosch. Herpetofauna, 10, 6-12.
Filoda H., 1981: Das Vorkommen von Amphibien in Fischgewässern des östlichen Teils Lüchow-Dannenbergs. Beitr. Naturkunde Niedersachsens, 34, 185-189.
Gerhardt H. C. und G. M. Klump, 1988: Masking of acoustic signals by the chorus background noise in the green tree frog: A limitation of mait choise. Animal Behaviour, 36, 1247-1249.
Grosse W.-R., 1984: Zur Biotopwahl des Laubfrosches Hyla arborea L. Hercynia, 21, 258-263.
Grosse W.-R., 1986: Biotopwahl und Wanderbewegungen des Laubfrosches, Hyla arborea arborea L. Feldherpetologie, 26-29.
Hotz H. J. und M. F. Broggi, 1982: Rote Liste der gefährdeten und seltenen Amphibien und Reptilien der Schweiz. Schweizerischer Bund für Naturschutz.
Martof B. S., 1961: Vocalization as an isolating mechanism in frogs. American Midland Naturalist, 65, 118-126.
Schader H., 1983: Der Laubfrosch in Rheinhessen-Pfalz: Verbreitung, Ökologie, Naturschutzaspekte. Naturs. & Ornithol. Rheinland-Pfalz, 2, 667-693.
Schneider H., 1971: Die Steuerung des täglichen Rufbeginns beim Laubfrosch, Hyla arborea arborea (L.). Oecologia, 8, 310-320.
Schneider H. und E. Nevo, 1972: Bio-acustic study of the yellow-lemon treefrog (Hyla arborea savigny Audoin). Zool. Jb. Physiol., 76, 497-506.
TaigentT. L. und K. D. Wells, 1985: Energetics of vocalisation by an anuran amphibia (Hyla versicolor). J. Comp. Physiol., 155, 163-170.
Tester U., 1990: Artenschützerisch relevante Aspekte zur Ökologie des Laubfroschs (Hyla arborea L.). Dissertation, Universität Basel.
Van Gelder J. J. und J. G. H- M. Eijsink, 1978: De Boomkikker, Hyla arborea in Nederland. III. Geluitsproduktie. De levende Natur, 81, 218-225.
Wiprächtiger P. und A. Borgula, 1987: Die Amphibien im Kanton Luzern. Naturmuseum Luzern.
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

Antworten

Zurück zu „Natur- und Artenschutz (terrestrisch)“