Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

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Dr. Robert Hofrichter
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Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 23 Mai 2013 16:54

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Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

Unser Meer – unsere Sorge
Charta für das Mittelmeer, am 23. Mai 2013 von 20 Wissenschaftlern in Pula unterzeichnet

Vor dem Hintergrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in der mediterranen Meeresforschung kommen die Unterzeichner dieser Charta zum Schluss, dass die ökologischen Probleme des Mittelmeeres, das bereits vor 2000 Jahren als mare nostrum (unser Meer) bezeichnet wurde, brennender sind denn je. Sie weisen darauf hin, dass trotz der Veröffentlichung unzähliger wissenschaftlicher Studien und der Unterzeichnung vieler internationaler Abkommen die meisten erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Mittelmeeres nicht oder nur unzureichend umgesetzt wurden.

Zu den bereits bekannten Problemen wie Eutrophierung, Verschmutzung durch Schwermetalle, Rohöl und Pestizide sowie Überfischung und Zerstörung natürlicher oder naturnaher Lebensräume kommen eine Reihe neu erkannter Belastungen wie Plastikmüll, Lärm, Versauerung des Meeres sowie Einschleppung gebietsfremder Arten und Klimawandel hinzu. Diese vielfältigen Aspekte ziehen negative, sich gegenseitig verstärkende Effekte mit unabsehbaren Folgen nach sich, die von der Bedrohung einzelner Arten bis hin zur Vernichtung ganzer Lebensräume führen können.

Die Beweislage für das Bestehen dieser Problematik ist mehr als ausreichend. Es ist nicht erforderlich, neue Studien durchzuführen oder kostspielige Konferenzen zur Entwicklung neuer Strategien abzuhalten, um die Probleme erneut zu definieren oder bereits bekannte Lösungsvorschläge zu wiederholen. Es reicht, die existierenden Beschlüsse umzusetzen.

Trotz negativer Trends in vielen Problembereichen und umfassender ökologischer Beeinträchtigungen ist das Mittelmeer gebietsweise noch in einem Ausmaß intakt, dass die Umsetzung von Schutzmaßnahmen unmittelbar positive Wirkung hätte und in jedem Fall sinnvoll wäre. Von den Küstengebieten über das offene Meer bis hinab in die Tiefsee wird jede umgesetzte Maßnahme zur Erholung des mediterranen Ökosystems und damit zur Steigerung der Lebensqualität und zum wirtschaftlichen Erfolg aller Anrainerstaaten führen.

Die unterzeichnenden Wissenschaftler fordern von der EU sowie von den zuständigen nationalen und internationalen Behörden und Institutionen, die existierenden Aktions- und Strategiepläne für das Mittelmeer endlich umzusetzen.
Derzeit sind bloß wenige Prozente der Fläche des Mittelmeeres als Schutzgebiete ausgewiesen. Neben der konsequenten Einhaltung der Schutzbestimmungen sollten weitere kleinräumige und deshalb rasch durchsetzbare Schutzzonen eingerichtet werden. Die meisten marinen Arten haben ein beträchtliches Verbreitungspotenzial. Ein dichteres Netz kleinräumiger Schutzgebiete wird daher die Bestände auch in nicht geschützten Bereichen deutlich erhöhen. Die Erfahrungen zeigen weltweit, dass sowohl Fischereiwirtschaft als auch Tourismus von solchen Maßnahmen profitieren.

Die Weiterentwicklung des Tourismus muss verantwortungsvoll erfolgen und nicht auf Kosten der noch existierenden natürlichen Lebensräume. Nur auf diesem Wege kann für die Bevölkerung der Mittelmeerländer ein nachhaltiger wirtschaftlicher und ökologischer Erfolg erzielt werden.

Das Meer ist durch Plastikmüll und dessen Zerfall zu toxischem Mikroplastik enorm belastet. Das gesamte marine Nahrungsnetz wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Dieser Tatsache muss durch eine Reduktion des Kunststoffabfalls, durch technologische Innovation, forciertes Recycling und raschen Umstieg auf leicht abbaubare Materialien entgegen gewirkt werden.
Gezielte Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und Erziehung sollen dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein und die individuelle Verantwortung zu fördern und zu verstärken. Wir rufen jeden Einzelnen auf, seine persönliche Verantwortung wahrzunehmen und die im eigenen Wirkungsbereich möglichen Schritte zu setzen.

Die beteiligten Meereswissenschaftler unterzeichnen diese Charta in der Überzeugung, dass die unterbreiteten Vorschläge umsetzbar sind und einen effektiven Beitrag zur Bewahrung des mediterranen Lebensraums und seiner Artenvielfalt zu leisten vermögen – zum Wohl und vielfältigem Nutzen des Ökosystems Mittelmeer und der Anrainer dieses einzigartigen Meeresbeckens.

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Das offizielle Gruppenfoto zur Expedition Das Mittelmeer in Pula, Mai 2013 und zur Unterzeichnung der Charta für das Mittelmeer.

Hintere Reihe links nach rechts:
Dipl. Biol. Bastian Brenzinger
BSc. Johannes Salvenmoser
Dr. Stefphan Koblmüller
Doz. Dr. Michael Stachowitsch
Dr. Daniel Abed-Navandi
Dr. Reinhard Kikinger

Mittlere Reihe stehend von links nach rechts:
Stud. Alexander Heidenbauer
Prof. Vladimir Miljević
Mag. Clemens Stecher
Dipl. Biol. Kerstin Blassnig
Dr. Horst Moosleitner
Univ. Prof. Dr. Robert Patzner
Dr. Peter Dworschak
Dr. Hubert Blatterer
MMag. Ivo Gallmetzer
Stud. Maximilian Wagner

Mittlere Reihe sitzend von links nach rechts:
Univ. Prof. Dr. Christian Sturmbauer
Dr. Armin Svoboda
Stud. Ruth Fraissler
Mag. Alexandra Haselmair
Dipl. Biol. Tessa Böttcher
MSc. Janina Goetz

Erste Reihe von links nach rechts:
Dr. Carsten Müller mit Vicki Hofrichter
Dr. Robert Hofrichter
Mag. Gerwin Gretschel

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Re: Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

Beitrag von fidelfisch » 23 Mai 2013 17:41

Hallo Robert,
wunderbar dass ihr diese Charta entwickelt und veröffentlicht habt. Ein solches Schreiben von so einer großen Gruppe wichtiger Wissenschaftler sollte die Probleme des Mittelmeers in den Fokus der lokalen und europäischen Politik rücken. Um einen größeren Impakt bzw. eine größere Leserschaft zu bekommen, würde ich die Charta in mehrere Sprachen übersetzen. Am besten in alle Sprachen der ans Mittelmeer grenzenden Länder, wenigstens jedoch ins Englische. Wenn eine Englische Version vorliegt, könnte ich versuchen ein paar Leute aufzutreiben, die es ins Französische, Spanische, Italienische, Griechische und Arabische übersetzen.
Eine kleine Bemerkung noch zu einem Absatz mit dem ich nicht ganz einverstanden bin.
Es ist nicht erforderlich, neue Studien durchzuführen oder kostspielige Konferenzen zur Entwicklung neuer Strategien abzuhalten, um die Probleme erneut zu definieren oder bereits bekannte Lösungsvorschläge zu wiederholen. Es reicht, die existierenden Beschlüsse umzusetzen.
Gerade in Zeiten des Klimawandels und politischen Umbrüchen in der Region wird das Mittelmeer ständig neu beeinflusst und neuen Gefahren ausgesetzt, die es erforderlich machen weitere Forschung zu betreiben. Natürlich wäre es oft wünschenswert wenn Gefahren wie Überfischung, Eutrophierung, Abwässereinfluss etc. strenger überwacht und geahndet werden, aber auf die Forschung zu verzichten wäre falsch.
lg

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Re: Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

Beitrag von fidelfisch » 24 Mai 2013 08:34

Sehr schön! Gibt es denn Bestrebungen, dass der Text auch in anderen Sprachen veröffentlicht werden soll? Ich würde gerne dabei helfen und könnte ein paar Leute wegen Übersetzungen ansprechen.
lg

.fidelfisch

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Re: Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 27 Mai 2013 16:59

fidelfisch hat geschrieben:Sehr schön! Gibt es denn Bestrebungen, dass der Text auch in anderen Sprachen veröffentlicht werden soll? Ich würde gerne dabei helfen und könnte ein paar Leute wegen Übersetzungen ansprechen.
lg

.fidelfisch
Lieber Fidel, Bestrebungen gibt es, ich hoffe, dass wir nicht alle miteinander schnell in unseren Projekten versinken und ein Stillstand eintritt. Wir alle wissen, dass mediterrane Menschen nicht immer den Fremdsprachen zugetan sind... Selbst unter den Naturwissenschaftlern kommt dies vor. Wir wären für jede Hilfe bei den anderen Sprachen dankbar, falls sich solche "native speaker" finden. Danke und liebe Grüße Robert
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Re: Charta für das Mittelmeer, Pula, Mai 2013

Beitrag von fidelfisch » 27 Mai 2013 23:19

Hallo Robert,
ich habe mal ein paar Muttersprachler angeschrieben und sende dir dann die Übersetzungen per Email.
lg

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