Bestimmungsschlüssel heimischer Amphibien

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Belli
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Bestimmungsschlüssel heimischer Amphibien

Beitrag von Belli » 22 Apr 2008 06:28

Bestimmungsschlüssel heimischer Amphibien

Dieser kleine Bestimmungsschlüssel soll allen dienen, die diverse Amphibienfünde machen, jedoch keine klitzekleine Idee davon haben, was sie im Erhebungsbogen, bei der Art ausfüllen sollen :).

Ich werde hauptsächlich nur die wichtigsten Merkmale anführen, schließlich geht es im Freiland darum, so schnell als möglich ein Tier bestimmen zu können. ;)

Ich werde mal bei den Schwanzlurchen beginnen :), Urodela.

Dazu zählen die Salamander:
Zum Beispiel, vermutlich eh allen bekannt:

1.) Salamandra salamandra, Feuersalamander
Bild
-stark entwickelte Ohrdrüsen
-Schwanz im Querschnitt rundlich bis oval
-Pechschwarz mit leuchtend gelber, oranger oder roter Zeichnung
-bewohnt hauptsächlich hügelige Waldgegenden bis etwa 800 m; fast immer an feuchten Stellen; nachtaktiv.

2.) Salamandra atra, Alpensalamander
Bild
-einheitlich schwarz oder dunkelbraun
-wieder stark entwickelte Ohrdrüsen und
-runder Schwanzquerschnitt
-montane Art, in Gebirgen zwischen 800 und 2000 m, feuchte Waldgebiete, vorwiegend nachtaktiv, vivipar.

Nun zu den Molchen, bei ihnen sind die Ohrdrüsen weniger entwickelt, als bei den Salamandern und auch der Schwanz nicht mehr drehrund, sondern seitlich leicht eingedrückt. Wichtigstes Erkennungsmerkmal: der Bauch:

3.) Triturus alpestris, Bergmolch
Bild
-Bauch ungefleckt
-Bauch orange bis rot
-Oberseite dunkel
-oft zahlreiche weißliche Tupfen an den Flanken
-fast immer in der Nähe von stehenden und fließenden Gewässern; bis 3000 m

4.) Triturus cristatus, Kammmolch
Bild
-Bauch mit dunklen Flecken auf gelbem Grund
-Oberseite dunkelbraun oder schwarz
-In Österreich 3 Unterarten; zur Paarungszeit in stehenden bzw. langsam fließenden Gewässern mit reichem Pfalnzenbestand sonst terrestrisch; bis 100 m

5.) Triturus vulgaris, Teichmolch
Bild
-wichtigster Unterschied zum Kammolch: Längsstreifen am Kopf
-wieder gefleckter Bauch, jedoch nicht so stark wie der Kammmolch
-durchgehender Kamm, vom Kopfende bis zum Schwanzende
-Außerhalb der Paarungszeit eher terrestrisch; im Flach- und Hügelland


Die Froschlurch :), Anura:

Bufonidae, Kröten

6.) Bufo bufo, Erdkröte
Bild
Bild
-Ohrdrüsen hinten trapezförmig, relativ weit auseinander liegend
-Interorbitalraum (Raum zwischen den Augen) breit
-Höckerchcen auf der Unterseite der länsten ZEhe der Hinterbeine paarig
-dunkle, bräunliche, olive bis graue Rückenfärbung
-verbreitet und häufig;nachtaktiv; meist in Wäldern

7.) Bufo clamita, Kreuzkröte
Bild
-olivfarbene, graue oder bräunliche Oberseite
-meist mit gelber Linie entlang der Rückenmitte
-sehr kurze Hinterbeine
-Höckerchen auf der Unterseite der längsten Zehe paarig
-meist auf sandigen Böden; selten

8.) Bufo viridis, Wechselkröte
Bild
-Oberseite mit kräftigen grünen, meist dunkel umrandeten Flecken
-Hinterbeine deutlich länger und kräftiger als Vorderbeine
-Höckerchen auf der Unterseite der länsten Zehe einfach
-Ohrdrüsen paralell
-oft in größerer Entfernung vom Wasser auf Sandböden

Einer kleines Zwischenamphib, um einen fließenden Übergang zu den Fröschen, Ranidae, machen zu können ;):

9.)Pelobates fuscus, Knoblauchkröte
Bild
-Hinterfüße an der Innenseite mit einer scharfen, großen Hornplatte
-Pupille senkrecht
-Zunge hinten frei
-keine warzige Haut

10.) Rana ridibunda, Rana lessonae, Rana esculenta, Wasserfrosch
Bild
-Hinterbeine erreichen, an den Körper angelegt, mit dem Fersengelenk das Auge oder ragen darüber hinaus
-Interorbitalraum schmäler als ein oberes Augenlid
-kein dunkler Schläfenfleck vorhanden
-Schwimmhäute der hinterextremitäten reichen bis zu den Zehenspitzen
-Leopardenmuster zwischen den Oberschenkeln

11.) Rana dalmatina, Springfrosch
Bild
-hinteres Fersengelenk reicht über Schnauzenspitze hinaus
-Trommelfell groß und nahe am Auge
-Bauch hell und nicht gefleckt
-vorwiegend in lichten Laubwäldern
-Frühlaicher

12.) Rana temporaria, Grasfrosch
Bild
-Schnauze stumpf
-Unterseite leicht gefleckt
-Hinterbeine reichen höchstens bis zur Schnauzenspitze
-Häufig, weit verbreitet; von der Ebene bis über 2000 m

13.) Hyla arborea, Laubrosch
Der einzige Baumfrosch in Österreich :).
Bild
-ganz wichtig: Finger- und Zehenspitzen zu runden Saugscheiben verbreitert
-keine Ohrdrüsen
-Haut oberseits einehitlich gefärbt und glatt
-auf der Unterseite körnig
-kleine Frösche bis max. 5 cm
-lebt in vegetationsreichen Feuchtgebieten; Art des Tieflandes; auf Bäumen und Sträuchern


Und zu guter letzt noch die Unken, Discoglossidae:
In Österreich gibt es 2 Arten: Tieflandunke Bombina bombina und Bergunke Bombina variegata, die hybridisieren.
Bild
-Haut stark warzig
-Hinterfüße ohne Hornplatte
-Unterseite gefleckt
-Pupille herzförmig
-Zunge hinten angewachsen
-bis 5 cm


Danke für einige Bilder an die Herpag ;)!
Bestimmungsschlüssel zu den heimischen Reptilien folgt demnächst!
Gibt es denn jemanden, der nichts merkt, nichts von dem wundersamen Geheimnis ahnt, das über diesem Meer liegt, dessen sanfte Wogen von einem unter ihnen verborgenen Wunder zu erzählen scheinen? (Melville)

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Beitrag von Dominik » 22 Apr 2008 09:52

Hey belli, sag mal machst du gerade die Bestimmungsübungen auf der Uni? Habe mir vor 2 Wochen genau das gleiche zusammengeschrieben, sogar die Fotos sind die gleichen.
Super dass du das online stellst...

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Beitrag von Jaqueline » 22 Apr 2008 18:22

hehe ich musste das auch grad zamschrieben für die neusiedlersee EX
:-)
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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 22 Apr 2008 18:43

:) Schöne Übersicht!!! :)

Ich freue mich, dass jetzt mehr Froschlurche im Forum auftauchen :)
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Beitrag von Belli » 22 Apr 2008 22:44

@Dominik:
Jep mach grad die Bestimmungsübungen... du leicht auch :)? An welchem Tag bist du? Ich bin immer Donnerstags...
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Beitrag von Anfib » 23 Apr 2008 11:11

Liebe Belli!

Danke auch für die Informationsmöglichkeiten! :!: :!: :thx:
Wer unterrichtet denn eigentlich bei Euch diese Tierbestimmungen?

Natürlich habe ich ein paar Anmerkungen :wink:

1) Also grundsätzlich dürfen wir uns in Österreich ja an 20 Amphibienarten erfreuen, wobei der Teichfrosch (Pelophylax kl. esculentus) eigentlich keine wirkliche biologische Art darstellt, sondern eine Hybridform (oder wie immer man es nennen will).

2) Die Molche: Bei den Molchen ist es jetzt so, dass es 2004 eine Aufspaltung gegeben hat:

Bergmolch: jetzt Mesotriton alpestris, die einzige ARt in dieser neuen Gattung (Mittelgroße Wassermolche wenn man so will). Es ist aber fraglich, ob diese Gattung gültig ist.

Teichmolch: jetzt Lissotriton vulgaris, in dieser neuen Gattung finden sich alle kleinen Wassermolche, also auch Fadenmolch, Italienischer Molch usw.

Kammmolche: bleiben Triturus und sind laut Molekularbiologen keine Unterarten mehr sondern gültige ARten, wobei auch hier Hybridisierung üblich ist, man spricht also von Arten "in statu nascendi", die im Entstehen begriffen sind.
in Österreich also:
Triturus cristatus (Nördlicher Kammmolch),
Triturus carnifex (Alpen-Kammmolch),
Triturus dobrogicus (Donau-Kammmolch)

Die morphologischen Unterschiede zwischen diesen Arten sind bei uns nicht aussagekräftig genug, um in jedem Fall eine genaue Bestimmung durchführen zu können!

Das Vorkommen in langsam fließenden Gewässern gilt eigentlich nur für den Donau-Kammmolch.

Die Kammmolche sind 2-3 mal so groß, als Teichmolch (der kleinste) und Bergmolch!

3) Die Froschlurche
Die westpaläarktischen Wasserfrösche wurden 2006 als eigene Gattung von den Braunfröschen (Rana) abgetrennt und gehören jetzt zur Gattung
Pelophylax (wodurch sich für Spitzfindige auch ein Geschlechtertausch im lateinischen Namen vollzogen hat:-)

Also jetzt:
Pelophylax ridibundus
P. kl. esculentus
P. lessonae


Bei den Braunfröschen ist für Ost- und Südösterreicher auch noch der Moorfrosch (Rana arvalis) zu erwähnen, der von den Merkmalen her ein Zwischending von Gras- und Springfrosch ist. Sie sind ebenso Explosivlaicher, wobei die Männchen für wenige Tage eine eindrucksvolle Blaufärbung aufweisen (vielleicht hat jemand ein Foto?)

Im Waldviertel R. arvalis arvalis, im restlichen Verbreitungsgebiet in Österreich R. arvalis wolterstorffi

Und zu guter letzt die lieben Unken,
die haben jetzt sogar eine eigene Familie gekriegt, nämlich die
Bombinatoridae :applaus:
Sie sind übrigens unsere entwicklungsgeschichtlich ältesten Anuren (man könnte auch rückständig sagen, tut man aber nicht:-)

Hoffe ihr könnt mit meiner Klugpiepserei was anfangen,
liebe Grüße,
Andreas
Am raffiniertesten wichtig macht sich der Schweigende (Konrad Zündel)!

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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 23 Apr 2008 11:19

:shock: :streichel: :applaus: :thanks:

Danke Anfib!!! Ich kenne mich mit Lurchen offensichtlich gar nicht mehr aus, was sich da in den letzten Jahren getan hat ... :shock: ist ja sagenhaft. Ich muss wieder von vorne anfangen.

Danke für diese fachkundige Ergänzung. Ich habe mir gerade versucht 1000 Namen aus dem Roten Meer einzuprägen, von Pelophylax habe ich noch nie gehört .. :?
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Beitrag von Dominik » 23 Apr 2008 11:21

Belli: ich bin in der Dienstagsgruppe.

Anreas: die Bestimmungsübungen werden von Prof. Waizbauer geführt. Aber wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass es ein paar Änderungen in der Systematik gab. Unterrichtet werden jedoch die traditionellen Bezeichnungen. Du weißt ja: Uni Wien = traditionell

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Beitrag von Anfib » 23 Apr 2008 13:04

Solange die Tradition der Tierbestimmungsübungen aufrecht gehalten wird, ist mir alles andere sehr egal :wink:
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Beitrag von Belli » 24 Apr 2008 23:32

Hey, danke Anfib! Brauch die ganzen neuen Namen nämlich grad für ein Protokoll :)! Praktisch praktisch ;)!


@Dominik: Nächsten Dienstag wern wir uns wahrscheinlich in den BestimmungsUE übern Weg laufen :)! Sozusagen, das erste live-Treffen :)!
Wenns geht, setz dir bitte die Sonnenbrille auf, damit ich dich erkenn ;)!
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Beitrag von Dominik » 25 Apr 2008 01:17

Sonnenbrille gerne... 8)

Teffen wir uns 10min früher vor der Tür, dann kömma gemeinsam bestimmen.

see ya...

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Beitrag von Belli » 25 Apr 2008 10:07

sehr fein! :)
dann bis nächsten di 8) !
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