RSEC Dahab 09: Clean Up Berichte - Gefahren von Müll

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CoralChris
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RSEC Dahab 09: Clean Up Berichte - Gefahren von Müll

Beitrag von CoralChris » 23 Okt 2009 15:25

Clean up Bericht 2009

Die Gefahren durch Abfälle im Ozean bestehen nicht nur lokal in Dahab, sondern weltweit.

Eine einzige Zigarettenkippe kann etwa 40 bis 60 Liter Grundwasser verunreinigen, ganz zu Schweigen von den 1,2 Millionen Hektar Waldland in den Subtropen die dem Tabakanbau jedes Jahr zum Opfer fallen.
Plastikflaschen beispielsweise bieten zwar künstliche Oberflächen für die Ansiedlung von neuem Leben, jedoch sind die negativen Auswirkungen auf alles Leben im Ozean gravierender.

Die Problematik um den Abbau von Kunststoff ist besonders umstritten, da dieser noch nicht lang genug existiert, um genaue Zeitangaben nennen zu können. Seine Geschichte beginnt im 17. Und 18. Jahrhundert mit der Einführung von Naturkautschuk, in Deutschland als Gummi bekannt. Kunststoffe, wie sie heute bekannt sind, werden erst seit 60 Jahren produziert.

Nachgewiesen ist, dass Kunststoffe durch exogene Prozesse wie Erosion durch Wind und Wellen zerkleinert werden, bis zu einer Größe von 3-5mm, so dass sie mit bloßem Auge nur schwer von anderem groben Sediment zu unterscheiden sind. Globale Oberflächen- und Tiefenströme sorgen dafür, dass sich die Abfälle in so genannten „Müllstrudeln“ sammeln und immer wieder an die Strände gespült werden. Diese Strudel rotieren über Jahre oder Jahrzehnte. Der größte Müllstrudel wird auf die doppelte Größe von Texas geschätzt, 1000 Meilen westlich von Californien.
Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) gehen von bis 18.000 Plastikteilen pro Quadratkilometer Meeresfläche aus. In Sandproben fand man heraus, dass die Plastikpartikel bis zu einem Viertel des gesamten Gewichts ausmachen.
Die schädliche Wirkung auf Meerestiere ist noch nicht weitreichend genug bekannt. Von einer Schädigung durch freigesetzte oder durch den Kunststoff aufgenommene Giftstoffe, wie DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) und PCB (Polychlorierte Biphenyle), ist aber auszugehen. Im Plastik enthaltene endokrin wirksame Substanzen beeinträchtigen die Fortpflanzung und das Wachstum. Die Tiere, die diese Schadstoffe aufnehmen, können darunter leiden oder sogar verenden. Auch mechanische Verletzungen und Verstopfung durch Abfälle sind sehr häufig. (Richard Thompson, Universität Plymouth).
Seehunde z.B. bleiben in Getränkekästen stecken, Fische und Delfine verfangen sich in verlorenen Fischernetzen aus Nylon, Seevögel erwürgen sich an Bierdosen-Sixpacks, Meeresschildkröten verwechseln Plastiktüten mit ihrer eigentlichen Nahrung, den Quallen, können nicht mehr verdauen und sterben. Etwa ein Drittel der Jungvögel des Albatross auf den Midwayinseln (Inseln im Nordwesten von Hawaii) sterben jährlich, weil sie von ihren Eltern versehentlich mit Plastikpartikeln gefüttert werden. Am Strand und im Flachwasser werden die kleinen Plastikkügelchen, die wie Sandkörner aussehen von Krabben, Wattwürmer und Fischen gefressen.
Die am Plastikmüll verendeten Tiere werden ihrerseits gefressen und führen so zu einer Anreicherung der Schadstoffe in der Nahrungskette. Wenn die Fische nicht daran sterben, sammeln sich die Toxine in ihrem Organismus an und landen so auch bei uns auf den Tisch.

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Aber wie gelangt der ganze Müll ins Meer?


Der Müll wird nur in den wenigsten Ländern gesammelt und wiederaufbereitet, sondern auf der Straße oder im Wasser entsorgt. Ein großer Teil gelangt durch die Flüsse ins Meer oder wird von Besatzungen der Schiffe über Bord geworfen. Auch kann es passieren, dass Frachtschiffe ihre Ladung verlieren. Das Frachtschiff Tokio Express auf dem Weg von Hongkong nach Washington, welches 1992 29000 Lego-Spielzeugfiguren verlor, ist nur ein Beispiel von vielen. Beobachtungen zeigen leider, dass sogar die Restaurants an der Strandpromenade, deren Existenz vom Tourismus abhängt, Abfälle im Riff hinterlassen. Restaurantgäste schmeißen Plastikflaschen achtlos ins Meer, da sich die Restaurants unmittelbar am Wasser befinden.

Was kann man tun?

Die seit 2007 bestehende Aktion „Clean up“ des RSEC in Kooperation mit Sinai Divers Backpackers zur Beseitigung von Abfällen aus den lokalen Riffen in und um Dahab und zur Reinigung der Strandabschnitte in Dahab ist weiterhin dringend nötig. Die Resultate der diesjährigen bisherigen 60-120 minütigen Strandreinigungen während der Volontärzeit sprechen ein deutliches Bild.

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Um den Tourismus aufrecht zu erhalten, insbesondere den Tauchtourismus und um die Korallenriffe für die nächsten Generationen nachhaltig zu erhalten und beschützen ist Umweltbildung vor Ort absolut notwendig.
Am internationalen Clean up day am 19. September ist eine große Aktion in Assalah in Dahab geplant. Damit soll auf die Verschmutzung des Meeres und der Strände verursacht durch Touristen und Einheimischen aufmerksam gemacht werden.
Jeder ist dazu aufgerufen dabei zu helfen die Strände von Dahab zu reinigen und ein gutes Beispiel zu setzen um mehr Menschen auf das Problem hinzuweisen.
Die RSEC Voluntäre versuchen Freiwillige zum Helfen zu bewegen indem sie Infoblätter in Restaurants und Hotels hinterlassen, die unter die Glasplatten der Tische gelegt oder in die Speisekarte geheftet werden damit sie nicht wieder aus dem Meer gefischt werden müssen. Außerdem wird über Email, Facebook und die RSEC-Homepage geworben. Es ist geplant, dass alle Helfer werden ein Armband mit dem RSEC-Logo tragen.

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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 23 Okt 2009 17:47

Danke für den schönen Beitrag - und den wichtigen Beitrag zum Umweltschutz! :) Ja, die Zigarettenkippen ... :? Dazu hatten wir schon einmal einen allgemeinen Artikel, den ich während der WDR-Dreharbeiten auf den Kanaren geschrieben habe: https://mare-mundi.eu/forum/viewtopic.php?t=4188
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Beitrag von horstartur » 24 Okt 2009 16:28

Hier auch noch mal ein Bericht über eine Initiative in Griechenland. Wichtig: in der Landesprache
Auch hier sind die Zigarettenkippen nicht vergessen worden bzw. sie werden bewußt am Strand vergessen

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Embryologie, Entwicklungsbiologie, Zoologie, Evolution,Gentechnik, Amphibien, Video (auch UW-Fluoreszenz) , Naturschutz, Galapagos, Seniorkapitän, LeipzigAir http://www.leipzigair.de/
Homepage: http://www.uni-due.de/zoophysiologie/

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