Gute Nachricht für Freunde der Walhaie: Bonner Konferenz verbietet die Jagd

Der Walhai ist der Liebling aller Taucher und Meeresfreunde: Ein harmloser, sanfter Riese (über seine Maximalgrößen kursieren immer noch Legenden – selbst FishBase gibt unrealistische 20 m an …), der aber aus mehreren Gründen massiv unter Druck steht. Erstens sind die Reproduktionsraten der Haie generell ziemlich niedrig (obwohl sie gerade beim Walhai höher liegt als beispielsweise beim Weißen Hai). Eine einzige Flosse eines Walhais kann in Südostasien horrende Erlöse von 50.000 Dollar und mehr erzielen. Und die Chinesen verwenden Produkte aus Walhaien in ihrer traditionellen Medizin (was verwenden sie eigentlich nicht?). Selbst zu Fischmehl werden Walhaie verarbeitet. Walhaie sind hoch migratorisch, unternehmen also transozeanische Wanderungen, was es schwierig macht sie zu schützen. Doch nun darf der Walhai, der größte Fisch der Welt, zumindest offiziell nicht mehr gejagt werden. Er wurde sogar im Anhang I der Bonner Konvention gelistet. Auch seine Lebensräume sollen nun strenger geschützt werden. Das haben immerhin 126 Staaten beschlossen. Natürlich ist der Walhai dadurch allein noch nicht gerettet, doch zeigt diese erfreuliche Entwicklung, dass der unermüdliche Einsatz von Meeresschutzorganisationen und Experten Sinn macht! Vgl. dazu  Warum Naturschutz für uns alle von entscheidender Bedeutung ist?

 

Grund zur Freude nach der Konferenz in der philippinischen Hauptstadt Manila: Nicht nur Löwen, Giraffen, Schimpansen und rund 30 weitere Tiere sollen international besser geschützt werden, sondern auch der Walhai (und etwa der sehr stark bedrohte Blauhai). Gerade den erhöhten Schutz von mehreren Haiarten feierten Umweltorganisationen als besonderen Erfolg. Die Manila-Ergebnisse stärken die Zusammenarbeit im weltweiten Artenschutz, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

 

Über den Walhai (Rhincodon typus)

Der größte Hai und Fisch der Welt zählt systematisch zu den Knorpelfischen, den Galeomorphii, unter ihnen zu den Ammenhaiartigen (Orectolobiformes), die Ähnlichkeit mit Ammenhaien ist offensichtlich, und in weiterer Folge bilden sie eine monotypische Familie mit dieser einzigen rezenten (noch lebenden) Art. Wie andere große Knorpelfische auch ernähren sie sich ähnlich wie Riesenhaie und Riesenmaulhaie von Plankton, Kleinlebewesen und Fischen, die noch durch ihren Rachen passen, die sie durch Ansaugen des Wassers durch das Maul in ihren Kiemenreusen herausfiltrieren.

Geschlechtsreif werden Walhaie mit 440 – 560 cm, die maximale Länge ist umstritten, sehr große Exemplare sind immer seltener. Sicher vermessen waren Tiere mit etwa 13 m. Das maximale Alter ist nicht genau bekannt, die Angaben schwanken zwischen 70 und 100 Jahren. Jungtiere leben möglicherweise in größeren Tiefen, über sie ist aber nur wenig bekannt. Nur selten werden kleine Walhaie gesichtet.

Walhaie kommen manchmal einzeln, manchmal in Ansammlungen von bis zu 100 Tieren vor. Die Reproduktion ist ovovivipar, das bedeutet, dass die Embryonen in ihrer Eihülle in der Mutter vom Dottermaterial leben. Erst wenn sie etwa 58 bis 64 cm TL (Totallänge) erreichen, schlüpfen sie aus dem Ei und werden anschließend geboren. Nach außen sieht es somit so aus, als ob Walhaie lebendgebärend wären. Bis zu 300 Embryonen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien hat man in einem Weibchen gefunden. Die Jungtiere kommen also nicht wie bei anderen Haiarten alle gleichzeitig zu Welt.

 

Die Bonner Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS) hat über 120 Mitglieder – dazu zählen fast alle Staaten Europas und Südamerikas, die meisten Staaten Afrikas, nicht aber die USA. Der Walhai steht nun im Anhang I, das bedeutet den höchsten Schutzstatus. Status nach CITES:  Endangered (EN) (A2bd+4bd) CITES (Ref. 94142).

 

 

The Twelfth Session of the Conference of the Parties to the Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS COP12) is being held in Manila, the Philippines, from 23 to 28 October 2017 – the first time that the COP will ever have been held in Asia. The COP will be preceded by a High Level Panel (22 October) which will be moderated by a leading international broadcast journalist and will involve dignitaries and celebrities including executives of international organizations and prominent goodwill ambassadors … Mehr über dieses wichtige Treffen The Twelfth Session of the Conference of the Parties to the Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals lesen Sie bitte hier. Wikipedia informiert ausführlich über die Bonner Konvention.

 

Der Wert der Walhaie für den so genannten Ökotourismus ist enorm. Die Philippinen haben in Manila die Initiative übernommen um für Walhaie einen besseren Schutzstatus weltweit zu erreichen. Auch sie selbst profitieren davon, wie auch alle anderen Länder, in denen der kosmopolitische Walhai vorkommt und zehntausende Touristen anlockt.

 

Populationsrückgang in den letzten Dekaden um 50 bis 63 %

Based on count data, modelled population estimates and habitat availability, 75% of the global Whale Shark population is inferred to occur in the Indo-Pacific, and 25% in the Atlantic. A variety of datasets present declines of 40-92%, inferring an overall decline of 63% in the Indo-Pacific over the last 75 years (three generations), resulting in a subpopulation assessment of Endangered A2bd+4bd. In the Atlantic, the overall population decline is considered to be lower at  ≥30%, resulting in a subpopulation assessment of Vulnerable A2b+4b. Given the bulk of the global population occurs in the Indo-Pacific, the overall global decline is inferred to be ≥50%. Globally, the Whale Shark is therefore assessed as Endangered A2bd+4bd. (Infos aus IUCN).

 

Walhai und sein weltweites Vorkommen (leider: bis auf das Europäische Mittelmeer). Doch diese Karte nach FishBase zeigt ein Idealbild der ursprünglichen Verbreitung, die roten Bereiche schrumpfen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Mafiöse Geschäfte mit Haiflossen reduzierten die Bestände dramatisch, selbst zu Fischmehl werden Walhaie verarbeitet. Nun hat der Artenschutz etwas bessere Karten in der Hand, doch der Kampf um den Erhalt des sanften Riesen der Ozeane geht weiter. Helfen auch Sie dem Meeresschutz!

 

Bericht und Fotos: Dr. Robert Hofrichter, MareMundi

Wichtige Quelle: Colman, J.G., 1997. A review of the biology and ecology of the whale shark. J. Fish Biol. 51(6):1219-1234

Fishbase: http://fishbase.org/summary/2081

IUCN: http://www.iucnredlist.org/details/19488/0