Haie und die Fischer von Krk

Unsere Sharkproject-Stipendium Gewinnerin, Anna Schipany, ist zur Zeit bei der Schule am Meer auf Krk, um für ihre Masterarbeit Daten zu sammeln. Dazu gehören Interviews mit Fischern aus der Region. Astrid Hickmann und Daniela Kerekes begleiten Anna regelmäßig, um die spannenden Geschichten der Seemänner zu dokumentieren. Hier das Interview von Anna Schipany mit einem ehemaligen Fischer aus Punat auf der Insel Krk – Edi Franolić.


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Anna Schipany mit dem ehemaligen Fischer Edi Franolić vor dem Schiff MB Košljun, auf dem sie das Interview für ihre Masterarbeit führte. Die Masterarbeit “Haie und Rochen in der Kvarner Bucht” in Zusammenarbeit mit Sharkproject und mare-mundi bei der Schule am Meer auf der kroatischen Insel Krk entsteht.

Sichtet man zu dieser Zeit Haie?

Jetzt um diese Zeit, zu dieser Saison sieht man fast keine Haie, weil es zu warm ist und sie deshalb in tieferen Regionen schwimmen.

Wir tauchen normalerweise zwischen Plavnik und Cres, in der Gegend bei den Gefängnisinseln. Zwischen Plavnik und Cres befindet sich ein tieferes Becken mit 113 Metern. Die Leute gehen dort nicht so oft tauchen, aber wenn man dorthin fischen geht befinden sich öfters Haie wie z. B. am Meeresboden den Dornhai.

Letztes Jahr sahen sie bei Plavnik einen Sandbankhai bei einer Tiefe von 24 Metern. Jemand von den Tauchern filmte ängstlich mit seiner Kamera. Der Hai näherte sich dem Taucher bis zu einem Meter.

Vor Zwei Jahren wurde der Hai auf der gegenüber liegenden Seite gesehen mit der gleichen Größe und Länge.

In dieser Saison sieht man sie aber nicht, weil sie tiefer schwimmen. Den Blauhai könnte man im September und Oktober beobachten. Wenn du mit dem Boot kommst siehst du ihn an der Oberfläche ausschauhaltend nach Fischen.

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Edi Franolić, ein ehemaliger Fischer zeigt an Board des Bootes MB Košljun der Masterstudentin Anna Schipany die Wege der Fischerboote rund um die Insel Krk.

Die letzte Attacke von einem Blauhai war 1964 bei Rijeka. Der Hai folgt oft den Schiffen und man sieht ihn fast jedes Jahr dort. Der typische mediterranische Hai ist der Blauhai. Ich habe schon ein paar Mal Blauhaie gefangen, aber auch oft Dornhaie. Ich fing immer bis zu 4000 Kilo am Tag.

Wann hast du die Dornhaie gefangen?

Das war im Jahr 2010. Der größte Dornhai, den ich gesichtet habe war 2 Meter lang.

Du bist kein Fischer mehr?

Nein ich habe mein Diving Center und fahre mit den Tauchern hinaus und das ist alles.

Welche Fischer gäbe es noch?

Der Nachbar neben mir könnte dir weiterhelfen, er spricht gut Englisch.

Welche anderen Haie hast du noch gesichtet?

Der Glatte Engelshai wird sehr selten gesehen, der Katzenhai wird oft gesehen, er folgt auch den Boten. Es ist immer möglich den Katzenhai zu sehen.

Hast du schon einmal einen Hammerhai gesichtet?

Nein noch nie. Diese gibt es normalerweise nur im Roten Meer.

Wie lange warst du Fischer?

Ich begann 1984 bis 2012. In 2005 begann ich mit den Tauchern zu arbeiten und ab 2012 blieb ich bei meiner Diving Base und hörte mit der Fischerei auf.

Weißt du welche Haie im Winter hier sind?

Ja den Dornhai sieht man öfter. Die Taucher haben dann öfter Angst einen Hai zu sehen. Ich sage ihnen immer dass wir in ihr Areal eindringen. Er sieht uns schon viel früher als wir ihn erkennen, aber meistens flüchtet er, weil er uns nicht kennt.

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Anna Schipany notiert die Punkte von Hai- und Rochensichtungen in der Kvarner Bucht auf der Karte. Blauhai (Prionace glauca), Fuchshai (Alopias vulpinus), großgefleckter Katzenhai (Scyliorhinus stellaris) und der Riesenhai (Cetorhinus maximus) sind einige der Arten, die die Fischer in der Kvarner Bucht schon gesichtet haben.

 

Welcher Hai ist im Winter zu sehen?

Der Blauhai wird öfters gesichtet. Vor einem Jahr war ein Apnoetaucher mit Harpune auf Jagd und hatte durch die Fische den Hai angelockt und wurde dadurch attackiert.

Gibt es viele Fischer in Krk?

Nein nicht mehr viele, die jüngere Generation übt diesen Beruf nicht mehr aus. Die meisten Fischer sind in Punat. Auch in Pinesittv gibt es einige Fischer. Es gibt sogar einen Fischer dort, welcher schon ein paar Mal den Fuchshai gefangen hatte.

Die kleineren Fische bzw. Haie müssen lebendig oder tot wieder ins Meer geworfen werden. Sie dürfen nicht verkauft werden.

Was ist mit den Schleppernetzen am Meeresgrund, bekommt ihr da manchmal Probleme mit den Inspektoren?

Nein, eigentlich nicht. Wir müssen immer zuerst die Größe prüfen, dann müssen wir schauen wie viele Exemplare in die Kisten passen und danach gibt es noch eine letzte Kontrolle vor dem Verkauf. Es werden oft Delfine beobachtet, welche den Schiffen folgen, da die Schleppernetze mit Fischen vollbeladen sind.

Wie wissen die Fischer wo sie überall fangen dürfen?

Sie bekommen eine Bescheinigung des Ministeriums in welchen Gebieten sie überall fischen dürfen. Es gibt Gebiete, welche für Schleppernetze gesperrt sind, da sie nicht zu tief sind und geschützt werden. Dann gibt es wiederum auch internationale Gebiete, dort kann jeder fischen gehen.

Haben sie bestimmte Methoden mit denen sie die Fische fangen?

Nein, sie verwenden Schleppnetze, ein gutes Sonar und viel Erfahrung.


Interview: Anna Schipany
Fotos: Astrid Hickmann
Redaktion: Astrid Hickmann


mare-mundi und die Schule am Meer bedanken sich bei Sharkproject Austria für die finanzielle Unterstützung der Masterarbeit von Anna Schipany über Haie und Rochen in der Kvarner Bucht.

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