Im Wunderwald der Pilze und marine Fungi

Im Wunderwald der Pilze und … marine Fungi …, auf den ersten Blick passen diese beiden Begriffe nicht zusammen. Was sollte auch der Wald mit dem Meer gemeinsam haben?

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Fragen über Fragen

Wer kann tödliche Dosen radioaktiver Strahlung vertragen und sogar noch davon profitieren? Welche Kreatur gedeiht nach Buschfeuern besonders gut? Wer zählt zu den besten Kugelstoßern in den verschiedenen Reichen der Lebewesen? Welches Gewächs verwendet winzige Schlingen, Lassos sozusagen, um damit kleine Tierchen zu fangen? Wer kann anderthalbtausend Fußballfelder groß werden – und mehr als 1.500 Jahre alt? Wer braucht kein Licht und kann dennoch sehr gut leben? Wer ist der beste Allesfresser, der sämtliche Mitstreiter alt aussehen lässt? Wer kann tödliche Erkrankungen bei Pflanzen und Tieren verursachen, gleichzeitig aber auch tödliche Krankheiten besiegen? Wer kann sich in unserer Lunge, am Fuß und in der letzten Ecke unseres Körpers wohlfühlen? Wer baut gemeinsam mit einem völlig fremden Lebewesen eine weitere, dritte Kreatur auf, die weder mit dem ersten noch mit dem zweiten identisch ist und am Ende eine völlig neuartiges Lebewesen darstellt? Wer macht uns wenig Freude in den Fugen der Badezimmerwand, dafür aber umso mehr im Wald und auf Wiesen? Wer bildet im Waldboden eine Autobahn für nützliche Bakterien, wer das Internet der Bäume? Wer war für das erste Lebensmittelgesetz der Geschichte verantwortlich?

Und, entscheidend für unser Thema: Welche Organismengruppe, von der wir es überhaupt nicht erwarten, kommt auch im Meer vor?

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Im Wunderwald der Pilze: Ein neues Buch über Pilze entsteht mit Beteiligung von mare-mundi

Fragen über Fragen, man könnte sie endlos fortsetzen. Die Antworten darauf finden sich in einem neuen Buch mit dem Arbeitstitel “Im Wunderwald der Pilze”, an dem bereits fleißig gearbeitet wird und das 2017 erscheinen soll. Der Autor, Robert Hofrichter, beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit Pilzen. Bei einem hauptberuflichen Meeresbiologen überrascht es nicht, dass das neue Buch auch ein Thema anspricht, von dem man sehr wenig weiß. Oder wussten Sie, dass es Pilze (Fungi) auch im Meer gibt, und dass sie zu den am wenigsten erforschten Meeresorganismen ge­hören?

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Marine Pilze – eine wenig bekannte Gruppe von Meereslebewesen

Nicht zum ersten Mal widmet sich Robert Hofrichter dem Thema “marine Pilze”. Bereits im Band II/1 von Das Mittelmeer hat er als Koautor am Kapitel über die geheimnisvollen Meeresbewohner mitgearbeitet: Schaumann, K. and Hofrichter, R. (2003): 4. Fungi (Pilze) und heterotrophe Chromista (pilzähnliche Protisten) , Hofrichter, R. (Ed.) Das Mittelmeer – Fauna, Flora, Ökologie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin,Bd. II/1, Kap. 4 .

Die Pilze bilden neben den Archaea, Bacteria, Protista, Plantae und Animalia ein selbstständiges, klar abgegrenztes Reich unter den Organismen. Unser Wissen über ihre mikroskopisch kleinen marinen Vertreter ist sehr beschränkt. Es ist noch nicht lange her, als viele Wissenschaftler die Existenz mariner Pilze leugneten und die wenigen Vorreiter des Fachs, die sich ihnen widmeten, ins schlechte Licht stellten.

Die marinen Pilze sind keine eigenständige, systematisch-taxonomische Kategorie innerhalb des Reichs Fungi, sondern  eine ökophysiologisch definierte Gruppierung. Es sind Pilze unterschiedlicher Taxa, die im Meer leben und an den Stoffumsetzungen ihrer Habitate aktiv beteiligt sind. Man unterscheidet drei Gruppen von im Meer vorkommenden Pilzen – je nach dem Grad ihrer Bindung bzw. Zugehörigkeit zum marinen Milieu:

  • „obligat marine Pilze“, die ausschließlich im Meer wachsen und sich nur dort vermehren;
  • „fakultativ marine Pilze“, die außer im Meer auch in anderen Lebensräumen vorkommen;
  • „marine Pilzisolate“, die zwar lebens- und wachstumsfähig aus dem Meer isoliert werden, aber deren aktive Beteiligung an den Stoffumsetzungen im Meer noch fraglich ist.

Als „nicht marine Pilze“ gelten diejenigen Pilzkeime, die zwar in Form ruhender Sporen aus dem Meer isoliert werden können, dort aber grundsätzlich nicht wachsen und an den Stoffumsetzungen im Meer nicht aktiv beteiligt sind (typische Land- und Süßwasserpilze).

Am Mittleren Tor (Vela Vrata) zwischen Cres und Krk. Zu sehen die östliche Steilküste von Cres nördlich von Beli.

Am Mittleren Tor (Vela Vrata) zwischen Cres und Krk. Zu sehen die östliche Steilküste von Cres nördlich von Beli.

 

Marine Pilze in der Kvarner Bucht

Was wissen wir über die marinen Pilze rund um Krk in der Kvarner Bucht? Um ganz ehrlich zu sein, so gut wie nichts. Das wäre doch ein faszinierendes Thema für eine Bachelorarbeit oder Master-Thesis an der mare-mundi Station Krk! Es würde sich um erste Voruntersuchungen handeln über eine verkannte und bisher zu wenig untersuchte Gruppe mariner Organismen.

Interessenten können sich unter office@mare-mundi informieren.