Masterstudentin findet seltene Plattwurmart bei der Insel Krk

Alexandra Grosbusch, bsc., von der Universität Innsbruck hat uns in diesem Jahr bei der meeresbiologischen Station, der Schule am Meer, besucht und für ihre Abschlussarbeit geforscht. Das Ziel war, eine bestimmte Art der Plattwürmer (Plathelminthen) zu finden – die Prolecithophora. (Hier geht es zum Bericht darüber) Nach genauer Untersuchung der Proben steht nun das Ergebnis ihrer Probenentnahme an der adriatischen Küste bei Krk fest. Wir haben Alexandra Grosbusch kurz über ihre Arbeit und ihre Ergebnisse befragt:

Alexandra Grosbusch erklärt Schülern, über was und wie sie an der meeresbiologischen Station, der Schule am Meer, forscht.

Alexandra Grosbusch erklärt Schülern, über was und wie sie an der meeresbiologischen Station, der Schule am Meer, forscht.

Wie bist du auf die Feldstation des Vereins mare-mundi, die „Schule am Meer“ auf der kroatischen Insel Krk aufmerksam geworden?

Vor 3 Jahren stieß ich auf der Info-Website unserer Uni auf den Flyer für die Exkursion von Robert auf die Seychellen, eine Studienkollegin und ich haben uns darauf hin für die Exkursion gemeldet und haben 2 super schöne und lehrreiche Wochen auf den Seychellen verbracht. Und wie es in unserem Zeitalter nun mal so geht wurde Robert mein Facebook-Freund und ich habe die mare-mundi Seite geliked und wurde somit über die Schule am Meer und ihre Fortschritte informiert.

Wie hat dir das Arbeiten an der Station bei uns gefallen?

Mir hat der Aufenthalt auf Krk sehr gut gefallen, ich habe sehr viele nette Menschen kennen gelernt! Ich war auch positiv überrascht, dass ich jeden Tag tatkräftig unterstützt wurde von dem gesamten mare-mundi Team. Ich hatte eher die Vorstellung, dass ich wohl auf mich selbst gestellt wäre. Im Labor selbst haben mir einige Utensilien gefehlt (was auch normal ist für ein Labor, das seit so kurzer Zeit besteht), was mir das Arbeiten aber nicht wirklich erschwehrt hat, da wir alle sehr erfinderisch waren.

Wie sah dein Arbeitstag im Großen und Ganzen an der Station aus?

Eigentlich war kein Tag wie der andere. Aber im Großen und Ganzen war es so dass ich morgens zur Station kam, dort dann schon von freundlichen mare-mundi Mitarbeitern begrüßt wurde und dann ging es schon los: Jeden Tag war mindestens einer des mare-mundi Teams mit mir unterwegs um in den unterschiedlichsten Buchten Proben zu nehmen (dies waren Sandproben, Algen oder Seegras) oder hat mir geholfen im Labor die Proben zu untersuchen (die Unersuchungen bestanden darin die Proben auszuwaschen und dann unter dem Stereomikroskop Prolecithophoras herauszufischen). Meist waren wir bis abends im Labor zugange.

Du hast ja am letzten Tag gute Proben genau beim Strand in Punat gefunden, waren bei diesen Prolecithophora dabei?

Genau! So wie es dann im Leben so ist war die Fundgrube genau vor unserer Nase! Die vieräugigen Plattwürmer die ich dort auf den Algen gefunden habe sind Prolecithophora – wir nehmen an, dass es sich um die Art Allostoma pallidum handelt.

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Hier zu sehen das Quetschpreparat eines vieräugigen Plattwurms (Prolecithophora). Alexandra und ihr Betreuer Dr. Egger von der Universität Innsbruck nehmen an, dass es sich um die Art Allostoma pallidum handelt

Dir haben einige PraktikantInnen geholfen – inwiefern habt ihr euch ergänzen können?

Vor allem konnten mir die Mitarbeiter helfen die gut im Freitauchen sind. Roberto hat mir zum Beispiel sehr viele von meinen Proben hochgetaucht. Am Mikroskop war ich dann eher die, die den Praktikanten etwas beibringen konnte, vor allem natürlich wie man Plattwürmer erkennt, was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat. Michael ist jetzt auch Spezialist im Prolecithophora suchen.

Kannst du eine kurze Zusammenfassung der speziellen Gruppe der Prolecithophora geben, um was es bei der Forschung geht, was du genau herausfinden willst und wie es dir bei der praktischen Arbeit bei der Schule am Meer auf Krk gegangen ist?

Die Prolecithophora sind eine bisher noch nicht sehr intensiv erforschte Gruppe der Plathelminten. Mehr kann ich euch wohl dazu sagen, wenn mein Arbeit fertig ist.

Unter den Plathelminten gibt es Vertreter die sehr regenerationsfähig sind. Man kann einem Tier Beispielsweise den Hinterleib abtrennen und das Tier ist fähig ihn wieder nachzubilden. Bei den Prolecithophora wurden noch nicht viele Regenerationsexperimente durchgeführt, meine besteht also darin weiter zu untersuchen ob auch diese Gruppe regenerieren kann, und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Die bisherige praktische Arbeit auf Krk war sehr angenehm und auch erfolgreich, somit werde ich jetzt im September noch einmal auf die Suche nach den vieräugigen Tieren gehen.

Wie kann man die Prolecithophora von anderen Gruppen unterscheiden?

Es gibt wohl so einige Merkmale die, die Prolecithophora von anderen Plattwürmern unterscheiden, jedoch sind diese schwer zu erkennen, wenn man sie nicht in einem Quetschpreparat betrachtet. Ein Merkmal auf das ich mich jetzt gestützt habe ist dass viel Arten 4 Augen besitzen, jedoch beseutet dies nicht dass jeder vieräugiger Plattwurm ein Prolecithophora ist, uns auch nicht dass alle Prolecithophora 4 Augen besitzen.

Welche Schritte stehen nun für die weitere Forschung in Innsbruck an?

Die weitere Arbeit besteht jetzt darin den kleinen Tierchen Stücke ihres Körpers abzutrennen und zu beobachten ob sie fähig sind die Teile wieder nach zubilden. Außerdem werde ich Färbungen der Stammzellen, Muskelgewebe und Nervenfasern durchführen um zu sehen auf welche Art und Weise diese Strukturen sich wieder aufbauen.

Alexandra Grosbusch erklärt Schülern, über was und wie sie an der meeresbiologischen Station, der Schule am Meer, forscht.

In welcher Phase der Arbeit würdest du zurückkommen und von was hängt das ab?

Eine Rückkehr nach Krk ist jetzt zu Begin meiner Arbeit notwendig. Die ersten Exemplare haben ergeben, dass sie zwar relativ lange im Labor überleben, jedoch lassen sie sich nur ungern züchten. Ich muss also jetzt für meine Regenerationsexperminete neue Exemplare sammeln.

Wie kam es bei dir zur Entscheidung, Biologie zu studieren? War die Wahl des Studiums Biologie schon immer klar für dich?

Eigentlich wollte ich, wie viele junge Mädchen, Tierärztin werden. Jedoch dachte ich irgendwann, dass es mir doch nicht so viel Spaß machen würde immer nur kranke Tiere zu sehen und diese dann auch noch mit Spritzen und andere unangenehme Sachen zu „quälen“. Da ich aber immer noch sehr interessiert an der Natur war, habe ich entschieden, es mit einem Biologie Studium zu versuchen.

Wie bist du dazu gekommen genau über Plattwürmer deine Arbeit zu schreiben?

Mich hat das Gebiet Entwicklung und Evolution und vor allem die Regeneration schon im Bachelorstudium fasziniert. Dann, im Sommer 2014 habe ich einen Kurs in Transmissionselektronenmikroskopie bei meinem jetzigen Betreuer Dr. Bernhard Egger belegt. Mich hat seine Arbeit interessiert und somit habe ich gefragt ob ich bei ihm eine Masterarbeit machen könnte, die ich mit einer Reise nach Krk verbinden kann.

Möchtest du deine Dissertationsarbeit auch über Plathelminthen weiterführen?

Ja, so wie es zur Zeit aussieht werde ich in dem Bereich auch meine Dissertation machen.

Könntest du unsere Station weiteren Jungforschern empfehlen?

Mir hat die Arbeit an der Station großen Spaß gemacht, vor allem weil die Mitarbeiter so hilfsbereit und aufgeschlossen waren. Ich würde sie also auf jeden Fall weiter empfehlen. Ich glaube jedoch auch, dass es abhängig von der Forschung ist ob es angenehm ist an der Schule am Meer zu arbeiten.


Interview: Astrid Hickmann & Daniela Kerekes
Fotos: Philipp Stüber, Bernhard Egger
Redaktion: Astrid Hickmann

 

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  1. […] einiger Zeit wurde schon einmal von meiner Reise nach Punat, die im Namen meiner Masterarbeit stand, berichtet… nun gibt es wieder […]

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