Lebensraum Litoral – Ein Vergleich der Krabbenfauna rund um die Insel Krk, Kroatien

Elisabeth Wolf macht derzeit beim Verein mare-mundi ein Praktikum an der Feldstation von mare-mundi – der Schule am Meer auf der Insel Krk. Die engagierte Biologiestudentin hat die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt und verfasst eine Bachelorarbeit über die Krabbenfauna rund um die Insel Krk. Hier ein Bericht von Elisabeth Wolf über ihr Vorhaben bei der Schule am Meer.  


 

Elisabeth Wolf bei der Arbeit für ihre Bachelor-Thesis im Meer vor Krk.

Während meines Aufenthaltes hier auf Krk habe ich, neben meinen Tätigkeiten als Praktikantin, die Möglichkeit die Forschung zu meiner Bachelorarbeit hier durchzuführen. Generell beschäftige ich mich mit der Krabbenfauna rund um die Insel Krk und werde einen Vergleich zwischen zwei speziellen Buchten im Westen und Osten der Insel anstellen.

Am Anfang des Projekts stand meine Bewerbung bei der Schule am Meer. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich selbst noch nichts von meiner Bachelorarbeit und ich habe noch nach einem spannenden Thema gesucht. Als ich dann erfahren habe, dass mare-mundi neben den laufenden Projekte auch die Forschung intensivieren möchte, habe ich die Chance genutzt und mich mit einem Professor meiner Universität in Innsbruck (Prof. Leopold Füreder) auf Themenfindung begeben. Da er sich in Tirol sehr viel mit den heimischen Flusskrebsen beschäftigt, konnte er sich auf Anhieb für den Themenvorschlag von mare-mundi über Krabben begeistern. Der nächste Schritt bestand darin mich mit der Thematik auseinanderzusetzen und das Team von mare-mundi und der Schule am Meer über meine Pläne in Kenntnis zu setzen.

Elisabeth Wolf stellt ihre Bachelorarbeit dem mare-mundi Team der Schule am Meer auf Krk vor.

Im Laufe der Vorbereitungen und Literaturrecherche hat sich meine Fragestellung immer weiter entwickelt. Am Anfang sollten noch die Gründe für einen Rückgang der Krabbenfauna ergründet werden, doch da ich über die Region um die Insel keine Referenzdaten über Vorkommen und Abundanz der Tiere finden konnte wurde die Fragestellung einfach umgewandelt. In Rücksprache mit dem Team der Schule am Meer, die sich gut mit der Umgebung auskennen, habe ich von zwei Buchten auf der Insel erfahren, die eine deutlich unterschiedliche Krabbenfauna beherbergen sollen. So entstand die Idee diese zwei Buchten auf die Krabbendiversität zu untersuchen und einen Vergleich anzustellen. Möglicherweise können durch unterschiedliche Standortbedingungen am Ende auch Rückschlüsse auf die Bedürfnisse und einen möglichen Rückgang der Tiere gezogen werden.

Eine der Krabben, die Elisabeth Wolf bei ihrer Recherche im Meer entdeckt: Den italienischen Taschenkrebs

Eine der Krabben, die Elisabeth Wolf bei ihrer Recherche im Meer entdeckt: Den italienischen Taschenkrebs (Eriphia verrucosa).

Ein besonderer Aufwand war, wie häufig bei naturwissenschaftlichen Projekten, die Auseinandersetzung mit der Systematik dieser artenreichen Tiergruppe, vor allem auch eine aktuelle Einteilung zu finden, da sich diese durch molekularbiologische Fortschritte häufig ändert. Die Krabben oder auch Kurzschwanzkrebse (Brachyura) gehören innerhalb der Gliedertiere (Arthropoda) zur Klasse der Krebstiere (Crustacae) und bilden mit ca. 6400 Arten die artenreichste Unterordnung der Ordnung Zehnfußkrebse (Decapoda). In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Arten aus vier häufig vorkommenden Familiendes Mittelmeeres: Eriphiidae (Küstenkrabben), Majidae (Dreieckskrabben/Seespinnen), Xanthidae (Rundkrabben) und Grapsidae (Quadratkrabben). Besonders häufige Arten sind zum Beispiel der Italienische Taschenkrebs und die Marmorkrabbe. Beide Arten sind zwar nachtaktiv, aber auch tagsüber kann der aufmerksame Schnorchler sie zwischen Felsspalten und Seegraswiesen entdecken.

Gleich wie bei anderen Zehnfußkrebsen (Decapoda) ist der Körper der Krabben in Cephalothorax (Kopf-Rumpf-Verschmelzung) und Pleon (Hinterleib) gegliedert. Ein wichtiges Merkmal der Krabben ist allerdings das reduzierte Pleon, das dauerhaft eingeklappt unter dem Cephalothorax getragen wird. Weibliche Tiere nutzen den entstandenen Zwischenraum um die Eier auf ihrer Bauchseite zu tragen bis sie das Larvenstadium erreichen und schlüpfen. Außerdem ist ihr Körper, anders als zB. bei Garnelen, eher breiter als lang und ihre Scheren sind deutlich ausgeprägter. Ein weiteres Kennzeichen der Krabben ist der fehlende Schwanzfächer, wodurch die meisten Krabben ihre Fähigkeit zu schwimmen verloren haben und sich größtenteils seitwärts fortbewegen.

Elisabeth Wolf und ihre Kollegin Eva, auch ein Volunteer der Schule am Meer auf Krk bestimmen Krabben vor der Insel Krk.

Um nun die Krabbenfauna vor Ort zu untersuchen habe ich zwei Methoden ausgearbeitet, die mir dazu dienen sollen so viele Arten und Individuen wie möglich zu finden. Einerseits werde ich eine sogenannte „Transekt-Beprobung“ durchführen für die ich in den zwei Buchten jeweils drei Mal eine Strecke von 30m abschnorcheln werde und die Tiere mit Hilfe von Fischresten aus ihren Felsspalten locken.

Da die Tiere allerdings hauptsächliche nachtaktiv sind werde ich zusätzlich pro Bucht zwei Mal 3 Reusen über 2 Nächte auslegen. Reusen sind netzartige Fallen, in die die Krabben durch einen Köder (Fischreste o.ä.) gelockt werden und nicht mehr hinausfinden. Dadurch können deutlich mehr Tiere gefangen und auf ihre Art, Größe und ihr Geschlecht bestimmt werden.

Die Standorte meiner Untersuchung befinden sich einerseits in Glavotok, am westlichsten Punkt der Insel und in Sveti Marak an der Ostküste. In Sveti Marak wurden bereits sehr viele und besonders große Krabben gesichtet und meine erste Transekt-Beprobung ist bereits sehr gut verlaufen. Die Bucht bei Glavotok soll ein erhöhtes Oktopusvorkommen aufweisen, was ein Grund für die dort seltener lebenden Krabben sein könnte.

Am meisten Spaß macht das Ganze natürlich nicht allein, deshalb hoffe ich, wie auch bei meinem ersten Transekt, immer wieder interessierte Praktikanten begeistern zu können um mich zu meinen Krabben zu begleiten. Ich freue mich schon sehr auf meine folgenden Forschungstage und hoffe am Ende ein interessantes Ergebnis vorweisen zu können.


Text: Elisabeth Wolf
Fotos: Anna Schipany, Daniela Kerekes
Redaktion: Astrid Hickmann