mare-mundi Feldstation Plakias (Kreta): Ich wusste gar nicht, dass da zwischen den Sandkörnern noch etwas lebt …

Wir haben an dieser Stelle bereits wiederholt von den Aktivitäten der Meeresschutzorganisation mare-mundi auf Kreta berichtet, z. B.

Diesmal erzählt Ing. Gerald Blaich von mare-mundi über seinen derzeitigen Besuch in Plakias. Überhaupt ist an der Feldstation Kreta viel los. Auch Max Wagner führt derzeit unten seine ichthyologischen Forschungen an kryptobenthischen Fischen durch. Wir dürfen mit spannenden neuen Entdeckungen im Reich der Gobiesocidae rechnen.

 

mare-mundi Feldstation Plakias

Seit März 2016 ist Martina Stockinger im Auftrag von mare-mundi als Meeresbiologin an der Feldstation Kreta in Plakias tätig. Diese wird in Kooperation mit der Tauchbasis Dive2gether betrieben.

Die Tourismusindustrie ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Griechenlands, doch das dazu unbedingt notwendige ökologische Nachhaltigkeitsdenken steckt noch in den Kinderschuhen. Umso herausfordernder und wichtiger ist die Arbeit von umweltbewussten Ökologen/innen. Von der Lösung der Müll- und Abwasserprobleme, bis zur Errichtung von Unterwasserschutzgebieten ist es noch ein weiter Weg.

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Gerald Blaich von mare-mundi besucht Martina Stockinger und Paul Koblens von Dive2gether in Plakias, Kreta.

 

Ganz am Anfang aller Meeres- und Umweltschutzbemühungen steht die Bewusstseinsbildung und Aufklärung. Wie mare-mundi Gründer Robert Hofrichter sagt: Nur was wir kennen, schützen wir. Darum ist Bildung eine der drei Grundsäulen der Arbeit von mare-mundi. Auch scheinbar schlichte Lebensräume wie Sand stecken voller Leben. Sie spielen für die Ökologie des Meeres eine entscheidende Rolle. Myriaden winziger Organismen aus nahezu allen Tierstämmen und zusätzlich noch mehr Mikroorganismen führen hier ihre Arbeit durch.

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Martina Stockinger bei einem ihrer Vorträge für Meeresbegeisterte auf der Terrasse von Dive2gether in Plakias.

 

Eine Kursteilnehmerin erzählte mir nach so einer Präsentation: Ich wusste gar nicht, dass da zwischen den Sandkörnern noch etwas lebt. Der Blick durch das Mikroskop hat mich begeistert. Genau darum geht es uns: Wir vermitteln Wissen und wir vermitteln Begeisterung. Das Präsentieren des Lebensraumes Sand gehört bei mare-mundi zum Standardprogramm (auch Schulen an der Station Krk bekommen es vorgestellt).  Denn für die meisten Taucher und Schnorchler ist es auf den ersten Blick tatsächlich ein recht langweiliger Lebensraum. Doch trifft dies nur bei einer oberflächlichen Betrachtung zu. Die wahre Vielfalt des Sandgrundes versteckt sich im Sand (Endopsammon), und, noch wichtiger: zwischen den Sandkörnern, im so genannten Sandlückenraum (Meeresbiologen nennen ihn Mesopsammon).

Ob Sie es glauben oder nicht: Ohne die Myriaden unsichtbarer Kreaturen im Sand könnte der Ozean nie funktionieren. Niemals wäre das Wasser des Mittelmeeres so klar, wie wir es schätzen. Meine Empfehlung: Sie besuchen uns einmal auf Kreta oder Krk und sehen sich die Wunder im Mikroskop mit eigenen Augen an.

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Martina Stockinger von der mare-mundi Station Plakias bei der Entnahme von Sedimentproben an der Südküste von Kreta. 

 

Gerald Blaich im Gespräch mit Martina Stockinger

Gerald: Wie geht ist Dir hier nach 4 Monaten in Kreta. Wie sind Deine Erfahrungen?

Martina: Mir geht es sehr gut hier, und eine meiner Erfahrungen ist, wie erschreckend wenig die meisten Sport- und Berufstaucher über das Leben im Meer wissen. Ich freue mich schon, diese Wissenslücken zu füllen.

 

Gerald: Was ist Deine wichtigste Tätigkeit?

Martina: Vorausschauend auf ein Meeresschutzgebiet Erhebungen über die vorkommende Fauna und Flora durchzuführen. Weiters den Zustand von Lebensräumen, wie im speziellen Posidonia-Wiesen zu erheben. Das ist dieses für das Mittelmeer entscheidende Seegras, das Neptungras, die grüne Lunge des Mittelmeeres.

 

Gerald: Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Martina: Ich wünsche mir, dass es weiterhin so gut mit der neuen Meeresstation in Plakias läuft. Ein großer Traum ist natürlich, an der Verwirklichung eines Meeresschutzgebietes mitzuwirken. (Notiz der Redaktion: Das ist das langfristige Ziel des Kooperationprojekts im Süden von Kreta, an dem sich mare-mundi beteiligt.)

 

Gerald: Danke für das Interview!

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Kreta im Östlichen Mittelmeer, dem Levantinischen Becken, ist die größte griechische und nach nach Sizilien, Sardinien, Zypern und Korsika die fünftgrößte Insel im Mittelmeer. Die kulturhistorisch und ökologische bedeutende Insel wird mit vielen Umweltproblemen konfrontiert. Das Meer wurde (nicht nur) in Griechenland über Jahrzehnte rücksichtslos ausgebeutet. mare-mundi möchte einen Beitrag zur Gründung einer Meeresschutzregion im Süden Kretas leisten.

 

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