MareMundi an der Pädagogischen Hochschule Linz: Universalfach Mediterranistik – einen Raum ganzheitlich verstehen (5. Oktober 2017)

EINLADUNG: Als Lehrer oder künftiger Lehrer mehr über den Mittelmeerraum lernen

Bildung hat sich MareMundi auf die Fahnen geschrieben, und zwar Bildung im weitesten Sinn. Neben den Schulprojektwochen an der MareMundi Station Krk in Punat (Schule am Meer) und verschiedensten Exkursionen und Vorträgen stehen auch Erwachsenenbildung und Lehrerfortbildung im Mittelpunkt. Seit einiger Zeit besteht dafür eine enge Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich in Linz.


Den Mittelmeerraum ganzheitlich verstehen: Das versucht das Fach Mediterranistik zu vermitteln. Dazu ein Zitat: „Vor dem Hintergrund jüngster Ereignisse wie der Gründung der Mittelmeerunion, den arabischen Revolutionen, der südeuropäischen Finanz- und Wirtschaftskrise und den mediterranen Migrationsströmen wird der Region derzeit wieder erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Infolgedessen haben kulturwissenschaftliche Studien zum Mittelmeerraum in den letzten Jahren einen solchen Aufschwung erfahren, dass man geradezu von einer ‚Wiederkehr des Mittelmeerraumes‘ sprechen kann.“ (Manuel Borutta/Fabian Lemmas: Die Wiederkehr des Mittelmeerraumes: Stand und Perspektiven der neuhistorischen Mediterranistik). Überspitzt formuliert sollte jeder gebildete Mensch – jeder Lehrer – mehr von der Mediterranistik verstehen, denn der Mittelmeerraum ist längst erneut zum Mittelpunkt des Geschehens geworden (man denke an die aktuelle Migrationswelle aus Afrika). Das Foto zeigt eine botanisch-landeskundliche Exkursion von MareMundi auf der Insel Krk.

 

Wie hängen Naturraum und Geschichte zusammen? Wie haben sie sich gegenseitig geprägt? Bereits in der Kolonialzeit entstand an französischen Institutionen eine Fülle wissenschaftlicher Studien zum Mittelmeerraum, die Frankreichs Herrschaft im Maghreb rechtfertigen und optimieren sollten. Fernand Braudels Mittelmeerbuch bündelte diese Arbeiten, verknüpfte sie mit internationalen und innovativen eigenen Ansätzen und hob die Mittelmeerforschung so auf ein neues Niveau. Es zeigt sich: Die Fragestellungen der Mediterranistik sind äußerst komplex. Das Foto zeigt die Ausgrabungen des Macellum von Pozzuoli im Golf von Neapel.

 

MareMundi bietet Mediterranistik an

Am Do 05.10.2017 zwischen 09:00 und 17:00 trägt Dr. Robert Hofrichter, Präsident der Meeresschutzorganisation MareMund, an der PH Linz https://www.ph-online.ac.at/ph-ooe/wbLv.wbShowLVDetail… im Rahmen einer Fortbildung das

Universalfach Mediterranistik – einen Raum ganzheitlich verstehen 

vor. Ist eine moderne Geschichte des Mittelmeerraums möglich, eine historie totale der Region im 19. und 20. Jahrhundert, oder kann es mit Blick auf die Späte Neuzeit nur Geschichten im Mittelmeerraum geben? 

Naturraum, Geschichte, Kulturgeschichte, menschliche Nutzung und weitere Faktoren – sie haben gemeinsam einen spezifischen Raum geschaffen, den Mediterran (Mittelmeerraum, Mediterranraum). Ihn ganzheitlich zu verstehen versucht das Fach der Mediterranistik. Bei MareMundi können Interessenten mehr darüber lernen. Das Foto zeigt die verkarstete, durch den kalten Fallwind Bora geprägte Ostseite der Insel Krk mit dem Festland und dem Verleibt-Gebirge im Hintergrund.

 

Inhalt

Fast alles, was die westliche Welt ausmacht, ist in der Mittelmeerregion entstanden: Wissenschaft, Kunst und Kultur, Seefahrt und landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen. Naturräumliche, meereskundliche und ökologische Perspektiven fließen mit Aspekten humanistischer Bildung zusammen, ohne den Blick auf hochaktuelle Themen wie Arabische Welt, Armut in Afrika und Migration zu vergessen. 

Der Mediterran als Raum – das ist eine sich perspektivisch in Raum und Zeit veränderndes Konzept. Einerseits wurden Nordafrika und der Nahe Osten in imperialen Raumbegriffen wie Méditerranéemare nostrumquarta sponda, Eurafrica und Atlantropa als genuine Teile Europas oder sogar der eige-nen Nation dargestellt. Noch der ‚euromediterrane‘ Diskurs der Europäischen Union nach 1990 knüpfte an diese Tendenz zur Europäisierung des Mittelmeerraums an. Andererseits wurden südeuropäische Nationen und Regionen wie Spanien und Andalusien, Italien und der Mezzogiorno, Griechenland und auch der französische Midi seit dem 18. Jahrhundert als orientalisch oder afrikanisch beschrieben und auf diese Weise aus Europa ausgegrenzt. Reisende aus dem Norden suchten und fanden das ‚Morgenland‘ im 19. Jahrhundert in Spanien, Sizilien oder in den Gebieten des Osmanischen Reiches auf dem Balkan. (Die Wiederkehr des Mittelmeerraumes: Stand und Perspektiven der neuhistorischen Mediterranistik)

Das Mittelmeer und die umgebende mediterrane Region: Ganz neue Perspektiven zu einem Raum gewinnen, der die Welt wie kein anderer geprägt hat.

 

Der Vortragende

Dr. Robert Hofrichter beschäftigt sich seit 30 Jahren intensiv mit den verschiedensten Aspekten des Mittelmeeres, ist Herausgeber des Standardwerks Das Mittelmeer und Mitautor des ersten deutschsprachigen Standardwerks zur Mediterranistik: Handbuch der MediterranistikMihran DabagDieter HallerNikolas JaspertAchim Lichtenberger (Hg.), Systematische Mittelmeerforschung und disziplinäre Zugänge. 1. Aufl. 2015568 Seiten, 4 s/w Abb., 2 Tab., 12 KartenFesteinband. ISBN: 978-3-7705-5743-1

Robert Hofrichter während einer Mittelmeerexkursion an der Südküste von Kreta.

 

Besuchen Sie uns am Donnerstag, den 5. Oktober 2017 zwischen 09:00 und 17:00 an der PH Linz!

 

Fotos und Bericht: Dr. Robert Hofrichter, MareMundi-Team, office@mare-mundi.org

Quellen: Manuel Borutta: Die Wiederkehr des Mittelmeerraumes. Stand und Perspektiven der neuhistorischen Mediterranistik