MareMundi Forschung: Haie und Rochen der Kvarner Bucht von Anna Schipany

 

Dass Haie (und auch Rochen) in starken, zum Teil dramatischen Rückgängen ihrer Bestände begriffen sind, hat sich in den letzten Jahren herumgesprochen. Zahlreiche Hai- und Meeresschutzorganisationen rund um den Globus haben zur Bewusstseinsbildung rund um die Haie beigetragen. Auch MareMundi beteiligt sich seit langer Zeit daran.  Der Hauptgrund ist die starke Überfischung, die durch die Nachfrage des Marktes angeheizt wird. Auch Staaten der Eu wie Spanien mischen in diesem vernichtenden Geschäft kräftig mit. MareMundi wollte wissen, wie es mit den Hai- und Rochenbeständen in der nördlichen Adria und speziell in der Kvarner Bucht steht. Die Wiener Biologin Anna Schipany hat sich des Themas angenommen. In ihrem Bericht können Sie mehr darüber erfahren.

 

 

Haie sind so vielfältig wie ihr Lebensraum selbst. Seit 400 Millionen Jahren durchstreifen sie die Meere von tropischen Küsten, polaren Regionen bis hin in die dunkelsten Bereiche der Tiefsee. Viele von ihnen stehen an der Spitze der Nahrungskette und nehmen eine wesentliche ökologische Funktion ein. Lange Zeit war ihre Heimat unberührt. Durch die Entwicklung der Fischerei und dem heutigen Einfluss auf das Klima hat der Mensch ihren Lebensraum beeinflusst und Populationen dezimiert. Dazu kommt, dass Haie spät geschlechtsreif werden und im Durchschnitt wenige Nachkommen produzieren.

Heute sind über 500 Arten bekannt, wovon 50 im Mittelmeer leben. Vielen Menschen ist gar nicht bekannt, dass es auch Haie in der Adria gibt, sogar in der Kvarner Bucht. Ein Bereich der oberen Adria, der sich von der östlichen Seite Istriens über viele Inseln, wie Krk, Cres, Rab, Lošinj bis hin nach Pag erstreckt. Die Insel Premuda bildet mit den beiden Inseln Silba und Olib den südlichsten Teil der Kvarner Bucht. Es schließen sich die Inseln Skarda, Ist und Molat an, die bereits zu Norddalmatien gehören.

 

Welche artliche Vielfalt an Haien und Rochen gibt es in der Kvarner Bucht?

Fig 1: Kvarner Bucht

Diese Frage stellten sich die beiden Organisationen MareMundi und Sharkproject. Mit finanzieller Unterstützung suchten sie sich eine Studentin, um diese Frage auf den Grund zu gehen. Eine gebürtige Waldviertlerin, Anna Schipany, die in Wien Zoologie studiert, machte daraufhin historische und aktuelle Nachforschungen im Rahmen ihrer Masterarbeit, um diese Frage beantworten zu können. Im Zuge dessen verbrachte sie einige Zeit in Kroatien, machte Interviews mit Fischern, besuchte Museen und stöberte in Literarischen Werken.
Das Ergebnis war eine Artenliste von 13 Haien und 8 Rochen. Dazu zählt der Riesenhai (Cetorhinus maximus), von dem der älteste gefundene Eintrag einer Sichtung aus dem Jahre 1822 ist. Er ist ein planktonfressender Filtrierer, der bis zu 12 m groß werden kann und noch heute regelmäßig in der Kvarner Bucht gesichtet wird. Der Gemeine Fuchshai (Alopias vulpinus) hat eine besonders außergewöhnlich große Schwanzflosse, die beinahe so lang ist wie sein restlicher Körper. Er hat damit eine interessante Jagdstrategie entwickelt, wobei er mit dieser langen Schwanzflosse kräftig in Fischschwärme schlägt und so einzelne Fische tötet oder betäubt. Einige Fischer haben berichtet, diese mehrmals bei der Jagd beobachtet zu haben, wie in der Bucht vor Rijeka. Auch wenn sich diese pelagischen Tiere nur sehr selten in Schleppnetzen verfangen, gibt es einige Fänge, die auf diversen Internetseiten festgehalten wurden. Eine ebenfalls pelagische Art die regelmäßig in der Kvarner Bucht vorkommt, ist der Blauhai (Prionace glauca). Er ist wie der Gemeiner Fuchshai bei Sportanglern sehr beliebt. Der Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus) wurde erstmals mit einer Länge von 120 cm im Mai 1872 bei Mali Losinj dokumentiert. Seitdem gab es nur 18 Einträge von Fängen in der Kvarner Bucht. Eine Haiart mit sehr interessantem Körperbau und strahlend grünen Augen ist die Gefleckte Meersau (Oxynotus centrina). Die nach Angaben eines Fischers, zwei bis drei Mal im Jahr von ihm gefangen werden. Das muss nicht unbedingt heißen, dass dies eine sehr seltene Art ist, denn sie bevorzugt eher Tiefen ab 100 m.

Im Mai 2010 machte Styria Guenis Tauchzentrum aus Krk eine einzigartige Begegnung mit einem Stumpfnasen-Sechskiemerhai (Hexanchus griseus).

Auf einigen Webseiten, wie http://www.ciesm.org und http://sharkyear.com, findet man dokumentierte Sichtungen bzw. Fänge vom Riesen-, Blau-, Fuchs- und Stumpfnasen-Sechskiemerhai.

Fragt man bei den Fischern über den berüchtigten Weißen Hai (Carcharodon carcharias) nach, erzählen sie einem Geschichten von Sichtungen von über 20 Jahren. Der letzte Unfall eines Weißen Hais in der Kvarner Bucht war vor über 45 Jahren. Am 07.09.1971 verstarb ein polnischer Urlauber nach dem tödlichen Angriff bei Ika, in der Nähe von Opatija. Der älteste Eintrag eines Glatten Hammerhais (Sphyrna zygaena) stammt aus Rijeka, 1843. Seither wurde diese Art insgesamt 15 Mal dokumentiert, davon 12 Tiere zwischen Zadar und Hvar und nur drei in der Kvarner Bucht, mit einem letzten Eintrag aus Bakar im Jänner 1956. Heute sind die Fischer der Meinung, dass es in der Kvarner Bucht keine Hammerhaie gibt. Sicher ist aber, dass der Glatte Hammerhai im Mittelmeer lebt.

Die weiteren Arten wurden durch eigene Erhebungen mittels Tauchen und der Feldarbeit auf Schlepperbooten ermittelt.

 

Mit der Empfehlung und Hilfe von Styria Gueni fand Anna einige Eier, befestigt an Gorgonien und alten Fischerseilen in 36m Tiefe an einem Tauchplatz in Plavnik. Es handelten sich um Eier des Großgefleckten Katzenhais (Scyliorhinus stellaris).

Fig. 2 Ei des Großgefleckten Katzenhais

Einige Zeit verbrachte die Studentin auch in Mali Losinj, wo sie Kontakte mit Fischern knüpfen konnte, die sie daraufhin ein paar Tage mit auf ihr Fischerboot nahmen. In 3 Tagen fingen sie weit mehr als 250 Haie und über 70 Rochen. Dreiviertel davon waren Kleingefleckte Katzenhaie (Scyliorhinus canicula), der Rest bestand aus Dornhai (Squalus acanthias), Gewöhnlicher Glatthai (Mustelus mustelus) und Schwarzgefleckter Glatthai (Mustelus punctulatus). Bei den Rochen dominierten die Spiegelrochen (Raja miraletus), der Rest bestand aus Gewöhnlichen Adlerrochen (Myliobatis aquila), Gestreiften Adlerrochen (Aetomylaeus bovinus) und Marmor Zitterrochen (Torpedo marmorata). Die Katzenhaie hatten eine Länge von 37 bis 44cm, alle anderen Arten waren meist zwischen 40 bis 80 cm groß. Das größte Tier war ein Glatthai mit 129 cm.

Fig. 3 Links im Bild bis nach unten, die dreitägige Route
und rechts von Mali Losinj, die eintägige Route

Auf einem weiteren Schleppboot wurden die selben Arten gefangen. Dazu kommen noch ein Gewöhnlicher Stechrochen (Dasyatis pastinaca), ein Vielfleckrochen (Raja polystigma) und zwei weitere Rochenarten, die nicht näher bestimmt werden konnten. Möglicherweise handelt es sich um neue Arten, was nicht ungewöhnlich ist, da viele Rochenarten noch nicht beschrieben wurden. Es wäre in Betracht zu ziehen, erneut nach Mali Losinj zu fahren und Exemplare dieser unbekannten Arten mitzunehmen, um eine nähere Bestimmung durchführen zu können.

Im Zuge der Masterarbeit wurden noch diverse Untersuchung zur genauen Bestimmung und dem Vergleich der Arten vorgenommen, wie unter anderem das Röntgen von Schädeln zum Vergleich des Craniums und der Beschreibung der artspezifischen Placoidschuppen. Im weiterem Verlauf werden noch die einzelnen Arten in ihrer Verbreitung mit der Adria und dem Mittelmeer literarisch verglichen.

Fig. 4 Scyliorhinus canicula

 

 Fig. 5 Squalus acanthias

Fig. 6 Scyliorhinus canicula

 

Fig. 7 Aetomylaeus bovinus

Fig. 8 Myliobatis aquila

 

Fig 9

Fig 10

 

Copyright und Quellen:

Fig. 1 http://www.esys.org/rev_info/Kroatien/rab.html

Fig. 2 von Harald Minarik, www.fotodesign-minarik.at

Fig. 3-10 von Anna Schipany