MareMundi-Info: unser mare nostrum in Zahlen und Dimensionen

MareMundi bietet Schulen und Universitäten die Möglichkeit faszinierende Einblicke in die mediterrane Welt zu erhalten. Der Mittelmeerraum ist aus vielen Gründen die faszinierendste Region der Welt, davon ist unser Team überzeugt. Ob meeresbiologische Kurse und Exkursionen, Projekttage oder Projektwochen, Lehrerfortbildung oder Seminare für Taucher – das kompetente Bildungsangebot von MareMundi macht es jedem möglich mehr über das Mittelmeer zu lernen.

 

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Das Mittelmeer in Zahlen und Dimensionen – nicht so klein wie wir glauben!

Obwohl der Mediterran im Vergleich mit den Ozeanen auf einem Globus verhältnismäßig klein aussieht, kann er durch ansehnliche Dimensionen beeindrucken. Da ist einmal die West-Ost-Erstreckung von über 4.000 Kilometer, wobei man aber an keinem Punkt des Meeres weiter als 370 Kilometer vom Festland entfernt ist. Die Küstenlinie ist 22.500 Kilometer lang – davon entfallen allein auf die reich gegliederte europäische Küste 13.000 Kilometer, 5000 Kilometer misst die einheitliche afrikanische und 4500 Kilometer die levantinische Küste. Von der Oberfläche des Mediterrans – etwa 2,540.000 Quadratkilometer – entfallen 1,7 Millionen auf das östliche Levantinische Becken, das westliche Mittelmeerbecken ist mit 850.000 Quadratkilometer halb so groß. Und wieviel Wasser hat hier Platz? Es sind etwa 3,700.000 Kubikkilometer, also 3,700.000.000.000.000.000 Liter! Was der Mediterran als Gesamtorganismus in seinem Wasserhaushalt treibt und bewegt, ist kaum vorstellbar: durchschnittlich verdunsten hier pro Sekunde 122.000 Kubikmeter Mittelmeerwasser, das sind 3848 Kubikkilometer im Jahr. Da aber nur etwa 440 Kubikkilometer durch Eintrag der Flüsse, 783 Kubikkilometer durch Niederschlag und 189 Kubikkilometer über den Bosporus zufließen, ergibt sich ein Defizit von 2436 Kubikkilometer.

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Die Straße von Gibraltar ist die Lebensader des Mittelmeers

Die negative Wasserbilanz wird durch einen ständigen Zustrom von Oberflächenwasser aus dem Atlantik durch die Straße von Gibraltar ausgeglichen – eine Lebensader im wahrsten Sinne des Wortes. Ohne die Kompensation des Wasserverlustes vom Atlantik her würde der Mediterran in etwa 2000 Jahren ganz austrocknen. Das ist – wie bereits beschrieben – auch schon einmal geschehen. Das Mittelmeer war damals eine Salzwüste. Schon die antike Welt hat den Säulen des Herakles eine entscheidende Bedeutung beigemessen, obwohl damals niemand so genau wissen konnte, was diese Meerenge für den Mediterran wirklich bedeutet. Die Menschen konnten damals nicht wissen – obwohl ihnen die Strömungen bei Gibraltar bekannt waren –, dass die Meerenge die Lebensader des Mittelmeers ist, dass dieses Meer, das ihre ganze Welt bedeutete, ohne die Straße von Gibraltar sterben würde.

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Durch den Konzentrationsvorgang der ständigen Verdunstung und des ständigen Zustroms müsste der Salzgehalt des Mittelmeerwassers eigentlich unentwegt steigen. Dies wird jedoch durch ständiges Abfließen von salzreichem Tiefenwasser in den Atlantik verhindert. Die Lebensader Gibraltar ist also nicht nur die Quelle für Frischwasser, sondern auch eine Entsorgungsschleuse für Salz und Belastungsstoffe. Die innere Entsorgung hinaus in den Atlantik ist einerseits der große Gewinn des Mediterrans, andererseits bedeutet sie einen ständigen Verlust von wichtigen Nährstoffen aus einem ohnehin nährstoffarmen Milieu. Diese Nährstoffarmut ist der Grund für das schöne blaue Wasser. Ein gesamter Zyklus des Wasseraustausches des Mittelmeers wird heute auf etwa 180 Jahre geschätzt.

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Ein richtiger Ozean mit mehr als 5000 Meter Tiefe

Der Mediterran beeindruckt nicht nur an seiner Oberfläche mit Distanzen in horizontaler Richtung, sondern auch bei einem Blick in seine Tiefen durch die vertikalen Dimensionen. Die weniger als 400 Meter tiefe – oder vielmehr seichte – Sizilienschwelle trennt das westliche Mittelmeerbecken von einem östlichen. Das Balearenbecken im Westen erreicht etwas weniger als 3000 Meter Tiefe, das tyrrhenische Teilbecken hat bereits fast 4000 Meter Tiefe. Das Ionische Meer am Eingang zum östlichen Beckensystem erreicht an einigen Stellen mehr als 5000 Meter Tiefe. Am Beginn des Hellenengrabens, knapp hundert Kilometer vor dem westlichen Finger der Peloponnes-Halbinsel, liegt der tiefste Punkt des Mittelmeers.

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Eine spannende geologische Geschichte

Die geologische Entstehungsgeschichte dieses Meeres ist außer einem kleinen Kreis von eingeweihten Fachleuten nur wenigen seiner Bewunderer bekannt. Der Mediterran lehrt uns aber, dass selbst Geologie äußerst spannend sein kann. Vor etwa 200 Millionen Jahren zerbrach der zusammenhängende Superkontinent Pangäa, und die Vorläufer des Atlantischen und des Indischen Ozeans begannen sich auszubreiten. Im Norden lag Laurasia, aus dem später Europa, Asien und Nordamerika hervorgehen sollten, im Süden der Urkontinent Gondwana mit allen anderen großen Landmassen. Ein über 1000 Kilometer breites Urmeer, die Tethys, trennte diese Landmassen, ein Meer, in dem jene mächtigen Meeresablagerungen, überwiegend Kalke, entstanden sind, aus denen später die Alpen aufgewölbt werden sollten.

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Die Säulen des Herakles und der Größte Wasserfall der Erdgeschichte

Vor etwa zwölf Millionen Jahren dürfte sich die bis dahin weite Verbindung des Mittelmeers mit dem Atlantik, die Säulen des Herakles, unter gleichzeitiger Hebung einer Schwelle stark verengt haben. Zum Atlantik bestanden nur noch zwei tiefe Wasserstraßen. Vor etwa sieben Millionen Jahren wurden dann auch sie unterbrochen, das erste Eden trocknete aus. Offenbar war das Mittelmeerbecken vor langer Zeit über weite Strecken eine Wüste mit einigen wenigen hochkonzentrierten, seichten Salzseen und Landstrichen, die an die Ufer des heutigen Toten Meeres erinnern. So wurde in den heute fast 3000 Meter tiefen Ebenen des Balearenbeckens Steinsalz mit einer Mächtigkeit bis zu 1000 Meter entdeckt! Die Isolierung des Mittelmeers vom Atlantik dürfte gut eineinhalb Millionen Jahre gedauert haben. In dieser Zeit haben zwischen den Säulen des Herakles wahrscheinlich mehrere Meereseinbrüche stattgefunden, die aber nie zur Auffüllung ausreichten und nur die Restbecken im westlichen Mittelmeerraum ergänzten. Dadurch werden auch die riesigen Salzablagerungen verständlich.

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Die Kaltzeiten und das Mittelmeer

Als sich vor rund fünf Millionen Jahren das Tor zum Weltmeer wieder öffnete, ergossen sich gewaltige Wassermassen in das mediterrane Becken und begannen es wieder zu füllen. Das Mittelmeer erlebte seine zweite Geburt. Danach kamen noch unzählige kleine und große Katastrophen, Vulkanausbrüche, Erdbeben und die Eiszeiten, die dem Weltmeer das Wasser raubten, so dass der Wasserspiegel um über hundert Meter absank. Noch vor etwa 18.000 Jahren, in der letzten Eiszeit, lag der Meeresspiegel weltweit um 120 Meter tiefer, weil 70 Millionen Kubikkilometer Wasser in Eis gebunden waren. Elba und Sizilien waren mit dem Festland verbunden, ebenso Sardinien mit Korsika. Das heutige südadriatische Tiefenbecken war ein kleiner Binnensee, die mittlere und nördliche Adria trockenes Land.

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Der Mediterran erteilt uns mit diesen Zahlen eine Lektion – eine Lektion über Vergänglichkeit, Veränderung und Relativität alles Irdischen, irgendwie so, wie es eine chinesische Weisheit beschreibt: „Lernen – ein endloses Meer, Meer – endloses Lernen.“ Die Erde arbeitet, hebt und senkt sich wieder ab, weit unter den blauen Weiten des Mittelmeers. Antike Hafenanlagen und Tempelruinen versinken im Meer und sorgen damit Jahrhunderte später für spannende Entdeckungen von Unterwasserarchäologen; Vulkane zeigen von Zeit zu Zeit, dass es in der Tiefe immer noch brodelt, und Erdbeben (die manchmal Menschenleben und Menschgeschaffenes vernichten) belegen, dass die Erdkruste und das Magma in ständiger Bewegung sind.

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Text und Fotos: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

Sie sind Lehrer und möchten Ihren Schülern eine spannende und lehrreiche meeresbiologische Projektwoche am Mittelmeer bieten? Wir informieren Sie gern über unser Bildungsangebot: office@mare-mundi.eu

 

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