MareMundi informiert: Weniger Haifischflossensuppe in China? Hoffnung für die Haie?

Shark-Finning (Hai-Finning, Finning) bezeichnet das Abtrennen der Finne (Rückenflosse) und anderer Flossen (Brustflossen, Schwanzflosse) des Hais (engl. shark) und die anschließende Entsorgung des Tieres im Meer. Der Hai wird dafür normalerweise nicht getötet, er ist danach jedoch schwimmunfähig und sinkt zu Boden, wo er durch Ersticken verendet oder von anderen Fleischfressern gefressen wird. MareMundi-Gründer Robert Hofrichter setzt sich seit 15 Jahren gegen diese barbarische Praxis ein (auch im Rahmen von TV-Sendungen mit dem WDR und ORF), erstens weil sie im höchsten Maß tierquälerisch ist und zweitens weil der extreme, unkontrollierte und mafiöse Raubbau an Haien das gesamte marine Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt. Auch Schüler werden während der MareMundi Projektwochen an unseren Stationen wie Krk oder Kreta über die Bedrohung der Haie aufgeklärt. Das Hotel Omorika in Punat – Sitz unserer MareMundi Station – hat sich nach diesbezüglicher Aufklärung bereit erklärt zur haifreien Zone zu werden. In Kroatien übernimmt unser Hotel damit zweifellos eine Vorreiterrolle (der Haischutz steckt hier noch in den Kinderschuhen), die der Gastronomie generell als Beispiel dienen kann. 
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Das globale marine Ökosystem für eine traditionelle Suppe von Asiaten opfern: So unwahrscheinlich es klingt, entspricht dieses Szenario dennoch der Realität.  Speziell in China gilt die Haifischflossensuppe als Delikatesse und Luxusgut, Statussymbol, auch wenn die Flosse selbst nach nichts schmeckt. Aus ethischer Sicht (oft schneiden die Fischer den Haien nur die Flosse ab, dann werfen sie die noch lebenden Tiere zurück ins Meer) und in jeder anderen Hinsicht ist der Genuss dieser Suppe mehr als bedenklich – nun findet quälend langsam ein Umdenken statt. Die Suppe ist dick und bräunlich-klar, die Flossen fast durchsichtig, ähnlich wie Glasnudeln, die Fasern gut sichtbar. Es ist die Textur, die die Haifischflosse für ihre Liebhaber besonders macht. Für den westlichen Gaumen eher gewöhnungsbedürftig, liegt sie irgendwo zwischen Gummi und Glibber. Fotonachweis: chee.hong

Der besondere Stellenwert der Haiflossensuppe dürfte aus einer Zeit herrühren, als einen Hai zu fangen noch ein seltenes und gefährliches Unterfangen war. Die Tradition ist wohl älter, aber erstmals erwähnt wurde die Suppe in der Ming-Dynastie (1368–1644), wo sie nur dem Kaiser und seinen Gästen serviert wurde, und auch in den folgenden Jahrhunderten blieb sie ein Gericht für Wohlhabende und besondere Anlässe wie Hochzeiten.
Das änderte sich mit dem wirtschaftlichen Erstarken grösserer Teile der Bevölkerung seit den Achtzigern: Nun bekamen die Chinesen Appetit – auf Luxus und damit auch auf Haifischflossensuppe.
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Entwicklung des Haifangs seit 1950. In 50 Jahren fand eine Verdreifachung der blutigen „Fördermenge“ statt. Seit der Jahrtausendwende macht sich allmählich die weltweite Aktivität der Hai- und Meeresschützer positiv bemerkbar. Dennoch ist der Raubbau an Haien immer noch enorm hoch und für das marine Ökosystem extrem zerstörerisch. Quellehttp://www.fao.org

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Haifischflossen-Lagerhaus in Hongkong. In getrocknetem Zustand sind die Haiflossen eine leicht zu bedienende Handelsware – die jedoch eine blutige Spur der Zerstörung des Ökosystems Meer nach sich zieht. Denn das Ökosystem Ozean ist ein unvorstellbar komplexes Netz von Beziehungen und Wechselwirkungen. Ohne die Top-Prädatoren des Systems – und das sind in aller Regel die Haie – verändern sich diese Ökosysteme nachhaltig und zu unserem Nachteil. Die Zusammenhänge und Folgen sind oft unüberschaubar, auf jeden Fall negativ, doch liegt genau das in der Natur der Sache und ist zu erwarten. Es handelt sich um ein (Öko)System mit unzähligen Rückkoppelungen, darum spricht man von Nahrungsnetzen und nicht von Nahrungsketten. Foto: xmacex – http://www.flickr.com/photos/xmacex/3048907853/in/photostream/

 (Zusammenfassung von Fakten aus der NZZ, siehe Link in der Überschrift)

  • Haifischflossensuppe ist vor allem in China, aber auch in anderen asiatischen Ländern eine Delikatesse. Die Suppe gilt als Statussymbol und wird deshalb gerne bei Banketten oder Geschäftsessen aufgetischt.
  • Die Flossen selbst sind eigentlich ohne Geschmack, die Haifischflosse selbst schmeckt fast nach nichts. Fünf Tage lang wird sie zunächst in Wasser eingeweicht, damit sie ihre Zähigkeit verliert. Dann wird sie zwei Tage lang gekocht. Am Ende schmeckt die Suppe fischig, aber das kommt wahrscheinlich von den mitgekochten Krabben und sonstigen Zutaten.
  • Je nach Qualität der Flosse kann ein Pfund zwischen 400 und 600 Dollar kosten, behauptet der NZZ-Artikel. Die Preise für eine Suppe in dem Lokal variieren je nach Grösse der Flossen. Die kleinste Portion mit Krabbenfleisch kostet umgerechnet 14 Franken, eine grössere Portion 33. Das sind angaben, die wohl überhaupt nicht stimmen. Glaubwürdiger ist was Sharkproject schreibt: Echte (meistens durch „Finning“ gewonnene) Haiflossen kosten in der abschließenden Tellerportion nach all unseren (weltweiten) Erfahrungen nicht unter 150 US-$, was also stets eindeutig mehr als 100 Euro bzw. Schweizer Franken ausmacht. Und solche haben wir seit Jahren im deutschsprachigen Raum (was wir als Glück und Erfolg werten) nicht mehr gefunden. In Hongkonger Geschäften  kosten getrocknete Haifischflossen pro Pfund zwischen 2880 und 3580 Hongkong-Dollar (369-459 US-Dollar).
  • Jährlich werden geschätzte 100 Millionen Haie für die Finnen getötet. Andere Quellen sprechen von bis zu 200 Millionen Tieren.
  • Beim Finning, einer besonders brutalen Fangmethode, die unter anderem in der EU verboten ist, schneiden Fischer den Haien nur die Rückenflosse ab und werfen die noch lebenden Tiere wieder ins Meer, wo sie verenden. Forscher gehen davon aus,  – das sind 6 bis 8 Prozent der Haipopulation weltweit. Doch in aller Regel werden sämtliche Flossen abgeschnitten, nicht nur die Finne.
  • In Mischläden aus Apotheke und Kräuterladen werden in Asien getrocknete Haifischflossen als Medizin verkauft. In hohen Gläsern stehen sie in den Regalen, aufgereiht zwischen Ginsengknollen, Pilzen, getrockneten Seehundpenissen, Seegurken und zahlreichen weiteren garantiert unwirksamen „Hausmitteln“. In der traditionellen chinesischen Medizin gilt die Haifischflosse als Alleskönner: Sie soll das Qi liefern, die Lebensenergie, sie soll Verdauung, Nieren und Lungen anregen und gilt als potenzfördernd, sogar Krebsgeschwüren soll sie vorbeugen. Nichts von alldem ist wissenschaftlich belegt. Das trifft wohl auf die allermeisten chinesischen Wundermittel zu.
  • Die grösste Haifangnation ist zwar Indonesien, Hongkong ist aber das große Handelszentrum, weil die Suppe vor allem für die kantonesische, also die südchinesische Küche typisch ist. Mehr als die Hälfte des weltweiten Handels wird über die dortigen Häfen abgewickelt. 2015 wurden 5,7 Tonnen Haifischflossen nach Hongkong importiert, 2011 waren es noch mehr als 10 Tonnen.
  • Nur  langsam findet ein Umdenken statt. Seit fünf Jahren beobachtet die Hongkonger Shark Foundation einen Rückgang bei der Nachfrage; vor allem jüngere Konsumenten sind kritisch geworden.
  • Chinas Regierung hat die Suppe 2013 unter Eindruck der weltweiten Kampagnen von offiziellen Banketten verbannt. Gedacht war dies als Maßnahme, um gegen Extravaganz und Korruption bei Geschäftsessen vorzugehen.
  • Trotzdem halten viele Restaurants an der Tradition fest: Als die Shark Foundation im Januar 375 Lokale der Stadt testete, kam heraus, dass 98 Prozent von ihnen die Suppe weiterhin servierten.
  • In Thailand und Singapur konnte der Konsum von Haifischflossen durch große Aufklärungskampagnen um 25 Prozent gesenkt werden.
  • Die Schlupflöcher in den EU-Gesetzen wurden vor allem von Spanien und Portugal genutzt, um weiter Finning zu betreiben. Am 22. November 2012 beschloss das EU-Parlament (gegen die Stimmen von Spanien und Portugal) eine verschärfte Neuregelung, nach der Haie nur noch mit intakten Flossen an Land gebracht werden dürfen. Die neue Verordnung tritt ab ihrer Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt in Kraft und gilt für alle EU-Gewässer und Schiffe unter EU-Flagge. Sharkproject hat vor 2 Jahren über Vigo berichtet, den größten Haiumschlagplatz Europas.
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Selbst Galapagos ist von den mafiösen Geschäften mit Haien massiv betroffen. Ein Beispiel von unzähligen: 379 illegal gefangene Haie befinden sich an Bord des Schiffes, das der Nationalpark Galapagos und die ecuadorianische Marine am 19.07. beschlagnahmt hatten. Siehe auch: Stop Shark Finning in the Galapagos IslandsFoto Robert Hofrichter, mare-mundi.eu.

Haie, die Top-Prädatoren der Meere, brauchen mehr Schutz

Wie man sieht, ist der Wandlungsprozess mindestens so zäh wie die Haifischflosse selbst, wie die NZZ formulierte. Viele wollen das mafiöse Millionengeschäft nicht aufgeben. Selbst in Staaten der EU wird das unrühmliche Geschäft mit Haiflossen betrieben.
Die Mitglieder der Welt-Artenschutzkonferenz haben Anfang Oktober in Johannesburg für einen besseren Schutz von Haien und Rochen gestimmt. Damit wurden auch Seidenhaie, Fuchshaie und Teufelsrochen in den Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) aufgenommen. Seit 2003 hatten die Cites-Staaten Handelsbeschränkungen für 13 Hai- und 11 Rochenarten festgelegt (man muss dabei bedenken: Es gibt mehr als 500 Arten von Haien und mehr als 600 Arten von Rochen!). Nach dem WCS: While the conservation status of nearly half these species is poorly known, one-quarter are estimated to be threatened with extinction, and only one-quarter are considered of least conservation concern.
Damit muss der internationale Handel mit dHaien und Rochen auf ein nachhaltiges Niveau beschränkt werden. Haie werden nicht nur kommerziell gefischt, sie landen oft genug auch oft als Beifang im Netz. Und dann nutzen die meisten Fischer die Gelegenheit um mit Finning Geld dazu zu verdienen.

CITES: Which sharks and rays were listed at CoP16?

Wir erinnern uns: Es gibt mehr als 500 Arten von Haien und mehr als 600 Arten von Rochen!. Die Bilanz der CITES erscheint in Anbetracht dieser Zahlen ernüchternd: Five shark species and all manta rays were included in Appendix II at CoP16 in 2013. They joined other sharks and sawfishes (elasmobranchs) that had already been included in the CITES Appendices over the past decade.

See also other sharks and rays included in the CITES Appendices.

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Nur versteckt, am Meeresgrund lebende Haiarten haben derzeit bessere Chancen zu überleben – wie der abgebildete Teppichhai von Raja Ampat (West Papua). Die Haie des offenen Wassers, pelagische Arten, sind in vielen Regionen entweder bereits ausgerottet oder stehen am Rand der Ausrottung. Foto: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

Zusammenfassung: Gift als Argument für Haischutz

Der massive Einsatz der Hai- und Meeresschutzorganisationen der letzten 15 Jahre hat erste kleine Fortschritte im Schutz der Haie erzielt. Doch erfolgen die Veränderungen viel zu zögerlich und nicht flächendeckend zögerlich. Vielen Haiarten wird die Zeit davonlaufen: Ihre extrem langsame Reproduktionsrate trägt dazu bei, dass sie bei diesem Druck auf ihre Populationen keine Chancen haben.
Sharkproject setzt auf GIFT ALS ARGUMENT FÜR DEN HAISCHUTZ. Zitat: Haie stehen im marinen Ökosystem am Ende der Nahrungskette und nehmen mit ihren Beutetieren die in diesen enthaltenen Giftstoffe auf, diese sammeln sich im Körper des Hais an und – einmal aufgenommen – werden sie, je nach Stoff, nur in sehr geringem Maße abgebaut. Viele räuberisch lebende Arten scheinen – im Gegensatz zum Menschen – recht gut mit hohen Konzentrationen von Giften klar zu kommen. Die Haie scheinen von der Natur als Langzeit-Giftmüll-Deponien der Meere konzipiert zu sein. Bestimmte Schwermetalle nehmen hier eine Schlüsselrolle ein. Raubfischarten mit extrem hohen Methylquecksilberwerten sind unter der Bezeichnung Hai, Schillerlocken, Seeaal, Kalbsfisch, Speckfisch, Karbonadenfisch, Steinlachs, Seestör, Schwertfisch, aber auch Thunfische und Königsmakrelen im Handel zum Verzehr frei erhältlich. Aufgrund des hohen Gehaltes an Methylquecksilber ist der Verzehr von diesen Produkten für den Menschen als hoch problematisch anzusehen! 

Geben Sie Ihren Schülern und Kindern die Chance die Geheimnisse des Meeres und der Natur näher kennen zu lernen – unter kompetenter Führung des MareMundi-Teams!

Unter Aktuelles bietet MareMundi regelmäßig spannende und interessante Berichte über das Meer!