MareMundi: Mehr über das spannende Phänomen der Bioerosion erfahren

Das Litoral (der Küstenlebensraum) ist in Kroatien durch eine typische mediterrane, artenarme Vegetation charakterisiert. Besonders auffällig ist der Meerfenchel (Crithmum maritimum), auch Seefenchel, Bazillenkraut genannt, die wohl typischste Küstenpflanze, die an felsigen Küsten im Einflussbereich der Gischt wächst und seit Urzeiten genutzt wird. Was die meisten Menschen jedoch kaum beachten und meist übersehen sind die unglaublichen, vielfältigen Muster der Bioerosion, die man an den Küsten beim näheren Hinsehen entdeckt.

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Einfach nur Kalkstein, wie man ihn an der adriatischen Küste Kroatiens überall findet? Dieser Eindruck wäre falsch: Mit etwas mehr Wissen ausgestattet beginnen die erodierten Felsen äußerst spannende Geschichten zu erzählen! Es geht um Mikroorganismen, Bioerosion und ewige Kreisläufe. Foto: Marijan Richter, Ljubljana.

 

Das Litoral an der kroatischen Adriaküste besteht vor allem aus den typischen erodierten Kalkfelsen. Erosion erfolgt einerseits durch physikalische Faktoren, wie etwa Wellenschlag, Witterung, Wind, durch chemische Einwirkungen wie das in der Luft enthaltene Kohledioxid, das mit Wasser vermischt eine schwache Kohlensäure ergibt (Säuren lösen Kalk auf), andererseits aber auch durch lebende Organismen – dann spricht man von der Bioerosion. Solche Organismen sind für uns teilweise unsichtbar, da zu winzig, zum Beispiel bohrende Cyanobakterien oder „Blaualgen“, welche für die auffällige schwarze Zone im Gezeitenbereich verantwortlich sind, aber auch Muscheln (Bohrmuschel Litophaga) und Weidegänger wie Seeigel, Käferschnecken oder Schnecken (z. B. die allgegenwärtigen Napfschnecken, Patella).

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Mikroskopische Aufnahme der Cyanobakterie Entophysalis granulosa wie man sie sonst niemals sieht, das bei weitem häufigste Lebewesen an Kroatiens Küsten. Die meisten Menschen nehmen im besten Fall bloß die so genannte schwarze Zone auf den Küstenfelsen wahr, einen dunklen Streifen entlang der Wasserlinie, und das auch nur dann, wenn sie darüber vorher aufgeklärt werden. Diese schwarze Zone kommt durch Milliarden und Billionen Zellen von Cyanobakterien zustande. Foto: Marijan Richter, Ljubljana.

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Verschiedenste Formen der Bioerosion durch die Cyanobakterie Entophysalis granulosa. Die Zellen schaffen es mit Hilfe von Säuren in die obersten Schichten des Gesteins einzudringen. Man spricht allgemein von Endolithen oder in diesem Fall speziell von endolithischen Cyanobakterien. Endolithe können lithotroph sein, ihre zum Leben notwendige Energie aus der Umwandlung anorganischer Verbindungen des besiedelten Gesteines gewinnen, oder aber phototroph wie die Cyanobakterien – dann sind sie Photosynthese betreibende Endolithen. Sonnenlicht kann tatsächlich hauchdünn in die oberste Schicht bis zu mehrere Millimeter tief in Gesteine eindringen. Foto: Marijan Richter, Ljubljana.

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Typische Kalkküste an der Adria mit einer ausgeprägten schwarzen Zone. Ein meereskundlich vorgebildete Beobachter erkennt sofort, dass die Aufnahme von einer exponierten Küste (in diesem Fall Pula) stammt, da das dichte Cyanobakterien-Vorkommen mehr als einen Meter hoch hinauf reicht. Foto: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

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Zerklüftete Kalkküste bei Glavotok auf Krk. Wo regelmäßig Meerwasser hinkommt, gedeihen Milliarden photosynthetisch aktiver Cyanobakterien, die zum Abbau des Kalkes beitragen und damit zu den primären Verursachern der Bioerosion zählen. Foto: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

Mehr über spannende meeresbiologische und naturkundliche Themen können Schüler, Studenten, Taucher, Lehrer und alle Naturinteressierten an den Stationen von MareMundi und in unserem lehrreichen Skriptum lernen: Natur der Kvarner Bucht, der Adria und der Insel Krk.

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  1. […] des Meeresspiegels, Veränderungen an der Küste und Bioersion (über diese haben wir erst vor wenigen Tagen berichtet). Das ist genau jene Art Verbindung zwischen Geschichte und Naturgeschichte, die man […]

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