MareMundis geheimnisvolles Mittelmeer: Elefanten, Kyklopen, riesige Zwerge und kleine Riesen

Ob meeresbiologische Projektwochen für Schulen in Kroatien, Lehrerfortbildung oder Seminar für Taucher: Bei MareMundi können Schüler, Jugendliche, Studenten, doch auch ihre Lehrer, Taucher und jeder Liebhaber der Natur und der Mittelmeerregion mehr über die Geheimnisse des Mediterrans lernen. Etwa über (Zwerg)Elefanten. Elefanten? Auf Malta, Kreta und insgesamt mindestens 16 Mittelmeerinseln? Erinnert man sich doch bei Elefanten im Mittelmeerraum vor allem an Hannibal, seinen berühmten Zug über die Alpen und frierende Rüsseltiere. Es hat sie aber durchaus auch natürlich gegeben, nicht nur auf Malta, sondern genauso auf Sizilien, der Südspitze des italienischen Stiefels, auf Sardinien, auf Kreta, Zypern, Rhodos und etlichen weiteren griechischen Inseln. Malta hat eine der bekanntesten und am besten untersuchten Tiergesellschaften dieser Art.

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Typisch mediterrane Landschaft im Süden Kretas. Schwer vorstellbar, aber hier haben einst Elefanten und andere zwergwüchsige Großtiere gelebt – wie auch auf zahlreichen anderen Mittelmeerinseln. Es muss sich offenbar um eine ökologische Gesetzmäßigkeit handeln, die überall wirksam ist … Foto Robert Hofrichter, mare-mundi.eu.

 

Die Besonderheit all dieser Elefanten: Ihre Populationen haben sich auf jeder Insel für sich allein weiterentwickelt, nach Gesetzmäßigkeiten der Inselökologie immer in eine Richtung: sie schrumpften. So hat Malta allein drei verschiedene Elefantenarten hervorgebracht; die größte war nur geringfügig höher als ein ausgewachsener Mann, die kleinste Art hingegen hatte mit einer Höhe von nur etwa 90 Zentimetern die Größe eines Kleinkindes.

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Der Sizilianische Zwergelefant (Elephas falconeri nach dem Paläontologen Hugh Falconer, früher Palaeoloxodon falconeri) ist eine ausgestorbene Elefantenart, die zu den Altelefanten gehörte und sich wahrscheinlich vom Europäischen Waldelefanten ableitet. Er erreichte nur etwa 90 cm Schulterhöhe. Foto: Wikipedia/Ninjatacoshell: Photograph of a fossil cast of a pygmy species of Elephas/Palaeoloxodon falconeri skeleton taken at the North American Museum of Ancient Life. 

 

Und diese Elefanten waren keineswegs allein, eine zoologisch hochinteressante Gesellschaft begleitete sie auf den meisten Inseln: Zwergflusspferde – auf Inseln, wo heute richtige Flüsse rar sind oder ganz fehlen –, Zwerghirsche und dann zahlreiche kleinere Tiere, die auf Inseln eine genau entgegengesetzte Entwicklung durchgemacht haben. Sie wurden groß: große Nagetiere, riesige Spitzmäuse (der Name ist für Nichtzoologen irreführend: das sind Insektenfresser und keine Nagetiere), Riesenbilche, Riesenigel.

 

Viele riesige Zwerge und kleine Riesen

Inseln waren nicht nur im Mittelmeerraum immer schon eine wahre Fundgrube für seltsame zoologische Entdeckungen. Darwin und Wallace fanden auf Inseln entscheidendes Material für ihre Überlegungen über die natürliche Zuchtwahl und the survival of the fittest, und die Vergessene Welt Conan Doyles, die ursprünglich auf einem Bergplateau im südamerikanischen Urwald angesiedelt war, wurde beim modernen Pendant Jurassic Park auf eine Insel verlegt. Einer Insel kann man einiges zutrauen, hier mag es in der Isolation doch bestimmte Sachen geben … Wer weiß?

 

Bei MareMundi mehr über Mediterranistik lernen

Vielfältig sind die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Ingredienzien des Mediterrans. Die Zoologie kann schnell zur Mythologie des Mittelmeerraums überleiten. So vermutet man beispielsweise den Ursprung der griechischen Kyklopensagen in einigen Schädeln der soeben beschriebenen Elefanten, die durch Besonderheiten ihrer Anatomie die Phantasie irgendeines Küstenbewohners anregten, der zufällig auf solche Schädel stieß. MareMundi hat es sich zur Aufgabe gemacht, neben „schlichter Meeresbiologie“, die man bei uns selbstverständlich lernt, auf Wunsch der Gäste zusätzlich einen erweiterten, mediterranistischen Blick auf diese faszinierendste Region der Welt zu vermitteln. Und so können Interessenten bei unserer Meeresschutzorganisation mehr über Mediterranistik lernen. MareMundi-Gründer Robert Hofrichter hat sich am ersten interdisziplinären Werk zu diesem Fach beteiligt: Handbuch der Mediterranistik – Systematische Mittelmeerforschung und disziplinäre Zugänge.

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Ein Auge in der Mitte der Stirn: So ähnlich sieht ein Elefantenschädel aus. Und selbst ein kleiner Elefant hat einen größeren Schädel als ein Mensch. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Legenden über einäugige Riesen irgendwo in der alten Zeit Griechenlands, wo es in Höhlen viele Überreste der Zwergelefanten gegeben hat, entstanden sind.

 

Kyklopen oder Zyklopen, ein Volk von Riesen mit nur einem Auge auf der Stirn, hießen bei den Griechen die Rundäugigen. Auch der Schädel eines kleinen Elefanten würde schon für einen Menschenriesen reichen, die Ansatzstelle des Rüssels, die Nasenöffnung also, für sein einziges Auge an der Stirn. Zyklopisch (man könnte es aufgrund dieser Erkenntnis durch elefantisch ersetzen) wurde zum Sinnbild für alles Große.

Die Kyklopen der Griechen waren die Söhne des Uranos und der Gaia, mächtig und gewalttätig, aber doch auch kunstfertig. Der bekannteste unter ihnen, Polyphemosgrässlich gestaltet war das Ungeheuer, wie keiner, welchen der Halm ernährt … – hat sechs Gefährten des Odysseus aufgefressen, doch wurde er von dem gerissenen Helden letztlich überlistet und um sein einziges Auge gebracht.

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Foto Wikipedia, Napoleon Vier aus nl: Detail des Halses der so genannten Eleusis-Amphora, einer proto-attischen Amphore. Odysseus und seine Gefährten blenden den einäugigen Riesen Polyphemos.

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Der Mittelmeerraum – die faszinierendste Region der Welt? MareMundi sagt: Ja!

 

Kein Wunder, dass er unter diesen Umständen in Zorn geriet. Voller Wut warf der geblendete Riese dem flüchtenden Boot des Helden gewaltige Felsbrocken nach, und wer möchte, kann diese immer noch vor Sizilien im Meer bewundern …

Ernle Bradford sieht die Einäugigkeit Polyphems jedoch differenzierter. Früheste griechische Künstler sollen ihn zweiäugig dargestellt haben, Homers Text liefert nach Meinung Bradfords auch keinen direkten Hinweis darauf. Es soll sich somit um eine spätere Überlieferung handeln. Sogar eine Sippe von Schmieden mit einem eintätowierten Auge auf der Stirn wurde schon als Deutung der Zyklopen genannt.

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Wie groß ist ein kleiner (Zwerg)Elephant? Illustration: Asier Larramendi, Investigación Elefantes enanos siciliano-malteses, eofauna.com

 

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Landschaft im Süden Kretas bei Preveli: Auf der fünftgrößten Insel im Mittelmeer haben gleich mehrere zwergwüchsige Rüsseltiere gelebt: Mammuthus creticus (Bate, 1907), Palaeoloxodon creutzburgi (Kuss, 1965) und Palaeoloxodon chaniensis (Symeonides et al., 2001). Über ihre korrekte taxonomische Einordnung wird laufend diskutiert. Manche Experten nehmen an, dass Kreta schon vor der Besiedelung durch Menschen durch Pflanzenfresser ähnlich stark beweidet wurde wie später durch die Haustiere der Menschen, und dass die Genese der heutigen kretischen Landschaft nicht ausschließlich vom Menschen geprägt wurde. Das letzte Wort in dieser Diskussion wurde aber wohl noch nicht gesprochen. Siehe auch: Mini mammoth once roamed CreteFoto Robert Hofrichter, mare-mundi.eu.

Bericht: Dr. Robert Hofrichter, mare-mundi.eu.

 

Geben Sie Ihren Schülern und Kindern die Chance das Meer und die Natur näher kennen zu lernen – unter kompetenter Führung des MareMundi-Teams!

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