Mediterranistik – was ist das? Schulen und Universitäten können bei mare-mundi mehr darüber lernen

mare-mundi weiß nicht nur die Antwort, sondern vermittelt sie auch im Rahmen von Schulprojektwoche,  Universitätskursen und Lehrerfortbildungen

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Im Januar 2010 fand sich in einigen deutschen Medien folgende Nachricht: Mediterranistik: Neuer Studiengang in Bochum – Ein Hauch von Südeuropa im Ruhrgebiet. Das klingt gut, doch haben die meisten Leser noch nie etwas von Mediterranistik gehört, nicht einmal deklarierte Liebhaber der Region. Was ist Mediterranistik überhaupt?

Am Mittleren Tor (Vela Vrata) zwischen Cres und Krk. Zu sehen die östliche Steilküste von Cres nördlich von Beli.

Am Mittleren Tor (Vela Vrata) zwischen Cres und Krk. Zu sehen die östliche Steilküste von Cres nördlich von Beli.

 

Der Bericht erläuterte: „Mit über zwei Millionen Euro wird das erste fachübergreifende Zentrum für Mittelmeerstudien an der Ruhr-Universität Bochum … gefördert. Das teilte Geschichts-Professor Nikolas Jaspert in Bochum mit. Schwerpunkte des neuen Zentrums sind unter anderem Geschichte und Archäologie des Mittelmeerraums. Bis 2013 soll ein interdisziplinärer Masterstudiengang Mediterranistik eingerichtet werden.“ http://www.rhein-zeitung.de/startseite_artikel,-mediterranistik-neuer-studiengang-in-bochum-_arid,44500.html

Die alte römische Brücke bei Beli auf Cres.

Die alte römische Brücke bei Beli auf Cres.

Das Mittelmeer oder die mediterrane Region als Ganzes in den Blick nehmen

Genau das möchte mare-mundi auch: Neben der Meeresbiologie, Ozeanographie und Meereskunde allgemein „das Mittelmeer und die mediterrane Region als Ganzes in den Blick nehmen“. Auf die Frage, was Mediterranistik eigentlich ist, antwortet die Webseite der Ruhr-Universität Bochum: „Welchen Beitrag können Mittelmeerstudien für den interdisziplinären Dialog der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften leisten? Was ist überhaupt mediterran? Ist meine Forschung mediterran? Ob EUROMED oder funktionaler Raum – als mediterran können nicht nur übergreifende Perspektiven bezeichnet werden, die das Mittelmeer oder die mediterrane Region als Ganzes in den Blick nehmen, sondern auch Einzelstudien zu Geschichte, Politik, Kultur der Anrainerstaaten, lokaler Gruppen oder transnationaler Diasporen sowie transmediterrane Perspektiven, die den Mediterran mit anderen Regionen und Orten vergleichen oder in Beziehung setzen.

Abendlicher Kulturunterricht am Franziskanerkloster Glavotok für ein Gymnasium.

Abendlicher Kulturunterricht am Franziskanerkloster Glavotok für ein Gymnasium.

Warum sich mare-mundi nicht nur für Meeresbiologie, sondern auch für Mediterranistik interessiert

mare-mundi.eu ist eine gemeinnützige Meeresschutzorganisation, die sich primär für (naturwissenschaftliche) Forschung, Bildung und Meeresschutz einsetzt, bei der Ausbildung der jungen Generation aber genauso ein ganzheitliches, mediterranistisches Verständnis des Mittelmeerraumes in den Mittelpunkt stellt. Dieser Ansatz der humanistischen Bildung wird auf Wunsch auch bei Schulprojektwochen von mare-mundi.eu auf Krk oder Kreta vermittelt: Um das Mittelmeer und den dazugehörigen Raum wirklich zu verstehen, braucht man mehr als bloß Meeresbiologie, nämlich eine ganze Reihe weiterer, der Biologie zum Teil fremder Disziplinen wie etwa Geschichte und Archäologie.

Der Gründer von mare-mundi, Robert Hofrichter, widmet sich seit Jahren dem mediterranistischen Ansatz und hat an der Erstellung des ersten deutschsprachigen Sammelwerks dieser Art mitgearbeitet: Handbuch der Mediterranistik – Systematische Mittelmeerforschung und disziplinäre Zugänge, herausgegeben von Mihran Dabag, Dieter Haller, Nikolas Jaspert und Achim Lichtenberger (mehr Infos zum Werk). Allerdings: In seinem eigenen Fach, der (Geschichte der) Meereskunde. Schüler, Studenten und weitere Besucher können an den mare-mundi Stationen mehr über dieses faszinierende Fach erfahren.

Alte Bäume erzählen unzählige Geschichten über das Mittelmeer und das mediterrane Klima.

Alte Bäume erzählen unzählige Geschichten über das Mittelmeer und das mediterrane Klima.

 

Bevor man aber „Experte“ für das Fach wird, braucht es eine genauere Einführung zum Thema, denn allzu vereinfacht sollte man sich Mediterranistik nicht vorstellen: Die mediterrane Region ist bei all ihrer Bedeutung nicht die einzige maritim geprägte Gegend der Welt und Experten diskutieren darüber, ob es „den Mittelmeerraum an sich“ tatsächlich gibt, sozusagen „von Natur aus“. Oder war es eine ideelle Schöpfung von Romantikern aus dem Norden? Entstand die mediterrane Welt in den 300 Jahren der pax romana? Hat uns vielleicht Fernand Braudel, der große Historiker der Mittelmeerregion, diese Vorstellung nahe gelegt?

Manuel Borutta und Fabian Lemmes schreiben dazu: „Es ist legitim, mediterrane Geschichte als solche zu betreiben. Dies muss den Blick auf andere Weltregionen, Meere und Ozean jedoch nicht ausschließen. Die sea history bietet vielfältige Anknüpfungspunkte der Analyse von Ähnlichkeiten und Unterschieden, Beziehungen und Verflechtungen des Mittelmeerraums mit anderen maritimen Räumen wie dem Indischen Ozean, dem Atlantik, dem mare balticum oder dem Schwarzen Meer … Nach einer Phase der Übertragung des Mittelmeerparadigmas auf andere Weltmeere könnte man die Ergebnisse dieser anderen meereszentrierten Geschichten nun wieder auf die Méditerranée zurückbeziehen, um das Mittelmeerparadigma zu modifizieren. Denn die Spezifik des Mittelmeerraums ist nur durch den Vergleich der mediterranen Region mit anderen maritimen Interaktionsräumen zu ermessen.“

Ziegen haben die Geschichte der Mittelmeerregion geprägt und die Landschaft geformt.

Ziegen haben die Geschichte der Mittelmeerregion geprägt und die Landschaft geformt.

 

Zitat aus einer empfehlenswerte Quelle zum Gesamtbild der mediterranen Region: Manuel Borutta/Fabian Lemmes: Die Wiederkehr des Mittelmeerraumes: Stand und Perspektiven der neuhistorischen Mediterranistik. (The Mediterranean Revisited: New Perspectives on a Contested Concept), Neue Politische Literatur, Jg. 58 (2013)

 

Wäre ein solcher Schwerpunkt für meine Schule oder meine Studentengruppe viel zu historisch?

Jene „Mediterranistik“, die Robert Hofrichter bei mare-mundi vermittelt, ist keine, die sich primär und ausschließlich auf Geschichte konzentriert. Die Geschichte ist ein erforderliches Mittel um den Raum zu verstehen, doch primär geht es bei uns um den Zusammenhang zwischen Naturraum und dem Raum als Lebensraum der hier lebenden Menschen sowie auf Wechselwirkungen mit Menschen und Kulturen aus anderen Regionen. Das Klima, die Winde, die Pflanzen, die Tiere und das Meer mit all seinen Dimensionen stehen im Mittelpunkt, wobei historische, politische, militärische, kulturelle, soziologische und weitere Aspekte berücksichtigt werden. Das Ziel ist es die Gesamtheit der mediterranen Region im historischen und naturräumlichen Kontext besser verstehen zu können.

Alte, verlassene Mühle in den Bergen von Kreta - ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste der mare-mundi Station Kreta in Plakias.

Alte, verlassene Mühle in den Bergen von Kreta – ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste der mare-mundi Station Kreta in Plakias.

 

Über ein schlüssiges Gesamtbild des Mittelmeeres muss noch viel geforscht werden …

Die oben zitierten Autoren schreiben: „Am Anfang steht ein ernüchternder Befund: Darstellungen zur modernen Geschichte des Mittelmeerraums, die sich um ein Gesamtbild der Region bemühen, sind rar. Meist handelt es sich um Kapitel in universalhistorischen Überblicksdarstellungen, die selten von Neuhistorikern, sondern meist von Kennern früherer Epochen, Vertretern anderer Disziplinen oder Nichtakademikern verfasst sind. Historiker der Späten Neuzeit befassen sich zwar mit mediterranen Orten und Räumen, behandeln diese jedoch in der Regel getrennt voneinander und interessieren sich kaum für ihre Mediterranität.“

 

Eichen der Flaumeiche (Quercus pubescens) - diese Art ist typisch für das submediterrane Klima von Krk.

Eichen der Flaumeiche (Quercus pubescens) – diese Art ist typisch für das submediterrane Klima von Krk.

 

Mehr dann bei uns an der mare-mundi Station Krk, Kreta oder Trogir!

Wir informieren Sie gern, wenden Sie sich mit Ihrer Schule oder Universität an

Dr. Robert Hofrichter

mare-mundi.eu

office@mare-mundi.eu

 

PS Nur ein Beispiel für die Themenvielfalt, um die es geht, hier auf der Webseite von mare-mundi:

Byssus: Muschelseide aus dem Mittelmeer und das wahre Antlitz Gottes

Das Schweißtuch Jesu in Manoppello

 

Nur wenige andere Stoffe aus dem Meer haben die Phantasie der Menschen dermaßen angeregt wie die so genannte Muschelseide. Was das genau ist und wie sie mit dem wahren Antlitz Gottes zusammenhängt, beschreibt dieser mare-mundi Artikel  …

Der Zoologe, Meeresbiologe und Buchautor Robert Hofrichter ist der Gründer von mare-mundi und: ein Liebhaber der Mediterranistik!

Der Zoologe, Meeresbiologe und Buchautor Robert Hofrichter ist der Gründer von mare-mundi und: ein Liebhaber der Mediterranistik!

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  1. […] Welt zu vermitteln. Aus diesem Grund können Interessenten bei unserer Meeresschutzorganisation mehr über Mediterranistik lernen. MareMundi-Gründer Robert Hofrichter hat sich am ersten interdisziplinären Werk zu diesem Fach […]

  2. […] der europäischen Zivilisation lernen sollten – sie ist auch die Wiege unserer Identität (Mediterranistik – was ist das? Schulen und Universitäten können bei mare-mundi mehr darüber ler…). Immer umfassender wird das kompetente Angebot von MareMundi für Schulen und Universitäten. […]

  3. […] berichtet). Das ist genau jene Art Verbindung zwischen Geschichte und Naturgeschichte, die man mediterranistisch untersuchen und Schülern erklären kann. 2000 Jahre alte Steine beginnen bei meeresbiologischen […]

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