Monsterwelle, Kaventsmann, Medicane: MareMundi über die finstere Seite des Mediterrans

Eine faszinierende und manchmal furchteinflößende Erscheinung der Meere sind Wellen, die, wie unsere Erfahrung zeigt, recht unterschiedlich groß ausfallen können. Zum Glück selten können sie auch monströs werden, und dann spricht der Ozeanograph von Monsterwellen. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass solche Monsterwellen nur irgendwo in Richtung der Antarktis oder zumindest in den Weiten der Ozeane auftreten können. Denn das können sie auch im Mittelmeer. Doch kein Grund zur Panik, Sie müssen ihre nächste gemütliche Mittelmeer-Kreuzfahrt nicht sogleich stornieren. Alltäglich sind mediterrane Riesenwellen nicht. Weltweit sind sie es durchaus, wenn man es statistisch nimmt – etwa zwei irgendwo auf dem Globus täglich. Das westliche Mittelmeer scheint häufiger betroffen zu sein als das östliche (kleine Hilfe für künftige Kreuzfahrt-Planungen). Die gefährlichen Wellen entstehen im Mittelmeer selbst, und dabei scheint der berüchtigte Mistral aus dem Rhônetal eine Rolle zu spielen.

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Foto: Wikipedia: NOAA – http://www.photolib.noaa.gov/bigs/wea00800.jpg http://www.photolib.noaa.gov/htmls/wea00800.htm

Auch Medicane können zu Monsterwellen führen. Medicane?

Diese ungewöhnliche Wortkreation ist aus einer Kreuzung von Mediterranean und Hurricane hervorgegangen. Ja, auch das Mittelmeer kann gefährliche Wirbelstürme bzw. Zyklone hervorbringen. Im Februar 2005 – das winterliche Mittelmeer kann sehr gefährlich sein und war daher in der Antike Tabu – wurde das Schiff Voyager mit 780 Menschen an Bord fast Opfer des Zyklons Valentina. Das Kreuzfahrtschiff befand sich auf der Fahrt von Tunis nach Barcelona, als eine Monsterwelle die Fenster der Brücke zerschlug und die gesamte Maschinenanlage lahm legte. Zum Glück konnte das Schiff schließlich den Hafen von Cagliari auf Sardinien erreichen. Siehe auch: Monsterwellen im Mittelmeer sind sehr selten. Siehe auch Rogue wave.

 

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Entstehung einer Monsterwelle. Quelle: Wikipedia.

Monsterwellen, Freak Waves, Drei Schwestern: Nur Seemannslatein?

Lange Zeit galten Berichte von Monsterwellen weitgehend als Seemannslatein. Doch die Hinweise wurden von Jahr zu Jahr dichter. Immer wieder verschwanden auch größere Schiffe auf den Weltmeeren spurlos. Seit im Jahr 1995 auf einer norwegischen Ölplattform ein Kaventsmann (in der Seemannssprache auch eine große Welle) mit 26 Meter Höhe von einer automatischen Messanlage registriert wurde, ist das Phänomen allgemein anerkannt. Zur Frage, was die Drei Schwestern sind, finden sie bei Spektrum der Wissenschaft eine Antwort.

Die 200 Meter lange Louis Majesty der zyprischen Reederei Louis Cruises hatte Pech und wurde im März 2010 vor der spanischen Küste von großen Wellen getroffen (Details hier). Mehrere Wellen zertrümmerten die Scheiben eines Salons im fünften Deck über der Wasserlinie und überfluteten Bereiche des Decks. Die allermeisten der 1350 Passagiere und 600 Besatzungsmitglieder kamen mit dem Schrecken davon. Ein Deutscher starb an einem Herzinfarkt.

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Monsterwellen in einer Darstellung des BBC.

Monsterwellen im Mittelmeer gibt es wirklich

Niemand zweifelt heute an der Existenz von Monsterwellen. Diese Wasserberge erreichen die doppelte Höhe des herrschenden Seegangs. Bisweilen tauchen sie im Mittelmeer wie aus dem Nichts auf, wenn sich lange und langsame Wellen in ihrer Frequenz mit kurzen und schnelleren ungünstig überlagern. Die Details des physikalischen Vorgangs könnte nur ein besonders ausgebildeter Physiker erklären. Denn Wellen und ihr Verhalten zu verstehen ist wahrlich nicht einfach. Wasserwände von 20 Metern Höhe kommen immer wieder vor, seltene 25 Meter hohe Monsterwellen gelten als sehr hoch, und 40 Meter sind eine recht beängstigende Vorstellung, sie werden aber von Seefahrtsexperten für möglich gehalten. Zum Glück gibt es sie aber nur äußerst selten.

Was sich bei so einem Seegang auf Schiffen abspielt, kann man im Internet auf YouTube anschauen: 1, 2, 3, 4. Vermutlich würden die meisten Menschen ein solches Erlebnis nicht einmal ihren ärgsten Feinden wünschen …

 

Viel über die Geheimnisse und auch manche „Schattenseiten“ des Mittelmeeres lernt man – ob Schüler oder Erwachsene – bei Projektwochen, Seminaren und Exkursionen von MareMundi!

Mehr für den Schutz des Mittelmeeres – auch Ihre Hilfe zählt!

Bericht: Dr. Robert Hofrichter, mare-mundi.euoffice@mare-mundi.eu