OceanCare Presseinfo: Internationale Walfangkommission tagt an der Adria

Die befreundete Meeresschutzorganisation OceanCare setzt sich seit 1989  weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Seit 2015 ist OceanCare auch im Wissenschaftsausschuss der IWC (Internationale Walfangkommission) vertreten. Wie die OceanCare Presseinfo vom 20.10.2016  berichtet, setzt sich OceanCare derzeit in Slowenien dafür ein, dass die Wale optimalen Schutz erhalten. Auch Kleinwale wie die Großen Tümmler in der Nordadria rund um die MareMundi Station Krk sind von den Bedrohungspotenzialen betroffen: Unterwasserlärm, Vermüllung der Meere, Klimaerwärmung sowie Schiffskollisionen und Beifang.

Die Walfangtagung stellt das Walfangverbot auf den Prüfstand

OceanCare erreicht man unter OceanCare, Gerbestrasse 6, CH-8820 Wädenswil, Tel +41 44 780 66 88, presseinfo@oceancare.orgwww.oceancare.org

 

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Foto: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

 

Portorož/Wädenswil, 20. Oktober 2016. Von 24. bis 28. Oktober 2016 tagt in Portorož, Slowenien, die Internationale Walfangkommission (IWC). Die Vorverhandlungen beginnen bereits am 20. Oktober. 2016 ist das Walfangmoratorium genau seit 30 Jahren in Kraft; es hat in dieser Zeit hunderttausenden Walen das Leben gerettet.
Vor Ort setzt sich OceanCare dafür ein, dass das Moratorium, eine der grössten Errungenschaften im Artenschutz, nicht weiter untergraben wird. OceanCare kritisiert überdies, dass der in europäischen Gewässern eskalierende kommerzielle Walfang nicht auf der Agenda der IWC-Konferenz steht.
Schwerpunkte der Tagung sind die Fortsetzung des wissenschaftlichen Walfangs unter Missachtung eines Urteils des Internationalen Gerichtshofes sowie die mögliche Einrichtung eines grossen Walschutzgebietes im Südatlantik. Positiv bewertet OceanCare, dass sich die IWC vermehrt globalen Gefahren widmet und Massnahmen zum Schutz aller Wale anstrebt. OceanCare ist als IWC-Beobachterin vor Ort und berichtet in einem Blog regelmässig über die Tagung.

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Das Internationale Übereinkommen zur Regulierung des Walfangs (ICRW) wurde vor 70 Jahren unterzeichnet. Sein wichtigster Erfolg, das Verbot des kommerziellen Walfangs, besteht seit genau 30 Jahren und hat hunderttausenden Walen das Leben gerettet. «Es handelt sich um eine der grössten Errungenschaften der weltweiten Artenschutzbewegung», sagt Nicolas Entrup, der zusammen mit Fabienne McLellan für OceanCare an der IWC-Tagung teilnimmt. «Doch Feierstimmung kommt nicht auf, solange drei Walfangländer dieses Verbot unterwandern: Während Japan und Island auf diplomatischer Ebene ebenso hart kritisiert wurden wie in den Medien, wurde öffentlich kaum zur Kenntnis genommen, dass Norwegen sich klammheimlich zum grössten Walfangland der Welt entwickelt hat.» Derzeit werden in europäischen Gewässern durch Norwegen und Island mehr Grosswale getötet als in der übrigen Welt. «Der eskalierende Walfang in Europa fehlt leider auf der offiziellen Tagesordnung der IWC-Konferenz», bemängelt Entrup.

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 Foto: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

Europa in der Pflicht

In unmittelbarer Nachbarschaft zur EU betreiben Norwegen und Island bis heute ganz offen kommerziellen Walfang und ignorieren systematisch das Moratorium der IWC und das CITES-Handelsverbot für Walprodukte. Aktuelle Exportzahlen belegen, dass beide Länder ihren Walfleisch-Handel mit Japan weiter ausbauen. Die letzte offizielle Verurteilung norwegischer Walfangaktivitäten durch die IWC liegt fünfzehn Jahre zurück. «Es braucht eine Strategie der Walschutzstaaten, allen voran der EU, um die europäischen Nachbarstaaten von der Abkehr der Walfangaktivitäten zu überzeugen», sagt Entrup, der seit sechzehn Jahren an den IWC-Tagungen teilnimmt.

 

Japans „wissenschaftlicher“ Walfang bleibt ein heisses Eisen

Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat 2014 Japans Walfang in der Antarktis wegen fehlender Wissenschaftlichkeit verurteilt und die Regierung des Landes aufgefordert, dieses Programm einzustellen. Künftig will Japan den so genannten „Wissenschaftswalfang“ in der Antarktis lediglich reduzieren. Die Frage, was als „wissenschaftlich“ einzustufen ist, wird regelmässig heftig debattiert: «Es braucht einen transparentes, international anerkanntes Prozedere zur Prüfung der Wissenschaftlichkeit beim japanischen Walfangprogramm», sagt Fabienne McLellan, die bei OceanCare für die internationale Zusammenarbeit verantwortlich ist. «In der vorliegenden Form stellt Japans neues Forschungsprogramm einen klaren Verstoss gegen das IGH-Urteil dar», fügt sie hinzu. «Das gilt ebenso für die in der IWC verabschiedeten Auflagen zum wissenschaftlichen Walfang.» Australien und Neuseeland haben Initiativen zur Klärung dieser Frage angekündigt.

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Küstenwalfang/Walfang zur Nahrungssicherung – eine besorgniserregende Entwicklung

Japan drängt die IWC seit Jahren, den Walfang im Nordwestpazifik zu legalisieren und diesen als neue Kategorie „Küstenwalfang“ anzuerkennen – unter dem Vorwand, Küstengemeinden seien dringend auf Nahrung aus dem Meer angewiesen, wollen die Japaner den Walfang zur Nahrungssicherung legitimieren lassen. Bislang ist Japan mit dieser Argumentation regelmässig gescheitert, ein neuer Vorstoss in diese Richtung ist allerdings auch dieses Jahr zu erwarten. Aus einem im Juni 2016 erschienenen Interview mit Joji Morishita, Kommissär von Japan, Vize-Vorsitzender der IWC und designierter Kandidat für den Vorsitz der IWC-Tagung für die nächsten zwei Jahre, geht hervor, dass Japan unter Umständen gar bereit ist, als Gegenleistung für eine Anerkennung des Küstenwalfangs den umstrittenen Wissenschaftswalfang in der Antarktis einzustellen. Faktisch wäre der Fang von Walen in den eigenen Küstengewässern eine Form von kommerziellem Walfang, der seit 1986 verboten ist. Eine Entwicklung, die das Walfangmoratorium grundlegend untergraben könnte. «Die Frage über die Zukunft des Walschutzes darf nicht zum Tauschhandel verkommen», kommentiert McLellan.

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Ein Walschutzgebiet im Südatlantik

Erneut unternimmt der Block lateinamerikanischer Staaten – allen voran Argentinien, Brasilien und Uruguay – in Kooperation mit den afrikanischen Staaten Gabun und Südafrika einen Vorstoss zur Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik. Der Vorschlag fasst in einem ausführlichen Managementplan sämtliche Gefahren für Wale zusammen. Findet er Zustimmung, handelt es sich nach der Antarktis und dem Indischen Ozean um das dritte Walschutzgebiet, das durch die IWC eingerichtet wurde. «Die Kooperation zwischen Ländern auf beiden Seiten des südlichen Atlantiks im Interesse des Walschutzes muss unbedingt gefördert werden», sagt McLellan. «Der Vorschlag für ein Walschutzgebiet bietet dazu die perfekte Gelegenheit.»

 

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Globale Gefahren – auch für Kleinwale – auf der Agenda

Obwohl Delphine und Kleinwale bislang nicht unter dem Schutz der IWC stehen, befasst sich das Gremium auch mit den zahlreichen Umweltgefahren für Gross- und Kleinwale: Unterwasserlärm, Vermüllung der Meere, Klimaerwärmung sowie Schiffskollisionen und Beifang. Im weiteren begrüsst OceanCare das Bestreben, schonendere Tötungsmethoden für Wale zu suchen. Auch damit kann die IWC-Tagung entscheidend zum Wohl der Tiere beitragen.

Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, fasst zusammen: «Eine langfristige Absicherung des kommerziellen Walfangverbotes erlaubt es der IWC, sich selbst zu reformieren, und den Herausforderungen des Walschutzes im 21. Jahrhundert gerecht zu werden. Von der intensiven Bejagung der weltweiten Walbestände in der Nachkriegszeit hin zu einem modernen Schutzinstrument für die Meeresriesen – diese Entwicklung hat das Potential für eine richtige Erfolgsstory.»

OceanCare wird mit Nicolas Entrup und Fabienne McLellan an der IWC-Tagung in Slowenien vertreten sein; beide werden regelmässig in einem Online-Blog über ihre Erfahrungen berichten: blog.oceancare.org

 

Medienkontakte

  • Nicolas Entrup, Konsulent für OceanCare: M: (+43) 660 211 9963, nentrup@oceancare.org, Skype: ledzep2878 (in Slowenien vom 19.10.-28. Oktober 2016)
  • Fabienne McLellan, stv. Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare: M: (+41) 79 456 77 07, fmclellan@oceancare.org, Skype: fabienne.boller1 (in Slowenien vom 19.10.-28. Oktober 2016)
  • Sigrid Lüber, Präsidentin und Leiterin Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, Wädenswil: T: (+41) 44 780 66 88, M: (+41) 79 475 26 87, slueber@oceancare.org.

Weiterführende Links und Informationen

 

Die Sichtung von Delfinen gehört zu den Highlights für jede Schülerexkursion. Nicht jede Gruppe hat das Glück; bei dem Gymnasium aus Wörgl hat es aber besonders gut funktioniert. Ein Familienverband von Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) näherte sich unseren Booten bis auf wenige Meter.

Die Sichtung von Delfinen gehört an der MareMundi Station Krk zu den Highlights für jede Schülerexkursion. Ein Familienverband von Großen Tümmlern (Tursiops truncatus) näherte sich unseren Booten bis auf wenige Meter. Foto: Robert Hofrichter, mare-mundi.eu

 

 

 

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