Plastik – eine revolutionäre Erfindung mit fatalen Folgen

Plastik auf dem Weg ins Meer

Plastik auf dem Weg ins Meer

Plastik: Ein auf Erdöl basiertes Polymer das unser Leben in den letzten 50 Jahren verändert und vereinfacht hat. Aufgrund seiner leichten Formbarkeit und robusten Eigenschaften findet es sich mittlerweile in den meisten Produkten, die wir kaufen. Leider hat dieses Material nicht nur Vorteile – Plastik lässt sich enzymatisch nicht abbauen und bleibt daher sehr lange erhalten: “Plastik hat eine sehr lange Abbauzeit und zersetzt sich zum Teil in immer kleinere Teile, wobei Additive wie Weichmacher oder Flammschutz- mittel freigesetzt werden. Mikroplastik gelangt aber auch direkt ins Meer. Die Verwendung solcher Teilchen in Kosmetikprodukten wie Peelings oder Zahnpasten ist mittlerweile Standard.” so ein Bericht des Umweltbundesamtes. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Plastiksackerl (Plastiktüte) ca. 600 Jahre braucht, bis es vollständig verrottet ist. Plastikmüll der nicht recycelt und unachtsam weggeschmissen wird, landet irgendwann in Bächen, Flüssen und schlussendlich im Meer. Ca. 80 % davon stammt vom Land und ca. 20% von Netzresten und Abfällen der Fischerei und von Bohrinseln. Große Plastikteile stellen dabei richtige Fallen für viele Meeresbewohner dar. Oft bleiben sie darin hängen, verletzen sich oder verenden sogar darin. Da es auch von größeren Fischen, Vögeln und Meeressäugern mit Futter verwechselt wird, führt es bei einigen Individuen zum Verhungern mit vollem Magen. So sterben jährlich tausende Albatrosse auf einer Insel im Pazifik 2000 Meilen (3219 km) vom nächsten Festland entfernt.

Ein unachtsam weggeworfener Kaffeelöffels eines CoffeeToGo - er wird mit der Zeit in winzig kleine Teilchen zersetzt, die sich im Meer verteilen und nicht abbaubar sind. Ein Beitrag zur weltweiten Verschmutzung der Meere

Ein unachtsam weggeworfener Kaffeelöffels eines CoffeeToGo – er wird mit der Zeit in winzig kleine Teilchen zersetzt, die sich im Meer verteilen und nicht abbaubar sind. Ein Beitrag zur weltweiten Verschmutzung der Meere

Im Laufe der Zeit zerfallen die großen Plastikstücke durch die Sonneneinstrahlung und weiteren Umwelteinflüssen in immer kleinere Partikel – genannt Mikroplastik. Diese Partikel stellen eine noch größere Gefahr für viele marine Organismen dar, als die großen: Die Tiere können meist das Mikroplastik nicht von Plankton unterschieden, daher wird es bei der Nahrungsaufnahme als unerwünschtes Begleitprodukt gefressen. Da es nicht enzymatisch abgebaut wird, kann es auch nicht verdaut werden und bleibt im Körper der Tiere erhalten. Durch die Weitergabe des Plastiks über marine Nahrungsnetze landet das Plastik auch in Speisefischen und so auch irgendwann in uns.

Nachweis unter dem Mikroskop

Das Team von mare-mundi war im Auftrag der Plastikforschung auf den Inseln Sveti Grgur und Goli Otok um herauszufinden, wie viel Mikroplastik im Vergleich zur Planktonmenge sich tatsächlich im Wasser der Kvarner Bucht befindet.

Andreas filtert in der Kvarner Bucht Plastik mit einem Planktonnetz aus dem Meer

Andreas filtert in der Kvarner Bucht Plastik mit einem Planktonnetz aus dem Meer

Wir haben mit Planktonnetzen in zwei verschiedenen Buchten das Wasser durchsiebt und die Proben in unserem Labor mittels Mikroskopie ausgewertet. Wir fanden jede Menge, kleinster bunter Micro-fäden, die unsere Vermutung von Plastik im Meer mehr als bestätigten.

Mit diesem Planktonnetz wird normalerweise winzig kleines Plankton aus dem Meerwasser gefiltert. In den Proben sind meist auch winzig kleine Plastikpartikel zu finden. Diesmal geht es darum, diese Plastikpartikel aus dem Wasser zu filtern und zu analysieren

Mit diesem Planktonnetz wird normalerweise winzig kleines Plankton aus dem Meerwasser gefiltert. In den Proben sind meist auch winzig kleine Plastikpartikel zu finden. Diesmal geht es darum, diese Plastikpartikel aus dem Wasser zu filtern und zu analysieren

Jedoch befindet sich auch jede Menge transparentes Plastik in den Proben, das ohne geeignete Trenn- oder Färbemethoden nicht von organischem Material zu unterscheiden ist. Daher können wir noch keine genauen Zahlen zu dem Plastikgehalt in unseren Proben liefern.

Unsere jetzige Aufgabenstellung besteht darin, eine effiziente und möglichst einfache Methode zu finden um Plastik sichtbar zu machen und so den tatsächlichen Plastikgehalt festzustellen. Nur mit den richtigen Informationen kann man effizient gegen das Problem vorgehen.

Bunte Kunsstofffäden in einer Planktonprobe

Bunte Kunsstofffäden in einer Planktonprobe

Was kann man selber gegen Plastik im Meer tun?

Generell ist Schadensvermeidung besser als Schadensbegrenzung. Dabei kann und muss jeder Einzelne seinen Beitrag leisten. Man bekommt überall Plastik angeboten und man muss lernen dazu Nein zu sagen. Es sind relativ simple Sachen, die dabei einen großen Unterschied machen: Nimm eine Stofftasche zum Einkaufen mit, anstatt eine aus Plastik zu verwenden. Kaufe Getränke in Glas, anstatt in Plastikflaschen oder nimm einfach dein eigenes Wasser in einem wiederbefüllbaren Behälter mit. Verlange beim Obst- und Brotkauf ein Sackerl aus Papier anstatt eines aus Plastik und so weiter…

Eine Mahlzeit mit langzeitigen Auswirkungen für unsere Umwelt

Eine Mahlzeit mit langzeitigen Auswirkungen für unsere Umwelt

Leider lässt sich in unserer Gesellschaft Plastik nicht vollständig vermeiden, darum muss der Plastikmüll, der doch anfällt, konsequent und sachgemäß recycelt werden. Auch wenn du Plastik auf einem Strand oder sonst wo entdeckst, hebe es auf und schmeiß es in die dafür vorgesehene Tonne.

Der Verein mare-mundi führt regelmäßig Beachcleanups durch, wo bestimmte Strandabschnitte vom Müll gesäubert und die Strandbesucher über das Problem informiert werden. Nur wer informiert ist, kann etwas bewirken.

So kann im Endeffekt jeder einzelne und dadurch wir alle zusammen einen wesentlichen Unterschied machen um unsere Ozeane sauber zu halten.


Text: Andreas LaFollette
Fotos: Andreas LaFollette, Alexander Heidenbauer, Simon Wetzel
Redaktion: Astrid Hickmann


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