Gastforscher der Universität Innsbruck auf der Suche nach Plathelminthen

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Dr. Berdnhard Egger unterstützt seine Studentin Alexandra Grosbusch, bsc. bei der Bestimmung der Plattwürmer (Plathelminthen) im Labor der Schule am Meer auf der Insel Krk.

Wie mare-mundi berichtet hat, besuchte uns vor kurzem unsere erste Gastforscherin bei der “Schule am Meer” und hat unsere Räumlichkeiten genutzt, um einen Teil ihrer Forschung über Plattwürmer (Plathelminthen) hier durchzuführen. Der Wissensaustausch im Labor der Feldstation “Schule am Meer” auf der kroatischen Insel Krk war in diesen Tagen besonders fruchtbar! Wir haben uns sehr gefreut, Alexandra Grosbusch, bsc., hier bei unserer Feldstation von mare-mundi, der Schule am Meer auf Krk zu begrüßen!

Auch Alexandras Betreuer, Dr. Bernhard Egger von der Universität Innsbruck reiste mit auf die Insel, um seine Studentin bei der Bestimmung einer bestimmten Art der Plattwürmer, den Prolecithophora, zu unterstützen. Daran dass sich Alexandra mit einer noch unerforschten Gruppe von Plathelminthen befasst und sich hier entlang der Küste Krks auf die Suche nach eben diesen macht, ist ihr Betreuer, Dr. Egger, nicht ganz unbeteiligt… Wir haben den Experten für Plattwürmer, Dr. Bernhard Egger hier bei uns an der Schule am Meer zum Interview gebeten.


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Dr. Bernhard Egger im Labor der Schule am Meer auf der kroatischen Insel Krk

Wie bist du dazu gekommen dich mit Plattwürmern zu beschäftigten?

Eigentlich war es aus Verzweiflung heraus. Ich begann zuerst mit einer Masterarbeit über Katzen und musste nach 6 Semestern leider feststellen dass diese Arbeit keine Resultate bringt. In meiner Diplomarbeit ging es über die Verhaltensbiologie von Katzen in gestressten Situationen speziell in Katzenheimen. Dabei stellte sich heraus, dass die Katzen verschieden reagieren, da ihr Stresshormonlevel unterschiedlich ist.

Dann fing ich bei Professor Reinhard Rieger an mit der Embryonalentwicklung von Macrostonum lignano und seitdem bekam ich immer mehr Gefallen an Plattwürmern. Mit Allem was man macht und sich nur intensiv damit beschäftigt, wird interessant.

Plattwürmer sind eine sehr diverse Gruppe mit 30. 000 beschriebenen Arten und somit einer der größeren Tiergruppen. Es gibt mehr Plattwürmer als Wirbeltiere. Man unterscheidet zwischen freilebenden und parasitischen Plattwürmern. Bandwürmer und Saugwürmer sind parasitische Plathelminthen. Fünfsechstel von Plattwürmern sind Parasiten und für jeden Wirten gibt es meistens einen spezifischen Plattwurm.

Warum untersucht Alexandra genau diese Prolecithophora?

Ich habe ihr diese Gruppe ausgesucht, da ich sie selber auch noch nicht gut kenne. Bisher hatte ich in meinen Proben nicht sehr viele Exemplare davon gefunden. Über diese Gruppe weiß man noch fast überhaupt nichts.

Mit welchem Gebiet beschäftigst du dich?

Ich beschäftige mich mit der Regernation der Plattwürmer, da einige Gruppen wie Planaria ein ausgezeichnetes Regernationsvermögen besitzen. Nicht alle Plattwürmer haben ein Regernationsvermögen, es ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Fortpflanzungsweisen und der Regeneration. Obligatorisch sexuell fortpflanzende Tiere können sich meist nur schlecht regenerieren, d. h. sie können keinen Kopf regenerieren. Obligatorisch asexuell fortpflanzende Tiere müssen sich gut regenerieren können. Möglicherweise könnte es sein, dass die Regeneration verloren geht, wenn es keine asexuelle Fortpflanzung gibt. Entweder eine neutrale Selektion wie bei Höhlentieren die ihre Augen verlieren, da sie nicht mehr gebraucht werden, so konnte diese auch bei der Regernation sein. Wenn sie nicht mehr nützlich ist wird sie nicht mehr selektiert. Es gäbe auch negative Selektion gegen Regernation, da man auch Plattwürmer mit zwei Schwänzen oder zwei Köpfen findet. Vor hundert Jahren hatte ein Wissenschaftler einen Doppeltköpfigen Wurm so oft getrennt bis dieser Wurm 40 Köpfe besaß.

Bei uns Wirbeltieren erwies es sich als unpraktisch und ging fast verloren. Es gibt ein paar Wirbeltiere wie der Axolotl, ein Modelltier, welches die Gliedmaßen regenerieren kann. Die Regeneration ist extrem langsam und dauert ein paar Monate. Er kann sogar auch das Unterkiefer und die Augenlinse erneuern. Fische können die Schwanzflosse und Teile des Herzens regenerieren.

Zurzeit kann man keine wirklichen Rückschlüsse aus der Regernation von Plattwürmern für Menschen ziehen.

Dr. Egger und Alexandra Grosbusch, bsc. bei der Bestimmung von Plattwürmern (Platelminthen)

Dr. Egger und Alexandra Grosbusch, bsc. bei der Bestimmung von Plattwürmern (Platelminthen)

Sind deine Daten für jeden zugänglich?

Ja meine Daten sind für die Grundlagenforschung, wie gesagt noch weit entfernt um es für den Menschen umzusetzen. Alles was veröffentlicht wird soll für jeden zugänglich sein als Open Access Modell.

Und du hast Zoologie studiert?

Ja genau ich hatte Zoologie studiert und den Magister und Doktor in Naturwissenschaft abgeschlossen.

Wie bist du zur Schule am Meer gekommen?

Durch die Lexi, da sie damals mit den Robert in Verbindung gekommen ist und von der Eröffnung dieser Station gehört hatte und schließlich hier die Forschungsarbeit machen wollte.

War es eine gute Entscheidung die Forschung hier in Punat zu betreiben?

Es ist eine Herausforderung, da man noch nicht so viel über die Prolecithophora weiß, besonders hier in diesem Gebiet ist noch wenig beschrieben worden. Es gäbe vielleicht bessere Habitate für die Tiergruppe. Es gibt viele Mikrohabitate, wo man ziemlich präzise wissen muss wo man die Tiere sucht.

Momentan beschäftigt sich fast keiner mit Plattwürmern. Entweder mit Parasiten, weil diese wirtschaftlich sehr wertvoll sind. Im Bereich der Regeneration wird eigentlich nur eine Art der Planaria vorgezogen, mit den übrigen Gruppen arbeitet fast keiner.

Warst du in einem Labor und hast dich schön öfter eingemietet?

Ja für die Forschung muss man natürlich öfter in Gaststationen arbeiten, das ist ganz normal.

Wie ist das Feedback zu unserer Station?

Es fehlen ein paar Sachen, die wir einfach speziell für unsere Forschung brauchen, aber das ist ja verständlich und ihr seid ja erst am Anfang.

Und man weiß noch nicht sehr viel über diese Prolecithophora?

Nein auf Krk weiß man noch nicht viel von dieser Gruppe, wenn nur in Rovinj. Bei der Forschungsarbeit der Plattwürmer braucht man ein gutes Auge, viel Geduld und man darf nicht aufgeben. Wenn die Lexi genug Proben bekommt, dann wird sie im September wieder zurückkommen. Sie hat sich als eine gut geeignete und selbstorganisierte Person herausgestellt und wird das sicher gut meistern. Falls sie nicht genug Proben findet, gäbe es noch eine zweit Gruppe, welche sie erforschen könnte.

Die Forschung bezieht sich dann auch auf die Regeneration?

Ja genau. Die Polycladenregel lautet: alles kann sich regenerieren bis auf das Hirn. Es gibt aber eine Ausnahme. Wenn man bei dieser Gruppe hinter dem Hirn schneidet, dann kann der Hinterleib wieder ein Gehirn regenerieren.

Es ist schwierig richtig zu schneiden, da sie mikroskopisch kleine Tier sind.

Ich beschäftige mich auch mit der Stammzellendynamik d. h. wo proliferiert etwas. Die Stammzellen eines adulten Plattwurmes sind totipotent, d. h. dass sich eine Stammzelle in jeden Zelltyp entwickeln kann. Totipotente Zellen in Adulten gibt es sonst bei keinem anderen Bilateria.

Ich arbeite im Evo-Devo-Bereich, wie viele Entwicklungsarten evolutiv entstanden sind. Warum nicht alle regenerieren können.

Wolltest du schon immer Biologe werden?

Nein, als ich ein Kind war wollte ich Schriftsteller werden, aber es wurde schon über alles geschrieben. Aber jetzt bin ich ja auch ein Schriftsteller über Themen die von niemanden noch beschrieben worden sind.

Als ich zu studieren begann hatte ich mich zuerst für Chemie inskribiert und als ich erfuhr dass mein ehemaliger Mitschüler sich für Chemie und Biologie inskribierte, musste ich es ich auch gleichmachen. Um noch besser hinüberzukommen habe ich mich dann für Biologie und Philosophie inskribiert, somit war für drei Studienrichtungen angemeldet.


 

Erfreulicherweise hat Alexandra Grosbusch noch ein paar Kandidaten gefunden, die gute Chancen haben, Prolecithophora zu sein. Bald werden wir wissen, ob es tatsächlich diese so schwer zu findenden Tierchen waren!

Interview: Astrid Hickmann & Daniela Kerekes
Fotos: Astrid Hickmann
Redaktion: Astrid Hickmann

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