Posidonia oceanica an der Südküste Kretas – das Projekt geht in die nächste Runde

Ein Bericht der Biologin Martina Stockinger von der meeresbiologischen Station Plakias

 

 

Ich bin Bachelor of Science und Masterstudentin an der Universität Wien im Studiengang Ecosystems and Ecology. In diesem Bericht möchte ich Freunden des Mittelmeeres und auch Studenten berichten, wie ich zum Thema „Posidonia“ kam und Einblick in Vorbereitung, Organisation und Ablauf einer Masterarbeit geben.

2016 wurde an der Südküste Kretas, im kleinen Örtchen Plakias, eine kleine Station für Meeresbiologie und Meeresschutz eröffnet. Die Tauchschule Dive2gether wollte mehr für die ökologische Zukunft tun und hat Verbindung mit der Meeresschutzorganisation MareMundi und Robert Hofrichter aufgenommen. Ich hatte das Glück, von Anfang des Projekts an dabei sein zu dürfen und habe – nach dem Vorbild der gleichnamigen Institution in Krk (Kroatien) – eine „MareMundi meeresbiologische Feldstation“ etabliert. Unser gemeinsames Ziel war es, Bewusstsein für das Mittelmeer und dessen Schutz zu schaffen. Seit damals halte ich zweimal wöchentlich vor den Gästen der Tauchschule Vorträge zum Thema Ökologie und Schutz des Mediterrans. Gleichzeitig entwickelte ich Tauchaktivitäten, bei denen sie meine theoretischen Präsentationen über Wasser in der Praxis und unter Wasser kennenlernen konnten.

Bald schon stieß ich auf eines der wichtigsten Ökosysteme des Mittelmeers, den Posidonia oceanica-Wiesen, und durch das Interesse an diesem Lebensraum kam ich auf die Idee, mich im Rahmen einer Masterarbeit eingehend damit zu befassen. Ich hatte von Alexander Heidenbauer, BSc. und Roberto Pinyero, BSC. gehört, die in ihrem Forschungsgebiet in der Kvarner Bucht (Kroatien) in einem langjährigen Projekt dieses Thema bearbeiten (siehe Berichte auf der MareMundi – Homepage, zuletzt 28. August 2017: MareMundi-Projekt Posidonia Krk – Zwischenbericht). Ein Vergleich mit den Seegraswiesen vor Kreta, so dachte ich, wäre doch interessant!

 

Als Thema wählte ich zunächst: Anthropogenic effects on the molluscan assemblages of shallow water Posidonia oceanica fields in the Plakias Bay (Greece). Nun brauchte ich aber noch einen betreuenden Professor. Hierbei konnte ich mich auch an die betreuenden Professoren von Alexander und Roberto wenden. Nach einer Anfrage per E-Mail und einem Treffen waren Universitätsprofessor Martin Zuschin und Dr. Paolo Albano damit einverstanden, meine Masterarbeit zu betreuen. Allerdings – nach eingehenden Besprechungen zum Thema und dessen Umsetzbarkeit meinte man, dass die Seegraswiesen an der Südküste Kretas wahrscheinlich weniger anthropogenem Einfluss ausgesetzt wären. Ein Vergleich mit den Daten in Kroatien (Alexander und Roberto bearbeiten dieselbe Fragestellung) sei deshalb problematisch.

Da ich unbedingt bei den Seegraswiesen bleiben wollte, musste ich eine andere Fragestellung finden. Dr. Paolo Albano hatte einen ausgezeichneten Vorschlag, ist doch die Invasion des Mittelmeeres über den Suezkanal (im Fachjargon: „Lessep`sche Migration“) ein spannendes Thema, welches als solches an der Universität Wien angemeldet wurde: Assessment of the relevance of lessespian alien species in Posidonia oceanica field along a depth transect in Crete (Greece). Auch bei diesem Thema wird die Organismengruppe der Mollusken im Vordergrund stehen.

 

Plakias an der Südküste von Kreta – hier erforscht Martina Stockiger aus Wien die „Grüne Lunge des Mittelmeeres“.

 

Nachdem mein betreuender Professor und mein Thema festlagen ging ich daran, mich mit der Methodik auseinander zu setzten. Die Probenahme sollte jener entsprechen, die zuvor in Kroatien erfolgte, und so konnte ich Alexander um Rat fragen. Paolo war so nett mich mit passender Literatur zu versorgen, damit ich mich weiter in das Thema einlesen konnte.

Nachdem ich mir genug wissen über den praktischen Teil meiner Masterarbeit angeeignet hatte, stellte ich ein Probenprotokoll zusammen.

Geplant ist, zwei Mal im Jahr – einmal im Mai und einmal im September – Proben zu entnehmen. In beiden Zeiträumen sollten vier Stationen (5m, 10m, 15m, 20m) mit je 3 Replikaten beprobt werden. Ein großes Glück für mich ist auch, dass mir der Manager der Tauchschule, Paul Koblens, seine volle Unterstützung zugesagt hat, und so konnte ich mein Projekt ohne Probleme in den täglichen Ablauf der Tauchschule unterbringen. Paul war sehr großzügig und möchte gerne in Zusammenarbeit von Dive2gether und MareMundi weitere Projekte unterstützen.

Im nächsten Schritt musste ich mir überlegen, welche Materialien ich benötigen würde. Auch hier kam mir Alexander wieder sehr zu Hilfe. Er borgte mir den Großteil des Equipments, das ich für die Arbeit Unterwasser brauchte und gab mir eine Orientierung, was ich sonst noch an Materialien benötigen würde – Plakias ist ein kleines Dorf und die Möglichkeiten, dort bestimmte Dinge zu organisieren, halten sich eher in Grenzen.

Da die Arbeit unter Wasser wie auch die Aufarbeitung der Proben im Rahmen einer Masterarbeit durch eine Person kaum zu bewerkstelligen sind, habe ich mich um die Unterstützung anderen Studenten, die sich für das Ökosystem Posidonia oceanica begeistern können, bemüht. Denny Morchner, BSc. und Nadja Loferer, BSc. haben mich sehr unterstützt. Leider sind beide keine ausgebildeten Taucher. Hier sprang die Tauchschule ein und sicherte mir Unterstützung bei der Unterwasserarbeit zu.

 

Nun hatte ich – fast – alles beisammen…außer einer Kleinigkeit… Geld hatte ich schon genug für die Materialien ausgegeben, der Transport des gesamten Equipments per Auto nach Kreta war auch nicht gerade günstig (und teurer als fliegen). Außerdem mussten Unterkunft und Lebenserhaltungskosten bezahlt werden. Es half also nichts, eine Finanzierung musste her. Nach vergeblicher Suche im Internet stieß ich auf das „Kurzfristige wissenschaftliche Auslandsstipendium“ der Universität Wien. Ich hatte es gerade noch rechtzeitig entdeck, denn es stellte sich heraus, dass das Ende der Einreichungsfrist in zwei Wochen war. Doch auch dies klappte und so brach ich mit einem Auto voll mit Materialien und meinem Freund Michael Holzknecht, der auch für Dive2gether arbeitet, nach Kreta auf. Es sollte eine neue aufregende Saison in der meeresbiologischen Feldstation von Dive2gether und MareMundi werden.

Wie der praktische Teil meines Projektes abgelaufen ist, erfährt ihr im nächsten Bericht.

 

  • Bericht: Martina Stockinger, Plakias
  • Redaktion: Walter Buchinger und Robert Hofrichter
  • Fotos: Martina Stockiger und Robert Hofrichter

 

Nachtrag, Redaktion: MareMundi wünscht viel Erfolg bei der weiteren Forschung und spannende Ergebnisse!