Praktikanten berichten von einer Schulprojektwoche an der MareMundi Station Krk

Bog, Bog! 

Vor Kurzem hatten wir eine Klasse des Bundesgymnasiums Zehnergasse aus Wiener Neustadt zu Besuch, mit der wir auf Tour durch die Nordadria gefahren sind. Wir, die Praktikanten der MareMundi Station Krk im Juni 2017, wollen euch erzählen, wie eine typische Schulprojektwoche bei dieser Meeresschutzorganisation mit den Schülern so aussieht, was sie also erkunden, lernen und erleben! (“Bog” ist der typische Gruß auf der Insel Krk, das Wort bedeutet Gott, so etwas wie Grüss Gott.)

 

Die verschiedensten Aspekte der Natur der Adria besser verstehen – das ist das Ziel der Schulprojektwochen von MareMundi auf der Insel Krk. Der Umweltaspekt steht dabei immer häufiger im Mittelpunkt. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass sich der Lebensraum Mittelmeer vor unseren Augen negativ verändert. 

 

Der erste Tag begann mit einem Bootsausflug mit Käpt’n Niko und seiner tollkühnen Crew. Davor gab es jedoch noch das vorgeschriebene “Einschnorcheln“ mit Yannic. Den Schülern wurde gezeigt, wie man sich beim Schnorcheln zu verhalten hat, also wie man seine Tauchmaske korrekt aufsetzt, optimal im Wasser liegt und dass stets in „Buddy-Teams“, also 2er-Paaren geschwommen wird.

Das so genannte “Einschnorcheln” im Hafenbecken von Punat mit Yannic und dem Team. Dabei lernt man die wichtigsten Sicherheitsregeln im Wasser.

Ziel war die einsame Bucht „Golden Bay“ gut 30 Minuten Bootsfahrt von Punat entfernt. Vor Ort angekommen wurde der Anker gesetzt, sich in die Neoprenanzüge geschmissen sowie Maske, Schnorchel und Flossen angelegt. Und ab ging‘s ins kühle Nass. In kleineren Grüppchen mit je einem Praktikanten als Schnorchel-Guide konnten die Schüler die wunderschöne Unterwasserwelt erkunden und hautnah erleben welche Lebewesen in der Adria anzutreffen sind. Neben zahlreichen Echinodermaten (Seeigel, Seesterne & Seegurken) konnten auch etliche Fische beobachtet werden. Besonders intressant waren die diversen Brassenarten, Schleimfische und Grundeln. Wie genau sich die einzelnen Fische unterscheiden, war dann zwei Tage später noch intensiver Thema, als in Glavotok ein weiteres Mal geschnorchelt wurde. 

Außerhalb der friedvollen Unterwasserwelt spielte sich einige Meter über dem Meeresspiegel eine ganz andere spannende Story ab. Schon beim Ankommen in der Bucht bemerkten wir ein einzelnes Schaf, dass gefangen in einigen trockenen Büschen bewegungsunfähig an einer steilen Felsküste festsaß. Wir konnten dieses hilflose Geschöpf nicht kampflos dem sicheren Hungertod überlassen und so erklärte sich Käpt’n Niko persönlich dazu bereit, in einer waghalsigen Rettungsaktion, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen um das des Schafes zu retten. Ausgestattet mit einem zum Lasso geknoteten Seil kletterte Niko die Steilküste hinauf und war nach einigen vergeblichen Versuchen letztendlich doch erfolgreich und konnte das glücklich Schaf aus seiner misslichen Lage befreien. Kaum wieder auf sicherem Boden machte es sich dann auch schon über die ersten Gräser her.

Wir mussten das Tier unbedingt retten: Heroische Rettungsaktion von Käptn Niko in einer Steilwand. 

Nach diesem unerwarteten, aber sehr unterhaltsamen Zwischenfall und einem nicht weniger unterhaltsamen ersten Schnorchelgang ging es dann auch schon zurück in Richtung Punat. Auf der Heimfahrt wurden dann noch einige Planktonproben genommen, um diese im heimischen Labor unterm Binokular genauer untersuchen zu können.

Am 2. Tag stand das Highlight der Woche an: Die Bootsfahrt zur kleinen Insel Plavnik, die nicht bewohnt ist, und in der es eine wunderschöne Bucht gibt, die perfekt zum Schnorcheln geeignet ist.

Auf dem Weg dorthin haben wir einen Stopp zwischen Krk und Plavnik gemacht, damit Alex etwas über die Geographie der Kvarner-Bucht und den umliegenden Inseln erzählen konnte.

Geographie- und Ozeanographiestunde mit Kursleiter Alex auf offener See. Im Hintergrund ist die Insel Crew zu erkennen, dahinter liegt die Halbinsel Istrien.

Danach ging es an der „Möwen-Insel“ Kormat vorbei, einem kleinen Felsenplateau, auf dem die Vögel um diese Zeit brüten. An dieser Stelle wurden die Möwen vom Kapitän mit den Fischresten des vorbereiteten BBQs gefüttert, was den Schülern einige tolle Schnappschüsse mit Handys und Kameras ermöglichte. Kurz nach diesem Spektakel legten wir auch schon in einer Bucht auf Plavnik an.

Die Klasse stürzte sich ins Wasser und schnorchelte mit uns Praktikanten drauf los. Von Seesternen bis Brandbrassen und Knurrhähnen bis zu Einsiedlerkrebsen war alles an Meeresfauna dabei. Die Schüler beobachten und erkundeten Neptuns Reich neugierig.

Die SchülerInnen erkunden die Unterwasserwelt in der Bucht von Plavnik. Dabei gibt es alte Bekannte, doch immer wieder auch Überraschungen.

Am ersten Tag lag das Augenmerk verstärkt auf den bereits angesprochenen Echinodermaten. Neben den allseits bekannten Schwarzen Seeigeln (Arbacia lixula), Röhrenseegurken (Holothuria tubulata) und Orangefarbenen Seesternen (Hacelia attenuata) kamen uns auch die etwas selteneren Dornenseesterne (Coscinasterias tenuispina), Schlangensterne (Ophiotrichidae) und Haarsterne (Antedonidae) vor die Tauchmaske. Kursleiter an diesem Tag war Alex, und er stellte den Schülern die verschiedenen Arten vor und hob die jeweiligen Unterschiede hervor.

Nach einem ausgiebigen Mittagsessen vom Grill des famosen Captain Niko, erstürmten die gestärkten Schüler mit uns das Gipfelplateau der Insel, welches durch diverse Schafkoppeln gekennzeichnet ist. Jedoch waren weniger Schafe anzutreffen, sondern mehr Wolfsspinnen, die wir versuchten aus ihren Löchern zu locken.

Außerdem wurde auf dem Weg zum Gipfel, zum ersten Mal in der Geschichte der Schule am Meer, eine Griechische Landschildkröte auf der Insel entdeckt, die natürlich für einiges Staunen sorgte!

Die Landschildkröte “Prinz Herbert” (so tauften wir sie) auf der Flucht vor unseren Kameras. Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) ist eine von drei im europäischen Teil des Mittelmeerraumes beheimateten Landschildkrötenarten der Gattung Testudo.

Der erste Programmpunkt des nächsten Tages bestand in einem Mittelmeervortrag des Meeresbiologen Robert Hofrichter, der 2008 die Station Krk gegründet hat. Durch diesen gewannen die Schüler einen tiefere Einblicke über Entstehung, Artenvielfalt und Einzigartigkeit des Mittelmeeres (non plus ultra … kennt ihr diese spannende Geschichte schon?).

Robert demonstriert das faszinierende Mittelmeerexperiment vor einem gespannten Publikum. Dabei geht es um das Gesamtsystem Atlantik – Mittelmeer – Schwarzes Meer, um den Wasserhaushalt (minus 97 cm im Jahr) und die Austrocknung des Mittelmeeres, um Strömungen und thermohaline Zirkulationen, um die Dichte des Wassers und vieles mehr. Sogar eine “Millionenfrage” wird gestellt …, auf alle Fälle aber können die Schüler ein wertvolles Buch gewinnen.

Das nächste Ziel war ein Ausflug zum idyllischem Klosterort Glavotok. Dort wurde den Schülern erstmals eine theoretische Einführung in die örtliche Fischfauna gegeben. Kursleiter Alex erklärte wie man die verschiedenen Hauptfischgruppen an Körperform, bevorzugtem Lebensraum und Färbung erkennen kann. Nach der Theorie durften die Schüler dann ihr Wissen in der Praxis üben. Im kühlenden Nass wurden beim Schnorcheln mehrere Tiere mit Freude gefangen und zur genaueren Beobachtung in größere Behälter gegeben. Neben den Roten Spitzkopfschleimfischen (Tripterygion tripteronotum) wurden ein Dornenseestern (Coscinasterias tenuispina) und eine kleine Seespinne (Maya crispata) gefangen.

Spitzkopfschleimfische sehen den Schleimfischen ähnlich, doch haben sie eine dreigeteilte Rückenflosse und einen spitzeren Kopf.

Dornenseestern und eine kleine Seespinne. Damit es zu keinen Verwechslungen kommt: Seespinnen sind Krabben und damit Krebstiere.

Als Highlight konnte die Gruppe neben den häufig vorkommenden Arten auch ein Seepferdchen entdecken. Später wurden alle gefangenen Tiere wieder im Meer freigelassen. Als Robert dann einen der lokalen Fischer nach dem Beifang fragte, konnten die Schüler sogar einen Himmelsgucker, einen Dornhai und einen Katzenhai bestaunen. Zum Abschluss durfte man dann mit Anlauf vom Steg aus ins Wasser springen, wobei auch die Lehrer und wir gerne mit Begeisterung mitgemacht haben. Abends fuhr die Klasse an Bord der Kosljun zur Inselhauptstadt Krk. Dort haben die Schüler in kleineren Gruppen die kroatische Kultur und Geschichte in den engen Gassen der Altstadt entdecken können. Nach dem Sonnenuntergang brachte Robert mit mediterraner Freude den Schülern griechische Tänze bei ehe es wieder zurück nach Punat ging.

Ein wunderschönes Pfauenlippfisch-Männchen zum Abschluss, da geht es um protogyne Zwitter, die labriforme Schwimmweise und viele andere Geschichten … Vidimo se (wir sehen uns) bei MareMundi auf der Insel Krk!