SHARKPROJECT Austria zu Besuch bei der Schule am Meer

SHARKPROJECT Austria besucht die Feldstation von mare-mundi, die Schule am Meer auf der Insel Krk!

Vergangene Woche hat die Schule am Meer hohen Besuch von vier Mitgliedern des Haischutzvereins Sharkproject Austria bekommen, u.a. vom Vereins-Präsidenten Dr. Walter Buchinger. Begleitet von seiner Frau und Vizepräsidentin Elisabeth Buchinger und zwei weiteren Mitgliedern Michael und Petra haben wir von unseren Gästen einige spannende Informationen über die Vereinstätigkeiten erfahren.

Anna Schipany präsentiert ihre Masterarbeit dem Team von Sharkproject Austria und mare-mundi im blauen Hörsaal der Schule am Meer auf Krk. Anna schreibt über Haie und Rochen in der Kvarner Bucht - mit Unterstützung Sharkproject Austria.

Anna Schipany präsentiert ihre Masterarbeit dem Team von Sharkproject Austria und mare-mundi im blauen Hörsaal der Schule am Meer auf Krk. Anna schreibt über Haie und Rochen in der Kvarner Bucht – mit Unterstützung von Sharkproject Austria.

Im Gegenzug haben wir uns gefreut ihnen unsere Station, die Schule am Meer auf Krk, zu zeigen und sie konnten sich ein Bild von Anna’s Forschung, die von Sharkproject Austria unterstützt wird, machen.

Eine Methode der Arbeit sind Interviews mit erfahrenen Fischern der Region. Anna hat dafür eine Mappe mit Abbildungen der Haie und Rochen zur Identifizierung der Tiere vorbereitet. Diesen zeigt sie Walter und Elisabeth Buchinger von Sharkproject.

Eine Methode der Arbeit sind Interviews mit erfahrenen Fischern der Region. Anna hat dafür eine Mappe mit Abbildungen der Haie und Rochen zur Identifizierung der Tiere vorbereitet. Diesen zeigt sie Walter und Elisabeth Buchinger von Sharkproject Austria.

Wir empfingen das Team von Sharkproject Austria bei unserer Meeresbiologie-Station, der Schule am Meer auf der Insel Krk. Nach einer kurzen Führung durch unser Labor wurden ihnen von Anna die Details und aktuellen Entwicklungen ihrer Arbeit über Haie und Rochen der Kvarner Bucht präsentiert. Im Anschluss stand ein gemütlicher Schnorchelausflug in eine der schönsten Buchten von Krk, Sveti Marak, am Plan. Da alle unsere Besucher begeisterte Taucher sind haben sie sich sehr interessiert an der Unterwasserwelt von Sveti Marak gezeigt und einige spannende Meeresbewohner entdeckt.

Natürlich durfte auch ein schönes Abendprogramm nicht fehlen und somit wurden wir von unserem befreundeten Kapitän Nico Orlic mit seinem Schiff, der M.b. Kosljun, in den Nachbarort Krk in Richtung Sonnenuntergang gefahren. In einer wunderschönen Atmosphäre direkt am Hafen haben wir ein ausgezeichnetes Abendessen genossen und wurden am späten Abend im Mondschein wieder zurück nach Punat gebracht.

Dr. Walter Buchinger, Präsident von Sharkproject Austria, nahm sich die Zeit dem Team von mare-mundi einen seiner spannenden Vorträge über Haie zu präsentieren.

Dr. Walter Buchinger, Präsident von Sharkproject Austria, nahm sich die Zeit dem Team von mare-mundi einen seiner spannenden Vorträge über Haie zu präsentieren.

Am folgenden Vormittag hat sich Dr. Walter Buchinger netterweise angeboten, uns einen seiner interessanten Vorträge über Haie zu präsentieren. In etwa 90 Minuten hat er uns einige Daten und Fakten über diese oft missverstanden Tiere vorgelegt. Besonders hervorgehoben hat er die Bedeutung der Haie an der Spitze der Nahrungskette für die Stabilität des marinen Ökosystems. Außerdem hat er viele seiner eigenen Erfahrungen mit Haien, unterstützt von spannendem Videomaterial, mit uns geteilt und sehr interessant waren auch seine Empfehlungen wie man sich im Umgang mit den Tieren am besten verhält.

Wir haben uns sehr über ihren Besuch gefreut, haben viel Neues gelernt und natürlich haben wir die Chance ihres Aufenthaltes auch noch genutzt um in einem Interview mit Walter und Michael noch weitere Informationen über Sharkproject-Austria und deren persönlichen Bezug zu Haien zu erfahren.

Im Folgenden das Interview mit Dr. Walter Buchinger, dem Präsidenten von Sharkproject Austria:

Das Team von mare-mundi bedankt sich herzlich über die Geschenke von Sharkproject Austria. Blind Dates,

Das Team von mare-mundi bedankt sich herzlich über die Geschenke von Sharkproject Austria. “Blind Dates”, “Michel, der kleine Haiforscher”, “Michel, der kleine Meeresschützer” und einige Goodies von Sharkproject Austria.


Wofür steht Sharkproject und wofür setzt ihr euch ein?

Der Untertitel unserer Organisation heißt „Verein zum Schutz der Haie und der marinen Ökosysteme“. Haie sind eine wichtige Spezies in den Meeren, sie sind der Topräuber, sie stehen also am Ende der Nahrungskette und haben eine entsprechende Bedeutung. Wir bemühen uns aber auch die Gesamtheit der marinen Ökosysteme zu propagieren und zu schützen.

Wie seid ihr zu Sharkproject gekommen?

Meine Frau Elisabeth ist durch Tina Gstöttner, die Vizepräsidentin des Vereins, schon sehr früh zu Sharkproject gekommen. Sie haben sich in einem Urlaub kennengelernt und angefreundet. Als ich dann als Unfallchirurg in Pension gegangen bin meinten meine Freunde und meine Frau, sie müssten mich beschäftigen (lacht) und seither bin ich bei Sharkproject. Außerdem tauche ich schon seit vier Jahrzehnten, wodurch mich die Thematik auch sehr interessiert.

Seit wann gibt es Sharkproject-Austria?

Vor einer Woche haben wir unseren 5. Jahrestag gefeiert. Früher gab es nur Sharkproject-International und zusätzlich „Botschaften“ in mehreren Ländern wie z.B. in der Schweiz, Österreich, Südafrika und Costa Rica. Seit 5 Jahren haben einen eigenen Verein in Österreich, Deutschland, der Schweiz und weiterhin Botschaften in Südafrika und Costa Rica.

Warum ist es überhaupt so wichtig Haie zu schützen?

Haie sind im Ökosystem Meer die Topräuber. Mehr als 70% unseres Planeten sind vom Wasser bedeckt, sind Ozeane und bis zu 11 Kilometer tief. Was in der Tiefsee passiert, die noch weniger erforscht ist als der Mond, wenn man den Topräuber ausschaltet, das wissen wir alle nicht, nur wir sollten es nicht darauf ankommen lassen. Könnte der Hai z.B. als Nahrungsmittel sinnvoll genützt werden, dann wäre die Ernährung der Bevölkerung eine akzeptable Begründung. Einerseits ist jedoch der hohe Gehalt an Methylquecksilber in seinem Körper problematisch und andererseits wird er ohnehin nicht wegen seinem Fleisch getötet. Er wird getötet um als Flossenlieferant für fragwürdige Produkte herangezogen zu werden.

Welche Projekte für den Haischutz werden von euch organisiert?

Wir halten Vorträge, es gibt Events, wie z.B. vergangenes Wochenende in Kärnten, wo wir einen Plastik-Hai versenkt haben, der die Taucher an das prekäre Schicksal seiner lebenden Kollegen in den Ozeanen erinnern soll. Wir versuchen den Vertrieb von Haifleisch einzudämmen, sei es durch Bemühungen bedenkliche Nahrungsergänzungsmittel vom Markt zu nehmen oder Restaurants, die Haiprodukte anbieten, darüber zu informieren was sie für stark bedenkliche Produkte verkaufen. All das wird auf einer eigenen Domain (www.haifreie-zone.com) publiziert. Außerdem unterstützen wir auch die Wissenschaft. Nicht nur die Schule am Meer, sondern auch andere Wissenschaftler die sich z.B. mit dem Ersatz der todbringenden Hainetze vor Südafrika und Australien beschäftigen versuchen wir zu fördern.

Eine der wesentlichen Punkte sind außerdem Auftritte bei Messen und bei Veranstaltungen, wie die Artenschutztage in Schönbrunn, die Ferienmessen in Wien, die Boot in Tulln oder Düsseldorf und versuchen dort einem unbelasteten Publikum die Situation der Haie zu erklären und unser Anliegen näher zu bringen. Der Einfluss den wir dort ausüben können ist natürlich immer vom Publikum und dem Interesse abhängig.

Worum handelt es sich genau bei dem bereits kurz erwähnten Projekt in Südafrika?

Eine Familie aus Südafrika hatte einst Jagd auf Haie gemacht. Nun hat die Familie den Haifang aufgegeben und lebt vom Verkauf von Haien, die sie aus altem Autoblech fertigen. Sharkproject Austria unterstützt diese Familie.

Eine Familie aus Südafrika hatte einst Jagd auf Haie gemacht. Nun hat die Familie den Haifang aufgegeben und lebt vom Verkauf von Haien, die sie aus altem Autoblech fertigen. Sharkproject Austria unterstützt diese Familie.

Erfahren haben wir davon von einem Freund von Sharkproject-Austria, der bei einer metallverarbeitenden Firma tätig ist. Eines Tages hat er uns handgefertigte Haie aus Blech gezeigt und uns die Geschichte dazu erzählt: Sie werden von einer Fischerfamilie gefertigt, die früher vom Haifang gelebt hat. Als die Haie jedoch immer weniger wurden hat sich die interessierte Familie über die Situation informiert und sie haben sich ein Projekt überlegt um den Haipopulationen zu helfen. Seither machen sie aus alten Autotüren, was zusätzlich noch sinnvolles Recycling ist, Blechhaie, dir wir von Südafrika transferieren und dann hier für die Familie verkaufen.

Ihr unterstützt noch ein weiteres Projekt, das eine Barriere für Haie zu einer stark frequentierten Badebucht in Südafrika darstellt – wie sieht dieses Projekt aus?

Zuerst einmal haben wir uns vor Ort in Südafrika ein Bild von den Netzen gemacht und waren wirklich starr vor Schreck. Gleich habe ich mit den zuständigen Personen Kontakt aufgenommen und mich über effizientere Alternativen informiert. Dabei bin ich auf die „Sharksafe Barrier“ von Dr. Craig O`Connell gestoßen, habe ihn gleich über die Situation in Südafrika informiert und er mich über sein Projekt. Ursprünglich hat er seine Forschung auf den Bahamas, in Bimini, begonnen und er erforschte wie dicht das Kelp (Algenwald) sein muss um Haie vom Durchschwimmen abzuhalten. Da einige Haie aber auch von drei Reihen des künstlichen Kelps nicht mit Sicherheit abgehalten werden können, hat er zusätzlich Permanentmagneten installiert, die von den Lorenzinischen Ampullen der Haie wahrgenommen werden und sie dadurch abschrecken. Durch Zufall konnten wir im Frühjahr 2015 ein Treffen mit ihm in Bimini vereinbaren, woraufhin wir ihm 10.000€ gesponsert haben und sich das Projekt mittlerweile in Serienreife befindet. Auch vor La Reunion, wo es vor kurzem eine Reihe dramatischer Ereignisse mit Haien gegeben hat, ist die Regierung bereits sehr interessiert und möchte den Prototyp einsetzen, was uns sehr freuen würde.

Woher kommt eigentlich diese weitverbreitete Angst vor dem Hai?

Ich habe mich einmal länger mit einem Psychologen über diese Thematik unterhalten. Es sind zwei Komponenten ausschlaggebend: Einerseits befindet sich wahrscheinlich eine „Urangst“ in unseren Genen. Als wir seinerseits noch in Höhlen lebten, war die Angst vor der Dunkelheit und vor dem Unbekannten Tier mit großen scharfen Zähnen überlebensnotwendig. Andererseits spielt die negative Berichterstattung eine entscheidende Rolle, die sehr lange in den Medien präsent war. Zwar nicht in den Printmedien aber in den visuellen Medien hat sich die Situation allerdings schon etwas gebessert. Durch Dokumentarfilme bekommt die „Faszination Hai“ schon etwas mehr Aufmerksamkeit.

Vor etwa 10 Jahren haben wir, unterstützt von Gerhard Wegner, eine Publikumsbefragung durchgeführt. Auf die Frage „Was wissen Sie über Haie?“ haben damals 90% der Befragten mit „Frisst Menschen – ist gefährlich“ geantwortet. Vor 2 Jahren haben wir diese Befragung wiederholt und von immerhin 70% der Befragten kam die Antwort „Ist gefährdet – wird wegen seiner Flossen gejagt“.

Welche Haibegegnungen hattet ihr schon und was war das für ein Gefühl?

Ich fühle mich jedes Mal privilegiert einem Hai begegnen und ihn filmen zu dürfen. Es hat in den letzten 5 Jahren keinen Tauchurlaub ohne eine Haibegegnung gegeben, wir suchen allerdings auch immer nach Plätzen wo die Wahrscheinlichkeit dafür sehr groß ist. Es hat zwar Situationen gegeben, die nicht ungefährlich waren, allerdings hatte niemals ein Hai die Schuld dafür. Wenn man mit Haien taucht, sollte man wissen, wie man sich in ihrer Gegenwart verhält.

Hast du einen Lieblingshai?

Mein Lieblingshai bzw. meine Lieblingsbegegnung war mit einem Wobbegong, auch bekannt als Teppichhai, ein am Boden lebender Hai, der sich ausgerechnet eine Mulde unter meinen Flossen als Rastplatz ausgesucht hatte. Ich wusste nicht mehr wo ich hintreten soll, da ich ihn ja nicht verletzen wollte. Er hat mich angeschaut und seine Augen haben gesagt „Du tust mir ja eh nichts, oder?“

Haie stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Sharkproject. Symbolisch dafür kommen diese hier auch mit auf jede Reise des Teams von Sharkproject Austria.

Haie stehen im Mittelpunkt der Arbeit von Sharkproject. Symbolisch dafür kommen diese hier auch mit auf jede Reise des Teams von Sharkproject Austria.

Mit welchen 3 Worten würdest du einen Hai beschreiben?

Elegant, Meister der Evolution und topgefährdet. Diese Tiere haben 400 Mio. Jahre überlebt, sie haben sich immer ihre Nischen gesucht und sich weiterentwickelt. Wenn wir als Menschen so weiterhandeln, wird es uns gelingen den Hai in seiner Entwicklung und seinem Fortbestand zu hindern.

Rückblickend auf die letzten 5 Jahre seit der Gründung in Österreich – was waren die bedeutendsten Schritte?

Ein Highlight war mit Sicherheit die „Haitanic“, eine Ausstellung die wir im Landesmuseum Niederösterreich organisiert haben. Die Ausstellung hat sehr viel Anklang gefunden und es gibt sie nach wie vor in einem Depot. Wenn es die Möglichkeit gibt, sind wir natürlich jederzeit bereit sie wieder aufzustellen.

Ein weiterer Höhepunkt war die „Sharkmania“, eine Vortragsreihe, die zur Veröffentlichung unseres Buches „Blind Dates“ stattgefunden hat.

Wir haben uns einfach Schritt für Schritt weiter entwickelt, halten deutlich mehr Vorträge als noch vor 4 Jahren und Elisabeth wird auch häufig von Schulen angefordert. Da unsere Personaldecke allerdings noch sehr dünn ist, ist leider nicht alles möglich, aber wir möchten das was wir machen auch ordentlich machen.

Wie kann man als Einzelperson Sharkproject unterstützen?

Einerseits gibt es Patenschaften, angefangen von Juniorpatenschaften mit 1€ pro Monat, Bronzepatenschaften mit 60 € pro Jahr, bis zu Silberpatenschaften mit 120 € und Goldpatenschaften mit 240 €. Außerdem haben wir Sponsoren, bekommen Spenden durch unsere Besuche bei Messen und eine besonders große Hilfe ist das Spendengütesiegel. An letzter Stelle steht noch das Merchandising, das allerdings durch das Spendengütesiegel nur 20% unserer Einnahmen betragen darf.

Was wir auch immer sehr dringend benötigen ist Men-bzw. Womenpower für unsere Auftritte auf Messen oder bei den Artenschutztagen in Schönbrunn. Parallel zu den Artenschutztagen finden in NÖ im Stift Herzogenburg auch immer die Kindersommerspiele statt, die von 70.000 Kindern besucht werden und wodurch wir zu dieser Zeit immer mit personellem Mangel konfrontiert sind. Wir haben bereits das sogenannte „Aktiv-Team“, unter der Leitung von Edith Altrichter, die regelmäßig Schulungen neuer Mitarbeiter organisiert und die engagierten Helfer für diverse Veranstaltungen einteilt.

Welche Projekte sind für die kommenden Jahre geplant?

Vor allem soll unsere Kampagne „Haifreie-Zone“ aktiviert werden. Ich bin der Meinung, dass Österreich nur haifrei gemacht werden kann, wenn beim Konsumenten begonnen wird. Solange Schillerlocken und ähnliche Produkte gekauft werden, wird die Produktion nicht eingestellt werden. Die Bekanntmachung der negativen gesundheitlichen Aspekte und der drohenden Ausrottung der Haie ist also besonders wichtig um beim Konsumenten Einfluss zu üben.

Als nächstes soll die „Sharksafe Barrier“ intensiviert und breit propagiert werden und wir hoffen auf einen erfolgreichen Einsatz in La Reunion.

Natürlich soll auch die Kooperation mit der Schule am Meer intensiviert werden und wir bedanken uns herzlich für eure Gastfreundschaft.

 Wir danken auch herzlich für den lehrreichen Besuch und das Interview!

Sharkproject Austria zu Gast bei mare-mundi´s Schule am Meer auf der Insel Krk. Wir haben uns sehr gefreut über den Besuch!

Sharkproject Austria zu Gast bei mare-mundi´s Schule am Meer auf der Insel Krk. Wir haben uns sehr gefreut über den Besuch!


Text: Elisabeth Wolf
Interview: Astrid Hickmann & Elisabeth Wolf
Fotos: Elisabeth Buchinger, Astrid Hickmann, Elisabeth Wolf
Redaktion: Astrid Hickmann


mare-mundi und die Schule am Meer bedanken sich bei Sharkproject Austria für die Unterstützung.

Sharkproject Austria

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