Aus der Geschichte der Meeresforschung am Roten Meer: das RSEC in Dahab

Im Herbst 2002 reiste der Meeresbiologe Robert Hofrichter  mit einer großen Gruppe von Studenten ans Roten Meer nach Dahab (Süd-Sinai). Es war eine der vielen Exkursionen aus einer ganzen Serie (und eine schöne Zeit…), die sich über viele Jahre erstreckten. Die eingefleischten jungen Taucher und Meeresfreunde lernten sich auf Isola del Giglio am Institut für marine Biologie (IfmB) von Dr. Claus Valentin kennen, wo Robert Hofrichter über Jahre meeresbiologische Kurse abhielt. Irgendwann beschlossen die „Stammgäste“ nach mehrfachen Giglioaufenthalten: Wir müssen mit Robert auch etwas Exotisches unternehmen. Walhaie auf den Seychellen etwa. Zahlreiche aufregende Tauch-Biologie-Exkursionen zwischen den Malediven und Galápagos folgten.

 

Eine alte/neue Institution im neuen Kleid: MareMundi in Dahab

Die Promenade von Dahab – hier ist bis heute die meeresbiologische Station RSEC angesiedelt.

 

Doch diese eine Exkursion im Herbst 2002 mit etwa 30 Teilnehmern blieb nicht ohne Folgen: Robert Hofrichter beschloss, eine meeresbiologische Feldstation in Dahab zu gründen. Sie hieß ursprünglich SEC (Sinai Environmental Centre) und wurde später in RSEC (Red Sea Environmental Centre) umgetauft, da sich unsere Aktivitäten zunehmend auch auf andere Bereiche des Roten Meeres erstreckten, etwa nach El Quseir, aber dazu später mehr. Die Vorteile des Standorts lagen auf der Hand: Geringe Flugdistanz, das allernächste Korallenmeer für Mitteleuropäer, und das damals auch noch halbwegs intakt, ein wunderschönes gebirgiges Hinterland mit Wadis, Oasen und Beduinen, und (sehr oberflächlich betrachtet) eine relative politische „Stabilität“ der Mubarak-Ära (das war allerdings illusorisch, wie sich bald herausstellen sollte). Zumindest war es soweit sicher, dass wir die Sinaihalbinsel kreuz und quer bereisen konnten, ohne dass wir irgendeine Angst vor wem auch immer gehabt hätten.

Robert Hofrichter vor der späteren RSEC-Station in El Quseir.

 

Unser erster Standort war das Sarah Village als letztes Haus im Süden Dahabs vor der langen Landzunge (Nehrung) mit seinem Napoleon-Riff und der Lagune und – was ganz wesentlich war – einem sagenhaften Tauchplatz direkt vor der Haustür. Es heißt „Islands“ und war mit seinen säulenförmigen, meterhohen, grünlichen Formationen aus Porites-Korallen ziemlich einzigartig.

 

Wunderwelt der Korallenriffe in Dahab. Mondsichel-Juwelenbarsch (Variola louti).

 

Die Tauchbasis „Dive in“ in Sarah Village wurde von Andreas Tischer geleitet. Er verunglückte leider einige Jahre später tragisch in Dahab. Wie das Leben so spielt (und das ganz speziell in einem Land wie Ägypten), wechselten sich turbulente Zeiten mit diversen „Spaltungen“, politischen Unsicherheiten, Kämpfen mit der Bürokratie und Korruption der Behörden mit solchen produktiver Forschung und Ausbildung ab. Unvergessliche Wegbegleiter (Europäer, Ägypter, Beduinen) kamen und gingen, zahlreiche Universitäten besuchten uns, darunter z.B. aus Wien, Salzburg, Stuttgart und hielten unten ihre meeresbiologischen Exkursionen ab. Die Szene der Korallenforscher traf sich bei uns. Einer der Diplom-Studenten jener Zeit – er kam bereits 2003 zu uns – war Christian von Mach, der sich intensiv dem Studium der Korallen widmete. Nach einer Übersiedlung des RSEC ins Nachbarhotel Lagoona und der Abspaltung vom ursprünglichen Partner begann dann 2005 eine neue Ära. Robert Hofrichter und Christian von Mach übernahmen gemeinsam die Führung.

Mit Prof. Paul Paul Heiselmayer untersucht eine Gruppe von Studenten von der Universität Salzburg die Wadis rund um Dahab. Das RSEC organisierte für viele Universitäten und andere Gruppen solche meeresbiologisch-naturwissenschaftlichen Exkursionen.

 

Tatsächlich ist ein Projekt wie dieses in einem Land wie diesem alles andere als einfach. Die ersten Anschläge in SSH (Scharm asch-Schaich) und Taba folgten, und, im Frühling 2006, gleich eine Woche nach einer schönen und erfolgreichen Exkursion mit fast 30 Gästen, ereilte dieses Schicksal auch Dahab. Mindestens 25 Menschen starben, die Täterschaft ist angeblich bis heute nicht geklärt. „Blutiges Ende eines Hippie-Traums“, schrieb der SPIEGEL. „Bewusst abseits der Massenziele wie Hurghada oder Scharm al-Sheich wurde am steinigen Strand des Roten Meers gekifft, getrommelt und heftig geflirtet.“

 

Die Korallenriffe rund um Dahab sind wunderbar, doch für Kenner zeigen auch sie eindeutige negative Spuren globaler Veränderungen. Wir können unsere Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass die bunte Schönheit der Korallenriffe weltweit stark bedroht ist, an vielen Stellen sind sie auch schon zerstört. Jahrelange Monitoring-Projekte helfen den Experten der MareMundi – RSEC Station in Dahab die Entwicklung besser zu verstehen.  

 

Doch all diese zum Teil tragischen Ereignisse und ungünstigen Begleiterscheinungen haben das Genick des RSEC nicht gebrochen, auch wenn es manchmal danach aussah. Die Meilensteine der weiteren Entwicklung kurz zusammengefasst:

Erstmals 2005 kam Vicky (Victoria von Mach) als Volontärin ans RSEC. Sie studierte an der Universität Hamburg Biologie auf Diplom, mit den Schwerpunkten Zoologie und Biologische Ozeanographie/Fischereiwissenschaften. Später führte sie die Datenaufnahme ihrer Diplomarbeit in Dahab durch und war seitdem fester Bestandteil des RSEC-Teams. Ihre Diplomarbeit im Bereich der Ethologie handelte vom kooperativen Jagdverhalten der grauen Muräne Gymnothorax griseus und dem Mondsichel-Juwelenbarsch Variola louti. Doch wurde noch viel mehr daraus als nur Wissenschaft, nämlich eine Liebe. Christian und Vicky blieben bis 2010 in Dahab, haben zwischenzeitlich zwei Kinder und leben wieder in Deutschland.

Fast mit jeder Gruppe besuchen wir die Mangrovenlebensräume bei Nabq, südlich von Dahab. Sie gehören zu den nördlichsten Mangrovenbeständen der Welt.

 

Ebenso entscheidend war das Jahr 2008. Damals kam die norwegische Biologin Nina Milton ans RSEC nach Dahab. Sie war fortan mitverantwortlich für die Betreuung der Volontäre und leitete die meisten Umweltschutzprojekte. Nina hat einen Master of Science Abschluss in mariner Biologie der Universität Oslo (Norwegen). 2005 führte sie für ihre Masterarbeit eine Feldforschung über die Korallenriffe außerhalb von Hurghada City durch und beobachtete die Schäden an Hartkorallen, welche durch Schnorchler verursacht wurden. Seit Ende 2007 hat sie ihren Divemaster und fungiert als Dozent und Guide bei unseren Biokursen. Viele Jahre leitet die sympathische junge Biologin bereits die Station in Dahab und gewann die Herzen unzähliger Gäste, Kursteilnehmer und Volontäre.

 

Von links nach rechts: Christian von Mach, Victoria von Mach, Nina Milton und Robert Hofrichter. Im Laufe der Jahre haben sie die Geschichte des RSEC gelenkt.

 

Die logistische Basis unserer Arbeit in Dahab wurde durch die Sinai Divers sichergestellt. Bis heute sind sie uns zuverlässige Partner geblieben – danke an Rolf Schmidt, einem Urgestein der Taucherei am Roten Meer.

 

Das fröhliche Team der RSEC-Station in El Queseir im Jahr 2008.

 

Drei schöne Jahre in El Quseir

2008 eröffnete das RSEC eine zweite Feldstation in El Quseir. Der Standort war phantastisch: Die berühmte El Quadim Bucht mit dem Mövenpick Resort (mit viel orientalischem Charme) und der Tauchbasis SUBEX. Es war eine produktive und schöne Zeit, in der zahlreiche nette JungbiologInnen viel Elan, Ideen und Energie eingebracht haben. Auch unser Team nahm an der „Studie zum Zustand der Riffe in der El Quadim-Bucht, El Quseir, Ägypten“ teil (Christian von Mach hieß damals noch Christian Alter). Auch hier blieben dann die Turbulenzen nicht aus, die Verträge der Tauchbasis wurden nicht verlängert, die benachbarten Extra Divers zogen bei Mövenpick ein, während wir ins Radisson blue übersiedelten … Doch all das war noch nichts im Vergleich zu dem, was uns das Frühjahr 2011 brachte: Den Sturz Mubaraks und den arabischen Frühling. Der Tourismus brach zusammen, es gab nicht mehr genug Flüge – und wir haben diese schöne und produktive Feldstation aufgeben müssen. Schade, es war eine wunderbare Zeit.

 

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Folgende Berichte aus unserem Forum vermitteln nur als Beispiele etwas vom Charme dieser Jahre.

 

2018: eine neue Ära für die MareMundi – RSEC Station in Dahab

Alles entwickelt sich. Aus der Vorgängerorganisation fnz (forum natur & zukunft,), die sogar von den Wiener Philharmonikern und Prominenten wie Prof. Helmut Pechlaner Unterstützung bekam und dem Verein RSEC ist um 2006 MareMundi entstanden. Nach einigen Jahren der Entwicklung hat er die heutige Rechtsform erlangt: Als etablierte gemeinnützige und steuerbegünstigte NGO steht MareMundi – Verein zur Förderung der Meereswissenschaften (ZVR 051890525) für Forschung, Bildung und Schutz. Unsere älteste und aktivste Meeresstation ist in Punat auf der kroatischen Insel Krk (Schule am Meer). Auch in Plakias im Süden von Kreta ist MareMundi in Kooperation mit der Tauchbasis dive2gether vertreten.

Seit vielen Jahren leitet die sympathische norwegische Meeresbiologin die RSEC-Station in Dahab.

 

Und nun kommt wieder zusammen was ohnehin zusammen gehört: Die RSEC-Station in Dahab wird als MareMundi Feldstation in die NGO eingegliedert. Diese Station hat trotz aller Probleme, die sich im Laufe der Jahre durch politische und zwischenmenschliche Entwicklungen ergeben haben, hunderten interessierten Studierenden spannende Möglichkeiten der Ausbildung ermöglicht, sich intensiv an der Erforschung von Korallenriffen beteiligt (u. a. mit verschiedenen Wissenschaftlern, Universitäten und auch in Kooperation mit Reef Check Deutschland ) und viel zur Aufklärung über die dringende Notwendigkeit des Meeresschutzes beigetragen. Wir sind stolz auf das was wir bisher erreicht haben. Mit geeinten Kräften möchten wir nun noch mehr für das wunderbare Rote Meer tun. Eine spontane Initiative aus dem Jahr 2002 soll weiterhin Früchte tragen.

Die Hauptverantwortung für die MareMundi – RSEC Station verbleibt in den bewährten Händen des Korallenriff-Experten und Diplombiologen Christian von Mach, Red Sea Environmental Centre (RSEC), Am Sonnenhang 4, 65207 Wiesbaden.

Und für die örtliche Leitung der Station ist weiterhin unsere sympathische Meeresbiologin Nina Milton verantwortlich.

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Welche Organismen leben im Roten Meer? Wie sind ihre ökologischen Beziehungen zueinander? Wie entwickeln sich die Korallenriffe und ihre Bewohner im Lauf der Jahre? Sind negative Veränderungen wissenschaftlich erfassbar? Und was können wir dagegen tun? Das sind nur einige Fragen, mit denen sich die „altneue“ MareMundi – RSEC- Station in Dahab weiterhin befassen wird.

 

Was unsere Station in Dahab anstrebt und wie können Sie / kannst Du davon profitieren?

Forschung, Bildung und Schutz – das sind die Ziele der Meeresschutzorganisation MareMundi und ihrer „altneuen“ Feldstation RSEC in Dahab. Im Details bedeutet es für Sie / für Dich:

  • Meeresbiologische Kurse und Seminare: Interessenten jeder Altersstufe, ob mit oder ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse, ob Taucher oder Schnorchler, sind bei uns herzlich willkommen. Wir haben den passenden Kurs für jedes Niveau. Beginne Dein Abenteuer Korallenriff bei uns!
  • Biologisch begleitetes Tauchen: Tauchkurse mit Ökoseminar, wissenschaftliches Tauchen, Spezialausbildungen im Tauchen und Schnorcheln.
  • Gastforscher: Forscher verschiedener Disziplinen können bei uns ihre Forschung durchführen und profitieren von unserer Erfahrung.
  • Bachelorarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen: Studierende können ihre Freilandarbeiten bei uns absolvieren – nicht ausschließlich mit meeresbiologischen Themen.
  • Universitäten sind eingeladen ihre Exkursionen bei uns durchzuführen. Sie werden von unserem Team logistisch wie auch fachlich unterstützt.
  • Schulen und Schülergruppen sind willkommen ihre meeresbiologische Klassenfahrten bei uns durchzuführen.
  • Umweltschutzprojekte, Volontariate, Praktika: Natur- und Meeresfreunde können an unseren Feldstationen mehrwöchige bis mehrmonatige Aufenthalte als freiwillige Unterstützer absolvieren, an Umweltprojekten teilnehmen und durch ihre Mitarbeit zum Schutz der Korallenriffe beitragen. Dabei können sie viel über Riffbiologie und Riffschutz lernen.
  • Tauchen: Alle Veranstaltungen lassen sich mit Tauchen oder Schnorcheln kombinieren. Anfänger wie auch Fortgeschrittene haben die Möglichkeit, den einen oder anderen passenden Tauchkurs mit Ökoseminar bei unserer Partnertauchbasis Sinai Divers zu machen.

Das Riff vor Dahab: Das Rote Meer ist ebenso wie alle anderen auf vielfache Weise bedroht, wobei Überfischung nur ein Problem von vielen ist. Nur durch außergewöhnliche Anstrengungen und Maßnahmen vieler Menschen kann der ökologische Niedergang des Meeres verlangsamt werden. Ein jeder von uns trägt ein Stückchen Verantwortung.

 

Jeder Natur- und Meeresfreund kann bei uns Gast werden. Wir freuen uns auf Ihren / Deinen Besuch!

Ihr / Dein Team von MareMundi und der RSEC-Station in Dahab

 

Bericht und Fotos: Robert Hofrichter und Christian von Mach

Redaktion: Walter Buchinger und Peter Janovicek

 

 

 

 

 

 

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  1. […] leistet. Die Arbeit dieser Feldstation haben wir erst vor wenigen Wochen wieder verstärkt in den Mittelpunkt unseres Interesses […]

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