Der höchste Berg und das tiefste Meer…..tauchen in TENERIFFA

Spaniens höchster Berg liegt in Afrika und ist umgeben vom den tiefsten Meeres-Schluchten des Atlantik…. was für eine Besonderheit!

Und genau so besonders sind die Inseln auch – die Rede ist von den Kanarischen Inseln, die im Atlantik vor der marokkanischen Küste liegen. Sie sind vulkanischen Ursprungs, der immer noch deutlich sichtbar ist und oftmals bizarr anmutet. Und der höchste Gipfel Spaniens, der Teide mit 3718 m, liegt auf Teneriffa.

Teide

Er zieht besonders viele wanderfreudige Touristen an, Naturliebhaber, Ruhe suchende und Aussteigertypen. Abwechslungsreiche Landschaften bieten aber auch für andere Sportarten die besten Voraussetzungen. Für viele Europäer ist die Insel aber auch der ideale Ort, um die kalten Wintermonate zu verbringen. Das milde Klima in den Wintermonaten lädt geradewegs dazu ein.

Und genau wegen des Klimas wird Teneriffa auch mehr und mehr für Taucher interessant. Die politische Lage in verschiedenen anderen beliebten Tauchdestinationen schreckt viele ab. Und da die Kanarischen Inseln von Deutschland aus in 4 bis 5 Stunden mit mehr oder weniger billigen Airlines zu erreichen sind, ist dieses Ziel das ganze Jahr über für Kurzurlaube geeignet.

Die Lage im Atlantik und die Vorteile

Die exponierte Lage der Insel Teneriffa im Atlantik bringt einiges an Besonderheiten mit sich, viele Meeresbewohner aus der Tiefe und pelagische Arten aus dem Blauwasser sind anzutreffen und zu bestaunen, da die Küsten der Inseln steil bis auf teilweise 4000m abfallen. Meeresströmungen des Atlantik sorgen dafür, das die Wassertemperaturen auch in den Wintermonaten kaum unter 18°C fallen. Dadurch ist die Fauna ein Mix aus mediterran und subtropisch. Hauptdarsteller sind die großen Rochen, die lokal „Chuchos“ genannt werden, Engelhaie, Schildkröten und riesige Schwärme an gelb-silbrigen Brassen, den „roncadores“.

Canary fish. Duckbill ray (Pteromylaeus bovinus) – Gestreifter Adlerrochen.

Selbst bei schlechtem Wetter gibt es normalerweise immer eine Möglichkeit, in einer  der geschützten Buchten von Land aus tauchen zu gehen und dort die Makro-Welt der Insel zu bestaunen. Die Gewässer in der Region Arona laden an verschiedenen Stellen zum Abtauchen in eine abwechslungsreiche Unterwassserlandschaft ein.

Region Arona in Süd-Westen Teneriffas

Im Februar 2018 sind wir der Einladung von „Arona Son Atlantico“ gefolgt, um uns diese Gegend einmal genauer anzuschauen. In Begleitung des Unterwasserfotografen Sergio Hanquet durften wir einige spannende Tage auf der Insel verbringen.

Einer der Bereiche von größtem Interesse und wo sich die meisten Tauchzentren auf den Kanarischen Inseln konzentrieren, ist der Süden der Insel, speziell in der Nähe des Hafens von Los Cristianos und der Marina de Las Galletas. Besonders ist das Gebiet von Punta de la Rasca zu empfehlen, da in diesem Bereich etwa dreißig verschiedene Tauchplätze zu finden sind. Hier kann vom Boot oder von der Küste aus getaucht werden.

Die Übersichtskarte wurde erstellt von Sergio Hanquet. Sergio ist Belgier, lebt aber schon seit über 30 Jahren auf Teneriffa, kennt die Tauchplätze wie seine Westentasche und hat darüber bereits 2 Bücher veröffentlicht, die leider bisher nur in spanischer Sprache zu haben sind: Bucear en Canarias 1+2. In diesen Büchern sind 400 Tauchplätze genau beschrieben und auch die Flora und Fauna, die dort zu finden ist.

Punta de la Rasca ist das übliche Tauchgebiet von Las Galletas, Playa de Las Américas und Los Cristianos. Im Allgemeinen führen die Tauchbasen täglich zwei Tauchgänge durch, zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, einen Nachttauchgang zu machen.

Die bekanntesten Plätze sind unter anderen El Bufadero (15/26 m.), die Wracks El Condesito (18 m.) und El Meridian (30 m.), La Cueva de las Morenas (18/31 m.), Los Roncadores del Faro (15/21m.), La Cueva de Ali Baba (25/42 m.) y El Arco de Coral (25/>40 m.).

Die Felsen sind steil abfallend und können bereits wenige Meter vom Ufer auf bis zu 50 Meter erreichen und die  Gewässer bieten in der Regel bis zu 30 Meter Sicht. Die Vielfalt der Lebensräume bringt eine große Vielfalt der Fauna: eine unendliche Anzahl von wirbellosen Tieren, Bodenfische (einzeln oder in Schulen) oder Großfische, die plötzlich aus dem tiefblau auftauchen. Ab 35 Meter Tiefe sind sie wunderschönen schwarzen Korallen zu sehen, die wie Äste aus dem Boden ragen oder von Felsen und in Höhlen herab hängen.

Neben den vielfältigen Fischarten kommen aber auch die Liebhaber von wirbellosen Tieren auf ihre Kosten: Schwämme, Anemonen, Feuerwürmer, Tintenfische, und verschiedene Arten von Garnelen, Krabben, bunte Nacktschnecken und Seesterne. Und für  Experten was das Suchen mit Lupe angeht: scary movie Aliens – Gespenstkrebse, die sich in den Algen verstecken!

Schwer zu finden

Anglerfisch: Antennatus nummifer – häufig, aber wegen seiner geringen Größe und Mimik schwer zu finden. Lebt in Höhlen, Ritzen und unter Gesimsen. In der Regel in umgekehrter Position. Er ist ein sehr schlechter Schwimmer und bewegt sich mit kleinen Sprüngen. Seine Färbung ist sehr unterschiedlich, abhängig von der Umgebung, in der es sich befindet.

Frogfish (Antennarius nummifer) – De: Rückenfleck-Anglerfisch

Weißgefleckter Oktopus: Callistoctopus macropus – er kommt in den wärmeren Gewässern des  Atlantik und im Mittelmeer vor. Als Meister der Tarnung ist es oft nur schwer zu entdecken.

Besonderes Tauchen – ein Beispiel

Die Höhle der Muränen – La Cueva de las Morenas

Die Fauna ist reichhaltig und viele Arten erlauben es, sich ihnen mit Leichtigkeit zu nähern.  Viele Fische haben es sich zur Angewohnheit gemacht, ihre Besucher während des Tauchgangs zu begleiten. Im Frühjahr/Sommer ist es üblich, einige pelagische Arten wie den Gelbschwanzmakrele, den Blauen Drückerfisch oder den Peto-Fisch zu Gesicht zubekommen.

Ein wenig Aufmerksamkeit widmen wir den Spalten, entdecken eine Unzahl von kleinen Wirbellosen, besonders Gambitas, Anemonen, Seescheiden und Nacktschnecken. In dem sandigen Boden, der 32 Meter tief ist, lebt eine wichtige Kolonie von Sandaalen und hier ist auch ein ausgezeichneter Platz, um Rochen zu beobachten.

Fahrzeit: 10 Minuten vom Hafen von Los Cristianos – 25 Minuten von Las Galletas oder Puerto Colón.
Tauchzeit: 30 Minuten.
Schwierigkeit: keine
Strömungen: normalerweise nicht vorhanden.

Und noch ein besonderes highlight:  die Meeressäuger rund um die Kanarischen Inseln

Durch die Lage im offenen Atlantik sind natürlich auch Wale und Delfine in den Gewässern zu sehen. Sie jagen im tiefen Wasser oder sind nur auf der Durchreise. Finnwale sind häufiger zu sehen, Buckelwale oder Orcas seltener.

Was man bei einer Ausfahrt mit einem Boot aber immer zu sehen bekommt sind verschiedene Delfin-Arten und vor allem die residenten Pilotwale, bei uns eher als Grindwale bekannt. Um Teneriffa lebt eine Population von ca. 400 Tieren, die ab einer Wassertiefe von 600-800m Jagd auf Kalmare und Sardinen macht.

Deshalb wird für Touristen whalewatching angeboten, die Whalewatching-Anbieter werden geschult und erhalten einen staatliche Zulassung. Tauchen und schwimmen mit Walen und Delfinen ist nur mit Sondergenehmigungen der spanischen Regierung möglich.

Es lohnt sich aber auf jeden Fall, einen whalewatching Ausflug zu buchen! Man sollte dabei aber auf jeden Fall einen Anbieter mit staatlich anerkannter Zulassung wählen. Dies erkennt man an einer blauen Plakette. Es gibt etliche „Piraten“, die die Regeln beim whalewatching nicht einhalten und die Tiere damit gefährden.

So muss zum Beispie der Mindestabstand von 60m zu den Tieren eingehalten werden, es dürfen sich nur maximal 3 Boote einer Gruppe von Tieren nähern und man sollte sich ruhig verhalten und Lärm vermeiden. Dies hat auch seinen Grund: Die Tiere jagen in großer Tiefe nach Nahrung und legen dabei sprints bis zu 40 km/h hin.

An der Oberfläche brauchen Pilotwale deshalb Ruhepausen zum dekomprimieren! Das kennen wir vom Tauchen: nach einem anstrengenden und tiefen Tauchgang müssen wir ausruhen und keiner kommt auf die Idee, einen Marathon zu laufen. Dasselbe gilt für die Pilotwale. Sie sollten deshalb nicht gestört oder aufgeschreckt werden.

Durch die vorbei donnernden Fähren und andere Sportboote sind die Tiere ohnehin schon stark gestresst. Es empfiehlt sich also, ein Fernglas oder eine Kamera mit Telezoom mit zu nehmen und den geforderten Abstand zu den Walen einzuhalten.

Etwas anders verhalten sich die Delfin-Gruppen, die oft das Boot begleiten und die Gäste mit Akrobatik in der Bugwelle erfreuen. Delfine tun dies freiwillig und sind damit nicht durch die Anwesenheit der Menschen gestört. Aber auch hier dürfen die Boote dem Tieren nicht hinterher jagen, wenn sie sich vom Boot entfernen möchten.

Manchmal kann man auch die sehr scheuen Schnabelwale sehen, die auch das ganze Jahr über in den Gewässern der Kanarischen Inseln, vor allem in der Nähe der kleinen Nachbarinsel El Hierro, leben.

Und mit viel Glück kann man auch die großen Wale wie Buckelwal, Finnwal, Zwergwal oder Pottwal sehen, die im Frühjahr Richtung Norden ziehen und im Herbst Richtung Äquator unterwegs sind.

 

Tauchen auf Teneriffa in Zahlen

Teneriffa ist ein Touristischer Ort und es kommen Taucher aus vielen europäischen Ländern. Es gibt natürlich auch deutschsprachige Tauchzentren.

Durchschnittspreis: ca. 30 Euro pro Tauchgang, 25 Euro pro Paket mit 6 Tauchgängen.
Fotografie: ausgezeichnete Bedingungen für alle Ziele.
Unterkunft: Tauchbasen können schon im Voraus etwas organisieren, es gibt viele Unterkünfte: Hotels, Appartements, Zimmer in alten Fincas.
Reisen: Bereits am Flughafen kann man ganz unkompliziert für wenig Geld ein Auto mieten
Klima: Tauchen das ganze Jahr über. Die Passatwinde sind die vorherrschenden Winde. Der Süden der Insel ist geschützt, was Navigation und Tauchen begünstigt.
Tauchclubs/Tauchbasen: Es gibt mehrere Tauchbasen in Los Cristianos und Las Galletas. Wir tauchen mit Rincón de Arona.

Der Vulkan Teide – auf jeden Fall einen Ausflug wert!

Von den sieben Inseln, die den kanarischen Archipel bilden, hebt sich Teneriffa durch die allgegenwärtige Präsenz des Teide ab. Der Vulkan Teide erreicht 3.718 Meter und taucht aus 7.500 Metern über dem Meeresboden auf. Er ist das Dach von Spanien und der größte Gipfel des Atlantischen Ozeans, Nationalpark und wurde 2007 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Er verdankt seinen Namen einem Guanchen-Wort, Echeyde, mit dem sie die Anwesenheit böser Götter identifizierten … Das hat aber nichts mit dem Gefühl zu tun, das uns heute beim Anblick des Vulkans ergreift. Es ist eher das Gegenteil, eine überwältigende Großartigkeit.

Aber bitte nicht vergessen, dass es sich um ein Hochgebirge mit den damit verbundenen Risiken handelt. Fans von Abenteuersportarten bekommen folgendes geboten: Klettern, Bergsteigen, Höhlenforschung in Vulkanröhren, Canyoning …

 

Text: Claudia Weber-Gebert

Fotos: Claudia Weber-Gebert, Sergio Hanquet

Redaktion: Mare Mundi