Diadem-Zwergbarsch - Geschlechtserkennung

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Andre´ Luty
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Diadem-Zwergbarsch - Geschlechtserkennung

Beitrag von Andre´ Luty » 20 Dez 2015 16:40

Hallo zusammen,

hier mal etwas, was man im Meer als Taucher kaum herausfinden kann - im Aquarium ist es aber möglich. Insbesonder die Geschlechtsunterscheidung wurde bisher nicht veröffentlicht:


Ein verkannter Raufbold


Diadem-Zwergbarsch (Pictichromis diadema LUBBOCK & RANDALL 1978)

Familie: Pseudochromidae
Verbreitung: westlicher Zentralpazifik zwischen Malaysia, den Philippinen und Borneo
Habitat: Korallenriffe in Zonen mit hohen Turbulenzen und guten Krallenwachstum, Gruppen auch an Korallenblöcken, 5 - 30 m Tiefe
Sozialverhalten: Kolonien, wo jedes Tier sein eigenen kleines Territorium beansprucht, gleichgeschlechtliche Tiere meist unverträglich, jedoch Geschlechtswandler (protogyner Hermaphrodit)
Länge: 6 cm
Beckenempfehlung: Paare ab 500 Liter

Die sehr attraktive Zwergbarsch-Art wird in Aquarianerkreisen oft als Raufbold beschrieben, was meist an der falschen Pflege liegt. Die Tiere brauchen sehr strukturierte Riffaufbauten mit abwechslungsreichen Mikrohabitaten und einen entsprechend großen Schwimmraum, damit jedes Tier sein eigenes kleines Revier (ca. 0,5 - 1 m im Durchmesser) aufbauen kann. Die Geschlechter können eindeutig anhand des vorderen Endes der rötlichen Rückenzeichnung unterschieden werden. Bei den Weibchen hört die purpurrote Färbung oberhalb der Oberlippe auf, während sich das Rot beim Männchen bis über die Unterlippe ausbreitet. Wir konnten so bisher 6 Paare zusammenstellen. Die Männchen schwimmen das Weibchen mehrmals täglich aggressiv an, um ihre Dominanz zu behaupten, Verletzungen sind nur in zu kleinen Becken, mit fehlenden Verstecken möglich.
In großen Aquarien schwimmen die Tiere dann auch oft gemeinsam, mit meist ca. 10 cm Abstand zueinander. Abends ab 18:00 Uhr wird gebalzt, indem das Männchen das Weibchen besucht und beide nebeneinander über der Dekoration mit dem ganzen Körper in paralleler Stellung wedeln. Das Männchen lockt dann das Weibchen durch ruckartige Schwimmbewegungen zu seiner Laichhöhle. Zwei Männchen vertragen sich nicht und im beengten Aquarium funktioniert die mögliche Rückentwicklung von jungen Tieren zum Weibchen sehr selten. Einfacher ist es aus 2 Weibchen ein Paar zusammenzustellen. Dies und das Nachsetzen eines Tieres ist jedoch immer mit einem Restrisiko des Verlustes des neuen Fisches verbunden. Die Kleintierfresser (in der Natur vor allem Kleinkrebse) akzeptieren schnell mundgerechtes aquarientypisches Ersatzfutter (Cyclops, Lobstereier, Artemia, Nori-Algen, kleine Granulate - aber nicht jedes Granulat wird akzeptiert) nur Flockenfutter wird nicht gern angenommen. Mit mehrmaliger Fütterung pro Tag kann man die Aggressivität der Tiere zusätzlich minimieren.
Auffällig im Verhältnis zu anderen Zwergbarscharten ist, dass diese Art weniger zwischen der Dekoration schwimmt sondern öfter darüber im korallennahen Freiwasser. Für sessile Niedere Tiere ist die Art harmlos. Kleine Krebse werden häufig als Beute betrachtet. Putzergarnelen werden mitunter angegriffen und getötet, wenn sie Eier tragen. Auch gelingt es den Fischen im Aquarium immer wieder z.B. Anemonenfischgelege zu plündern, weshalb man auch im Meer davon ausgehen muss, dass Fisch- und Crustaceen-Eier zur natürlichen Beute gehören. Kleinere Fische werden öfter angegriffen als größere. Der gering größere Lippfisch Paracheilinus mccoskeri wurde direkt attackiert, wenn er sich unter 20 cm annähert. In der Eingewöhnung wurden auch wehrhafte Gelbschwanzdemoisellen (Chrysiptera hemicyanea) immer nur kurz angegriffen, später wurden sie weniger beachtet. Anemonenfische, Doktorfische, Lyra-Kaiserfische, Feilenfische und Mandarinfische sowie eine einzelne Putzergarnele (Lysmata debelius) und ein Alpheus soror wurden nicht attackiert. Die Nachzucht dieser Art ist privaten Aquarianern bereits gelungen und entspricht der Nachzucht von Pseudochromis fridmanni.

Literatur:
GILL, A. C. (2004): Revision of the Indo-Pacific dottyback fish subfamily Pseudochrominae (Perciformes: Pseudochromidae). Smithiana Monographs No. 1: 1–213, Pls. 1–12.
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