Seychellen-Baumfrosch als Zeuge transozeanischer Ausbreitung

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Seychellen-Baumfrosch als Zeuge transozeanischer Ausbreitung

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 18 Aug 2011 15:17

Der sympathische Seychellen-Baumfrosch als Zeuge transozeanischer Ausbreitung von Fröschen

Im Rahmen der Vorbereitungen für die bevorstehenden Seychellen-Exkursionen 2011 möchte ich den "Daheimgebliebenen" einige spannende Infos nicht vorenthalten. Es geht um unseren netten Seychellen-Baumfrosch, um den Maskarenenfrosch und viele andere Froschlurche. Sie können uns dank Forschungen der letzten Jahre eine spannende Geschichte erzählen.

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Lange Zeit galt es als so gut wie sicher, dass sich Frösche bzw. Amphibien generell nicht über den Ozean ausbreiten können und daher auf rein vulkanischen, ozeanischen Inseln, die nie Kontakt zu Kontinentalmassen hatten, nicht vorkommen. Die wenigen Ausnahmen führte man auf menschliche Aktivitäten zurück. Der Grund dafür ist die dünne, wenig verhornte, ungeschützte Haut der Lurche - sie sind dem osmotischen Stress im Seewasser (anders als viele "Reptilien") nicht gewachsen :arrow: http://de.wikipedia.org/wiki/Osmose , außerdem trocknen sie leicht aus.

Doch wie kam dann der endemische Seychellen-Baumfrosch (Tachycnemis seychellensis) auf die granitischen Inseln? Sie sind seit dem Ende der Kreide vom Rest der Welt isoliert gewesen. Das war immer schon eine große Frage, die uns jedes Mal beschäftigte, wenn wir den schönen Frosch mit riesengroßen Augen gefunden haben.

In deutschsprachigen Quellen wird der Frosch manchmal fälschlich als „Laubfrosch“ bezeichnet. Laubfrösche kommen jedoch in Afrika südlich der Sahara nicht vor. Der Baumfrosch gehört zu der afrikanischen Familie der Riedfrösche (Hyperoliidae) http://de.wikipedia.org/wiki/Riedfr%C3%B6sche , einer relativ großen Froschfamilie mit über 200 Arten.

Die Publikation Vences, M., D. R. Vieites, F. Glaw, H. Brinkmann, J. Kosuch, M. Veith & A. Meyer (2003): Multiple overseas dispersal in amphibians. - Proceedings of the Royal Society B 270: 2435-2442 hat zum ersten Mal klare Hinweise dafür geliefert, dass eine solche Ausbreitung von Froschlurchen nicht nur möglich ist, sondern auch wiederholt vorgekommen sein muss (was nichts daran ändert, dass sie sehr unwahrscheinlich ist und wesentlich seltener passiert als etwa bei den beschuppten und Trockenheit-resistenten Reptilien).

Der nette Seychellen-Baumfrosch ist nur ein Beispiel dafür. Er besiedelte die Seychellen von Madagaskar aus (Madagskar wiederum wurde von Afrika aus besiedelt), man schätzt aufgrund der molekularen Uhr, dass dies vor 21-11 Mio. Jahren erfolgte. Die informative und empfehlenswerte Webseite von Miguel Vences :arrow: http://www.mvences.de/si_v.html bietet zu diesem Thema zahlreiche weitere Infos und Quellen.

Übrigens: Gerade die westliche Ecke des Indischen Ozeans ist offensichtlich ein gutes Beispiel für diese migratorische Leistung der Froschlurche. So kommen zwei Froscharten aus der Familie Madagaskarfrösche (Mantellidae) auch auf der Komoreninsel Mayotte vor http://de.wikipedia.org/wiki/Madagaskarfr%C3%B6sche .

Der Maskarenenfrosch Ptychadena mascareniensis besiedelte offenbar auf natpürlichem Weg Madagaskar von Afrika aus (vielleicht erst vor 2000 Jahren), dann wurde er viel rezenter durch Menschen auf die Seychellen und Maskarenen verfrachtet.

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Re: Seychellen-Baumfrosch als Zeuge transozeanischer Ausbreitung

Beitrag von ClaudiaBryozoa » 25 Aug 2011 15:15

Dr. Robert Hofrichter hat geschrieben: Bild

nett, wie sich diese Art dem Nil entlang nach Norden verbreitet hat :) :D
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Re: Seychellen-Baumfrosch als Zeuge transozeanischer Ausbreitung

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 26 Aug 2011 09:39

... Ja! :) Und wie er die Sahara meidet, wie andere Froesche auch...
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