Auch Krebse fühlen Schmerz

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mare-mundi Redaktion
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Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 18 Jan 2013 13:26

Auch Krebse fühlen Schmerz
Studie liefert weitere Hinweise auf Leidensfähigkeit von wirbellosen Tieren

Könnten Hummer schreien, würden sie es sicher tun, wenn sie ins heiße Wasser geworfen werden. Davon ist zumindest der nordirische Forscher Bob Elwood überzeugt. Er untersucht seit Jahren, ob Wirbellose, vor allem Krebse und Garnelen, Schmerzen spüren können. Sein neuestes Experiment mit Strandkrabben, denen er kleine Stromschläge versetzte, zeigt nun einmal mehr: Es deutet vieles darauf hin.

:arrow: http://scinexx.de/wissen-aktuell-15488-2013-01-17.html

Bild
Die Fotografie zeigt ein Exemplar der Strandkrabbe Carcinus maenas.
© Hans Hillewaert/ CC-by-sa 3.0

Tiere können nicht reden. Deswegen ist es schwierig, zu beurteilen, wie sie sich gerade fühlen und ob sie Schmerz verspüren. Bei Wirbeltieren wie Vögeln und Säugetieren werde daher nach Analogien gesucht, erläutert Elwood. Es gelte häufig die Annahme: Wenn sie sich in bestimmten Situationen, wie etwa nach einer Verletzung, ähnlich verhalten wie ein Mensch, sind vermutlich auch ihre Gefühle – Schmerz, Leid – mit denen des Menschen vergleichbar. Dies werde jedoch unverständlicherweise nicht auf wirbellose Tiere angewendet, obwohl diese häufig exakt die gleichen Verhaltensweisen zeigten.

Wer meidet, der fühlt
Zu diesen Verhaltensweisen gehört auch die Reaktion auf potenziell schmerzhafte Reize bei wirbellosen Tieren wie Hummern, Garnelen und Krabben. Dabei unterscheidet Elwood klar zwischen der Schmerzwahrnehmung per Schmerzrezeptor – eine instinktive, rein physiologische Reaktion – und dem Gefühlskonzept Schmerz. Dass Wirbellose über ersteres verfügten, sei mittlerweile erwiesen, erläutert der Wissenschaftler. Es sorge etwa dafür, dass sie bei einem schmerzhaften Reiz sofort zurückzucken.

Die zweite Kategorie ist schwieriger nachzuweisen. Elwood und viele seiner Kollegen setzen dazu auf das Konzept des Lernens. Denn sie definieren den gefühlten Schmerz als eine negative Erfahrung, die schützende und physiologische Reaktionen auslöst und aus der ein erlerntes Vermeidungsverhalten resultiert. Mit anderen Worten: Wenn ein Tier Situationen oder Objekte gezielt meidet, die ihm zuvor einmal schmerzhafte Blessuren zugefügt haben, kann es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit tatsächlich Schmerzen spüren und auch darunter leiden.

Stromschlag als Test
Bei Garnelen und auch bei Einsiedlerkrebsen hat Elwood bereits gezeigt, dass diese Art des Lernens stattfindet. In seiner neuen Studie konzentrierte er sich nun auf Strandkrabben. Dabei stellte er sich die Frage, ob die Tiere so stark unter den Schmerzen leiden, dass sie sogar auf eine wertvolle Ressource verzichten, nur um die Schmerzen zu vermeiden. Er legte seinen Testkrabben dazu dünne Drähte um jeweils ein Bein, mit denen er ihnen leichte, mutmaßlich schmerzhafte Stromschläge zufügen konnte. Dann setzte er sie in ein hell erleuchtetes Aquarium, in dem es auf jeder Seite einen dunklen Unterschlupf gab – eindeutig der bevorzugte Aufenthaltsort der Krebse.

In der Studie selbst bekamen einige Krabben im Abstand von jeweils fünf Sekunden Stromschläge, sobald sie sich in einen der abgedunkelten Bereiche zurückzogen, andere wurden dagegen in Ruhe gelassen. Die Folge: Der größte Teil der geschockten Krebse lernte mit der Zeit, den Unterschlupf zu meiden, in dem sie die Stromschläge bekommen hatten – sie zogen sich entweder in den anderen zurück oder blieben sogar gleich in der hell erleuchteten Mitte des Aquariums. Dieses Verhalten entspreche fast exakt dem, das in Studien bei Wirbeltieren beobachtet worden sei, konstatiert Elwood.

Schmerzreaktion wie bei Wirbeltieren
Er räumt allerdings ein, dass die Ergebnisse alleine noch kein Beleg für ein echtes Schmerzempfinden bei den Krebsen seien. Berücksichtige man jedoch frühere Studien, ergebe sich ein klareres Bild. So wurde beispielsweise bereits gezeigt, dass Krebse nach einer schmerzhaften Injektion längere Zeit die behandelten Körperteile am Boden reiben – ein typisches Verhalten, das auch bei höheren Tieren vorkommt.

Insgesamt sei es daher an der Zeit, dass Fischerei und Nahrungsmittelindustrie ihren Umgang mit Krebsen, Garnelen und Hummern überdenken, betont Elwood. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran: Obwohl es gesetzlich für Wirbellose nicht gefordert wird, hat er seinen Artikel mit einer "ethical note" versehen, in der er bestätigt, seinen Versuchstieren so wenig Schmerz wie möglich zugefügt zu haben. Nach der Studie habe er zudem alle Tiere wieder freigelassen – an einem geeigneten Strand in der Nähe der Stelle, an der sie eingefangen worden waren. (The Journal of Experimental Biology, 2013; doi: 10.1242/jeb.070241)
(The Journal of Experimental Biology, 17.01.2013 - ILB)

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von Robert » 18 Jan 2013 16:07

Sehr informativer Beitrag, vielen Dank!
Danke und Gruß!

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von Caro » 20 Jan 2013 20:10

DANKE für diesen Bericht,
und auch wenn er es hier nicht lesen wird, ein großes DANKE an Herrn Elwood, der ENDLICH eine wissenschaftliche Antwort auf diese Frage gegeben hat.
Und nicht nur das - er fordert nach Auswertung seiner Studien sogar ein längst fälliges Umdenken und einen anderen Umgang mit diesen bedauernswerten Geschöpfen !!!!!
:respect:

Hierzu kann ich eines meiner traumatischen Erlebnisse zu diesem Thema schildern.
Während meines Schüleraustauschs hatte meine Gastfamile in Frankreich eine riesige Languste lebend gekauft und sie sollte als Festessen zubereitet werden.
Der Deckel des Kochtopfs wurde dafür von Mutter und Oma mit einem Küchentuch an den Henkeln verknotet, ein Kochlöffel quer dazwischen sorgte als weitere "Bremse" und dazu hielten beiden Frauen mit Körpereinsatz den Topfdeckel zu .... bis darin nach minutenlangem heftigen Schlagen Stille war ... :|

Das waren keine "Reflexe", wie mir bis jetzt immer noch bestätigt wurde ....
nein ...
DANK an Herrn Elwood, der sich dem angenommen hat !!!!!!!!!!!!!

Liebe Grüße
Caro
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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von horstartur » 20 Jan 2013 21:25

über längeres Luftschnappen von tausenden Fischen auf Fangschiffen (oder auch anderswo) hat sich bisher auch niemand besonders aufgeregt. Auch ein in Stücke geteilter Regenwurm beim Umgraben ist sicher auch nicht sehr glücklich. Tierschutz fängt leider erst an, wenn man am Schwanzende drauftritt und das Tier dann jault oder miaut.
Übrigends: Hier in Dahab esse ich grundsätzlich keinen Fisch - würde auch meinen Vorstellungen von Umweltschutz widersprechen. Allerdings: arme einheimische Fischer müssen ihre Familien ernähren. Nachhaltigkeit ließe sich nur durch Kompensation (finanzieller Ausgleich zum Verzicht auf Fangaktivitäten) erreichen. Das gilt auch weltweit.
Embryologie, Entwicklungsbiologie, Zoologie, Evolution,Gentechnik, Amphibien, Video (auch UW-Fluoreszenz) , Naturschutz, Galapagos, Seniorkapitän, LeipzigAir http://www.leipzigair.de/
Homepage: http://www.uni-due.de/zoophysiologie/

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 21 Jan 2013 14:18

horstartur hat geschrieben: Übrigens: Hier in Dahab esse ich grundsätzlich keinen Fisch - würde auch meinen Vorstellungen von Umweltschutz widersprechen. Allerdings: arme einheimische Fischer müssen ihre Familien ernähren. Nachhaltigkeit ließe sich nur durch Kompensation (finanzieller Ausgleich zum Verzicht auf Fangaktivitäten) erreichen. Das gilt auch weltweit.
:respect: Viele Besucher tun sich (sehr) schwer bei dieser Frage konsequent zu bleiben. Am Saumriff wie in Dahab gibt es für aufgeklärte Naturfreunde meiner Meinung nach keine Alernative zum Verzicht, wenn es um Rifffische geht. Und Hochseefische werden dort kaum angeboten... Außerdem sind die im Roten Meer ohnehin selten.
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von Caro » 21 Jan 2013 19:09

horstartur hat geschrieben:über längeres Luftschnappen von tausenden Fischen auf Fangschiffen (oder auch anderswo) hat sich bisher auch niemand besonders aufgeregt. (...)
Doch ! Ich, lieber Horstartur :wink:

:respect: für Deine Haltung !!!!!
Auch ich esse im Urlaub keinen Fisch und daheim nur heimische Fische aus regionaler Zucht, die vor dem Schlachten mit Strom betäubt werden. Bloß da geht´s auch schon wieder los :| Leiden sie davor tatsächlich nicht beim Heltern ?!?!
Hmmhh, dazu könnte uns "unsere" Claudia bestimmt was sagen :shark:

Liebe Grüße
Caro
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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von fidelfisch » 22 Jan 2013 12:13

Wie wäre es mit veganer Ernährung?
Kein Leiden der Tiere, (wenn ausgeglichen) gesünder, klimafreundlicher, und ohne Entwicklungsländern Nahrung für die Fleischproduktion zu entwenden. Das wäre konsequent.

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von horstartur » 22 Jan 2013 12:28

1)Wir haben gerade einen Voluntär hier in Dahab mit dieser lobenswerten Einstellung. 2) Gleichzeitig ist er Nichtraucher. :wink: Ich gehöre allerdings nur zur 2. Kategorie.
Beobachte wieder wie fast überall, dass die Taucher zu (geschätzt) über 80 % rauchen.
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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von RogerT » 22 Jan 2013 15:50

horstartur hat geschrieben:1)Beobachte wieder wie fast überall, dass die Taucher zu (geschätzt) über 80 % rauchen.
Das habe ich bis heute nicht kapiert. Gerade tauchen und rauchen verträgt sich ganz schlecht - aber ich habe schon erlebt, wie Taucher gerade aus dem Wasser ins Zodiak geklettert sich sofort eine Zigarette angesteckt haben. Die hatten Zigaretten und Feuerzeug in einem wasserdichten Behälter beim Tauchen mitgenommen!
Ach ja, die Rückfahrt mit dem Zodiak zur Basis dauerte ganze 5 Min. - das ist ohne Kippe aber schwer zu überleben... :shock:

Gruss
Roger
Ein paar Reiseberichte und Bilder über und auch unter Wasser: http://www.toebert.de

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von Caro » 22 Jan 2013 19:34

:oops: alle Taucher, die ich kenne, rauchen.
War mir bisher auch ein Rätsel, wie das zusammen geht :o
aber ich kenne auch solche Bergsteiger !

Tja, der Mensch an sich und überhaupt :wink:

Und für Fidelfisch und Horstartur:
Ich gehöre zur Kathegorie rauchender Veggie.
Vegane Kriterien erfülle ich nicht, weil ich Eier, Milchprodukte und heimische Fische esse.

Ich schreibe das jetzt deshalb, weil ich niemanden jemals etwas vorschreiben möchte. Jeder für sich muss seine eigene Entscheidung treffen und auch davon selbst überzeugt sein.
Z.B. meine liebste und älteste Freundin liebt und trägt Pelz. Ich bin strikt gegen Pelze - aber wie könnte ich in der Konsequenz dann gegen meine Freundin sein !??!?!

Liebe Grüße
Caro
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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von fidelfisch » 22 Jan 2013 23:28

" Kein Fleischesser kann je wieder mein Freund sein"
Dieses Zitat stammt aus dem Bericht einer damals angehenden Tierärztin, die im Rahmen ihrers Studiums auch ein Praktikum in der Schlachterei machen musste. Ihren Bericht gibt es online, jedoch keine leichte Kost, mir wurde teilweise fast schlecht, trotzdem oder gerade deshalb auch sehr zu empfehlen: http://www.vegetarisch-geniessen.com/05 ... index.html

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Re: Auch Krebse fühlen Schmerz

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 23 Jan 2013 09:33

Bei unserem Freund Vlado Trulik in der Mala Fatra gibt es immer Spannferkel, schon traditionell. Das Schwein lebt glücklich im Garten, und wird schließlich aus dem Hinterhalt mit einem Revolver (mit zittriger Hand und nach einigen Schnäpsen) erschossen. Das ist für mich erträglich.

Ein Schlachthof, mit dem langen Transport... der ganze Streß der Tiere, das ist unerträglich und sollte in zivilisierten Ländern verboten werden. Den Film von Fidel kann ich mir nicht anschauen, dazu bin ich zu sensibel... Aber offenbar immer noch nicht sensibel genug, denn vegetarisch bin ich noch nicht. Nur wählerisch bei Fleisch. Wie vielen anderen Menschen, ist es auch mir bewusst, dass eine solche Einstellung nicht frei von Widersprüchen ist... :?
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