Überfischung: Bestände können sich schnell erholen

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Überfischung: Bestände können sich schnell erholen

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 22 Apr 2013 17:09

Überfischung: Bestände können sich schnell erholen

Ein Jahrzehnt der Überfischung können viele Bestände erstaunlich gut ertragen, haben Forscher festgestellt. Erst wenn Meerestiere über mehrere Jahrzehnte zu stark dezimiert werden, gibt es kaum noch Rettung. Wissenschaftler hoffen deshalb auf die anstehende Fischereireform der EU.

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Thunfische: Durch Überfischung bedroht
DPA/Greenpeace

Viele Fischbestände können sich von einer Überfischung besser als erwartet erholen - solange diese nicht zu lange andauert. Das vermutet ein Team um Philipp Neubauer von der Rutgers Universität (US-Bundesstaat New Jersey), das verschiedene Datensätze in eine Modellrechnung einfließen ließ.

Die Mehrheit der 153 untersuchten Fischarten und wirbellosen Tiere verkrafte eine moderate Überfischung und könne sich innerhalb von zehn Jahren davon erholen, wenn der jeweilige Bestand noch nicht komplett zusammengebrochen sei und der Druck durch die Fischerei schnell und deutlich gesenkt werde.
Für viele überfischte Bestände seien Schutzbemühungen jedoch zu spät gekommen, schreiben Neubauer und Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science". Wenn bereits stark geschwächte Bestände weiterhin überfischt würden, sei es zweifelhaft, dass sie wieder anwachsen.

Ein Beispiel sei etwa der Nordsee-Kabeljau, sagte Rainer Froese von Geomar, dem Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Jahr für Jahr erlaubten die europäischen Landwirtschaftsminister weit überhöhte Fänge, obwohl der Bestand außerhalb sicherer biologischer Grenzen sei. In der südlichen Nordsee, also den deutschen Gewässern, sei der Kabeljau inzwischen sehr stark reduziert worden. Trotzdem dürfe auch in diesem Jahr weiter gefischt werden, mit etwa dem Dreifachen des nachhaltigen Höchstmaßes.

Auch die Fischer würden profitieren

"Es scheint so zu sein, als könnten die Fische sich generell innerhalb von zehn Jahren gut erholen", sagte Neubauer. "Das hat uns ein bisschen überrascht." Die Ergebnisse könnten nach Einschätzung Neubauers auch ein Indiz dafür sein, dass moderat überfischte Arten sich an die Jagd durch den Menschen anpassen und beispielsweise früher und häufiger Nachkommen zeugen als solche Fischarten, die seltener auf dem Speiseteller landen.

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO waren 2012 nahezu 30 Prozent der weltweiten Bestände überfischt und 57 Prozent an der Grenze maximaler Ausbeutung. Die Lage bei den völlig überfischten Beständen habe sich jedoch leicht gebessert.
Mit einer historischen Reform plant die Europäische Union die strapazierten Fischbestände künftig besser schützen; sie ist aber noch nicht in Kraft. Fischer sollen demnach künftig nur so viele Fische fangen, wie nachwachsen. Mit zielgenaueren Fangtechniken sollen sie zudem den unbeabsichtigten Beifang verhindern. Außerdem soll ein Rückwurfverbot toter Fische eingeführt werden, um die Entwicklung von Fischbeständen besser zu steuern.

Würde der Fischereidruck sofort deutlich unter das nachhaltige Höchstmaß gesenkt, könnten die Fischer nach Studien des Geomar schon in drei bis vier Jahren mehr fangen als heute, sagte Froese.

wbr/dpa

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