Meeresboden: Der Müll ist überall

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mare-mundi Redaktion
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Meeresboden: Der Müll ist überall

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 06 Mai 2014 16:59

Meeresboden: Der Müll ist überall

Unser Abfall eilt uns selbst in die Tiefseegräben voraus. Bei einer weiträumigen Untersuchung des Meeresbodens rund um Europa fanden Wissenschaftler an allen untersuchten Stellen Müll.

:arrow: http://science.orf.at/stories/1737843/

Die Forscher um Christopher Pham von der Universität der Azoren in Horta, Portugal, nutzten für ihre Untersuchung fast 600 Bild- und Videoaufzeichnungen sowie Grundschleppnetzfänge von 32 verschiedenen Stellen des Meeresbodens im Atlantik und im Mittelmeer.

An all diesen Stellen lag Müll: von den flachen Küstenregionen bis zu 4.500 Meter tiefen Tiefseegräben, und selbst am 2.000 Kilometer von der Küste entfernten Mittelatlantischen Rücken.

Plastik, Netze, Glas, Metall

Die höchste Mülldichte fanden die Wissenschaftler in unterseeischen Gräben wie beim Lisbon Canyon vor der Küste Portugals. Das liegt unter Umständen daran, dass diese Gräben oft flache Küstengewässer mit der Tiefsee verbinden. Durch sie treibt der Mist von den Küsten in tiefere und weiter abgelegene Regionen.

Bild
Fundstücke aus dem Meer

Plastik, vor allem Flaschen und Säcke, stellt mit 41 Prozent den Großteil des gefundenen Abfalls. Ein weiteres Drittel besteht aus Fischereimüll wie Netzen und Leinen. Zudem fanden Pham und seine Kollegen Glas, Metall, Holz und Papier, aber auch Keramik und zahlreiche unidentifizierte Gegenstände. "Wir waren sehr überrascht zu sehen, wie weit sich unser Müll in den Meeren schon verbreitet hat", sagt Co-Autorin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

"Wir waren schockiert"
"Die große Menge an Müll, die den Tiefseeboden erreicht, ist ein ernstes weltweites Problem", erklärt Pham. "Unsere Ergebnisse unterstreichen das Ausmaß dieses Problems und zeigen die Notwendigkeit, Maßnahmen gegen eine weitere Anreicherung von Müll im Meer zu ergreifen." Mitautor Kerry Howell von der Universität Plymouth, Großbritannien, fügt hinzu: "Der größte Teil der Tiefsee ist vom Menschen noch unerforscht, und viele Stellen haben wir zum ersten Mal besucht. Wir waren schockiert zu sehen, dass unser Müll schon vor uns da war."

Nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Dieser gefährdet die Umwelt in vielerlei Weise: Tiere, insbesondere Meeressäuger, Schildkröten und Vögel, können sterben, wenn sie den Müll fressen oder sich darin verfangen. Die Meeresverschmutzung kann auch zur Freisetzung giftiger Substanzen oder zur Ausbreitung gebietsfremder Arten führen.

science.ORF.at/dpa

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Caro
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Re: Meeresboden: Der Müll ist überall

Beitrag von Caro » 26 Jun 2014 17:17

Dazu passend

http://www.feelgreen.de/plastikmuell-ge ... 1634/index


"Geisternetze" in der Ostsee werden zum Müllproblem

26.06.2014, 10:56 Uhr | dpa

Die verlorenen Fischernetze können für die Meerestiere zu einer tödlichen Falle werden. (Quelle: dpa)

Jedes Jahr verlieren Fischer Netze in der Ostsee. Als "Geisternetze" verfangen sie sich an Wracks oder Felsen und verschärfen das Müllproblem. Vor Rügen haben Forscher die dramatische Situation dokumentiert.

Sie sind mit Muscheln und Algen bewachsen und liegen wie ein Schleier über Wracks, verlorenen Ankern oder großen Steinen am Meeresgrund - Fischernetze, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind. "Seit 60 Jahren wird auf den Meeren mit Kunststoffnetzen gefischt", sagt der Vorsitzende des Vereins Archaeomare, Thomas Förster. "Anders als ihre Vorgänger verrotten die Nylon-Netze nicht und haben sich über die Jahrzehnte an Hindernissen gesammelt."
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Überall um Rügen verfangen sich Fischernetze

Im vergangenen Jahr sind Taucher des Vereins in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Meeresmuseum und der Naturschutzorganisation WWF zu 28 Wracks um Rügen getaucht. Das Ergebnis ist alarmierend: "An allen angetauchten Wracks hatten sich Netze verfangen", sagt Förster, der am Deutschen Meeresmuseum Stralsund arbeitet. Die Meeresbiologen vermuten, dass die Situation in anderen stark befischten Regionen der Ostsee nicht grundsätzlich anders ist als um Rügen und planen ähnliche Tauchgänge vor Usedom und in der Mecklenburger Bucht.

Ein Zehntel des Weltmeeresmüll sind Fischernetze

Verloren gegangene Fischernetze sind ein Teil des Müllproblems in allen Meeren, nicht nur in der Ostsee. Schätzungen des WWF zufolge sind rund ein Zehntel des weltweiten Meeresmülls - 640.000 Tonnen - solche "Geisternetze". Die Naturschutzorganisation gehe von 5000 bis 10.000 Netzen oder Netzteilen aus, die jedes Jahr neu in der Ostsee landen, so ihr Ostseebüro-Leiter Jochen Lamp.

Der Archaeomare-Vorsitzende Förster formuliert es vorsichtiger, spricht von wenigen Tausenden Netzen. "Wir wissen eigentlich gar nicht genau, wie viele Netze pro Jahr abhanden kommen", sagt er. Eine Dokumentationspflicht für verlorene Netze gibt es bislang nicht.

Netzte können zur tödlichen Falle werden

Die Kunststoffnetze gehören neben verloren gegangenen Schiffsladungen und Plastikmüll von Stränden oder aus Flüssen zum Zivilisationsmüll, der sich in den Meeren sammelt. Auch nach Jahrzehnten stellen die Netze eine Gefahr für die Meeresumwelt wie auch für die im Wasser lebenden Tiere dar - denn sie erfüllen noch immer ihren eigentlichen Zweck, das Fangen. "Vor allem bei Tauchgängen in den Wintermonaten haben wir in den Netzen Dorsche, Flundern und Seeskorpione gefunden", berichtet Förster. Offenbar suchen die Tiere gerade in den kalten Monaten Zuflucht an schützenden Wracks. Die Netze werden dann zu tödlichen Fallen.

Zersetzung dauert Hunderte von Jahren

Nach Angaben des Umweltbundesamtes kann es um die 450 Jahre dauern, bis sich ein Produkt aus Plastik in der Umwelt zersetzt. Größere Teile werden zu Minipartikeln zerrieben, die mit schädlichen Zusatzstoffen wie Weichmachern von Muscheln und Plankton aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen.

Fischernetze sollen geborgen werden

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hat vor der deutschen Ostseeküste Geisternetze an rund 100 Unterwasserhindernissen festgestellt. Die Experten des Deutschen Meeresmuseums gehen von einer deutlich höheren Zahl aus, da die Schifffahrtsbehörde nur jene Netze dokumentiert, die eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen können.

Derzeit werden für die Küste um Rügen und Usedom alle verfügbaren Ergebnisse aus Tauchgängen und Karten zusammengeführt, sagt Förster. Auch sogenannte Hackerkarten, in denen die Fischer in den vergangenen Jahrzehnten Hindernisse vermerkten, an denen sie Netze verloren, werden ausgewertet.

Sechs Tonnen Netze an 20 Tagen geborgen

Im Spätsommer wollen Archaeomare, WWF und Meeresmuseum mit der Bergung von Geisternetzen vor der deutschen Ostseeküste beginnen. Welche Mengen bei solchen Aktionen zusammenkommen können, haben Umweltschützer in Polen gezeigt. "Unsere WWF-Kollegen haben an nur 20 Tagen auf See rund sechs Tonnen Netze von Wracks und vom Meeresgrund geborgen", sagt Jochen Lamp. Zum Einsatz kamen Taucher und eine sogenannte Netzegge zum Abharken des Meeresgrundes.

Meeresbiologen und Umweltschützer fordern, dass Netze mit akustischen Signalgebern ausgestattet werden, damit sie bei Verlust geortet und eingesammelt werden können. "Die Rückholbarkeit von Netzen ist entscheidend", sagt Lamp. Anders lasse sich das jährlich größer werdende Problem nicht in den Griff bekommen.

Vögel bauen Nester mit Plastikresten

Das Meeresmuseum zeigt eine Ausstellung, die über die Problematik der Geisternetze informiert. Unter anderem wird dort ein Vogelfelsen gezeigt, der die Situation auf der Nordsee-Insel Helgoland beleuchtet. "Die Basstölpel bauen dort ihre Nester nicht mehr mit Tang, sondern zunehmend mit Resten aus den Kunststoffnetzen", sagt Förster.
Quelle: dpa "


Liebe Grüße
Caro
"Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, hätten wir nichts erreicht. Erst wenn es uns gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: UNS !" Zitat von Michael Aufhauser

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