Es tut sich was UMS Mittelmeer: neues EU-Fischereirecht!

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Biberach
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Es tut sich was UMS Mittelmeer: neues EU-Fischereirecht!

Beitrag von Biberach » 27 Feb 2013 17:55

Servus Freunde,

heute Nacht wurde wohl fleissig getagt und beraten, zu guter Letzt haben die europäischen Fischerei-Minister (oder entsprchende Pendants, in Deutschland eben Bundes-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner nach 14 Stunden auch diverses beschlossen.

Kurzum: Der Beifang soll drastisch reduziert werden!

http://www.tagesschau.de/ausland/fische ... pic-1.html

Das hört sich jetzt erstmal sensationell an, hab auch schon zig Meldungen dazu im Fernsehen bekommen, und per Nachrichtendienste aufs Handy. Toll, alle sehr euphorisch. Ich auch, auf den ersten Blick. Nur auf den zweiten folgt etwas Ernüchterung. denn es gibt einige Dinge, die mir Fragezeichen aufdrücken.,

"Mehr als sieben Prozent ihres Fangs sollen Europas Fischer bald nicht mehr ins Meer zurückwerfen dürfen." - AHA! Sehr gut. Und wie bitteschön, soll DAS kontrolliert werden??? Wenn ich was wegkippe, is es wech. Oder kommt da die EU-Fischerei-Polizei, macht Stichprobenartig Kontrollen, und holt den über Bord gegangenen Beifang wieder raus, und ermittelt anhand des Gewichtes, dass die 7%-Hürde überschritten worden war??? Was ist das für ein ausgemachter Schwachsinn!!! Wer will da verbindliche und nachvollziehbare Regelungen finden?
Ich nehme an, dass es sich dabei um 7% eines jeden Hols handelt. Denn sollte es sich auf die Gesamtmenge beziehen, wärs ja noch dämlicher.
Kapitän:"Erste Hol war Pupu, nur billiges und schlechtes Zeuch: Ergo: Komplett weg! Dafür behalten wir dann die nächsten Hols, und fangen was das Zeug hält, um auch ja 93% zu erhalten.... Aber egal, solang niemand sieht, dass wir was wegwerfen, kanns ja egal sein... und selbste wenn, wer weiss schon WIEVIEL wir weggeworfen haben..."

Selbst wenn Kontrollorgane Fischerboote beim wegwerfen beobachten, dann müssen die sich wohl oder übel auf das Wort der Mannschaft verlassen, dass maximal 7 % wieder von Bord sind.

Zum nächsten Problem: Erstmal hört sich das ganze gut an, gerade wenn Gründe angesprochen werden, wie zu kleine Fische, in Zukunft größere Netze... Beifang meist eh schon schwer verletzt oder schon tot... etcetc
Alles schön und gut. Was passiert aber, wenn einem geschützte Arten ins Netz gehen! (Oder schützenswerte Arten). Man stelle sich vor, der Fischer hat 20 tote Petermännchen, völlig verratzt - und einen jungen, aber quicklebendigen Blauhai. Was wirft er wohl über Bord? Natürlich unter strenger und protokollarischer Einhaltung der 7%-Regel?
Was ist mit Arten, oder Exemplaren, wo ein Rücksetzen (!) sinnvoll ist, und teilweise auch so praktiziert wird? zB bei Krabbenfischern? Es muss weiterhin Ausnahmen geben, denn hier überleben die zurück gesetzten Tiere meist, zumindest bis sie ao groß sind, dass sie angelandet werden dürfen ... Wird mittlerweile auch oft angemerkt, wie ich grad seh:
http://www.donaukurier.de/nachrichten/w ... 64,2723670
http://www.ndr.de/regional/beifang109.html
Das kann soweit auch kontrolliert werden, aber wie soll das bei den 7% gehen? Und warum wurden da überhaupt Zugeständnisse gemacht? warum nicht in schnelleren Zeiträumen? es wird doch sowieso immer schwerer, bei stark rückläufigem Fischbestand, irgendwas zu fangen. Wenn das so weitergeht, ist man bis 2019 vielleicht ziemlich froh und glücklich über jedes Bisschen Beifang... weil man sonst gar nix mehr anlanden würde!

Ich bin gespannt, wie das umgesetzt werden soll / wird. Meines Erachtens bräuchte man eine entsprechende Bestimmung, die besagt: Grundlegend darf nichts Gefangenes zurück ins Meer verbracht werden. Unter bestimmten Voraussetzungen und Bedingungen gibt es Ausnahmen: Die da besagt:
Bestimmte Arten, oder bestimmte Exemplare bestimmter Arten (Jungfische, trächtige Weibchen, geschützte oder schützenswerte Tierarten, etcetc) die unverletzt und vital sind, dürfen Vorsichtig und unter Video-Dokumentation ins Meer rückgeführt werden. Und zwar so, dass die Vitalität auch nach Rückführung gewährleistet ist.
Damit kann ich keine Tiere aus großer Höhe über Bord werfen, oder mit Kränen aus Hol-Behältern rausquetschen und ins Meer verladen wie ne Schaufel Sand! Und da ja grundsätzlich gar nichts zurückdarf, ein Kontrollorgan aber sieht, wie über eine Rutsche oder ähnliches Tiere wieder ins Meer gelangen. Kein Problem: deswegen wurde ja alles aufgezeichnet, und die Fischer können guten gewissens sagen: "
Seht euch das Material an, das die Bordkamera und die 3 Kameras über der Rutsche automatisch aufgezeichnet haben, und ihr werdet sehen, dass wir einen quicklebendigen Seehund, 8 Blauhaie, einen Fregattvogel, 3 Schildkröten und 4 weibliche Thunfische, die demnächst ablaichen, zurückgesetzt haben."

Ach, wär das schön. :lol: Wird wohl aber so nicht kommen :( Meines Erachtens bleibt nur die Schaffung weiterer maritimer Schutzgebiete, und damit auch Rückzugsgebiete. Sowie die Forschung an dem Material und der Fischerei an sich: welche Fangtechnik setzt Beifang herab. Welche Netze schonen den Fang und damit auch Beifang. etcetcetc
Ein weiter Weg dahin. Da spricht das folgende Bild Bände. Hab ich grad per Facebook bekommen, und poste es hier für euch:
http://www.flickr.com/photos/93621520@N ... hotostream

ich hoff, das klappt. Über FB gings nicht, hab mich jetzt extra bei Flickr angemeldet :lol: und ich hoff ich hab alles richtig gemacht
Wer sich alleine langweilt, ist auch zu mehreren nicht besonders unterhaltsam

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