Verurteilung eines Vogeljägers in Amerika

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Verurteilung eines Vogeljägers in Amerika

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 20 Mär 2013 17:54

Verurteilung eines Vogeljägers in Amerika

In der FAZ vom 15. März 2013 wird berichtet, dass in Amerika ein 26 Jahre alter Jäger, der im Bundesstaat South Dakota einen streng geschützten freilebenden Schreikranich geschossen hatte, zu einer Wiedergutmachungszahlung von 85000 Dollar (etwa 65000 Euro) verurteilt wurde. Der Mann erhielt zudem zwei Jahre Jagdverbot auf Bewährung in den Vereinigten Staaten, sein Gewehr wurde eingezogen.
Die Summe entspricht nach Berechnung des Fish and Wildlife Service in etwa den Kosten der Aufzucht und Auswilderung eines Vogels. Die Zahlung wird der Internationalen Kranichstiftung ICF (International Crane Foundation) in Baraboo, Wisconsin, zugutekommen, die seit Jahrzehnten federführend am Aufbau dreier weiterer freilebender Schreikranichpopulationen in Wisconsin, in Florida und in Louisiana beteiligt ist.


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Der Fall hat viele Parallelen mit dem Abschuss der Waldrappe in Italien. Auch den Schreikranichen wird mit Hilfe von Ultraleichtfluggeräten die Zugroute gelehrt (Operation Migration), wobei die Kosten je nach Berechnungsart vergleichbar sind. Auch wir konnten im Herbst 2012 einen Jäger identifizieren, der gleich zwei Waldrappe abgeschossen hat. Der Bestand der Schreikraniche wird mit etwa 500 freilebenden Vögel geschätzt, bei den Waldrappen gibt es neben unseren etwa 25 Vögeln nur mehr zwei bis vier wildlebende Tiere, die noch das arttypische Zugverhalten zeigen - daher gibt es bei den Waldrappen noch mehr Anlass entschieden gegen Wilderei vorzugehen.
Wir gehen davon aus, dass der Präzedenzfall in Amerika für die Zivilklage in Italien hilfreich ist, die wir derzeit vorbereiten.
Kurz noch ein Update zu Shorty, dem Jungvogel, der im Herbst den Anschluss in die Toskana verpasst hat und sich seitdem in der Schweiz aufhält. Der Vogel ist nach wie vor bei Risch am Zugersee, offenbar in sehr guter Verfassung. Somit hat Shorty ohne jegliche Hilfe den Winter nördlich der Alpen überlebt. Wir gehen davon aus, dass das ein Ausnahmefall ist. Aber es zeigt doch wie gut die Waldrappe in Europa in freier Wildbahn zurechtkommen, sogar unter widrigen Verhältnissen. Wir erwarten den Vogel nun im späteren Frühjahr zurück in Burghausen. Voraussichtlich werden wir ihn dort einfangen, in die Toskana bringen und dort nach Ende der Herbstmigration freilassen. Damit wollen wir verhindern, dass er nochmals in die Schweiz fliegt und möglicherweise Jungvögel dorthin führt.

Bild
Shorty hat sich im Zugersee mit den Graugänsen vergesellschaftet.
Foto Martin Brunold.

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