Waldrapp NEWS: November 2013

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mare-mundi Redaktion
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Waldrapp NEWS: November 2013

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 17 Nov 2013 10:49

Waldrapp NEWS: November 2013
Eine lang anhaltende aber erfolgreiche Herbstmigration geht zu Ende

Anfang August 2013 verließ die Vögel ihre Brutgebieten in Burghausen/Bayern und Anif/Salzburg. Wie wir aus den Vorjahren kennen, blieben die Vögel dann für Wochen in der Region, offenbar um gute Nahrungsgebiete aufzusuchen. Am 3. September hat der erste Vogel die Alpen überquert. Am 17. September ist dann zum ersten Mal eine größere Gruppe von 7 Vögeln gemeinsam über die Alpen geflogen, mit dabei 3 Jungvögel.

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Inzwischen kamen insgesamt 18 Vögel im Winterquartier an. Diese Gruppe beinhaltet auch fünf Jungtiere, die von den Elternvögeln aufgezogen wurden.


Während der Herbstmigration starb ein Jungvogel, der bei einem Versuch die Alpen zu überqueren wahrscheinlich von einem Greifvogel attackiert wurde. Ein weiterer Jungvogel verlor den Kontakt zum seinem Leitvogel und ist seitdem verschollen. Das ist bisher der gesamte Verlust. Es ist somit das erste Jahr, in dem es (bislang) keine Evidenz für Abschüsse in Italien gibt!


Diese positive Bilanz ist jedoch im Kontext eines intensiven und invasiven Managements zu sehen. Alle Vögel wurden mit GPS-Trackern ausgestattet. Die kontinuierliche Übertragung der GPS-Position erlaubte es uns, den Vögeln während der Migration zu folgen. In diesem Herbst waren bis zu vier Teams parallel am Weg. Bei jedem Zwischenstopp der Vögel informierten sie Jäger, Polizei, Medien und Öffentlichkeit. Es kann gesagt werden, dass die Mehrheit der Bevölkerung einschließlich der kontaktierten Jäger interessiert und kooperativ waren. Darüber hinaus wurde die Mehrzahl der migrierenden Vögel in der Toskana, am Apennin oder zum Teil auch schon in der Po-Ebene abgefangen und in das Wintergebiet transportiert. Diese Maßnahme basiert auf der Erfahrung, dass in den letzten Jahren die meisten Verluste durch illegale Jagd in der finalen Phase der Migration erfolgten. Zudem wissen wir inzwischen, dass das weitere (Migrations-)Verhalten der Vögel durch das Abfangen während der Herbstmigration nicht beeinträchtigt wird.


Wir planen, dieses umfangreiche, aber effektive Management während der Herbstmigration mittelfristig (ca. bis 2016) fortzusetzen. Dies ermöglicht den Aufbau einer migrierenden Population mit einer substantiellen Anzahl von Vögeln, und es gibt uns Zeit die Kampagne gegen illegale Jagd zu implementieren.


All diese Vögel sind direkte über die Alpen migriert. Eine Ausnahme machte das Männchen Tara (2011), das derzeit noch am Weg ist. Es folgte eine Route entlang der Nordseite der Alpen in die Schweiz und weiter nach Frankreich. Von dort flog es dem Alpenrand folgend nach Süden und dann in östlicher Richtung nach Italien. Dieses Verhalten ist insbesondere in Anbetracht der Tatsache bemerkenswert, dass Tara im Jahr 2011 als Jungvogel eine Route östlich um die Alpen herum geflogen ist! Meines Erachtens ist dies aus wissenschaftlicher Sicht der spannendste Datensatz in unserer bisherigen Projektlaufzeit. Es ermöglicht Rückschlüsse auf das Orientierungsvermögen der Zugvögel und es weist auf die Relevanz und Konsequenz von Barrieren wie die Alpen hin. Das Highlight aber ist, dass Tara während dieser ganzen Reise von einem unerfahrenen weiblichen Jungvogel begleitet wurde, der aus der Brutkolonie Rosegg/Kärnten stammt und im Juli in die Brutkolonie Salzburg integriert wurde, zu der auch Tara gehört.

Bild
Flugroute von Tara seit dem Verlassen des Brutgebietes. Mit dabei war über den gesamten Zeitraum der Jungvogel Amsel.

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