Bericht von einer Spurenlesertour in den Westkarpaten

Wissenswertes

Moderator: A-Team

Antworten
Benutzeravatar
mare-mundi Redaktion
Profi
Profi
Beiträge: 814
Registriert: 19 Feb 2011 13:27
Wohnort: Salzburg
Kontaktdaten:

Bericht von einer Spurenlesertour in den Westkarpaten

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 20 Feb 2012 22:34

Vlado Trulík:
Bericht von einer Schneeschue-Spurenlesertour in den Westkarpaten



Liebe Freunde,

ich will euch berichten von meiner letzten Veranstaltung auf dem Gebiet des NP Mala Fatra und Orava.
Wir waren eine kleine Gruppe (4 Männer, eine junge Dame, alle aus Wien und ich). Erste 2 Tage hatten wir buchstäblich Postkartenwetter.


Bild

Am Montag haben wir die Fotofalle besucht, die ich vor etwa 3 Wochen mit der letzten Gruppe an einem Luchsriss installiert habe.

Von der jungen Hirschkuh schaute nur noch die Nase raus und der “Meister Pinselohr” war nur einmal kurz dabei. Leider hat ihn die FF nicht gut erwischt.
Füchse wissen schon längst von dem Riss, aber laufen nur respektvoll vorbei. Trauen sich noch nicht daran zu fressen, sie haben Angst, dass der Luchs sie dabei überraschen kann.
Das hat bis jetzt jede FF an allen Luchsrissen bestätigt, dass die Füchse erst dann gekommen sind, wenn der Luchs nicht mehr vor hatte, seine Beute zu besuchen.
Jetzt hat es der Luchs wie in einer Tiefkühltruhe, weil es tief gefroren ist. Er frisst daran, erst wenn es wieder auftaut.

Die Schneehöhe war zwischen 1 und 1,5 m hoch. Wehrend Nacht senken die Temperaturen auf -30° und auch am Tag war im Schatten um die -15°,
aber wir hatten unseren Spaß, vor allem bei den Abstiegen.

Bild

Auf Nacht habe ich von Milos erfahren, dass der kleine Luchs Viky nach 4 Tagen “heim” gekommen ist, also besuchten wir ihn. Es sind dabei auch ein par sehr gelungenen Fotos entstanden.
Viky und Bery sind jetzt etwa gleich groß und wiegen beide 16 Kg.

Am Dienstag sind wir zu dem Sutov Wasserfall gegangen, nachzuprüfen, “wie es dem toten Hirsch geht”. Wölfe haben ihn unweit vom Wasserfall erlegt, aber ein stattliche Bär hat sie von der Beute vertrieben und bedient sich jede Nacht da von. Installierte Fotofalle von Milos nimmt ihn sicher auf.

Bild

An dem Fluss Orava haben wir aus dem Auto die Fischotter erblickt und ein Teilnehmer hat sie auch mit der Kamera erwischt.
Mit den gewaltigen Eisbruchstellen, sieht jetzt der Fluss recht beeindruckend aus .

Bild

Nachmittag waren wir in einem Mikro Tal des NP Mala Fatra recht erfolgreich. Schon nach ein par Meter haben wir frische Bärenspuren gefunden. Er war nicht alleine und bald hatten wir auch die Spuren von seiner Mama und noch einen kleinen Bären. Die Bärin ist tief reingesunken, aber die kleinen Bären liefen wie mit Schneeschuhen oben drüber. An einer Stelle galoppierte sie sogar die ganze wiese Quer. Dass die Bärin auch nahe gelegene Futterstelle mit Getreide besucht hatte, bestätigte auch ihre Lösung.

Aber nicht nur Bären, sondern auch die Wölfe liefen hier gemütlich drüber. Wir könnten wunderbar die einzelnen Abdrücke, wie auch den Gangart beobachten.
Der Tag war aber nicht lang genug, die allen Spuren zu verfolgen.
Erst Abends, wo ich mich mit meinem Kollege getroffen habe, erführen wir, dass die Wölfe unweit von hier eine Hirschkuh gerissen haben und deswegen die Aktivität der Beutegreifer in der Gegend.

Leider, war das der letzte Tag, wo sich was aus dem Schnee rauslesen liest, weil am Mittwoch lag morgen früh 30 cm frischen Schnee und es hat auch weiter fast den ganzen Tag ergiebig geschneit.
Es war echt anstrengend zu gehen, natürlich vor allem für den “Spurenmacher” und zum teil sind wir buchstäblich bis zu den “Brustwarzen” eingesunken.
Im Tal Revisne habe ich den Gästen also nur über meine Erlebnissen aus der Vergangenheit erzählt (...über Wölfe und hungrigen Jäger, :-)

Auch am Donnerstag lag viel frischen Schnee wieder. Ein echte Spurenleser Albtraum. Wir waren die einzigen in der Wildnis des NP, die unterwegs waren und unsere Mühe war belohnt.
Hoch in den Bergen, nach ungläubig anstrengendem Aufstieg haben wir eine Wildschweinherde (unten einer Bergfichte eingeschneit) überrascht. Die Muttersau lief rechts und die Frischlinge (alle 8 etwa 50 kg schwer) wollten über eine Wiese links den nahegelegen Wald erreichen. Sie sind die 20 m aber etwa 5 min. lang gegangen. In den Schneemassen sind sie blöderweise alle nebeneinander gegangen, weil keine der letzte sein wollte. Nur die Köpfe schienten raus, sie sind auf einander geklettert, haben sich gebissen und waren sehr laut. Zwischen uns war nur ein Haselnussstrauch und etwa 15 m, aber wir wollten die nicht hetzen.
Selbst solche Energie Pakete wie die Wildschweine sind, haben bei solchen Bedingungen keine Chance. Auch mit den Schneeschuhen ist der erste von uns (na wer war es am meisten?) bis zu der Hüfte tief gegangen. Wir haben auch guten Videos davon gemacht und es war auf jeden Fall ein unvergessliche Erlebnis.

Täglich muss “Eliska” mehrmals ein mit Schnee gefüllten Plastiksack ins Tal ziehen, dass ihre Kinder zu Schule und zurück kommen können. Den Weg musste sie sich mit Stäbchen markieren, weil nach ein par Stunden sieht man ihn nicht mehr. Der Kräutertee da oben schmeckte auch deswegen besonders gut.

Bild

Aber auch unten im Tal kämpfen die Menschen mit den Schneemassen. Ein Junge macht für uns den Weg frei.
Wir haben uns ein kräftiges Mittagsessen verdient und am Lagerfeuer obwohl unten dem Dach im Ondros Grillhäuschen grillten wir unseren “fast fettfreien” Speck, Fleischwürste und mit Käse gefüllte Paprika.
Den letzten Abend haben wir wie immer am Kamin und “aloholfrei” verbracht.

Bild

Egal was für ein Wetter jetzt kommt, ich glaube auch bei der Tour in einem Monat 24.3. – 31.3. 2012 haben wir zu minderst noch gebietsweise Schnee und dadurch sicherlich auch viele Aufenthaltsspuren nach dem langen Winter.

Liebe Grüße

Vlado



TRULIK TRAVEL s.r.o.
Vlado Trulik
Stiavnik 1289
013 55 Slowakei
Mobil: 00421 908 948 917
Tel.: 00421 41 558 34 34
info@vladotrulik.com
http://www.vladotrulik.com

Antworten

Zurück zu „Slowakische Karpaten & Nationalpark Malá Fatra - Exkursionen und Aktivitäten“