Azoren 09: Reisebericht Teil I

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Belli
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Azoren 09: Reisebericht Teil I

Beitrag von Belli » 28 Jul 2009 23:26

Azoren 09 - Reisebericht - Teil I

Die Reise startete offiziell am 4. Juli 2009.
Für den Großteil der Gruppe begann die Reise bereits um 6:15 in der Früh am Münchner Flughafen. Der Rest der Gruppe sollte erst um 14:25 am Nachmittag losfliegen. Doch aufgrund der unverzeihlichen Verspätung der Fluggesellschaft, flogen die sechs Nachzügler erst um 16:00 Uhr los und verpassten deshalb ihren Anschlussflug in Lissabon.
Dafür wurde aber jedem von ihnen eine Nacht im Einzelzimmer und ein köstliches Abendessen in einem ***-Sterne Hotel von der TAP ermöglicht.
Nach einer schlaflosen Nacht, mit zahlreichen vasengroßen Cocktails und Tirolerwitzen, kamen nun endlich auch die Nachzügler auf den Azoren an. Nur noch einen Fährenfahrt von der Insel Faial auf die Nachbarinsel Pico trennte sie vom Rest der Gruppe.
Endlich vereint ging es auch gleich mit dem richtigen Programm los. Die ersten hatten schon ihre erste Walausfahrt hinter sich. Nach einer kurzen Begrüßung - zwischen Tür und Boot - mit Frank Wirth, dem Besitzer der Walstation, machte es sich die zweite Gruppe im Zodiac bequem um ihre erste Walausfahrt anzutreten.
Beide Gruppen hatten das Glück gleich bei der ersten Ausfahrt einige Pottwale zu sehen.

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Zusätzlich besichtigten sie die Küsten der Insel Faial vom Wasser aus.

Die Küstenlandschaft der Insel Faial:
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Wohl einer der wenigen Sandstrände auf den Azoren:
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Eine Menge Felsenkrabben konnten auch auf den Felsen beobachtet werden:
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Im Vergleich zur Exkursion im Vorjahr (Mai 2008) hatten die Passagiere nach der Ausfahrt keine Spuren von Spritzwasser auf ihrer Haut, sondern kamen „staubtrocken“ wieder im Hafen von Madalena an.

6.7.2009
Am nächsten Tag kamen nun auch endlich die allerletzten drei Reisenden auf Pico an. Sie mussten ebenfalls wegen einer Flugverspätung eine Nacht in Lissabon verbringen.
Zusammen mit den drei Neuankömmlingen begab sich die Gruppe auf den Weg zur Gruta das Torres, der größten Höhle Portugals. Mit Netzen mussten sie ihr schönes Haar bedecken, um sich die praktischen Sicherheitshelme anziehen zu können.
Die Gruta das Torres ist eine Lavahöhle, die etwa vor 500 bis 1500 Jahren entstanden ist. Sie ist die längste Höhle auf den Azoren, etwa 5439 m lang und teilweise 15 m hoch.
Die ersten 400 m der Höhle sind seit 2005 für Besucher zugänglich. In der Höhle gibt es außer den Taschenlampen keine Lichtquelle, weshalb der Guide ein wichtiges Element einer Besichtigung darstellt.

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Belli

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Veronika und Julia

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Dani

7.7.2009
An diesem Tag hatten die Reisenden ihr erstes Schnorchel- und Tauchvergnügen im Atlantik.

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Gerlinde beim Tauchen

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Bei den Tauchern war der Ausflug eher eine Tortur, dafür war es bei den „Schnorchlern“ umso entspannter. Gesehen wurde allerlei Getier: Schwarze Seeigel Arbacia lixula, Violette Seeigel Sphaerechinus granularis, Warzensterne Marthasterias glacialis, Atlantische Mönchsfische Chromis limbata, Neon-Riffbarsche Abudefduf luridus, Meerjunker Coris julis, Rote Meerbarben Mullus barbatus, diverse Meerbrassen, und vieles mehr.
Am späten Nachmittag machte die Gruppe einen längeren Spaziergang durch die Weinfelder, ein Kulturerbe.

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Moulin Rouge

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Ein anstrengender Weg auf die Moulin Rouge ;).

8.7.2009
Der Tag begann mit einem Fischvortrag von Annemarie Kramer, einer Meeresbiologin, die auf Pico bei Frank Wirth arbeitet. Gefolgt wurde der Vortrag von einem Film über die Azoren unter Wasser. Ein Teil der Gruppe ging gleich nach dem Mittagessen Whale watchen. Doch sie hatten leider Pech, da das Boot defekt war und sie mehrere Stunden langsam auf der Wasseroberfläche umhertrieben.
Der andere Teil hatte eine Abendausfahrt, und hatte gleich das Glück zum ersten Mal mit Delfinen zu schnorcheln. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, das der ein oder andere wohl nicht mehr so schnell vergessen wird.

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9.7.2009
Um 6.30 Uhr schrillten die Wecker in den Häusern. Es war Zeit zum Aufstehen, da die nächste Ausfahrt für 7.00 Uhr geplant war. Und es kein Fehler so früh aufzustehen. Eine Viertel- bis Halbestunde folgten die Boote zwei Seiwalen, die in dieser Jahreszeit nur selten um die Azoren anzutreffen sind.

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Seiwal

Doch noch nicht genug, kurze Zeit später entdeckte der Skipper mehrere Sowerby-Schnabelwale. Schnabelwale zu sehen, ist eine seltene Angelegenheit, da fast alle Schnabelwalarten vom Aussterben bedroht sind und weit draußen im Meer vorkommen.
Danach hatte die Gruppe noch das Vergnügen einen Pottwal beobachten zu dürfen.

Nach der Mittagspause wurde das Pottwalmuseum „Cachalotes e Lulas“.

„Pottwale und Kalmare - das ist die große Leidenschaft des britischen Forscherpaars Malcolm und Dorothy Clarke. Seit 50 Jahren beschäftigten sie sich mit diesem Thema. Das Ergebnis ihres Lebenswerks haben sie nun in einer eindrucksvollen, liebevoll und mit Humor gestalteten Ausstellung dokumentiert.
Bisher konnte man sich auf Pico über Pottwale nur im Zusammenhang mit der azoreanischen Walfanggeschichte informieren. In dieser Ausstellung geht es dagegen um das Leben der Pottwale, nicht um das Sterben.“ (Zitat: http://www.whales-dolphins.net/azoren_d ... lcolm.html)
Am Weg zum Museum beobachteten auch einige mehrere Wale, die an der Küste entlang schwammen.

Weitere Infos zum Museum findet ihr auf der Homepage von Malcolm Clarke:
Cachalotes e lulas

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Belli im Museum

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Die Größe eines Pottwals wurde im Modell nachgestellt.

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Und hier kann man sich in zahlreichen Bildberichten der letzten Jahre Appetit holen und sich ein Bild von den Inseln inmitten des Atlantiks machen:

:arrow: mare-mundi Azorenexkursionen, praktische Reisehinweise https://mare-mundi.eu/forum/view ... 349#p12349
:arrow: Termin Juli 2012 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=5759
:arrow: über die Insel Pico http://de.wikipedia.org/wiki/Pico_%28Insel%29
:arrow: über die Insel Faial http://de.wikipedia.org/wiki/Ilha_do_Faial
:arrow: Tagesausflug nach Sao Jorge https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2803 über die Insel Sao Jorge http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A3o_Jorge
:arrow: Risso- oder Rundkopf-Delfine https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2804
:arrow: Begegnung mit einem Blauwal https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2811
:arrow: Delfinbeobachtungen https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2814
:arrow: Möwenbeobachtungen https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2805
:arrow: Fotoeindrücke mare-mundi Azorenexkursionen 2008 & 2009 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2874 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=4325 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=4331 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=4340 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=4341 https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=4332
:arrow: Welche Wal- und Delfinarten kann man sehen? http://www.whales-dolphins.net/azoren_d ... index.html
:arrow: Azoren-Pflanzenführer http://www.azorenflora.de/
:arrow: Herpetologische Streifzüge durch die Azoren https://mare-mundi.eu/forum/view ... f=37&t=546 (leider sind die Fotos nicht mehr zu sehen)
:arrow: für den Zwischenstopp in Lissabon: das Oceanario https://mare-mundi.eu/forum/view ... =37&t=2825
:arrow: Termin Orca Camp April 2012 Patagonien https://mare-mundi.eu/forum/viewtopic.php?t=5758
:arrow: Orca-Abenteuer unserer Partner in Patagonien http://www.youtube.com/watch?v=N53DchkdUUM

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Gibt es denn jemanden, der nichts merkt, nichts von dem wundersamen Geheimnis ahnt, das über diesem Meer liegt, dessen sanfte Wogen von einem unter ihnen verborgenen Wunder zu erzählen scheinen? (Melville)

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Der Weinbau auf Pico

Beitrag von Belli » 29 Jul 2009 17:08

Hier noch ein kurzer Anhang zu den Weinfeldern auf Pico:

Das Weinanbaugebiet zieht sich vom Flughafen an der Nordküste über Madalena bis Calhau. 2004 hat die UNESCO die beiden Anbaugebiete als Welterbe eingestuft. Barca, Cais do Mourato, Cachorro, Lajedo, Arcos oder auch Cabrito sind ein paar Küstenorte die meist nur im Sommer von Juli bis Oktober bewohnt sind.
Der Weinanbau hat im 15. Jahrhundert mit Verdelho-Reben angefangen. Diese Reben wurde von dem Mönch Frei Pedro Gigante im Jahr 1460 aus Madeira mitgebracht. Der Weinbau wurde von den Mönchen der Karmeliter und Franziskaner von Madeira und Zypern vorangetrieben. Bei den Vulkanausbrüchen in den Jahren 1718 und 1720 wurden viele Felder zerstört. Die dicken Lava- und Ascheschichten ließen nur noch den Weinbau zu. Nachdem die Lavabrocken beiseite geräumt wurden, hat man sie zu großen Steinhaufen aufgetürmt, die heute teilweise überwachsen und mit als solche gar nicht mehr erkennbar sind.
Die Weingärten wurden von Faial aus verwaltet, da dort die Klöster ihren Hauptsitz hatten. Von Horta aus wurde der Wein auch exportiert.
Ein Einbruch in das gute Weingeschöft kam 1852 als ein Großteil der alten verdelho-Reben dem Mehltau zum Opfer fiel. Zwei Jahrzehnte später wurden die übergebliebenen Reben von der Reblaus zu nichte gemacht.
Seitdem werden weltweit die oft europäischen Rebhölzer auf reblausresistenten amerikanischen Unterlagen verpropft.
Heute werden aus den Reben erfolgreich Tafelweine hergestellt. Meist sind es moderne Züchtungen des verdelho, terrantes und arinto.
Auf Pico werden aber auch unverpropfte amerikanische Rebsorten angebaut. Ihre Trauben werden zum "vinho de cheiro" verarbeitet, ein etwas rauer Wein.


Quelle: http://www.azoren-online.com/pico/infor ... ndex.shtml
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Beitrag von orcinusorca » 02 Aug 2009 14:36

Hey Belli, dass ist echt ein schöner Reisebericht und echt super tolle Bilder (gerade von den Walen) :wink:
www.giganten.yooco.de

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Tanja
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Beitrag von Tanja » 14 Aug 2009 18:27

Super, danke belli, ich will gelich wieder zurück
Träume haben ihre Wurzeln in der Wirklichkeit!

...und manchmal verleihen sie einem Flügel!

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Helmut Wipplinger
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Beitrag von Helmut Wipplinger » 20 Aug 2009 17:38

WTF mach ich dann da in dem Büro...??? NEID !!! :wink:

Liebe Belli - Danke für den tollen Bericht!

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