Die Donau, das Donaudelta, das Schwarze Meer

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Dr. Robert Hofrichter
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Die Donau, das Donaudelta, das Schwarze Meer

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 16 Dez 2007 13:07

Die Donau, das Donaudelta, das Schwarze Meer

Jährlich organisiert das fnz naturkundliche Exkursionen ins Donaudelta. Die Donau- und Schwarzmeer-Region ist eine absolut faszinierende Region, doch auch eine Region mit enormen ökologischen Problemen. Das nehmen wir auch bei unseren Exkursionen recht intensiv wahr. Eine gute Darstellung dieser Region und ihrer ökologischen Situation findet sich auf den Seiten der Europäischen Komission:

http://eur-lex.europa.eu/smartapi/cgi/s ... =615&lg=de

Bild Toter Delfin am Ufer des Schwarzen Meeres. Bisher haben wir bei allen unseren Exkusrionen ins Donaudelta tote Delfine oder ihre Schädel gefunden.

Die Donau- und Schwarzmeer-Region beherbergt den bedeutendsten nicht ozeanischen Wasserkörper in Europa. Aus einem 2 Mio. km2 großen Einzugsgebiet, das rund ein Drittel der Fläche des europäischen Festlands bedeckt, fließen jährlich etwa 350 km3 Wasser über die Donau ins Schwarze Meer. Die Donau ist der größte ins Schwarze Meer mündende Fluss und nach der Wolga der zweitgrößte Fluss Europas. Ihre Lauflänge von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung am Schwarzen Meer misst über 2.857 km. Außer der Donau münden auch Europas dritt- und viertgrößter Fluss, der Dnjepr und der Don, ins Schwarze Meer. Die Bevölkerung im größeren Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres zählt mehr als 160 Millionen.

Die Donau

17% des Einzugsgebiets der Donau liegen innerhalb der EU und 57% auf dem Hoheitsgebiet von Beitrittsländern, während 25 % des Einzugsgebiets zu Nicht-Beitrittsländern gehören. An das Schwarze Meer grenzen drei EU-Kandidatenländer: Rumänien, Bulgarien und die Türkei sowie die Ukraine, Russland und Georgien. 99% des Einzugsgebiets teilen sich 13 Länder, nämlich Deutschland (7%), Österreich (10%), die Tschechische Republik (3%), die Slowakische Republik (6%), Ungarn (11%), Slowenien (2%), Kroatien (4%), Bosnien und Herzegowina (7%), Jugoslawien (9%), Bulgarien (6%), Rumänien (29%), Moldau (1%) und die Ukraine (4%). Das verbleibende 1% des Einzugsgebiets teilen sich so unterschiedliche Länder wie Polen, Italien und die Schweiz.

Die Blaue Donau, wie sie häufig genannt wird, verbindet 80 Millionen Menschen miteinander, eine Vielzahl verschiedener Traditionen, kultureller Vorstellungen und historischer Erfahrungen. Der Fluss und besonders seine Feuchtgebiete sind Lebensräume für eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren und Heimat seltener und bedrohter Arten. Er wird für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie, Fischerei, Tourismus und Erholung genutzt, dient der Energieerzeugung und Schifffahrt und ist allzu häufig Endstation der Abwasserentsorgung. Diese intensive Nutzung hat Probleme mit der Wassergüte und -menge verursacht, die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt und die biologische Vielfalt im Donaubecken verringert.

Das Schwarze Meer

Das Schwarze Meer ist eines der bemerkenswertesten Regionalmeere der Welt. Es ist vom Rest der Weltmeere fast abgeschnitten, aber bis zu 2212 m tief. Die Eutrophierung des Schwarzen Meeres durch die übermäßigen Nährstoffeinträge über die Flüsse und unmittelbar aus den Küstenländern hat seit den 60er Jahren zu radikalen Veränderungen im Ökosystem geführt. Dies wiederum hatte starke grenzübergreifende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die menschliche Nutzung des Meeres, einschließlich Fischereiwirtschaft und Erholungssuche.

Die einzige Verbindung zwischen dem Schwarzem Meer und Ägäis und dem Mittelmeer ist der Bosporus, eine 35 Kilometer lange und an manchen Stellen nur 40 Meter tiefe natürliche Meerenge. Der Bosporus hat eine Zweischichtenströmung: In der unteren Schicht fließt Salzwasser aus dem Mittelmeer in das Schwarze Meer, während in der oberen Schicht in circa doppeltem Volumen ein Gemisch aus Salz- und Süßwasser in die andere Richtung strömt.

Die Bemühungen, diese Situation rückgängig zu machen, waren bis jetzt unzureichend, so dass heute Handlungsbedarf besteht, um die Umwelt wieder in einen für die Menschen in der Region akzeptablen Zustand zu versetzen und die Ökosysteme des Schwarzen Meeres zu schützen und wiederherzustellen.

Die Ökosysteme des Schwarzen Meeres haben sowohl im Hinblick auf ihre ökologische Funktion als auch auf die biologische Vielfalt globale Bedeutung.



An das Schwarze Meer grenzen sechs Länder: Rumänien, Bulgarien, die Türkei, Georgien, Russland und die Ukraine.

Die Eutrophierung hat in den letzten drei Jahrzehnten zu radikalen Veränderungen im Ökosystem des Schwarzen Meeres geführt - mit starken grenzübergreifenden Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die menschliche Nutzung des Meeres, einschließlich Fischereiwirtschaft und Erholungssuche.

Die eine Eutrophierung auslösenden Stickstoff- und Phosphorverbindungen kommen aus dem gesamten Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres. Die grenzüberschreitende diagnostische Schwarzmeeranalyse (1996) zeigt, dass 1992 70% der Nährstoffeinträge aus den sechs Schwarzmeerstaaten kamen. Drei der Schwarzmeerstaaten - Rumänien, Bulgarien und die Ukraine - leiten einen Großteil ihres Nährstoffeintrags über die Donau ein. Die übrigen 30% kommen aus den Nicht-Küstenstaaten.

Der Dnjepr transportiert jährlich etwa 20.000 t Stickstoff ins Schwarze Meer.

Die (an der Quelle geschätzten) prozentualen Anteile der einzelnen Länder an den Stickstoff- und Phosphoreinträgen ins Schwarze Meer sind in nachstehender Tabelle aufgelistet (Verschmutzungsanalyse Schwarzes Meer, 1998):

Die Tabelle zeigt, dass nicht immer ein Zusammenhang zwischen dem Bevölkerungsanteil in den Schwarzmeerländern und dem Anteil an der Nährstoffbelastung besteht. Deshalb sollte bei allen Maßnahmen zur Lösung der Nährstoffprobleme präzise Ziele vorgegeben und sowohl der relative als auch der absolute Beitrag zur Verschmutzung berücksichtigt werden.

Jüngste Entwicklungen

Die laufende Nährstoffanreicherung des Schwarzen Meeres über die Donau hat in den letzten Jahren abgenommen. Zurückzuführen ist dies auf die Schwäche der Wirtschaft in den Ländern am Unterlauf der Donau und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sowie auf die in den Ländern am Oberlauf der Donau getroffenen Maßnahmen zur Verringerung der Nährstoffeinträge und ein Verbot polyphosphathaltiger Waschmittel in einigen Ländern. Insgesamt sind die Stickstoffwerte jedoch immer noch mindestens viermal so hoch wie in den sechziger Jahren (seit 1980 wurde praktisch kein Rückgang der Gesamtbelastung an anorganischem Stickstoff mehr beobachtet), während die Phosphatwerte derzeit ungefähr gleich hoch zu liegen scheinen wie in den Sechzigern.

Silikate sind um rund 30% auf die Werte der 60 er Jahre gefallen. (Gründe und Auswirkungen der Eutrophierung des Schwarzen Meeres (auf Englisch); zusammenfassender Bericht; Juni 1999. Programm zur Verringerung der Donauverschmutzung).

Die Gewässer des Schwarzen Meeres werden auch stark durch Abwässer belastet - eine Situation, die durch die schwache Wirtschaftslage in manchen Küstenstaaten noch verschärft wird, denn sie können sich die hohen Investitionen für den Bau von Abwasserkläranlagen, die zur Vermeidung der Verunreinigung notwendig wären, kaum leisten. Einige Länder (z.B. Bulgarien und Rumänien) investieren bereits in neue Kläranlagen, aber im allgemeinen wird das Abwasser in den meisten Orten rund um das Schwarze Meer nicht oder nur unzureichend geklärt. Zudem gibt es ernste Probleme mit der Entsorgung von festen Abfällen.

Ölverschmutzung scheint im Schwarzen Meer nicht allgemein verbreitet zu sein, tritt aber in Küstengebieten um Flussmündungen, Abwasserausfluessen, Industrieanlagen und Häfen auf. Allerdings entstehen neue Umweltbelastungen infolge der rasch zunehmenden Nutzung des Schwarzen Meeres als Seeverkehrsweg, insbesondere für den Transport von Erdöl aus den neu erschlossenen Ölfeldern am Kaspischen Meer. Diese Entwicklung bringt ein hohes Tankerunfallrisiko mit sich, insbesondere am Bosporus.

Bisher gibt es im Schwarzen Meer keine Hinweise auf eine nennenswerte Verschmutzung durch Schwermetalle, Pestizide oder andere persistente organische Schadstoffe (wie PCBs).

Ein anderes ernstes Problem betrifft den Verlust an biologischer Vielfalt im Schwarzen Meer. Ursprünglich gab es hier eine sehr reiche Diversität, insbesondere am Nordwestschelf mit einem einzigartigen Vorkommen von Rotalgen. Dieses Gebiet hat sich jetzt in eine in manchen Jahreszeiten anoxische "tote Zone" verwandelt. Die von diesen Bedingungen betroffene Gesamtfläche ist in den letzten 30 Jahren um das 1000fache gewachsen. Das hat sich auf das gesamte Schwarze Meer ausgewirkt, das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Arten verschoben und so zu einem instabilen Ökosystem geführt. Ein weiteres Problem ist die Überfischung des Meeres. Seit den 60er Jahren hat die Fischereiwirtschaft expandiert, und es wurden hochtechnisierte Verfahren zum Aufspüren von Fischen eingesetzt. Außerdem gibt es Probleme durch das Auftauchen einer exotischen Spezies, der Kammqualle, die im Schwarzen Meer keine natürlichen Feinde hat. Deshalb verbreitete sie sich sehr stark und soll im Schwarzen Meer jetzt eine Gesamtbiomasse von etwa 1 Mrd. t erreicht haben - mehr als das weltweite Jahresfischereiaufkommen in den Spitzenjahren 1989/90. Dies hat enorme Auswirkungen auf die Ökosysteme des Schwarzen Meeres und die kommerziell nutzbaren Fischbestände.

Diese Probleme haben in Kombination mit der Wasserverschmutzung vor allem durch Nährstoffe sowie der zunehmenden Turbidität seit den späten Siebzigern zu einem Rückgang der Anzahl kommerziell nutzbarer Fischarten von 26 auf 6 Arten geführt.

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Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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