Donaudelta & Dobrudscha 08: Bericht über die Reise

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Dr. Robert Hofrichter
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Donaudelta & Dobrudscha 08: Bericht über die Reise

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 30 Jun 2008 07:58

Bericht über die Reise 2008 in das Donaudelta und die Dobrudscha
mit mare-mundi und NABU Hamburg (10. bis 22. Mai 2008)


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Ein Bericht von Mechthild Fähnders, 20. 6. 08

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:arrow: Details über die bereits ausgeschriebene Donaudelta-Dobrogea-Reise 2009 von mare-mundi (2 Termine, Mai und Ende September, Anmeldefrist jetzt): https://mare-mundi.eu/forum/viewtopic.php?t=2865

:arrow: Vogelarten-Liste 2008: https://mare-mundi.eu/forum/viewtopic.php?t=2901

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Insgesamt gab es 46 Teilnehmer dieser Reise, davon 39 über den NABU Hamburg (einige schlossen sich uns in Frankfurt an), 6 aus Österreich und und dazu unser Hauptornithologe und Reiseleiter aus Rumänien, Prof. Eugen Petrescu (https://mare-mundi.eu/forum/posting.php ).

Hier jetzt die verschiedenen Leiter und Unterleiter aufzuzählen, wird schwierig, da wir reich mit ihnen gesegnet waren. Unsere Hauptorganisatoren bei NABU - auch in der Vorplanung - waren Sigi Heer und Claus Gülzow , eine unübersehbar hilfreiche Rolle spielte unser wissenschaftlicher Leiter Norbert (Dr. Norbert Sauberer, für mare-mundi), für das zweite Schiff war die Diplombiologin Kerstin Blassnig Leiterin (für mare-mundi), auf dem dritten Mag. Irene Drozdowski (ebenfalls für mare-mundi). Unser Hauptakteur blieb natürlich Eugen (Prof. Eugen Pertrescu, ein führender Ornithologe Rumäniens und Kenner des Deltas und der Dobrogea).

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:arrow: 10. Mai 2008

Unsere gemeinsame Reise begann um 6.15 Uhr am Flughafen Hamburg, alle erschienen pünktlich und um 8.15 Uhr starteten wir nach umfangreichem Check Richtung Frankfurt. Von hier aus ging es zusammen mit den „Frankfurtern“ nach Bukarest, wo wir 13.45 Uhr osteuropäischer Zeit nach einem angenehmen Flug mit guter Sicht auf die Alpen ankamen. Bei strömendem Regen fuhren wir mit dem Bus durch Bukarest, erfreuten uns an der jugendlichen Eleganz unserer rumänischen Reiseleiterin Joana und an dem morbiden Charme der verfallenen, ruinenartigen Prachtbauten aus alten glanzvolleren Zeiten. Durch das verkehrsverstopfte Bukarest verzögert, kamen wir endlich gegen 20.00Uhr in Tulcea an , wo schon unsere drei Hotelschiffe auf uns warteten. Wie war jetzt die Belegungsstrategie? Irgendwie trat eine gewisse Organisationslücke ein und wir besetzten in Eigenregie unsere uns zugeteilten Schiffe. Die Begeisterung über Schiff 1, Domnesc, war dann sehr groß, denn wir hatten einen sehr schönen, großen Ess-und Aufenthaltsraum mit großen Fenstern, unser Außendeck war mit bequemen Möbeln ausgestattet und lud förmlich zum Verweilen, Beobachten und später auch zum Mittagsschläfchen ein.

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Die Kabinen waren naturgemäß eng, aber akzeptabel nett und sauber.
Die beiden anderen Schiffe zeigten eine etwas andere Ausstattung, hatten aber ein offenes Beobachtungsdeck und ebenfalls große Aufenthaltsräume . Die drei Schiffe sollten mit zwei Schleppern gezogen werden, was normalerweise später dann auch gut verlief, manchmal aber doch zu plötzlichen Planungsänderungen führte und hohe Anforderungen an die Flexibilität der Schiffsbesatzung stellte.

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Schon beim ersten Abendessen genossen wir die gute rumänische Küche und auch unsere Vegetarier wurden kulinarisch bestens verwöhnt. Wir labten uns an dem wunderbaren rumänischen Rotwein, auch der Weißwein schmeckte sehr gut und wir genehmigten uns abends ab und zu ein “Wässerchen “, so mancher sprach auch gern dem Bier zu, auch sonstige geistige Getränke wurden nicht immer verschmäht (die aber dann doch nicht umsonst waren, wie sich später herausstellte.)

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Wegen fortgeschrittener Dunkelheit blieben wir abends im Hafen von Tulcea liegen und freuten uns an dem Wellenschlag und auf die vor uns liegenden Tage.

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:arrow: 11. Mai 2008

Start zur Weiterfahrt war (wie meistens ) morgens gegen 6.00 Uhr,
die Generatoren wurden vorher schon erbarmungslos „angeschmissen“ und bald versammelten sich einige Beobachtungsbegierige an Deck. Zunächst ging es durch den südlichen Donauarm (zunächst Tulcea-Arm , dann Sf. Gheorghe - Arm) bis zum Kanal Perivolovca. Sfantu Gheorge ist der älteste Einmündungsarm ins Schwarze Meer, 109 km lang, größte Breite 550 m, größte Tiefe 26 m. Auf dieser Fahrt erhielten wir die ersten Eindrücke der reichhaltigen Seeschwalbenvorkommen, beeindruckend hier die Weißflügelseeschwalben, auch Trauerseeschwalben und Weißbartseeschwalben konnten beobachtet und vor allem die Unterscheidungsmerkmale geübt werden. Es gelangen erste Flugbeobachtungen der Moorente, die wir nachher gut „drauf“ hatten. Wir legten am Sf.Gheorghe an und konnten während einer Wanderung am Uferbereich des Perivolovkakanals die Fauna erleben.

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Immer wieder ertönten der Gesang des Gartenrotrotschwanzes, des Sprossers , des Drosselrohrsängers und die Rufe des Grauspechtes. Außerdem gelangen schöne Sichtbeobachtungen von Grauspecht und Blauracken. Eine botanische Besonderheit war hier die üppige Glanzwolfsmilch und auch die Hundszunge war sehr interessant. Nachmittags gab es eine dreistündige Fahrt auf dem Lovka-Kanal bis zum Lacul Taranova. Hier erlebten wir die Flugspiele der Rotfußfalken und erste Impressionen von Rosa Pelikan, Krauskopfpelikan, Rallenreiher, Nachtreiher, Purpurreiher und Trupps Brauner Sichler erfreuten uns. Der Kanal wurde von charakteristischen Silberweiden umsäumt und überall blühte die gelbe Sumpfkresse. Auf dem Lacul Taranova gab es verschiedene Entenarten, Zwergscharben etc. zu beobachten.

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Nach einem wiederum wohlschmeckenden Mal gab es eine Powerpoint-
Präsentation über das Donaudelta von Norbert und wir mussten unseren sehr beschlagenen, freundlichen und redegewandten jungen Reiseleiter Olivio verabschieden.


:arrow: 12. Mai 2008

Mit allen drei Hotelschiffen wurden wir bis zum Ort Sfantu Gheorghe geschleppt, wo wir vor Anker gingen. Inzwischen hatte sich unser eigentlicher rumänischer Reiseleiter Eugen Petrescu zu uns gesellt, der von nun an die Reiseleitung übernahm.

Eine Wanderung durch den alten Ort zeigte uns eine Sonnenvorzeigeseite
und im hinteren Bereich ein etwas vermülltes Feuchtgebiet mit doch sehr schönen Beobachtungen . Überall zeigten sich die Blauracken, Bienenfresser überflogen uns mit ihren wohlklingenden flötenartigen Rufen, verschiedene Schafstelzenarten (feldegg , thunbergi , dombrowsky) luden zur Bestimmung ein , Schwarzstirnwürger , verschiedene Limicolenarten und Baumfalken rundeten unsere vogelkundlichen Eindrücke während der Wanderung zur Schwarzmeerküste ab. Am Strand konnten Heringsmöwen und in der Ferne Temminckstrandläufer ausgemacht werden, aber strömender Regen und Gewitter setzte den Erkundungen ein Ende.

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Während zwei der drei Schiffe uns vorausfuhren und den neuen Ankerplatz im Canal Tataru ansteuerten, konnten wir eine beobachtungsreiche Wanderung an den eingedeichten überstauten Flachwasserbereichen mit vielen Limicolensichtungen, wie Bruchwasserläufer, Sichelstrandläufer, Dunkler Wasserläufer, Kampfläufer , etc. entlang des Kanals unternehmen. In einem Fischerboot nahmen wir eine besondere Heringsart, den Donauhering, in Augenschein.

Das schwarze Meer hat einen Salzgehalt, der zwischen 13 und 17 Promille
schwankt, und trotz des geringen Tidenhubs von bis zu 10 cm gibt es Brackwasserbereiche mit unterschiedlichem Salzgehalt , an die die Lebewesen angepasst sein müssen. Die unterschiedlichsten Fischarten haben wir dann leider nur in gekochtem Zustand kennengelernt und als Einlage für eine wunderbare Fischsuppe zu bestimmen versucht. (Ein Grund, das Donaudelta noch einmal zu besuchen).

Fröstelnd warteten wir an diesem Abend auf unseren Schlepper und genossen dann das herrliche Abendessen um so mehr.


:arrow: 13. Mai 2008

Vom neuen Liegeplatz aus im Canal Tartaru gab es am Morgen eine
ausgedehnte und sehr interessante Wanderung zur Schwarzmeerküste. Es ging durch eine mit Feuchtgebieten und Blenken durchzogene Salzwiesenlandschaft.
Hier gelangen viele schöne vogelkundliche und botanische Beobachtungen und auch die Fotografen kamen wieder voll auf ihre Kosten. Wir waren begeistert über den ersten Brachpieper, Haubenlerchen hüpften in der Nähe einer alten Hausruine umher und ein Sprosser zeigte sich ungeschützt in vollster Pracht .
Ermüdet am heißen Strand herumstehend , erfreute uns plötzlich eine Zwergdommel , die übers Meer geflogen kam sowie Lachseeschwalben und eine Zwergmöwe erweiterten unsere Artenliste. Botanisch waren die Strand- und Steppengebiete natürlich auch sehr spannend, so gab es z.B. die Ackersteinsame und die Durchwachsenblättrige Kresse zu bewundern. Ein besonderes Phänomen war ein massenhaftes Vorkommen von Zuckmücken, am Strand stiegen sie zu schwärmenden Säulen empor und verschleierten den Horizont wie schwadenhafter Regen.

Nachmittags fuhren wir mit den Schleppern zu den beiden Seen Rosu und Rosulet. Auch hier waren die Schlepper und wir bald bedeckt von Myriaden von Zuckmücken, wobei alle ihre Geduld und Disziplin beim Ertragen dieses Massenvorkommens bewiesen. Wir fuhren relativ dicht an die große Schar der Rosa Pelikane heran und konnten das unterschiedliche Stadium der Brutkleider erkennen. Einige hatten einen stark angeschwollenen orangeroten Kopfbereich, aus dem das Auge starr und streng hervorstach. Nur wenige Krauskopfpelikane wurden von uns ausgemacht und vor allem im Flug bestimmt. Das Beobachten dieser Scharen von Pelikanen, die durch unsere Störung sich immer wieder neu formierten oder aufflogen war doch ein sehr beeidruckendes Erlebnis.

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Als große Besonderheit erschien uns dann das Anlocken des Feldrohrsängers. Unser rumänischer Vollblutornithologe Eugen Petrescu setzte alle seine Künste ein und präsentierte uns den Gesang und wunderbare Sichtbeobachtungen des Feldrohrsängers, so dass auch sehr gute Aufnahmen gelingen konnten.
Etwas „angeschmiert “ schien der kleine Suchtrupp mit Norbert, der dafür aber mit Zwergschnäppermännchen und anderen schönen Entdeckungen aufweisen konnte. Gegen Abend entdeckten wir noch einen weibchenfarbenen Zwergschnäpper in einem Busch am Anlegeplatz, so dass mancher seine Liste wieder mit einer neuen Art auffrischen konnte.

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Abends schauten wir den schemenhaften Bewegungen eines Tanzpaares auf dem Nachbarschiff zu, welches sich in unwirklich gleitenden Rythmen zu argentinischer Tangomusik bewegte, die wir nicht hören konnten.


:arrow: 14. Mai 2008

Schiff Domnesc blieb noch am Liegeplatz Canal Tartaru, während
die beiden anderen Schiffe bereits zum Altarm des Sulina-Kanals fuhren.
Als Trostpflaster für uns „Abgehängten “ gab es noch eine Fahrt mit den
kleinen Booten auf die Seen Rosul und Roselet zur Pelikanbeobachtung. Trotz von Eugen geforderter „Distancia “ näherten wir uns den Pelikanen
beträchtlich, und es gab schöne Beobachtungen, auch von Kormoranen und Krauskopfpelikanen. Zur Abwehr gegen die Mücken spendierte Sigi einige Zigarillos, die auch von der Mannschaft gerne geraucht wurden.
Während der Mittagsmahlzeit ging es dann durch verschiedene Kanäle und
Gewässer zum Anlegeplatz am alten Donauarm südlich von Letea.

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Unterwegs ergaben sich zahlreiche Beobachtungen von Zwergscharben , allen Reiherarten, Baumfalken, Weißbartseeschwalben und vieles mehr. Wieder konnten wir uns am Lagerplatz mit drei Booten nebeneinander auf eine Kabine mit Sicht nach draußen freuen, ein Vorzug, den man erst erkannte, als er verloren war.

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Nach dem Mittag machte sich allgemeines „Pennen“ auf dem Vordeck breit, ein Tribut an frühes Aufstehen und lange, abendliche Sitzungen.

Am Rande des Deltas gibt es sogenannte „ Festlandsstreifen „ (Grinduri),
die durch Anschwemmungen entstanden sind oder alte Festlandssockel darstellen. Hier besuchten wir das sehenswerte und nachdenklich stimmende Letea, welches einst von Ukrainern besiedelt wurde. Auf dem Weg dorthin beeindruckten die vielen Rotfußfalken auf den Bäumen und wir erfuhren, dass ein Vorkommensschwerpunkt dieser Art hier bei Letea zu finden ist. Wir beobachteten Exemplare in allen Farbschattierungen je nach Alter und Geschlecht. Auch die Baumfalken erfreuten uns mit ihren Flugspielen und Zwergscharben saßen auf den Bäumen wie braune Kerzen. Beim Anlegen in Letea beobachteten uns die Kinder , für die unser Erscheinen sicherlich eine große Abwechslung darstellte. Der Rundgang durch das Dorf war ein Eintauchen in eine vergangene Zeit. Viele Häuser waren verfallen oder standen leer, manche aber auch in traditioneller Weise wieder hergerichtet und zeigten ihre bauliche Eigenart mit meist blau gestrichenen und verzierten Holzgiebeln. Wir sahen ältere Frauen mit schwarzen Wollstrümpfen und Kopftüchern, die noch ihr Wasser aus dem Brunnen holten. Wir wünschten dem Ort, zu dem unser rumänischer Reiseleiter Eugen und auch Claus Gülzow persönliche Bindungen haben , wirtschaftliche Verbesserungen, ohne die alte Tradition aufgeben zu müssen. Eugen erzählte von seinem Traum, aus dem Ort ein Museum zu machen , um den Verfall aufzuhalten. Unsere Artenliste wurde bereichert durch die hervorragende Beobachtung eines Blutspechtes und wir genossen die Fahrt mit den Schleppern zu unseren Schiffen.

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:arrow: 15. Mai 2008

Morgens ging es von unserem Liegeplatz am Alten Donaukanal mit den beiden Schleppern Richtung Letea. Wieder bogen wir in den Letea-Kanal ein und genossen erneut die reichhaltigen Vorkommen der besonderen Vogelarten in diesem Lebensraum. Nach einem umständlichen Landemanöver vor Letea stiegen wir auf zwei archaische Traktoren mit Anhängern um und setzten uns einer abenteuerlichen Fahrt durch den zwar botanisch interessanten aber im Moment doch sehr staubigen Letea-Wald aus. Bei gut angeschlagenem Tempo und mächtigem Geruckel mussten wir auf Kommando die Köpfe einziehen, um sie nicht durch niedrig hängende Zweige abrasiert zu bekommen. Am Ziel angekommen, wanderten wir - leider mit unserer sehr großen Gruppe- durch ein streng geschütztes Gebiet mit besonderen Baumarten wie Quirl -Esche ( Fraxinus angustifolius ssp. danubialis) und Pallis - Esche (Fraxinus pallisae) und ungewöhnlichen Eichenarten wie Graue Stieleiche (Quercus pedunculiflora), einer Lianenart Orientalische Baumschlinge (Periploca graeca), die bis zu 25 m lang werden kann, und besonderen Ulmen und Erlen. Wir fanden spezielle Orchideenarten und bewunderten die mächtigen Dünen, die anzeigen , dass hier einmal die ehemalige Küstenlinie verlief. Muschelstücke im Sand zeugten davon, dass es sich hier vor Tausenden von Jahren um Meeresboden handelte, der sich seitdem angehoben hat und dieses weiträumige Dünenrelief entstand mit vielen endemischen Pflanzen- und Tierarten.
Ein Problem ist z. B. die Vermehrung der Jagdfasane, die die frischen Schösslinge fressen und zur Beeinträchtigung der Fauna beitragen. Neben uns geläufigen Säugetierarten dringt auch der Gold-Schakal in diese Gebiete ein, der nicht gerne gesehen wird. Einen Teil des Rückweges nach Letea legten wir zu Fuß zurück, konnten verschieden Kleinvögel „verhören „ wie Waldlaubsänger, Gelbspötter, verschiedene Grasmückenarten etc. Die Gruppen verliefen sich etwas, wir ließen noch einmal den Ort auf uns wirken und konnten gegen Abend nach einem schwierigen Ablegemanöver, wobei der eine Schlepper auf Grund lief, schließlich unsere Hotelschiffe erreichen.


:arrow: 16. Mai 2008

Früh ging es mit den Hotelschiffen zum nächsten Liegeplatz Mila 23, der im Bereich des westlicheren Donaualtarmes gelegen ist. Kurz vor Mittag unternahmen wir noch eine Schlepperfahrt zum Pelikansee Lacul Trei lezere, auf dem aber keine Pelikane zu sehen waren. Eugen füllte die Beobachtungslücke mit einigen Döntjes . Nachmittags gab es dann eine kombinierte Schlepper-und Bootsfahrt zu einem Seenbereich, wo wir viele Seeschwalben und dieses Mal auch verschiedene Taucherarten beobachten konnten. Im Uferbereich konnte man innerhalb der hohen Baumgalerien Horste ausmachen, die wohl ursprünglich von einer Saatkrähenkolonie herrührten und nun eine „mixed colony“ mit Kormoranen, Löfflern, Braunen Sichlern usw. darstellten.

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Leider konnten wir keine auffliegenden Löffler entdecken , aber die vielen Seeschwalbenarten, die sich auf den See-und Teichrosenblättern in Brutvorbereitung niederliessen, gaben einen Vorgeschmack auf das reiche Brutgeschäft, welches hier im Juni zu beobachten ist. Im Wasser schwammen die Früchte der Wassernuss, die meterlange Unterwassersprosse ausbildet.

Interessant sind die sogenannten „plauri “, die eine reichere Vegetation zeigen als die übrigen Schilfbestände, da sie niemals überflutet werden sondern mit dem Wasserspiegel mitsteigen können. So sind sie auch für Brutvögel interessant , da das Gelege weniger leicht verloren geht. Abends gab es noch einen interessanten Powerpoint-Vortrag von Eugen mit hervorragenden Bildern seines Sohnes Daniel aus der Vogel- und Pflanzenwelt des Donaudeltas.


:arrow: 17. Mai 2008

Vormittags unternahmen wir eine Fahrt mit beiden Schleppern zum
Grindul Stipoc, einem alten Festlandskern südlich des Chilia-Donauarmes.
Hier gab es endlich wieder einmal einen ausführlichen Landgang. Die Wanderung führte auf einem Deich entlang, der von einem breiten Entwässerungsgraben begleitet wurde und entlang ausgedehnter Weideflächen mit Pferden und Rindern führte. Markanter Baum an den Deichhängen war die Ölweide, die wohl aber auch kultiviert war. Gleich zu Beginn des vegetationsreichen Feuchtgebietes gelangen schöne Beobachtungen und Fotos zweier Zwergdommeln.

Uns begleiteten die Erregungsrufe der Rotfußfalken und sogar Kopulations-
versuche konnten beobachtet werden. Wir konnten die Horste ausmachen und das lebhafte Balzgehabe der Falken begleitete unsere Wanderung . Auch die Esel auf der angrenzenden Weide schienen Frühlingsgefühle zu entwickeln, wer sollte sich davon nicht anstecken lassen. Auf den trockenen Ölweidenzweigen saßen einige Schwarzstirnwürger, in den Feuchtgebieten gelang die sensationelle Entdeckung hier seltener Kuhreiher (Erstbeobachtung dieser Reise) und Trupps Brauner Sichler fanden im hohen Gras ihr Futter.

Auch unsere Botaniker und Insektenfreunde kamen auf ihre Kosten (Große Pechlibelle, Feuerlibelle etc.) Eine große Schafherde mit urigen Schäfern und langhaarigen Hunden rundeten den Eindruck einer schönen ländlich geprägten Landschaft ab.

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Nach einem reichhaltigen Mittagessen mit typisch leckerer Fischsuppe fuhren wir mit den Hotelschiffen zum Lacul Fortuna und ankerten an einer kleinen Insel. Gegen Abend wurde die Gruppe gesplittet und etwa die Hälfte fuhr mit Schlepper und kleinen Booten in die nähere Umgebung . Wir glitten durch wilde, pflanzenreiche Wasserarme und waren beeindruckt von der sumpfigen Landschaft mit vielen Teich- und Seerosen. Auf dem Fortunasee genossen wir das schöne Abendlicht , erfreuten uns an Zwergscharben, Reihern, Pelikanen und an den Rufen des Pirols.

Für unseren Krebsspezialisten Manfred gab es eine spritzige Sondertour.
Abends erfuhren wir noch an Hand eines Vortrags Wissenswertes über den Gesamtverlauf des Donauflusses von Norbert, danach sahen wir von Adolf aufbereitete Bilder von der NABU-Tour 2007 nach Spanien.

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:arrow: 18. Mai 2008

An diesem Tag war eine längere Fahrt mit den Hotelschiffen über
sechs bis sieben Stunden erforderlich, um die Schiffe über den Sulina-Arm wieder in den Tulcea-Arm hineinmanövrieren zu können. In der Nähe von
Nufaru sollten die Schiffe für drei Nächte vor Anker gehen. Die lange Fahrt entlang der Kanäle , während der man lesen und beobachten, Wissenswertes aufarbeiten, der Ruhe pflegen und die Natur genießen konnte, hatte etwas Entspannendes an sich und wurde deshalb auch bei immer zur Verfügung stehenden Getränken durchaus genossen. Die Vogelbeobachtungen unterwegs beim langsamen Dahingleiten brachten jedoch immer wieder spannende Momente. Am Zielort angekommen, konnte man ein wenig an Land umherstreifen, wobei der etwas staubige und auch leicht verdreckte Wald nicht so sehr einladend war. Trotzdem rief abends die Wechselkröte und auch Sprosser, Gartenrotschwanz und andere Kleinvögel liessen sich hören.


:arrow: 19. Mai 2008

Morgens Fahrt mit dem Schlepper nach Nufaru, denn heute sollte es mit dem Bus in die Dobrogea gehen. Wir fuhren über Tulcea und Babadag nach Histria. Unterwegs erzählte Eugen einiges über die wechselvolle Geschichte und die Bedeutung dieser Gegend. Der Ortsname Babadag stammt aus der Zeit der türkischen Besatzung, die über 400 Jahre dauerte. Westlich von Babadag erstreckt sich über ein riesiges Gebiet der Babadagwald, der als einziges Waldgebiet dieser Gegend unter Schutz steht. Hier gab es noch Brut des Kaiseradlers, die aber vor etwa 5 Jahren erloschen ist. Das Holz der alten Eichen wurde vom Sultan für den Schiffbau verwendet, daher der Name Sultanswald. Vor Histria durchwanderten wir ein wunderbares, sehr vogelreiches Steppengebiet. Es gelangen begeisternde Beobachtungen von Kalanderlerchen, die durch ihre schwarzen Unterflügel mit weißem Rand leicht zu bestimmen waren.

Wir konnten endlich Triele ausmachen, eine unserer Zielarten an diesem Tag, und auch einige Rotflügelbrachschwalben erfreuten unser Orni-Herz. In den eher schütteren Schilfbeständen war häufiger der Feldrohrsänger zu hören und zu beobachten, der in dichten, höheren Schilfbeständen vom Drosselrohrsänger verdrängt wird. Es gelangen Beobachtungen vom
Brachpieper, Schwarzstirnwürger und den possierlichen Zieseln.

In der Sonnenwärme des Tages konnte man den Steppencharakter dieses Gebietes mit den melancholischen Rufen und Gesängen sehr gut erfühlen.
Die Besichtigung der griechischen und römischen Ausgrabungen von Histria zeigte uns, welch große Bedeutung dieses Gebiet immer wieder hatte.

Uns lockte allerdings die Beobachtung der Würfelnattern, die im Wasser amStrandbereich umherschwammen , ihre Köpfe herausstreckten zum Atmen und versuchten, Fische zu fangen- ein beeindruckendes Schauspiel, welches man nicht so leicht vergisst.

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Foto: Claus Gülzow



:arrow: 20. Mai 2008

Heute setzten wir wiederum mit dem Schlepper zu dem kleinen vielleicht typischen Hafen von Nufaru über und fuhren mit dem Bus zu einer Anhöhe in der Nähe von Somova mit einem wunderberen Blick auf die Donauniederung , einem geheimen Platz von Eugen. Wir genossen sehr das reiche Vogelleben an zwei Bienenfresserkolonien, die mehrere Untermieter hatten wie Steinkauz, Blauracke, Turmfalke und Stare. Ein beeindruckendes Naturschauspiel lief vor unseren Augen ab: ca. 500 Kormorane formierten sich zu einer Gemeinschaftsjagd auf dem Gewässer unter uns zusammen, daraufhin stießen große Mengen Rosa Pelikane dazu, um an der Jagd zu partizipieren. Obwohl die Formierung sich noch eine Weile fortsetzte, kam es nicht richtig zu einem Jagdgeschehen, die Pelikane begannen von dannen zu ziehen und auch einige Silberreiher folgten ihrem Beispiel. Danach überraschten uns mehrere Trupps Rosenstare, die in die Pappelreihe einfielen und sehr gut zu beobachten waren. Von diesem herrlichen Platz konnten wir uns nur schwer trennen.
Nach dem Picknick ging es zu einem offenen Hang mit lockerem Eichenbestand, Gebüschreihen und offenem Gelände. Hier konnten wir den
Ortolan verhören, dessen Gesang einen deutlich anderen Dialekt aufwies.
Eugen versuchte, die Trauermeise anzulocken, was aber zumindest in diesem Bereich nicht gelang. Ein Highlight war dann aber die Beobachtung eines immaturen Steinadlers, der über unsere Köpfe dahinstrich. Auch Kurzfang- sperber wurde zum ersten Mal gesichtet. Nachdem wir viele Grauammern, Ortolane und Neuntöter bestimmt hatten, gelangen sehr gute Sichtbeobachtungen von Sperbergrasmücken.

Auch die sonstige Fauna und Flora war sehr interessant, eine schöne Perleidechse konnte fotografiert werden und eine sehr große kupferfarbene Grille beeindruckte uns, die bisher noch nicht bestimmt wurde. Unser rumänischer Reiseleiter war betrübt darüber, dass das wunderbare Paeonienfeld durch Abpflücken zerstört und nur wenige Exemplare noch übrig waren. Wir schlugen einen Bogen den Hang hinunter und in der Nähe des Baches wurden noch Wendehälse beobachtet und
gehört.

Danach ging es ins Gelände eines älteren Klosters , welches von Nonnen geführt wird und recht modernisiert wirkte. Die schöne Klosterkirche gab zu einigem Nachdenken über die Rumänisch-orthodoxe Kirche Anlass. Im Umfeld des Klosters verhörten und sahen wir die Trauermeise und Sabine entdeckte einen Kleinspecht. Die schönen Beobachtungen klangen noch nach, als wir dann im Hafen einen Steinkauz an einem Dach sitzen sahen.

Ein Bus voller junger männlicher „gipsies“, die wohl zu ihren Behausungen am anderen Ufer gebracht werden sollten, stimmte uns sehr nachdenklich. Waren sie eigentlich integriert ?


:arrow: 21. Mai 2008

Leider brach der letzte Exkursionstag an. Unser Ziel war ein Waldbereich mit offenem Mischwald und vielen Orchideen, der zum Babadagwald gehört. Die trockneren und besonnten Gebiete sind ein bevorzugter
Lebensraum der Hornviper,die auch dem Menschen sehr gefährlich werden kann.

Unser Reiseleiter Eugen sprang erst einmal auf dem Boden umher, um die Tiere zu verscheuchen, wir konnten aber zwei Schlangen sichten. Die Blütenstände der Orchideen waren leider z.T. abgeschnitten, es gab aber
noch einige schöne Exemplare des Purpurknabenkrautes, auch das Weiße Wald-Vögelein war in einigen schönen Pflanzen zu bewundern so wie die Grünliche Waldhyazinthe und eine Dingelart.

Nachmittags ging es zu einem etwas höher gelegenen Steppenbereich, der mit seinem Reichtum an ungewöhnlichen und besonderen Vogelarten uns sehr begeistert hat. Eine erste interessante Beobachtung war ein Isabellsteinschmätzer, der in der Nähe seines Nistplatzes warnte und für viele von uns eine neue Steinschmätzerart darstellte. Überraschend waren die vielen Brachpiepervorkommen, eine Art, die bei uns doch sehr selten geworden ist. Auch die Kurzzehenlerche konnten wir bewundern und ihren Gesang üben.
Mit den Kleinvögeln beschäftigt, tauchte plötzlich ein Kurzfangsperber mit
Beute in Augenhöhe auf, sodass wir die Merkmale gut erkennen konnten.
Es war überhaupt ein Greifvogeltag, denn plötzlich zogen gleich zwei
Schreiadler über unsere Köpfe, die wir sehr gut bestimmen konnten, dann noch Adlerbussarde und die helle Morphe eines Zwergadlers - phantastisch.

Abends gab es eine große Verabschiedungsfeier, alle dienstbaren Geister
wurden beschenkt, Eugen bekam einen reichbestückten Umschlag und alle, die uns bei der Reise unterstützt hatten, besonders unser Norbert, wurden belobigt. Danach saßen wir noch lange zusammen , feierten ein wenig und ließen diese schöne Reise ausklingen.


:arrow: 22. Mai 2008

Heute am Abreisetag klingelte der Wecker um 4.00 Uhr. Nach einem provisorischen Frühstück musste eine etwa sechsstündige Busfahrt durchgestanden werden, bevor wir unseren Flug Bukarest -
München antreten konnten. In München verabschiedete sich ein Teil der
Mannschaft, der größere Trupp wurde in Eilmärschen von zwei Stewar-
dessen durch den Flughafen gelotst und erreichte mit knapper Not den
Flieger. Nach kurzem Flug hatte Hamburg uns wieder.

Eine sehr interessante, beobachtungsreiche Reise lag hinter uns.

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Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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