tauchen wird immer beliebter

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Alice
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tauchen wird immer beliebter

Beitrag von Alice » 20 Okt 2009 22:35

Ich habe seit 2 Jahren meinen Tauchschein und hatte auch die Chance einige tolle Orte zu betauchen.

Mir ist aufgefallen das an bekannten Orte wie z.B. das Great Barrier Reef der Touristenandrang von Tauchern und Schnorchlern sehr hoch ist. Ist ja auch klar, super Riff und tauchen ist ein klasse Sport. Eigentlich super, je mehr das Wasser genießen, desto mehr sind aufgeklärt, wie empfindlich das Meer ist.

Nur wurde mir eher schlecht, als ich dann auf einem Boot mit 40 anderen Leuten ins Wasser geschmissen wurde und um uns herum waren auch weitere Tauchboote. Das Riff sah dementsprechend dann auch aus...Beim Briefing wurde zwar angesprochen, dass man vorsichtig sein solle, aber den Überblick hatte wohl keiner mehr so richtig.

Auch an anderen Orten hab ich oft gesehen, wie Taucher Tiere anfassen, mit ihnen "spielen" (zB eine Nacktschnecke) oder sich für ein Foto in die Korallen setzen....
Der Naturschutz wurde zwar immer großgeschrieben, aber ich hatte eher das Gefühl, dass eher "mehr Touristen = mehr Geld" wichtiger ist.

Was denkt ihr? Habt ihr auch schon häufig solche Erfahrungen gemacht??

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RogerT
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Beitrag von RogerT » 21 Okt 2009 09:15

Hai Alice,

Tauchen ist ein In-Sport geworden und die meisten Taucher sind reine Urlaubstaucher, die, neben anderen Fun-Sportarten im Urlaub, auch mal tauchen. Diese Gruppe stellt so ca. 90% aller Sporttaucher.

Daneben gibt es die Sporttaucher, wo das Tauchen meist der einzige Sport ist und der auch intensiv ausgeübt wird. Das ist der Rest der Sporttaucher, also rund 10%.

Bei der ersten Gruppe, also den Gelegenheitstauchern, hat das Tauchen im Urlaub (und auch sonst) keinen sehr hohen Stellenwert, es ist an entsprechend lohnenden Urlaubszielen Mittel zum Zweck (bunte Fische gucken). Die Ausbildung dieser Leute ist entsprechend schwach, sie bekommen auch meist nur eine rudimentäre Ausbildung, um nicht gleich kläglich abzusaufen - Tauchen kann man das meist nicht nennen.

Auch sind sie auch nicht willens und in der Lage, tauchsportmäßig etwas dazu zu lernen. "Lohnt nicht für die paar Tauchgänge im Jahr" oder "da ist ja ein Guide mit, der passt schon auf" sind da die meist angebrachten Floskeln; zur Beruhigung für das eigenen Gewissen wird da der Guide vorgeschoben; nach dem heute allgemein gültigen Prinzip: Schuld sind immer die anderen.

So gibt es viele "Taucher", die schon seit 10 Jahren oder länger tauchen, aber im Schnitt pro Jahr auf vielleicht gerademal 5 bis 10 Tauchgänge kommen; schau dir mal nach einem Tauchgang in solchen Urlaubsgebieten die Logbücher der Mittaucher an... das sind tauchtechnisch gesehen ewige Anfänger. Die können weder richtig tarrieren noch sich unter Wasser einigermaßen frei und sicher bewegen. Das macht aber nichts, hauptsache es macht Spaß. Heute gehen sie tauchen, morgen kommt die Quad-Tour in die Wüste und übermorgen geht es auf den Golfplatz; Tauchen ist da nur eins von vielen Zerstreuungen im Urlaub und so eine abgeschlagene Koralle? "Die wächst schon wieder an", "die Natur macht das schon" oder "die war schon vorher kaputt"... solche oder ähnliche Sprüche bekommt man dann zu hören.

Denn leider übersehen diese Leute, welchen Schaden sie anrichten. Sie treten in Massen auf und werden von Guides auch in Massen durch die Riffe geführt. Dazu kommt noch das fehlende Umweltbewusstsein, das gerade bei vielen asiatischen Völkern leider auch ziemlich extrem ist. Natur und Tiere haben dort einen völlig anderen Stellenwert als bei uns und zählen meist nichts. So ist es immer wieder ein Graus, wenn ich irgendwo in Asien einer japanischen Tauchgruppe begegne - das Riff kann man danach vergessen. Da setzen oder stellen sich dann schon mal 10 Taucher in 20m Tiefe auf ein intaktes Riffdach und einer fotografiert die dann... oder die holen ihre kleinen Teleskopstangen raus und stochern damit ängstliche Bewohner aus ihren Riffhöhlen für ein Foto...
Das alles habe ich aber auch schon bei deutschen Tauchern gesehen, wir sind da zum Teil nichts besser.

Die Guides, meist ebenfalls oberflächlich und schnell ausgebildet, können oft nur etwas besser tauchen als ihre Klientel, mehr aber auch nicht. Und sie können daher bei den Massen an Tauchern, die sie da täglich durch die Riffe schieben, überhaupt nicht agieren, die schwimmen nur vorne weg und zeigen den Weg - mehr ist da nicht drin. Das dahinter jeder dritte Taucher mit seinen Flossen die Korallen abschlägt, bekommen die dabei auch nicht mit (die Taucher mangels Erfahrung übrigens auch nicht).

Und die 10% der erfahrenen Taucher, die bei jedem Tauchgang auf ihre Tarierung, den Schwimmstil und die Umwelt achten, fallen da schon nicht mehr weiter auf. Wegen denen steht eine abgeschlagene Koralle auch nicht mehr auf.

Sorry, das ist leider so.

Gruss
Roger

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Dr. Robert Hofrichter
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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 21 Okt 2009 09:32

RogerT hat geschrieben:Sorry, das ist leider so.
Das ist ein ernstes Thema, danke für diese Diskussion.

Ich halte mich wie viele andere für umweltbewusst. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, sind unsere Vorstöße ins Riff dennoch umweltschädigend. Und in die Natur überhaupt, es kann sich ja auch um eine Blumenwiese oder um ein Moorgebiet handeln ...

Oft sind alte Hasen, etwa die Filmer und Fotografen, nicht besonders zimperlich, wenn es darum geht ein gutes Foto zu kriegen ... Mir wird es auch immer wieder bewusst. Unser Problem ist, dass wir zu viele sind ..., die wir die Unterwasserwelt für uns entdecken wollen. Die Schäden, die sonst unbedeutend wären, summieren sich ...

Bewusstseinsbildung ist auf jeden Fall ganz wichtig, so wie ihr es durch eure Beiträge gemacht habt :) Dennoch bleibt es nur ein Aspekt aus einem breiten Spektrum von Problemen ... manche von ihnen sind wohl noch viel verheerender als wir Taucher, was aber nicht bedeutet, dass wir weniger aufpassen und darüber nachdenken sollten ...
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Beitrag von Alice » 21 Okt 2009 11:38

Allein mit einem Boot rausfahren schädigt ja schon, gerade Sonar...
Ist schon deprimierend, sollte ja eher was gutes sein, Leute zum tauchen zu begeistern, aber geht ja eher nach Hinten los!!

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Beitrag von Wolfgang Suchy » 22 Okt 2009 15:55

Hallo Alice,
am meisten kann man meines erachtens ändern, wenn man selber ein Vorbild ist. Dann kann man auch erst die anderen auf ev. Fehler aufmerksam machen.
In einigen Gegenden gibt es ja auch biologische Tauchgänge. Umso mehr Leute man dazu bewegen kann, umso besser.
Das die Taucher Geld bringen ist ganz klar, und natürlich sind da auch alle Tourismusverantwortlichen der entsprechenden Länder hinterher.
Aber das ein schonen der Resource Riff auf dauer etwas bringt, beginnt sich leider erst durchzusetzen.
Die Problematik beginnt aber schon in den betroffenen Gebieten, wo zB Hotels schon mal in die Naturschutzzonen gebaut werden. Wege durchs Riff gesprengt werden, damit die Schwimmer und Schnorchler ins Wasser kommen. Bauschutt ins Meer gekippt wird....

Ich war 1990 das erste mal in Hurgada, da gab es kein Gebäude das höher als 2 Stockwerke war. Und heute? WIe sehen die Riffe aus? Damals wurde begonnen Bojen zu montieren, damit die Riffe geschützt werden, die haben die Fischer in der Nacht für Ihre Netze abgeschnitten...
Wie war Gabr el bint in Dahab vor ein paar Jahren?
Ein genialer Spot nur mit einem 2 stündigen Kameltrek zu erreichen.
Fischschwärme, Schildkröten, Haie...
Heute legen dort zig Tagesboote an.
Sieht halt jetzt aus wie ein 0815 Riff. Traurig.

Roger hat leider sehr recht, die Ausbildung soll schnell gehen, und dann dürfen wir eh alles...
In Marsa alam designen meine Freundin und ich schon unser eigenes Riff mit all den abgebrochenen Korallenstücken. Wenn man sie an einer
ensprechenden Stelle wieder befestigt, wachsen sie wieder an und haben eine Überlebenschance.
Aber im Großen und Ganbzen kann man nur direkt bei den Tauchern was ändern. Entweder in der Aubildung, oder einer verpflichtenden Weiterbildung.

LG,
Wolfgang
der zu den begeisterten 10% gehört, selber Tauchlehrer ist und morgen nach Sulawesi fliegt :wink:

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Beitrag von Alice » 23 Okt 2009 13:56

Hallo Wolfgang!

Danke für deine Antwort!
Ein ruhiges geschütztes Fleckchen wird immer schwieriger zu finden...

Das mit deinem eigenen Riff is ja klasse. Würd mich über mehr Infos freuen, baut ihr das an einem Wrack o.ä. an?? Wie befestigt man die Korallen??

Sulawesi! ganz großer neid kommt da auf...wahrscheinlich bei allen, bei denen der Winter näher rückt!!
Viel Spaß :)

lg

Christian Voll
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Beitrag von Christian Voll » 23 Okt 2009 17:18

Hallo an alle

Das Wesentliche wurde schon gesagt. Will nur daraufhinweisen, dass man nicht prinzipiell auf alle 90% schimpfen soll, wenn man zu den 10% gehört.
Persönlich gehöre ich eher zu den 90%, weil ich eben hauptsächlich im Urlaub tauche, wenn es sich anbietet. Letzten Monat war ich u.a. auf Mafia (Insel südlich von Sansibar) und bin seit längerem einmal wieder getaucht. Ich hatte sehr viel Respekt vor meiner Umgebung und wollte, was ich gesehen habe, nicht nur genießen, sondern (gehört eigentlich zum genießen dazu) auch ganz gerne verstehen. Ich hatte keinen Kontakt mit irgendetwas (außer dem Wasser :) ) und es war insgesamt wunderschön und auch lehrreich für mich.

Also, bitte nicht zu pauschal auf die 90% draufklopfen, ok...? :?
Der Urlaubstaucher ist sozusagen eine Spezies mit Verhaltensdiversitäten bzw. "nur" eine Gattung....

Grüße von Christian
wild ist wunder bar

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Beitrag von Alice » 24 Okt 2009 10:22

Hallo Christian!

Ich bin mir ziemlich sicher das es nicht so rüber kommen sollte, dass alle Urlaubstaucher = "Zerstörer" sind! Obwohl wir alle schon einen gewissen Teil dazu tragen, wie Robert schon erwähnt hat.

Ich gehör auch zu den Urlaubstaucher (bis jetzt ;)) und verhalte mich respektvoll und pass auf, wie du es auch tust. Ich mach nebenbei ab und an mal einen kleinen Tauchkurs, um wieder reinzukommen/ mich zu verbessern.
Ich fühle mich daher nicht so angesprochen...

LG

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Maximilian Wagner
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Beitrag von Maximilian Wagner » 24 Okt 2009 17:56

Ich denke das eine gute Selbsteinschätzung das wichtigste ist. Viele Taucher überschätzen sich und kommen dann in Situationen (Strömungen etc.) wo sie einfach keine Kontrolle mehr über sich selbst haben.

Ich hab die ganze Situation erst heuer wieder miterlebt. Wichtig für die meisten Taucher ist es möglichst tief zu gehen und wenn möglich in besonderen Strömungen zu tauchen, weil sich ja da bekannnterweise häufiger Großfische versammeln. Und genau da ist das Problem.

Auch ist oft bei vielen Tauchbasen das Problem das an erster Stelle eben Geld ist. Heuer zum Beispiel wurden wir zu zwanzigst auf ein Boot gestopft während auf dem anderen Boot nur 6 russische Touristen waren, die das Boot wahrscheinlich gemietet haben.

Wenn man die Leute aufteilen würde, dann würde Unterwasser nicht so viel los sein und man müsste sich nicht so sehr auf das konzentrieren was die anderen machen, sondern nur auf sich selbst. Es ist nämlich nur zu oft passiert, dass andere Taucher in einen hineintauchen und dich stoßen und so zu einer Gefahr, sei's für die Umwelt oder für dich selbst, werden

Natürlich ist die richtige Tauchausbildung auch ein entscheidender Faktor. Aber wenn ich weiß, dass ich nicht fähig bin an speziellen Spots zu tauchen zwingt mich ja keiner dazu. Es ist jedem selbst überlassen wohin er tauchen gehen will und wie gut er sich einschätzt. Ich muss mich ja nicht für einen Strömungstauchgang entscheiden, wenn ich es mir nichteinmal selbst zutraue.

Beispielsweise ist es heuer vorgekommen, dass am selben Boot zwei Italiener waren, die sich selbst als gute Taucher einschätzten und daher keinen Guide benötigten, bei einem wirklich einfachen Riff (linke schulter hin, rechte schulter zurück) und bei keiner Strömung, gleich zwei mal vom Zodiak abgeholt werden mussten, weil sie nicht mit 100 Bar ungekehrt sind. Da stellt sich mir schon die Frage, warum sie nicht einfach einen Guide genommen haben !?!?

Es bringt aber auch Vorteile mit sich. Speziell einige Menschen nehmen sich die neue Umgebung ans Herz und beschäfigen sich mit ihr. Und das sind dann genau die Menschen die ihre Umwelt dann (seis beim Tauchen oder auch Oberwasser) respektieren und schätzen.

Maxi
In der Natur durchströmt den Menschen trotz all seiner Sorgen natürliches Wohlbehagen. Ralph Waldo Emerson

Christian Voll
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Beitrag von Christian Voll » 26 Okt 2009 18:04

Ich fühle mich daher nicht so angesprochen...
Hallo Alice
Das passt gut zu meiner Mail, weil Du ja auch gar nicht angesprochen warst. Was ich meinte, war eher Rogers Beitrag.
Tauchen ist ein In-Sport geworden und die meisten Taucher sind reine Urlaubstaucher, die, neben anderen Fun-Sportarten im Urlaub, auch mal tauchen. Diese Gruppe stellt so ca. 90% aller Sporttaucher.
...schau dir mal nach einem Tauchgang in solchen Urlaubsgebieten die Logbücher der Mittaucher an... das sind tauchtechnisch gesehen ewige Anfänger. Die können weder richtig tarrieren noch sich unter Wasser einigermaßen frei und sicher bewegen. Das macht aber nichts, hauptsache es macht Spaß. Heute gehen sie tauchen, morgen kommt die Quad-Tour in die Wüste und übermorgen geht es auf den Golfplatz; Tauchen ist da nur eins von vielen Zerstreuungen im Urlaub und so eine abgeschlagene Koralle? "Die wächst schon wieder an", "die Natur macht das schon" oder "die war schon vorher kaputt"... solche oder ähnliche Sprüche bekommt man dann zu hören.
Irgendwie fand ich den Beitrag zu einfach. wahrscheinlich gibt´s Rücksichtslose bei den Tauchprofis UND bei den Urlaubstaucher. Der beste Start in dieses Thema ist, sich selbst einmal kritisch zu hinterfragen. Und da hat mir Roberts Beitrag ganz gut gefallen.
Ich halte mich wie viele andere für umweltbewusst. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, sind unsere Vorstöße ins Riff dennoch umweltschädigend.
Ein respektvoller Umgang mit der Natur ist eine notwendige, wenn auch nicht zwingend hinreichende Grundvoraussetzung für ihren Erhalt. Aber der Respekt lässt sich eben nicht an der Zahl der Tauchgänge ablesen. Mehr wollte ich nicht sagen.

:) Herzliche Grüße, Christian
wild ist wunder bar

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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 26 Okt 2009 20:32

Christian Voll hat geschrieben: Aber der Respekt lässt sich eben nicht an der Zahl der Tauchgänge ablesen.
... gut gesprochen! :)
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Beitrag von RogerT » 28 Okt 2009 14:17

Hai,

ich melde mich noch einmal dazu:
Das Wesentliche wurde schon gesagt. Will nur daraufhinweisen, dass man nicht prinzipiell auf alle 90% schimpfen soll, wenn man zu den 10% gehört.
Es sollte kein pauschales Schimpfen sein, sondern nur der Versuch, das Verhalten vieler (und einiger) zu beleuchten. Ich tauche jetzt seit 1968 und habe seitdem sehr viel erlebt und gesehen. Ich weiss aber auch, das dieses Thema immer eine Gratwanderung zwischen Realität und Vorurteil ist...
Persönlich gehöre ich eher zu den 90%, weil ich eben hauptsächlich im Urlaub tauche, wenn es sich anbietet.
Das ist der Unterschied zu den von mir aufgeführten Urlaubstauchern; du tauchst im Urlaub, weil es sich anbietet, aber du warst schon prinzipiell bereit, zu tauchen. Die reinen Urlaubstaucher, die ich meinte, haben Tauchen von vornherein nicht geplant; das ergibt sich so, weil z.B. eine Tauchbasis die Leute gezielt anspricht. Für die ist Tauchen reine Nebensache, die man auch mal mit macht - also neudeutsch ein Event unter Vielen. Entsprechend gleichgültig gehen die da auch ran. Das erklärt auch den Unterschied in der Betrachtungsweise des Tauchsports in z.B. Deutschland und den USA: in Deutschland ist Tauchen allgemein gesehen ein Sport, in den USA ist es eine Freizeitbeschäftigung... danach richtet sich auch die Ausbildung und die allgemeine Einstellung.

In dem Ursprungsthread von Alice wurde das Great Barrier Reef angesprochen. Da ist es extrem, weil dort jeder Urlauber, ob jung oder steinalt, zum Fischegucken versenkt wird. Die meisten davon werden auch nie wieder tauchen, die wollten nur dort das Angebot annehmen, weil es dort etwas besonderes ist. Diesen Leuten kann man keinen Vorwurf machen, hier ist die Kommerzialisierung Schuld; die Veranstalter wollen Einnahmen um jeden Preis, das die Riffe platt gemacht werden, ist denen egal, es gibt dort noch genügend unberührte Natur... zynisch, aber ist so.
Ich hatte sehr viel Respekt vor meiner Umgebung und wollte, was ich gesehen habe, nicht nur genießen, sondern (gehört eigentlich zum genießen dazu) auch ganz gerne verstehen. Ich hatte keinen Kontakt mit irgendetwas (außer dem Wasser Smile ) und es war insgesamt wunderschön und auch lehrreich für mich.
So gesehen gehörst du in keine der beiden Gruppen, sondern liegst irgendwo dazwischen - da war mein Beispiel mit den beiden Gruppen wohl etwas zu einfach...
Also, bitte nicht zu pauschal auf die 90% draufklopfen, ok...
Pauschal sowieso nicht, wie gesagt, es ist eine Gratwanderung und kommt hier aus jahrelanger Beobachtung der Tauchszene. Viele Guides in z.B. Ägypten sind da mit ihrer Meinung noch viel härter und halten 99% der Taucher in Ägypten für unfähig... aus diesen Meinungen spricht schon eine gehörige Portion Frust (dieses Meinungsbild kam übrigens immer von Guides, die den Schutz der Riffe noch richtig Ernst nehmen, auch bei den Guides gibt es einen Wandel hin zum gleichgültigen...).

Natürlich fließt in dieses Verhalten der Urlaubstaucher auch eine allgemeine Gleichgültigkeit mit ein, die ja auch über Wasser immer mehr um sich greift. Umweltschutz will jeder, der Nachbar soll sofort damit anfangen...

Dieses Thema lässt sich noch beliebig in allen Feinheiten aufdröseln.
Nur wem ist damit geholfen?
Als Fazit sollte man sich vornehmen (und auch umsetzen), daß man Taucher (gilt für alle, auch gleichgültige Urlaubstaucher) auf ein umweltschädigendes Verhalten, wenn man es denn beobachtet hat, hinweist; nicht im Schulmeisterton, das schreckt ab und wirkt arrogant, sondern ruhig und sachlich versuchen zu überzeugen. Und wer sich etwas mit fernöstlicher Lebensweise auskennt, kann das Ganze noch suggestiv verpacken, das dem Ertappten eine Fluchtmöglichkeit bleibt, um das Gesicht tu wahren... macht die Einsicht und Umsetzung für ihn einfacher...

Gruss
Roger

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Beitrag von Wolfgang Suchy » 17 Nov 2009 08:27

Hallo,
melde mich wieder zurück.
Haben im Urlaub ja auch wieder einiges zu dem thema erlebt.

Von Leuten die schon 20 Jahre tauchen, bis zu Pensionisten, die vor 2 Jahren angefangen haben....

Der Respekt vor der Umwelt / Unterwasserwelt ist halt leider unterschiedlich ausgeprägt.

Ich fotografiere gerne, aber im Gegensatz zu anderen, muß ich das Pygmie nicht mit dem Stick stubsen, damit es am Foto gut rauskommt.
Wenn es nicht geht, dann eben nicht.

Gerade in Lembeh und Bangka sind uns die Unterschiede extrem aufgefallen.

Da gibt es Guides, die suchen nur indem sie die Sand- und Seegrasflächen mit dem Stick abfächern, und solche die genau wissen wo sie schauen müssen.

Wir hatten zeitweise einen, der hat uns nach 50 Minuten das erste Tier gezeigt. Wir hatten vorher aber schon Mimikrioctopus, Sepia und eine als Algenbüschel getarnte Krabbe gesehen, und sind kaum nachgekommen mit schwimmen und fotografieren.

In Lembeh hat zB die Marine die dortigen Basen aufgefordertn je einen Guide für einen Tag zu stellen, da die Marinetaucher einen Urlaubstatuchgang nachen wollen.....

Es gibt eine Abmachung innerhalb einiger Basen, das nicht mehr als 15 Taucher gleichzeitig auf einem Spot tauchen. Mit einem Guide und max 4 Tauchern, manche auch nur mit 2. Wenn noch ein Schiff kommt, sucht es sich eben einen anderen Spot.

Andere Basen dort kommen mit einem Schiff und haben 2 Guides für 15 Taucher.....

Was das "eigene" Riff angeht, es reicht wenn man die Korallenstücke in ein entsprechendes Loch steckt, oder an stark strömenden Stellen etwas hineindrückt. Dann können sie ganz gut anwachsen.

In Bangka haben wir sehr viele abgebrochene T. micrantha
http://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/ ... rantha.htm gefunden.
Eine sehr langsam wachsende Koralle, die sich azooxanthell ernährt.
Wenn da ein Stück abbricht dauert es viel länger bis es wieder an- oder nachwächst, als bei Acropora und co. Und umso schlimmer ist es, wenn dann Taucher ganze Äste einens Stockes abbrechen und diese im Sand absterben.

Im Aquarium wird ganz einfach ein bißchen 2 Komponentenkleber genommen und ein Fragment auf einen Stein geklebt.

LG,
Wolfgang

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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 17 Nov 2009 09:11

Hallo Wolfgang

danke für Deinen Bericht :)
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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