Nässe lässt selbst Geckos rutschen

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mare-mundi Redaktion
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Nässe lässt selbst Geckos rutschen

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 12 Aug 2012 10:10

Nässe lässt selbst Geckos rutschen
Legendäre Haftkraft geht bei Regen verloren

Wenn Geckos nasse Füße bekommen, verlieren sie ihre legendäre Haftkraft. Und das, obwohl sie sonst eine glatte Glaswände problemlos hinauflaufen können. Das haben US-amerikanische Forscher in einem Experiment herausgefunden. Das Wasser verhindere, dass die feinen Hafthärchen am Geckofuß der Oberfläche ausreichend nah kommen. Dadurch gehe die schwache Anziehungskraft verloren, denen der Gecko seine Haftkraft verdanke, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Journal of Experimental Biology". Dieser Effekt habe bedeutende Auswirkungen auf das bisher nur teilweise erforschte Verhalten und die Ökologie der in den feuchten Tropen vorkommenden Geckos. Er könne wahrscheinlich erklären, warum diese Tiere bei Regen nur selten im Freien umherlaufen.

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Bild
Der tropische Gecko (Gekko gecko)
© Stark et al. / Journal of Experimental Biology


"Wir wissen bisher nur sehr wenig darüber, wie verschiedene Umweltbedingungen die Haftkraft der Geckos beeinflussen", schreiben Alyssa Stark von der University of Akron und ihre Kollegen. Zwar sei das Haftsystem unter Laborbedingungen schon oft untersucht worden, aber in den Tropen bewege sich der Gecko nicht auf trockenen Glasscheiben, sondern über ganz unterschiedlich raue, glatte, trockene und nasse Oberflächen. Normalerweise wirkt das aus Millionen von feinen Haaren bestehende Haftsystem der Geckos wasserabweisend. Dadurch verhindert es, dass sich ein feiner Wasserfilm - beispielsweise von einem einzelnen Tropfen - zwischen die Hafthaare und die Oberfläche drängt und so den Halt vermindert. Ob dies aber auch dann noch funktioniert, wenn der Geckofuß mit mehr als nur einem Tropfen Wasser in Berührung kommt, haben die Forscher jetzt getestet.


Rutschversuche auf nassem Glas
Für ihre Studie setzten die Forscher sieben Geckos jeweils einzeln auf eine waagerechte Glasscheibe und maßen dann, wie viel Kraft nötig war, um die Tiere nach hinten wegzuziehen. Der Zug erfolgte über ein Geschirr mit Leine, das die Geckos um die Hüften trugen. Diese Messung führten die Wissenschaftler in sechs Varianten durch: Sie setzten Geckos mit trockenen Füßen auf eine trockene Glasplatte, auf eine Glasplatte mit aufgesprühten feinen Wassertropfen und auf eine komplett unter Wasser gesetzte Platte. Das gleiche wiederholten sie mit Geckos, deren Füße zuvor eineinhalb Stunden lang im Wasser gebadet worden waren.

Die Experimente zeigten, dass die Geckos ihre Haftkraft sowohl auf den nassen Oberflächen als auch durch zuvor benässte Füße einbüßten. Machten die Tiere mit trockenen Füßen die ersten drei Schritte auf einer mit feinen Tröpfchen bedeckten Glasplatte, hafteten sie noch gut. Spätestens nach dem vierten Schritt auf der nassen Oberfläche habe man die Geckos aber leicht wegziehen können, berichten die Forscher. Dazu habe eine Kraft ausgereicht, die etwa dem Eigengewicht des Geckos entsprach. Das Haftsystem verliere offenbar schnell seine wasserabweisende Wirkung und dadurch seine Haftkraft. "Das ist überraschend, denn immerhin leben viele tropische Geckos in Gegenden, in denen es oft regnet", schreiben die Forscher. Die Geckos, deren Füße von Anfang an durchnässt waren, glitten selbst auf den trockenen Scheiben sofort ab.

Nach Ansicht der Biologen sind die Geckos auch in ihrer natürlichen Umgebung vermutlich in ständiger Gefahr abzurutschen, wenn es regnet und alles nass ist. Daher könne es für die Echsen dann wichtig sein, bei Regen schnell einen vor Nässe geschützten Ort aufsuchen zu können. Ob das bei freilebenden Tieren tatsächlich der Fall sei, müsse nun untersucht werden. Die Forscher wollen nun in einem weiteren Experiment erst einmal testen, wie lange es dauert, bis die nassen Füße der Geckos trocknen und ihre volle Haftkraft zurückerlangen. (doi:10.1242/jeb.070912)

Bild
An einer mit Wassertröpfchen besprühten Glasscheibe
kann sich selbst ein Gecko nicht lange halten.
© Stark et al. / Journal of Experimental Biology


(Journal of Experimental Biology, 09.08.2012 - NPO)

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