Fehler im Meeresbiologie-Lehrbuch?

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Dr. Robert Hofrichter
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Fehler im Meeresbiologie-Lehrbuch?

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 28 Apr 2009 06:45

Pierre Tardents Lehrbuch "Meeresbiologie" enthält folgenden Satz (S. 41):

Unseres Wissens gibt es keine wirbellosen Tiere, deren Eier und Larven sich im Meerwasser entwickeln und deren Adultstadien auf dem Festland heimisch wären.

Was meint ihr: Stimmt das? Oder gibt es doch solche Tiere? :roll:
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Otocinclus
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Beitrag von Otocinclus » 28 Apr 2009 09:04

Hallo Robert

da fallen mir auf Anhieb die Brachyura Arten ein. Sie leben an Land, verbringen ihr Larvenstadium driftend im Plankton und kehren erst danach wieder an Land zurück.

Willst du darauf hinaus?
Gruß
Rainer

Nichts im Universum ist ohne Wert, denn die Natur tut nichts vergeblich (Aristoteles)

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Dr. Robert Hofrichter
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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 28 Apr 2009 11:05

Otocinclus hat geschrieben:Willst du darauf hinaus?
Bingo!!! :applaus:

Man denke nur an die Palmendiebe (Birgus latro) http://de.wikipedia.org/wiki/Palmendieb

... Die Paarungszeit der Palmendiebe ist zwischen Mai und September. Hauptpaarungszeit sind dabei die Monate Juli und August. Palmendiebe paaren sich mehrfach in dieser Zeit. Die Paarung findet an Land statt und beginnt mit einer Auseinandersetzung zwischen Männchen und Weibchen, in deren Verlauf das Männchen das Weibchen auf den Rücken dreht und sich dann mit ihr paart. Die Paarung dauert etwa 15 Minuten. Kurz darauf legt das Weibchen die befruchteten Eier, die sie an ihren Unterkörper anklebt, um sie für einige Monate mit sich herumzutragen. Kurz vor dem Schlupf der Larven sucht das Weibchen den Strand bei Hochwasser auf und lässt die Eier ins Meerwasser fallen.

Die Larven schwimmen als Plankton für 28 Tage im Meerwasser. Die größte Zahl fällt in dieser Zeit Fressfeinden zum Opfer. Die überlebenden Larven verbleiben die nächsten 28 Tage überwiegend im Meeresboden, sie nutzen in dieser Zeit leere Schneckenhäuser als Schutz. Danach verlassen sie das Meer als Lebensraum und verlieren auch ihre Fähigkeit, unter Wasser zu atmen. Wie im Abschnitt Körperbau beschrieben, nutzen heranwachsende Palmendiebe Schneckenhäuser und gegebenenfalls zerbrochene Kokosnüsse als Schutz des Unterleibs, bevor sie einen eigenen Schutzpanzer entwickeln. Nach vier bis acht Jahren ist ein Palmendieb geschlechtsreif. Für Krebstiere ist dies eine ungewöhnlich lange Entwicklungszeit ...

Bild

... oder an die Wanderung und Invasion der Weihnachtsinsel-Krabben (Gecarcoidea natalis) http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsinsel-Krabbe , http://www.christmas.net.au/parks/crabs/

... Erst nach vier bis fünf Jahren erreichen die Weihnachtsinsel-Krabben die Geschlechtsreife. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt im November alle geschlechtsreifen Krabben gleichzeitig vom Wald zur Küste wandern, um dort die befruchteten Eier dem Meer zu überlassen. Die sogenannte Krabbenwanderung ist eine Hauptattraktion der Weihnachtsinsel. Auf ihrem Weg über die Insel überwinden die Krabben größte Hindernisse und steuern zielsicher in Richtung Meer. Bis heute ist nicht geklärt, wie die Krabben sich orientieren.

:arrow: Videos
http://www.metacafe.com/watch/80129/chr ... red_crabs/
http://www.geo.de/GEO/natur/tiere/54402 ... &pageview=

Das trifft auf alle Landkrabben zu http://de.wikipedia.org/wiki/Landkrabben

... Die Begattung der Landkrabben findet an Land statt. Nur die Weibchen wandern zum Meer, um die schlüpfenden Larven abzusetzen. Diese leben einige Wochen im Meer und wandern nach ihrer Metamorphose an Land. In der ersten Zeit halten sie sich sehr versteckt nur an besonders feuchten Stellen auf, da die Kiemen sich erst anpassen müssen ...

... und genauso auch auf die Landeinsiedlerkrebse http://de.wikipedia.org/wiki/Landeinsiedlerkrebse
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Beitrag von Tich » 29 Apr 2009 14:39

Ein sehr grober Schnitzer.
Der Autor sollte ein bisschen öfter Universum schauen oder mal in der Nacht an einem Strand spazieren gehen.

Danke für die links und Infos Robert! :)

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Beitrag von fidelfisch » 05 Mai 2009 13:34

In der 3. Auflage von 2005, die ich habe ist der Fehler auch noch vorhanden. Vielleicht sollte mal jemand den Herrschaften Bescheid geben? Oder wurde das schon getan?

Achja, auf der Rückseite ist von einem Dozenten mit Namen O. Hofrichter ein Kommentar: "Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, es handelt sich um das beste einbändige deutschsprachige Werk zu diesem Thema".

@Robert: Ich hoffe Du hast nicht noch einen 2. Vornamen mit O? ;)

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Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 05 Mai 2009 14:29

fidelfisch hat geschrieben:@Robert: Ich hoffe Du hast nicht noch einen 2. Vornamen mit O? ;)
Nein! :wink: Ich habe im Taufschein vier: Robert Alois Alfred Josef ... :roll:

Prof. Tardent war übrigens ein ausgezeichneter Experte (ich habe einmal eine Lehrveranstaltung in Salzburg mit ihm besucht, dabei habe ich ein Foto eines Chironex fleckeri-Opfers gesehen ... Ich denke, dass es kein Buch ohne Fehler gibt, ich muss es ja wissen ... :) Jeder Autor macht manchmal derartige Fehler, Kurzschluss, man hat soviele Gedanken im Kopf ..., dass man etwas übersieht. Viel bessere Chancen die Fehler zu finden sollten eigentlich die Lektoren haben, denn die sollten sich voll auf ihre Aufgabe konzentrieren ... Aber auch ein Lektor ist nur ein Mensch ...
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Beitrag von Otocinclus » 05 Mai 2009 14:43

Meist reicht eine Notiz an den Verlag, und dann wird das für die nächste Ausgabe geprüft und entsprechend korrigiert.

Ich hab einige Bücher hier die schon etwas älter sind, aber deren Inhalt ist enorm überholt. Diese dienen mir dann zur Unterhaltung wenn mir langweilig ist. :)
Gruß
Rainer

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