Bedrohtes Paradies Raja Ampat: Lokale und globale Gefahren

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Bedrohtes Paradies Raja Ampat: Lokale und globale Gefahren

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 27 Mär 2011 17:27

(Beitrag in Arbeit, Ergänzung der Fotos folgt)

Presseinformation der Meeresschutzorganisation mare-mundi.eu
WEST PAPUA / INDONESIEN


Bedrohtes Paradies Raja Ampat: Lokale und globale Gefahren

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Eine Schiffs- und Landexpedition führte im Januar 2011 ein Team der Meeresschutzorganisation www.mare-mundi.eu in eines der letzten Naturparadies dieser Erde, Raja Ampat.

:arrow: Bildverweis: Die beigefügten Fotos stehen den Medien mit dem Bildnachweis „Robert Hofrichter, mare-mundi.eu“ zur freien Verfügung.

:arrow: Copyright: Der Text einschließlich der Fotos steht Medien, Umweltplattformen und Webseiten mit Nennung der Quelle als "Presseinformation von mare-mundi.eu“ zur freien Verfügung.

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Die faszinierende Unterwasserwelt von Raja Ampat zieht Taucher an.

Die westliche Hälfte der großen Insel Neuguinea gehört unter dem Namen West Papua politisch zu Indonesien. Die der äußersten Westspitze des Landes vorgelagerten Inselwelten mit hunderten kleinen Eilanden heißen Raja Ampat - Vier Könige - so benannt nach den vier größten Inseln des Archipels, Waigeo, Batanta, Salawati und Misool.

Raja Ampat ist touristisch noch lange nicht erschlossen. Einige wenige Resorts verteilen sich auf eine riesige Meeresfläche und etwa 1.500 meist kleine Inseln. Die Tourismusindustrie operiert in diesem Gebiet vor allem durch so genannte Liveaboards, Schiffe, die ein komfortables Bereisen des Archipels ermöglichen und zugleich schwimmende Tauchbasen darstellen. Die meisten Besucher der Region sind Taucher: Mehrere Expeditionen der letzten Jahre bestätigen, dass die Gewässer um Raja Ampat die vielleicht höchste marine Biodiversität auf unseren Planeten aufweisen - sowohl was die Artenzahlen betrifft als auch in Bezug auf die Vielfalt der unterschiedlichsten Lebensräume.

:arrow: Vergebliche Suche nach großen Haien
Die Unterwasserwelt von Raja Ampat hält auf den ersten Blick was sie verspricht: Sie ist überwältigend schön und kaum mit Worten beschreibbar.

Doch nach zwei Wochen der intensiven Erkundung der Korallenriffe, der Lagunen und der Mangrovensümpfe wurde offensichtlich, dass der Mensch etwas Wesentliches an dem Ökosystem geändert hat: Es fehlen die natürlichen Top-Prädatoren der Meere, die Haie. Regelmäßig beobachtet wurden nur kleinere bodenbewohnende Haie wie Wobbegongs oder Bambushaie, die für Fischer schwerer zu erbeuten sind. Die Arten des Freiwassers und die typischen Riffhaie fehlten hingegen nahezu vollständig. Unsere Recherchen ergaben: Das berüchtigte „finning“ , das Abschneiden der Haiflossen für den asiatischen Markt (oft bei lebenden Tieren) hat bereits vor vielen Jahren diese abgelegene Region erreicht und bewirkt, dass die mindestens zehn typischste Haiarten wie Weiß- und Schwarzspitzen-Riffhai oder Grauer Riffhai, die hier zu Hunderten und Tausenden zu finden sein müssten, praktisch komplett fehlen. Trotz hunderter Seemeilen, die wir im Inselreich zurückgelegt haben, konnten wir auch keinen einzigen Hochseehai erblicken.

„Die Tourismusindustrie muss einen noch viel höheren Druck auf die indonesische Regierung ausüben um Raja Ampat vor legaler und illegaler Überfischung der Haibestände zu schützen,“ ist sich der Biologe Dr. Robert Hofrichter sicher, „ein jahrelanger genereller Haischutz wäre der einzige Weg um den Beständen eine Regenerationsmöglichkeit zu geben.“ Einen Hoffnungsschimmer bietet der Erlass des Regents von Raja Ampat aus dem Jahr 2010, Bupati Drs Marcus Wanma, die 17.760 Quadratmeilen von Raja Ampat zu einem Haischutzgebiet zu erklären. Diese Proklamation war die Antwort auf die Initiative von lokalen Eco Resorts und Haischützern. Die Umsetzung solcher Beschlüsse in einem Inselreich wie Raja Ampat und einem Land, das zu den korruptesten der Welt gehört, ist jedoch sehr schwierig. Zu Beginn des Jahres 2011 war von einer Erholung der Haibestände noch nichts zu bemerken, abgesehen von einigen juvenilen Schwarzspitzen-Riffhaien im seichten Wasser mancher Lagunen.

:arrow: Plastik, Plastik, Plastik!
Der Ausgangspunkt für die meisten Schiffs-Tauchreisen durch Raja Ampat ist Sorong im äußersten Westen der Vogelkop-Halbinsel im Westen Papuas - sozusagen das Tor zum Inselreich. Die Stadt ist vor allem ein Ergebnis der umstrittenen Umsiedelungs(Transmigrasi)-Politik Indonesiens. Von der ursprünglichen papuanischen Bevölkerung und Kultur ist hier nicht viel zu erkennen; die Stadt wächst schnell, ist laut, schmutzig und weist einen enormen Straßenverkehr auf. Die Menschen sind längst auf westlich orientierten Konsum eingestellt, der Markt wird mit verschiedensten Waren überflutet, große Supermärkte entstehen. Doch ein Konzept für die Entsorgung des anfallenden Mülls, speziell des nicht organischen Abfalls, existiert nicht. Nur wenige Kilometer hinter der Stadt werden ganze Landstriche, Täler und Flüsse kilometerweit mit Müll aufgefüllt. Die geruchliche Belästigung und die hygienischen Verhältnisse sind unbeschreiblich. Selbst die Promenadenstrände von Sorong, ein beliebter Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, gleichen einer Müllhalde. Zum Teil meterhoch bedecken vor allem Plastikabfälle die Ufer.
Je näher an der Zivilisation man die Küstenregionen von Raja Ampat durchstreift, desto mehr nicht abbaubaren Abfall sieht man im Meer treiben. Ganze Müllteppiche bedecken die schönsten Meeresregionen. Selbst in den entlegensten Regionen Raja Ampats, weit von Sorong, ist jeder Strand massiv mit Plastikmüll belastet.

Nur durch Ausbau der Müllentsorgung, Recycling, Aufklärung der Bevölkerung, gezielte Kampagnen, die Einführung innovativer Verpackungsmaterialien und Druck der Tourismusindustrie auf die Regierung ließen sich allmähliche Verbesserungen herbeiführen. Spätestens seit dem Ausstrahlen des Dokumentarfilms plastic planet wissen wir, dass es sich beim Kunststoff lange nicht nur um ein ästhetisches Problem handelt. Die langfristig gesundheitsschädlichen Weichmacher aus dem Plastik entweichen in das Ökosystem, gelangen in die Nahrungsketten und letztlich auch in uns Menschen. Jeder Erdenbewohner trägt sie bereits in sich. Die Plastikabfälle zerfallen in kleinste Partikel, die anstelle des Planktons in den Meeren treiben, mit den gefährlichsten Toxinen aus dem Meer beladen werden und am Ende in die Nahrungskette eingeschleust werden. Das Problem des Plastiks im Meer gehört zu den brennendsten Problemen der Menschheit. Letztlich schädigt er den Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle des Landes. Denn welcher Tourist aus dem reichen Westen möchte viel Geld für eine Luxusreise ausgeben, um letztlich seinen Urlaub inmitten von inakzeptablen Müllbergen zu verbringen?

:arrow: Global change im letzten Winkel der Welt
Die Tourismusindustrie nutzt gern die beeindruckenden Zahlen der Biodiversitätsforschung, um den Gast auf die größte Artenvielfalt auf unserem Planeten aufmerksam zu machen. Etwa 1.400 Fisch- und über 600 Korallenarten sollen hier vorkommen. Neue Arten werden laufend entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Regionen, wie etwa großen Teilen des Indischen Ozeans (Malediven, Seychellen, Thailand), blieben die Korallenriffe Raja Ampats lange Zeit von den Auswirkungen der Klimaerwärmung mehr oder weniger unbeeinflusst. Massives Korallensterben durch das Ausbleichen der Korallen - das so genannte coral bleaching - durch langfristig zu hohe Wassertemperaturen von über 30°C, wurde aus dieser Region nicht gemeldet. Doch die Beobachtungen der mare-mundi Expedition im Jahr 2011 zeigen: Erste Anzeichen der Korallenbleiche sind nicht mehr zu übersehen. Bemerkenswert dabei ist, dass nicht nur die für den Aufbau des Riffs so wichtigen Steinkorallen davon betroffen sind, sondern zahlreiche weitere Bewohner der Unterwasserwelt wie Leder- und Weichkorallen und beispielsweise große Anemonen. Die allseits beliebten Clownfische, besser bekannt als „Nemo“ aus dem gleichnamigen Animationsfilm, verstecken sich zunehmend in nicht überlebensfähigen, schneeweißen Anemonen - ein Bild mit Symbolcharakter. Verantwortlich für dieses Ausbleichen der Riffbewohner aus der Gruppe der Nesseltiere sind einzellige Mikroalgen, die zu Millionen jeden Quadratzentimeter des Korallentiergewebes bewohnen und mit ihnen durch Austausch wichtiger Stoffwechselprodukte in einer echten Symbiose leben. Nur gemeinsam mit ihren Partnern können die Korallentiere auf Dauer gedeihen, wachsen und Riffe bauen. Doch die steigenden Wassertemperaturen der Meere als Folge des „global change“ machen ihnen zu schaffen. Wenn die Wassertemperatur längere Zeit 30°C übersteigt, funktioniert die fein ausbalancierte Symbiose nicht mehr. Die mare-mundi Expedition konnte selbst in größeren Tiefen keine Wassertemperaturen unter 30°C messen - und dieser Zustand dauert in Raja Ampat bereits seit Monaten an.

:arrow: Düstere Zukunftsperspektiven: Bietet der nachhaltige Tourismus eine Chance?
In großem Maßstab werden in Indonesien Primärwälder gerodet - darunter die letzten Lebensräume der Orang Utans auf Borneo und Sumatra. Der illegale Tierhandel in Richtung Asien gefährdet die ohnehin vom Aussterben bedrohten Arten. Im Inselreich mit fast 20.000 Inseln ist es schwer die Einhaltung der Gesetze zu kontrollieren; nach wie vor wird mit Dynamit und Cyanid gefischt. Der rasante Anstieg des Konsums führt zunehmend zu einem Müllproblem, das die regionalen Verwaltungsbehörden in keiner Weise im Griff haben. Indonesien gehört zu den korruptesten Ländern der Welt, was die Naturschutzmaßnahmen erschwert.

Dem nachhaltigen Tourismus kommt aus diesen Gründen eine wichtige Rolle zu. Besucher aus dem Westen und Betreiber der Resorts und Liveaboards mit ihrer ausgereifteren Umweltsensibilität können eine wichtige Beobachterrolle ausüben und durch Druck auf die Regierung dem Umweltschutz Rückenwind geben. Zu den hausgemachten Problemen kommen die globalen Veränderungen mit dem Klimawandel, zu dem aber Indonesien durch die massive Abholzung der Wälder einen Beitrag leistet. Nur durch rasche Verbesserungen kann Raja Ampat, dieses einmalige Juwel der Artenvielfalt, vor der ökologischen Degradierung und Verlust von Lebensvielfalt bewahrt bleiben.

Text: Dr. Robert Hofrichter und Ing. Gerald Blaich

:arrow: Informationen über die Expedition: www.mare-mundi.eu Organisation für Meeresschutz.
:arrow: Informationen zum Thema Haischutz: www.sharkproject.org

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Möglicherweise hat Raja Ampat von allen Meeresregionen die höchste Biodiversität überhaupt: mehr als 600 Arten Steinkorallen und vielleicht 1.400 Arten von Fischen. Laufend werden neue Arten beschrieben.

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Die AMIRA. Das neue Schiff war schwimmender Stützpunkt der Expedition von mare-mundi.
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: Bedrohtes Paradies Raja Ampat: Lokale und globale Gefahren

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 28 Mär 2011 10:53

Fotos noch in Arbeit

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